Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.09.2025 - Musik

"Essex Honey", das neue Album von Devonté Hynes a.ka. Blood Orange, "ist ein ebenso eigentümliches wie beeindruckendes Pop-Requiem", staunt Ueli Bernays in der NZZ. Der Künstler verarbeitet darauf den Tod seiner Mutter und für Bernays ist er nichts weniger als "ein Doktor Faust der Pop-Musik. (...) Seine Songs laufen all jenen Mustern und Regeln zuwider, die für Pop gelten - und die sich auch die KI aneignen kann. Gerade so aber demonstriert Devonté Hynes, wie unwichtig eigentlich die sogenannte Intelligenz in der Musik ist. Ihr ordnendes Eingreifen bleibt künstlerisch jedenfalls hinter der Dynamik von Gefühlen zurück. Denn wenn es um Leben und Tod geht wie in "Essex Honey", dominiert in der Musik das Drama der Emotion."



Der Sound auf diesem Album "ist karg und zerklüftet wie nie zuvor", schreibt Stefan Michalzik in der FR. Auf "Angel's Pulse", dem Vorgänger, "hatte Blood Orange ausufernd aus dem Vollen geschöpft, in Verwirbelung von Indiepop, R 'n' B und HipHop, Gospel und Soul bis zu Dancehall-Reggae. Entgegengesetzt zu diesem Maximalismus wirken etliche der Nummern auf 'Essex Honey' skizzenhaft. Immer wieder wechselt der Charakter der Texturen innerhalb eines Songs. 'The Last of England' beginnt mit einem fieldrecordingartigen Dialogsample, präsentiert sich dann als schwermütig schleppende Klavierballade, am Ende treffen elegische Celloklänge auf Drum'n'Bass-Beats."

Weiteres: Christian Wildhagen verabschiedet sich in der NZZ von Michael Haefliger, dessen Intendanz beim Lucerne Festival nach 26 Jahren endet. Maxi Broecking schlendert für die taz mit einer Soundcollage von Patti Smith und dem Soundwalk Collective auf den Ohren durch Berlin-Mitte und lauscht dem Brechen von Eis. Detlef Diederichsen (taz) und Ueli Bernays (NZZ) schreiben Nachrufe auf den brasilianischen Jazzmusiker Hermeto Pascoal.

Besprochen werden ein Konzert der Münchner Philharmoniker unter Lahav Shani in Frankfurt (FR), Suedes "Antidepressants" ("ein Album des Jahres", freut sich Ronald Pohl im Standard), ein Konzert von Drake (Welt), Graeme Lawsons musikarchäologische Studie "Soundtracks. Auf den Spuren unserer musikalischen Vergangenheit" (FAZ) und neue Musikveröffentlichungen, darunter "Rwanda with Strings" von The Good Ones, einer Folkband aus Ruanda, die laut Standard-Kritiker Karl Fluch "zwar oft über schreckliche Themen singen, das allerdings in einer Anmut und Wärme, die infiziert".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.09.2025 - Musik

"Desaströs" findet Paul Ingendaay (FAZ) das Interview, das Jan Briers als Leiter des Flanders Festival in Gent zur Ausladung von Lahav Shani der belgischen Tageszeitung De Standaard gegeben hat. Mehr oder weniger unverblümt setzt dieser dort ein Ultimatum: Man habe den 18. September noch frei im Terminkalender, Shani habe bis heute Zeit für eine Erklärung, in der er "den Völkermord durch Israel unmissverständlich verurteilt", dann könne das Konzert "unserer Meinung nach" doch noch stattfinden. "'Unserer Meinung nach', das ist eine erstaunliche Formulierung, so weltfremd wie die gesamte Aussage. Offenbar hat das Festival immer noch nicht begriffen, dass es mit der kulturpolizeilichen Gesinnungsprüfung des künftigen Chefdirigenten der Münchener Philharmoniker einen Affront begangen hat. Offenbar nimmt es an, es habe nur an der Säumigkeit oder Begriffsstutzigkeit des Orchesterleiters gelegen, dass die geforderte Erklärung noch nicht vorliegt. Offenbar glaubt es außerdem, mit einer zweiten Aufforderung sei die Sache aus der Welt geschafft. Wörtlich: 'Er (Shani) ist einer der weltweit führenden Dirigenten. Er ist so stark, dass er sich meiner Meinung nach durchaus äußern kann.'" Fernerhin berichtet Ingendaay, dass mittlerweile bekannt wurde, dass Briers eingeräumt habe, nicht nur dem Druck der flämischen Kulturministerin, sondern auch propalästinensischen Gruppierungen nachgegeben zu haben.

Heute Abend spielen die Münchner Philharmoniker mit Lahav Shani ein spontan eingerichtetes Ausweichkonzert beim Musikfest Berlin. Dlf Kultur überträgt live.

Sara Klatt erinnert auf Zeit Online an die Geschichte des Israel Philharmonic Orchestra, das Shani aktuell leitet, was ihm seitens des Flanders Festival zum Vorwurf gemacht wird. 1936, weit vor der Gründung Israels, wurde es ins Leben gerufen, um von den Nazis verfolgten Juden eine Zuflucht zu bieten. "Ich denke an einen kulturellen Schutzraum für jüdische Musiker aus aller Welt. Und an die hoffnungsvollen Bilder des israelischen Fotojournalisten und Dokumentars Rudi Weissenstein, der das Israel Philharmonic Orchestra in den Dreißiger- und Vierzigerjahren fotografierte, mit seinen vollen Konzertsälen und seinem begeisterten Publikum. Es gibt wenig, das dem Schrecken dieser Jahre im Schatten des Holocausts in Europa etwas Vergleichbares entgegensetzen kann, wie diese Bilder. Das Orchester steht für den Willen zum Weitermachen."

Alice von Lenthe porträtiert für die taz die iranische Sängerin Faravaz, die an dem feministischen Protest gegen das Mullah-Regime in ihrer Heimat weiterhin festhält. "Sie singt davon, einen Mullah dominieren zu wollen, kritisiert Femizide, bezeichnet sich als Feindin Gottes. In ihren Musikvideos trägt sie viel Make-up und wenig Kleidung. ... 'Es hat sich einiges geändert, seit ich Iran verlassen habe', sagt Faravaz. 'Viele Frauen tragen kein Kopftuch mehr, obwohl sie immer noch dafür verhaftet werden können.' Zwar sei das Regime nicht liberaler geworden, aber die Frauen dafür mutiger. Dennoch hat die Musikerin Faravaz am dauerhaften Erfolg der Bewegung ihre Zweifel: Es habe auch an Unterstützung aus dem Ausland gefehlt. 'Die Medien berichteten, Politikerinnen schnitten sich die Haare ab. Aber was haben sie wirklich erreicht?'"



Außerdem: Klaus Walter spricht für die FR mit der Kulturjournalistin Rebecca Spilker, die mit "Mega" gerade eine Sammlung ihrer Popkulturtexte der letzten Jahre veröffentlicht hat. Ziemlich überraschend findet es Dirk Peitz auf Zeit Online, dass auf dem Petersplatz in Rom ein Popkonzert stattgefunden hat: "Hat sich der Vatikan damit der amerikanischen Unterhaltungslogik unterworfen, und wenn ja, mit welchem Ziel?" Eleonore Büning berichtet in der NZZ vom Musikfestival im kleinen polnischen Dörfchen Krzyżowa. Jan Brachmann resümiert in der FAZ die letzten Tage des Lucerne Festivals. Michael Pilz hat für die Welt das neue David-Bowie-Archiv im V&A Storehouse in London besucht. Backstage Classical dokumentiert die Rede, die Jagoda Marinic zur Eröffnung des Brucknerfests 2025 gehalten hat. Besprochen wird außerdem ein Heimspiel der Düsseldorfer Toten Hosen (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.09.2025 - Musik

Die deutsche Botschaft in Belgien hat die Zusammenarbeit mit dem Flandern Festival in Gent eingestellt, für die Münchner Philharmoniker und ihren Dirigenten Lahav Shani wurde spontan ein solidarisches Ausweichkonzert beim Musikfest Berlin organisiert. "Die Empörung über die Ausladung des israelischen Stardirigenten Lahav Shani und der Münchner Philharmoniker durch das belgische Flandern-Musikfestival nimmt kein Ende", schreibt dazu Sonja Zekri erstaunlich genervt in der SZ. Erstaunlich ist auch ihre Einschätzung, dass "das Flandern-Festival nur die letzte einer Reihe internationaler Kulturinstitutionen ist, die in die unerbittlichen Mühlen hochpolitischer Diskurse geraten sind" - als ob das Festival keine aktive Rolle in diesem Skandal spielen würde. Protest gegen Palästinaflaggen auf Opernbühnen, die Debatte um Netrebko oder die Ausladung Omri Böhms in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald und jetzt eben Lahav Shani: Für Zekri offenbar alles irgendwie eins. In Deutschland "werden Kulturschaffende gerade wegen ihrer kritischen Haltung zu Israel ausgeladen. Anders als die deutschen Reaktionen zum Fall Lahav Shani nahelegen, sind darunter viele jüdische Intellektuelle und Künstler."

SZ-Kritiker Reinhard J. Brembeck würdigt Shani als meisterlichen "Romantiker" am Dirigentenpult und verortet ihn in der Tradition Daniel Barenboims. Dieser "ist ihm aber nicht nur als Musiker ein Vorbild, sondern auch als Mahner zu Versöhnung und Frieden. Allerdings, so schrieb er in der SZ: 'Wenn ich meiner Regierung Vorschläge machen oder sie kritisieren möchte, werde ich das in Israel tun und nicht in Deutschland.' Genau das genügt den Genter Festival-Machern nicht. Zumal Belgien Palästina als Staat anerkennen will und Caroline Gennez, die Kulturministerin der Region Flamen, dazu aufgerufen hat, nicht mit Partnern zu arbeiten, die sich nicht klar von der israelischen Regierung distanzieren. Das Genter Festival ist diesem Wunsch nachgekommen, die Außenwirkung verheerend."

Das wird im übrigen auch in Belgien selbst so wahrgenommen: FAZ-Korrespondent Thomas Gutschker sammelt Reaktionen belgischer Politiker zu Shanis Ausladung: "Binnen weniger Stunden meldete sich die gesamte politische Elite des Landes zu Wort - vom Ministerpräsidenten über den Außenminister bis hin zum Regierungschef von Flandern. Mit einhelligem Tenor: Die Entscheidung ist unüberlegt und falsch, sie schadet dem Land.  Am weitesten ging Georges-Louis Bouchez, der Vorsitzende der wallonischen Liberalen und zweitwichtigste Politiker des Landes. Er forderte noch am Donnerstagabend den Rücktritt der flämischen Kulturministerin Caroline Gennez."

Weiteres: Die Rundfunkanstalten immer mehr Länder drohen mit einer Nicht-Teilnahme am nächsten Eurovision Song Contest, sollte Israel daran teilnehmen, berichtet Peter-Philipp Schmitt in der FAZ. Das eher subkulturell als breitenwirksame österreichische Metalfestival Kaltenbach Open Air bietet auch Bands vom politisch rechten Rand eine Bühne, berichtet Peter Pichler im Standard. In der FAZ gratuliert Gerald Felber dem Pianisten Andreas Staier zum 70. Geburtstag. Fürs Zeit Magazin spricht Antonia Baum mit dem Musiker Blood Orange. Jürgen Osterhammel erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an den Musikwissenschaftler Alfred Einstein, der vor den Nazis in die USA fliehen musste.

Besprochen werden die Aufführung einer Helmut-Lachenmann-Komposition beim Musikfest Berlin (Freitag), ein Pärt-Konzert des RIAS-Kammerchors beim Musikfest Berlin (FAZ), Irène Schweizers Album "Irènes Hot Four" (FR), das neue Album von Ed Sheeran (Standard, Zeit Online, SZ) und Ghostface Killahs neues Album "Supreme Clientele 2", bei dem man laut tazler Henrik von Holtum spüren kann, wie HipHop die Welt rettet".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.09.2025 - Musik

Dass das Flandern Festival in Gent dem israelischen Dirigenten Lahav Shani mit einer grotesk lavierenden Begründung die Türe vor der Nase zugeschlagen hat (unser erstes Resümee), sorgt für Entrüstung und Fassungslosigkeit. In der Welt ist Manuel Brug "fassungslos über so viel Dummheit. Da wird die Haltung eines Künstlers gelobt, im nächsten Moment wird er aber wegen seiner Nationalität gecancelt." Kurz: eine "moralische Bankrotterklärung". Thomas E. Schmidt kann auf Zeit Online nur staunen, mit welcher Selbstgewissheit die Veranstalter und die belgische Kulturpolitik auftreten. "Die Belgier boykottieren einen jüdischen Künstler, einfach weil er in ihren Augen Zionist und Vertreter des Judenstaats ist." Dabei gewinnt man "den Eindruck, Minister, Rat und Sektor seien fest entschlossen, Kritik an ihrer Maßnahme gelassen in Kauf zu nehmen. Offensichtlich herrscht Einmütigkeit, und alle haben nach dieser Entscheidung ein gutes Gewissen."

Für Jürgen Kaube in der FAZ ist der Vorgang ein lupenreines Beispiel für "israelbezogenen Antisemitismus". Was sich auch darin zeigt, dass Shani trotz aller Belege, kein Freund der Netanyahu-Regierung und auch kein Säbelrassler zu sein, dennoch Gegenwind entgegen schlägt. "Um die Distanzierung vom Krieg in Gaza als solche geht es dabei gar nicht", denn kein anderer Dirigent müsse sich solche Vorbehalte und Auflagen gefallen lassen. "Es wäre ja auch grotesk, (...) jemanden auszuladen, der nichts Verwerfliches getan hat, nur weil er sich angeblich nicht ausreichend vom Verwerflichen distanziert hat. Die Genter antisemitischen Kulturfunktionäre scheuen diese Groteske nur in einem Fall nicht, in dem des israelischen Dirigenten. Jude aus Israel, ergo bis auf Widerruf genozidaler Gesinnung, lautet die Unterstellung."

Michael Hesse nimmt in der FR die Ausladung Shanis zum Anlass, um mal vorzurechnen, welchen israelkritischen Stimmen zuletzt Gegenwind entgegenblies und vergleicht ihn mit dem russischen Dirigenten Valerie Gergiew, der 2022 wegen seiner Nibelungentreue zu Putin den Posten bei den Münchnern räumen musste. "Gergiev allerdings hatte sich wiederholt zur Propaganda-Marionette des russischen Präsidenten machen lassen, ließ sich von diesem mit Ämtern in Russland und Orden überhäufen", hält Egbert Tholl in der SZ zu diesem Vergleich entgegen. Er findet es auch historisch ziemlich uninformiert, dass Lahav Shani seine Rolle als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra zum Vorwurf gemacht wird, um damit zu insinuieren, dass es mit dessen versöhnlichen Äußerungen zum Nahostkonflikt wohl doch nicht allzu weit her sein könne. Dabei handelt es sich um "ein Orchester, das älter als der Staat Israel ist, 1936 von Musikern gegründet wurde, die vor der Judenverfolgung durch die Nazis nach Palästina geflohen waren. Es ist kein Staatsorchester." "Gleich in mehrfacher Hinsicht irritierend" findet NZZ-Kritiker Christian Wildhagen die vom Festival vorgeschobene Begründung. Der taz reicht offenbar die achselzuckende Erfüllung der Chronistenpflicht, sie belässt es mit einer knappen Darstellung von Wortmeldungen durch Merle Zils.

Außer der Pianist Igor Levit nimmt im "Tagesthemen"-Interview zu diesem Punkt Stellung: "Menschen, die solche Vergleiche anstellen, möchte ich Folgendens sagen: Waleri Gergijew ist ein Künstler, der seit Jahren offen, aus Überzeugung ein Unterstützer, ein Kollaborateur, ein Profiteur der Machenschaften des russischen, imperialistischen Diktators ist. Diesen Mann zu vergleichen mit Lahav Shani - einem Dirigenten, der mit seinem deutschen Orchester nur in diese Situation geraten ist, weil er ein israelischer Jude ist - das ist in meinen Augen ein intellektueller Offenbarungseid."

Dazu passend: Nach Slowenien kündigt nun auch Irland an, den nächsten ESC zu boykottieren, sollte Israel daran teilnehmen, melden die Agenturen. Im Tagesspiegel-Kommentar ist Lion Grote auch aufgrund des gewandelten Israel-Bilds in der Öffentlichkeit der Ansicht, dass es "zwingend notwendig" sei, "dass die EBU die Frage nach der Teilnahme Israels neu bewertet, ohne sich auf technische Begründungen zurückzuziehen. Ein ESC ohne israelische Künstler ist schwer vorstellbar, ja. Ein ESC ohne Irland, Spanien oder Belgien, die ebenfalls mit dem Boykott-Gedanken spielen, aber auch."

Weiteres: Lars Fleischmann besucht für die taz das in Wien ansässige Indielabel Siluh Records. Emma Schmidt spricht in der FAZ mit der Rapperin Nina Chuba. Besprochen werden das Konzert des Ensemble Les Cris de Paris beim Musikfest Berlin (taz), der Auftakt des Herbstgold-Festivals in Eisenstadt (Standard), Jehnny Beths Album "You Heartbreaker, You" (FR) und das neue Album "Polygon Reflections" der Künstlerin Galya Bisengalieva, die laut tazlerin Katja Kollmann "Klangmeere entwickelt, die durch alle Hautschichten ins Körperinnere dringen und auf sinnliche Art elementar verunsichern".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.09.2025 - Musik

Das Flanders Festival im belgischen Gent hat die Münchner Philharmoniker und deren designierten Chefdirigenten Lahav Shani ausgeladen, angeblich weil sich Shani als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra nicht eindeutig genug zum Nahostkrieg positioniere. "Was für ein Fehler", ruft Axel Brüggemann im Kommentar auf Backstage Classical, "ausgerechnet Lahav Shani", der sich diesbezüglich immer wieder geäußert habe. Ausschlaggebend dürfte wohl eher gewesen sein, dass die Veranstalter sich vor einem Mob vermeintlicher Aktivisten fürchten, der das Festival stören könnte: "Sie canceln einen jüdischen Künstler, weil sie seine Sicherheit und die des Publikums nicht gewährleisten können. Das ist eine Bankrotterklärung vor dem Terror. (...) Die Argumentation ist um so absurder, da das Festival explizit darauf hinweist, dass Lahav Shani sich mehrfach für Frieden und Versöhnung ausgesprochen habe. Es gibt also keinen Grund für eine Ausladung. Sie ist grober Antisemitismus!"

Der tollste Club Europas - steht in Wuppertal, heißt Open Ground und ist noch keine zwei Jahre alt. Und ja, "der Hype ist berechtigt", schwärmt Jens Balzer in der Zeit, nachdem er sich von den Qualitäten vor Ort beim Set der von ihm überaus geschätzten britischen DJ Josey Rebelle überzeugen konnte. Vor allem dieser wunderbare Sound! Rebelles "Set wird von magnetischen Bässen getragen, von metallenen Rhythmen und itze-itze darüber hinwegflitzenden Hi-Hats, man hört, dass die Wurzeln ihrer Musik im Jungle und Drum 'n' Bass liegen, doch zugleich eilt Josey Rebelle in ihrem Set in rasendem Tempo durch alle möglichen Stile hindurch. (...) So plastisch, transparent, klar ist der Klang in diesem Club, der eigentlich ein Bunker ist, dass man unendlich viele Details auf einmal zu hören vermag, und noch die tiefsten Bässe sind so scharfkantig modelliert, dass kein anderer Klang von ihnen verschmiert oder verkleistert wird, weder in den Mitten - ach, die schwierigen Mitten! - noch sonst wo zwischen 20 Hertz und 20 Kilohertz."

Weitere Artikel: Auf VAN erzählt Volker Hagedorn, wie er über die Beschäftigung mit Rachmaninow auf den Jazzpianisten Art Tatum und dessen "This Can't Be Love" gestoßen ist: "Etwas derartig Virtuoses, Freies, Witziges, dazu noch Ironisches hatte ich noch nie gehört, auch in der Harmonik und der irregulären Rhythmik." In der Zeit empfiehlt die Schrifftstellerin Eva Menasse einen Ausflug nach Wien, wo im Jubiläumsjahr jede Woche eine Johann-Strauss-Premiere lockt. Martin Fischer porträtiert im Tages-Anzeiger den Schweizer Popstar Manon von Katseye. Hartmut Welscher zeigt sich in VAN irritiert, wie still und heimlich François-Xavier Roth nach einem MeToo-Skandal in der Klassikwelt nun doch wieder rehabilitiert wird. Regine Müller (NZZ), Max Nyfeller (FAZ) und Michael Stallknecht (SZ) gratulieren Arvo Pärt zum Neunzigsten. Christine Lemke-Matwey porträtiert für die Zeit den Tenor Jonas Kaufmann. Auf VAN erinnert sich Alan Gilbert, der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, an den eben verstorbenen Christoph von Dohnányi, dessen Assistent er in den Neunzigern zwei Jahre lang gewesen ist (weitere Nachrufe hier). Jolinde Hüchtker fragt sich in der Zeit, ob Fuffifufzich eventuell doch einfach nur Schlager macht. Könnte gut sein, ja:



Besprochen werden das neue Solo-Album von David Byrne (NZZ, mehr dazu bereits hier) und ein Auftritt von Ayliva in Frankfurt (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.09.2025 - Musik

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"Das sensationelle Ding da auf der Lidowiese in Luzern ... könnte aus einer Liaison einer Aubergine mit einem Donut hervorgegangen sein", schreibt Egbert Tholl in der SZ und meint damit keine düsteren Experimente aus der Welt der Genforschung, sondern die Ark Nova, eine von Arata Isozaki und Anish Kapoor gestaltete, aufblasbare Konzerthalle, mit der das Lucerne Festival gerade für einen Hingucker sorgt. Drinnen "ist alles offen und frei, eine prächtige Kuppel, rhythmisiert durch die Nähte der Außenhaut und spektakulär aufgeladen durch den Rhombus." Und der Klang? "Tutet der Dampfer am Anlegesteg vor der Wiese, tutet es auch im Inneren der Arche", was jedoch "überhaupt nicht stört." Allerdings hat die Konzertblase "einen leichten Tinnitus", da ständig Luft nachgeblasen werden muss. Doch "wie oft bei einem Tinnitus vergisst man ihn bald. Denkt nicht mehr ans Rauschen, das ohnehin schwer zu orten ist. Und bekommt das Geschenk einer subtilen, intimen Akustik, in der etwa ein Stück für Harfe solo (Henriette Renié mit 'Pièce symphonique en trois épisodes') zum raumfüllenden Erlebnis wird." Weitere Hintergründe liefert Christian Wildhagen in der NZZ.

Wolfgang Schreiber erinnert in der SZ an den italienischen Komponisten Luciano Berio, dem das Musikfest Berlin aktuell einen Schwerpunkt gewidmet hat. "1968 schuf er seine mehrsätzige, formal und emotional bizarre 'Sinfonia', die den Schritt von der experimentellen Moderne in die Postmoderne wagt. ... Dieses Konglomerat von Avantgarde und Klängen der Vergangenheit erscheint bis heute so attraktiv wie umstritten." Doch dem Komponisten ging es um mehr als bloß um einen "postmodernen Knalleffekt: Im dritten Satz verarbeitete er das Zitat des fast kompletten Scherzos aus Gustav Mahlers zweiter Symphonie, schuf damit eine Klangperformance als Collage, in der je vier Frauen- und Männerstimmen scheinbar wild in die Orchesterpassagen hineinflüstern, literarische Texte kunstvoll zerreden oder politische Einwürfe plärren - furios und ironisch als eine Beschwörung in Panik. Hörer damals reagierten teils befremdet, heute herrscht Staunen, Bewunderung."

Hier ist die Komposition in einer Aufname des NDR-Sinfonieorchesters von 2000 zu hören:



Außerdem: Nadine Lange liest für den Tagesspiegel eine umfassende Studie über die deutsche Musikfestival-Landschaft. Christoph Irrgeher stimmt im Standard auf das Festival Herbstgold in Eisenstadt ein. Peter Blaha erinnert in der FAZ an Hans Swarowsky, bei dem zahlreiche namhafte Dirigenten wie Claudio Abbado, Ádám und Iván Fischer, Mariss Jansons und Zubin Mehta studiert haben. Karl Fluch porträtiert für den Standard den japanischen Musiker Fujii Kaze, dessen "Pop so prächtig und perfekt klingt, als entdeckte man gerade einen Star aus den 1980ern oder 1990ern, bei dem man sich wundert, wie man ihn bisher hat übersehen können".



Besprochen werden Helge Schneiders aktuell in der ARD-Mediathek abrufbares Selbstporträt "The Klimperclown" (Presse, mehr dazu bereits hier) und Flurs Jazz-Album "Plunge" ("Man kann sich völlig verlieren, wegdriften und meditativ entspannen", schreibt tazlerin Anna Gruber, "oder aufmerksam zuhören und den feinen Detailreichtum dieser feingliedrigen Musik entdecken").

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.09.2025 - Musik

Die Musikkritik trauert um den Dirigenten Christoph von Dohnányi. "Seine Interpretationen beeindrucken durch ihr hohes Maß an Kultiviertheit, Wohlproportioniertheit und innerer Balance", schreibt Julia Spinola in der NZZ. "Alles exzessive Ausdruckswühlen ist ihnen fremd. Aus Dohnányis Deutungen stehen nicht allerorten jene Nägel und Spitzen heraus, die manchem schon als vordergründiger Beleg genügen für einen zeitgemäss 'entschlackten' Zugriff auf vermeintlich letzte musikalische Wahrheiten. Sein Interpretationsideal war vielmehr getragen von nüchtern-analytischer Leidenschaft, von einem Geist bruchlos gelingender Sublimiertheit."



Diese Qualitäten hebt Reinhard J. Brembeck in der SZ anhand einer 1978 entstandenen Mendelssohn-Aufnahme der Wiener Philharmoniker hervor: "Dohnányis Nüchternheit bedeutet Modernität, nichts ist sentimental, altmodisch, fremd. So könnte das Stück ohne Befremden zu erwecken noch heute musiziert werden. Die Details sind klar zu hören, ohne sich vorzudrängen, Streicher, Holz- und Blechbläser sind klar zu unterscheiden, fügen sich aber bei aller Andersartigkeit zu stimmiger Einheit. Die Metiersicherheit, die Genauigkeit, die Demut vor der Partitur verblüffen. Da gibt es aber noch etwas anderes, genauso Wichtiges bei diesem Dirigenten. Der warme Klang, die nie auf sterile Brillanz zielende Eleganz, das lässige Vorantreiben künden von einem Musiker, dem die Romantik zutiefst vertraut war, weil sie einst Avantgarde und nicht Gefühlsduselei war. Und Avantgarde war Dohnányi immer ein Anliegen." Weitere Nachrufe schreiben Judith von Sternburg (FR) und Manuel Brug (Welt).

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Sebastian Leber spricht im Tagesspiegel mit der Politologin Maria Kanitz über Antisemitismus im Pop, worüber sie gerade mit "Lauter Hass" auch ein Buch veröffentlicht hat. Den BDS brauche es fürs Anheizen der Stimmung eigentlich gar nicht mehr, lautet ihr Befund: "Die Boykottaufrufe, Drohungen und antisemitischen Ressentiments kommen heute aus ganz unterschiedlichen Milieus. Was BDS vor zwei Jahrzehnten begonnen hat, trägt sich seit dem 7. Oktober quasi von allein weiter." Seitdem "geben sich viele Künstler (...) als Sprachrohr für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten aus. Bei einigen wird man leider den Eindruck nicht los, es gehe ihnen nicht darum, auf das Leid im Gazastreifen aufmerksam zu machen, sondern um performativen Widerstand. (...)  Dort findet eine Aneignung des Leids statt, um sich auf der richtigen Seite der Geschichte zu wähnen und damit obendrein Geld zu verdienen. Es geht um die Pose. Auffällig ist dabei das Credo 'Palestine will set us free'. Da wird die Palästinafrage zur Menschheitsfrage erhoben. Der dahinterstehende Gedanke richtet sich indirekt nicht nur gegen Israel, sondern gegen Juden weltweit. Mit Frieden, Menschenrechten oder Humanismus hat das wenig zu tun."

