In der NZZ ist Marco Frei sehr froh, dass Sebastian Nordmann, designierter Leiter des Lucerne Festivals, auch am spätherbstlichen "Forward"-Festival für zeitgenössische Musik festhalten will, das gerade zum letzten Mal unter der Leitung von Michael Haefliger stattfand. "Kein anderes Festival dieser Größe und dieser internationalen Ausstrahlung bietet einen derart geschützten, selbstbestimmten Raum", in dem nicht immer alles gleich gelingen muss, so Frei. "Manches darf auch verstören oder irritieren, belustigen oder verärgern - wie etwa bei 'Hirn & Ei'. So lautet der Titel eines Werks von Carola Bauckholt für Schlagquartett, das die diesjährigen 'Forward'-Konzerte einläutete. Die einstige Schülerin von Mauricio Kagel zählt zu den führenden Stimmen für musiktheatralische Klangperformance, und in 'Hirn & Ei' werden selbst Regenjacken Teil der performativen Aktion. Glücklich, wer Humor besitzt - in diesem Sinn hat das Werk sinnstiftend in den Eröffnungsabend eingestimmt. Über das skurril-virtuose Tuba-Solo 'Ruinen' von Georges Aperghis ging es schließlich bis zur Uraufführung von 'other spaces' für Ensemble von Neo Hülcker. Das neue Werk machte aus der Luzerner Theater-Box eine Art Kleintierzoo, in dem gefaucht und geschnurrt, gequietscht und gekratzt wurde."
Weitere Artikel: Lotte Thaler berichtet in der FAZ über die Herbstfestspiele "La Grande Gare" in Baden-Baden. In der FRschreibt Harry Nutt zum Tod des Reggae-Musikers Jimmy Cliff, in der NZZ Jean-Martin Büttner, in der FAZ Edo Reents. In der tazmöchte Benjamin Moldenhauer Musiker wie Konstantin Wecker und Til Lindemann, die mit sehr jungen Mädchen geschlafen haben, nicht dämonisieren: Dies verstelle "den Blick auf das leider Sturznormale, das Gängige des ganzen Falls".
Besprochen werden eine Palestrina-Konzertreihe mit den Tallis Scholars unter Peter Phillips in Berlin ("Drei Abende hintereinander Palestrina zu hören, lässt ahnen, was den Polyphonie-Kritikern wirklich sauer aufstieß", bekennt Katharina Granzin in der taz. "Diese Musik hatte sich so weit verselbständigt, dass sie die Sprache nurmehr als Klangmaterial benutzte und sich ansonsten selbst genug war. Palestrina schrieb unter anderem 104 ganze Messen, 104-mal auf denselben Text. Das musste ja irgendwann zur absoluten Musik werden. Aber kann die noch gottgefällig sein?"), ein Konzert von Roxette in Frankfurt (FR), ein Sibelius-Konzert des Helsinki Philharmonic Orchestra unter Jukka-Pekka Saraste in Frankfurt (FR) und das neue Album von Kreisky, die "wieder Richtung gepflegter Argwohn abgebogen" sind, wie Jannik Eder im Standard schreibt. Wir hören rein:
Valeriia Semeniuk stellt im Tagesspiegel den ukrainischen Chor "Homin" aus Lwiw vor. Nachdem dieser mit einem kurzen TikTok-Clip viral ging, tourt er nun durch ganz Europa und wird auch in Berlin auftreten: "Im Mittelpunkt des Programms stehen ukrainische Schlagermelodien des 20. Jahrhunderts - einige fast vergessen, andere Evergreens, die vor dem Krieg auf keinem Fest fehlten. Viele kennen diese Lieder auswendig. In den neuen Arrangements klingen sie überraschend frisch: hier ein Hauch Jazz, dort ein verschobener Rhythmus. Es bleibt Retro - aber ohne eine Spur Staub. Auch wenn auf der Bühne ein Teppich mit traditionellem ukrainischen Muster liegt, der als eine Art Talisman mitreist und scherzhaft als 25. Mitglied des Ensembles bezeichnet wird." Ein "weiteres Feld sind die Partes-Konzerte des 17. Jahrhunderts, ein einzigartiges ukrainisches Genre des vielstimmigen liturgischen Gesangs."
Weitere Artikel: Frank Keyl besucht für die taz das "Heintje"- Archiv des Künstlers Dieter Glasmacher. Ueli Bernays war für die NZZ beim Jazzfestival "Unerhört" in Zürich. In der FR ist Stefan Michalzik begeistert von einem Auftritt des Jazz-Musikers Jakob Manz im Mozartsaal in Frankfurt.
Im Interview mit der Welt spricht der Filmkomponist James Newton Howard über seine Arbeit. Howard hat ein beeindruckendes Oeuvre vorzuweisen. Er schrieb etwa die Filmmusiken zu Garry Marshalls "Pretty Woman", Peter Jacksons "King Kong", die "Tribute von Panem", Terrence Malicks "The Hidden Life" und die Titelmusik zu "Emergency Room". Filmmusik komponieren ist vor allem Handwerk, lernt Interviewer Elmar Krekeler: "'Als Filmkomponist muss man - erste Regel - vor allem zuhören können', sagt er. Das verkürzt die Arbeit, weil die Vision des Regisseurs die entscheidende ist, ungemein. Dann setzt er sich hin. Improvisiert. Findet Melodien. ... Dann entsteht der Film, und der Moment kommt, für den ein klassisch ausgebildeter Komponist - der James Newton Howard wahrscheinlich zu seinem Glück gar nicht ist - besonders stark sein muss. 'Es geht', sagt er, 'bei Filmmusik weniger ums Schreiben als ums Umschreiben.' Das Intro zu 'Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind' hat er 43-mal umgeschrieben."
Weiteres: Joachim Hentschel trifft für die SZ in Paris Amanda Lear und plaudert mit ihr über dies und das und ihr neues Album. