Torsten Groß, Mille Petrozza

Your Heaven, My Hell

Wie Heavy Metal mich gerettet hat
Cover: Your Heaven, My Hell
Ullstein Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783864932793
Gebunden, 336 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Ruhrgebiet, in den Siebzigerjahren: Mille Petrozza wächst als Sohn einer Malocherfamilie im Essener Stadtteil Altenessen auf. Die Mutter DDR-Geflüchtete, der Vater Gastarbeiter aus Kalabrien, er arbeitet unter Tage. Im multikulturellen Schmelztiegel des Potts treffen die Subkulturen der damaligen Zeit auf strukturellen Wandel: Zechensterben, Gewalt, Alkoholismus, Pattexschnüffeln. Heavy Metal kracht da einfach so rein: Nach einem Kiss-Konzert wird Mille Teil einer international vernetzten Graswurzelbewegung. Durch Heavy Metal emanzipiert er sich von den saufenden Jugendgangs. Die erste Gitarre verleiht ihm Superkräfte: Mit seiner Band Kreator wird Mille ungeplant zum internationalen Thrash-Metal-Star. In seiner Autobiografie erzählt Mille Petrozza zum ersten Mal die unglaubliche Geschichte seiner frühen Jahre, wie seine Mutter den ersten Plattenvertrag unterzeichnete und danach aus einer Heavy-Metal-Clique im Ruhrpott eine der international bedeutendsten und langlebigsten Thrash-Metal-Bands überhaupt wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2025

Rezensent Nicolas Freund trifft Mille Petrozza von Kreator und spricht mit ihm über seine Autobiografie, die der Frontmann der Band zusammen mit dem Journalisten Torsten Groß verfasst hat. Zu lesen ist laut Freund, wie aus der Teen-Tristesse in Essen der Trash Metal aus dem Ruhrpott geboren wurde, die wilden Jahre also, Partys, Aufbruch, Erfolg. Guter Lesestoff, stellt Freund fest, der auch lernt, was es mit Metal auf sich hat: Es handelt sich nicht etwa um den Aufruf zur Gewalt, sondern um "positive Aggression" und natürlich um ein Mittel gegen die Spießigkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.08.2025

Rezensent Daniel Stähr fühlt sich wohl in diesem Buch. Geschrieben hat es, mit Unterstützung des Journalisten Torsten Groß, Mille Petrozza, Sänger und Gitarrist der Metal-Band Kreator. Besonders toll findet Stähr die Passagen, die sich der Jugend Petrozzas im Ruhrgebiet widmen, in seinem Elternhaus sprachen der italienische Vater und die deutsche Mutter nicht einmal eine gemeinsame Sprache, der junge Mille erlebte in der Familie zwar viel Liebe, aber auch Gewalt, in seinem sozialen Umfeld ging es ebenfalls ausgesprochen rau zu. Lakonisch und teils humorig schreibt Petrozza Stähr zufolge über diverse Schicksalsschläge, stilistisch ist das nicht immer rund, aber das macht in einem Buch wie diesem nicht viel - nur gelegentlich, etwa in manchen Dialogszenen, wird es doch unfreiwillig komisch. Auch die Ausführungen des Autors über die Musikkultur der 1980er, zum Beispiel die internationale Tape-Trading-Szene, findet Stähr faszinierend. Eher generisch wird es laut Rezensent, wenn sich Petrozza dem Aufstieg seiner Band Kreator widmet, allzu viel Interessantes erfährt man nicht über die Bandgeschichte vor allem ab den 1990er Jahren. Schön findet Stähr jedenfalls, wie sich die Entwicklung des Thrash-Metal-Genres, dem Kreator zugerechnet werden, in Petrozzas eigenem Coming of Age spiegelt, auch die klare politische Haltung des Autoren, der immer wieder Stellung gegen Rechtsextremismus bezogen hat, imponiert ihm. Insgesamt also kein perfektes, aber ein grundsympathisches Buch, so das Fazit.