Weitere Artikel: NZZ-Kritiker Christian Wildhagen nutzt die Gelegenheit, beim Lucerne Festival internationale Orchester miteinander abzugleichen. Sven Beckstette stimmt in der taz auf die Abschiedstour des Ethio-Jazz-Pioniers Mulatu Astatke ein. Peter Kemper berichtet in der FAZ von seinem Besuch im Musikarchiv Lippmann + Rau in Eisenach, wo mit der Sammlung Benny Goodman ein "Jazznachlass von internationaler Strahlkraft" lagert. Jens Balzer (Zeit Online), Andreas Platthaus (FAZ) und Andrian Kreye (SZ) schreiben Nachrufe auf Supertramp-Sänger Rick Davies. Koochi Ariana gratuliert im Standard dem Label Fettkakao zum zwanzigjährigen Bestehen.

Besprochen werden ein Konzert der US-Band Cave-In in Hamburg (taz), Addison Raes Auftritt in Berlin (Zeit Online), ein Heino-Konzert in Berlin (SZ), das Album "Planetentochter" des Norbert Stein Pata Trios (FR) und neue Veröffentlichungen anspruchsvoller Musik, darunter das Album "Unbemanntes Raumschiff" des Trios Purple is the Color ("ein Beweis, dass Virtuosität und Originalität kein Widerspruch sein müssen", schreibt Ljubiša Tošić im Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2025 - Musik

FAZ-Kritiker Gerald Felber resümiert die Konzerte, die er beim Musikfest Berlin hörte, darunter ein Berlioz/Beethoven-Abend mit dem Orchester Les Siècles unter Ustina Dubitsky, der ihm zuweilen doch zu kulinarisch ausfiel. "Einem Teil der Hörer freilich verschlug solch tendenziell filmmusikalisch und Tiktok-geprägtes Musikdenken keineswegs die Laune. ... Wenn freilich selbst nach dem 'Gang zum Richtplatz' Zwischenbeifall losbricht, nimmt diese Art moderner Konzert-Kommunikation leicht makabre Züge an. Was indessen hervorragend funktionierte und auch skeptische Hörer aufzukratzen vermochte, war die Demonstration der enormen Klangfantasie und des Farbenreichtums der Partitur, die mit dem historischen Instrumentarium eine ganz andere Durchschlagskraft gewinnen. Als beim Hexensabbat die alten Holzblasinstrumente grelltönig miauten und ferkelig quiekten, Ophikleiden rautönig aus der Tiefe röhrten und wüste Schlagwerkbatterien den Fieberpuls hochtrieben, gab es kein Halten mehr: kollektive Ekstase."

Mit Genuss hört sich FAZ-Kritiker Jan Brachmann durch das von Alexander Melnikovs auf Rachmaninows Flügel eingespielte Album "Visiting Rachmaninoff" mit der Sopranistin Julia Lezhneva. Der Pianist erweckt Rachmaninows Instrument "neu zum Leben. Er benutzt das rechte wie das linke Pedal, um Halbschatten auf die Töne zu legen, sie schimmern zu lassen, und verzichtet manchmal aufs Pedal für eine tollkühne Leichtigkeit. Statt Tiefe und Ergriffenheit zu demonstrieren und Gewicht zu zelebrieren, entsteht unter Melnikovs Händen all dies durch Beiläufigkeit. Er entwickelt einen Interpretationsstil, der das Flüchtige als das Existenzielle begreift. Wesentliches geschieht in einem Wimpernschlag. Erfasst ist dadurch die Tragik von Rachmaninows Musik selbst: Sie reflektiert, dass nicht einmal in der ästhetischen Kontemplation unsere Endlichkeit aufgehoben wird."



Weitere Artikel: Helmut Mauró resümiert in der SZ den Busoni-Wettbewerb in Bozen, wo sich im Sieg von Yifan Wu aber auch in der hohen Zahl chinesischer Teilnehmer mal wieder zeigte, welche Rolle China in der Klassik mittlerweile spielt. Karl Fluch berichtet im Standard von seiner Reise nach Belfast, wo er sich in der lokalen Musikszene umgesehen hat. Roland Berens erinnert in der FAZ als Zeitzeuge an den ersten Auftritt der Rolling Stones in Deutschland vor 60 Jahren. Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Dirigenten Christoph von Dohnányi. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Thomas Combrink über Bob Marleys "Redemption Song":



Besprochen werden das Beethoven- und Brahms-Konzert des Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Daniel Harding mit Igor Levit als Solisten beim Rheingau Musik Festival (FAZ), das Konzert des Orchestre des Champs-Élysées beim Musikfest Berlin (Tsp), Audrey Hoberts Debütalbum "Who's the Clown" ("Umarme das Peinliche an dir", nimmt tazlerin Johanna Sethe als Lektion aus diesem Album mit), ein Konzert der Sächsischen Staatskapelle im Rahmen des Rheingau Musik Festivals (FR), der dritte und abschließende Band von Ricky Riccardis Biografie über Louis Armstrong (online nachgereicht von der FAZ), ein neues Album der Deftones, deren Musik zwar jährlich älter klingt, während ihr Publikum aber immer jünger wird (Zeit Online), Lea Desandres und Thomas Dunfords Album "Songs of Passion" mit Liedern von John Dowland und Henry Purcell (FAZ) sowie das postume Album "Broken Homes and Gardens" des vor zwei Monaten verstorbenen Folkmusikers Michael Hurley ("Wenn die letzten Töne des Albums verklungen sind", fragt sich Ulrich Rüdenauer in der FAZ, "wie nun ohne Michael Hurley alles auszuhalten sein soll".)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.09.2025 - Musik

Für die WamS hat Elmar Krekeler den Dirigenten Herbert Blomstedt in Schweden besucht. Ans Aufhören denkt Blomstedt mit seinen 98 Jahren noch lange nicht, sondern dirigiert weiterhin in der ganzen Welt und plant seinen hundertsten Geburtstag in zwei Jahren. Sein Ziel: 120 werden. "In diesem Sommer, sagt er, seien es gar nicht so viele Konzerte wie sonst. Also habe er Zeit zum Studieren. Er sei langsam im Lernen. Sei er immer schon gewesen. Und ein Präzisionist. Er wolle immer vorbereitet sein. Sibelius' fünfte Sinfonie hat er sich für diesen Sommer vorgenommen. Sie hat er lange nicht mehr gemacht. 'Ein kompliziertes Ding.' Er liest die Partitur. Singt sie im Kopf. Sucht nach Details, die er noch nie gefunden hat. Singt sie vor. Dieses Fagottsolo zum Beispiel. Herbert Blomstedt singt gern. Und er macht sich Gedanken, was er in zwei Jahren dirigieren soll. Mendelssohns Lobgesang-Sinfonie vielleicht."

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Außerdem: Jens Uthoff plaudert in der taz mit Kreator-Frontmann Mille Petrozza, der gerade seine Memoiren veröffentlicht hat und über dessen Band gerade eine Doku im Kino läuft (unser Resümee). Ana Popescu resümiert in der FAZ das George Enescu International Festival in Rumänien, in dessen Rahmen das Orchester des Westdeutschen Rundfunks mit Cristian Măcelaru eine kleine Tournee durchs Land bewältigte. Wolfgang Fuhrmann resümiert für die FAZ das Festival Laus Polyphoniae. Andrian Kreye porträtiert in der SZ den Trompeter Till Brönner, der auf seinem neuen Album "Italia" leichte italienische Musik in Modern Jazz überführt.

Besprochen werden David Byrnes neues Album "Who Is the Sky?" (Standard, mehr dazu bereits hier) und ein Konzert von Philippe Jaroussky in Wiesbaden (FR).
Stichwörter: Blomstedt, Herbert

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2025 - Musik

Die Feuilletons stürzen sich auf "Who Is The Sky?", das neue Soloalbum von Talking-Heads-Frontmann David Byrne. Tatsächlich hat man beim Hören "das Gefühl, dass ein paar Geister aus dem Frühwerk herumschwirren", schreibt Tobi Müller auf Zeit Online. Zu erleben ist "eine Konstante im 50-jährigen Werk des Popkünstlers, die auf seinem neuen Album so klar zutage tritt wie schon lange nicht mehr: 'Who Is The Sky' eignet sich alles Mögliche an, wenn das wörtlich heißt: sich zu eigen machen, etwas Neues schaffen. Und der neurotisch flatternde, gepresste Klang von Byrnes Stimme, die manchmal mit der religiösen Ekstase flirtet wie jeder ernsthafte Entertainer und die Byrne als Teil des Spiels begreift, diese unverwechselbare Stimme kehrt auf diesem Album zurück." Hat der gute Mann denn nicht bemerkt, dass es in der Welt derzeit nicht zum Besten steht, fragt sich derweil Hilka Dirks in der taz. "Die ostentativ vorgetragene gute Laune nervt." Für die SZ hat sich Martin Wittman mit Byrne unterhalten.



Weiteres: Tilman Spreckelsen gratuliert in der FAZ Al Stewart zum 80. Geburtstag. Besprochen werden ein von Klaus Mäkelä dirigiertes Konzert des Concertgebouw Orchestra in Wien (Standard), Big Thiefs neues Album "Double Infinity" (Tsp), Sabrina Carpenters Album "Man's Best Friend" (FR) und Mechatoks Debütalbum "Wide Awake" (taz).
Stichwörter: Byrne, David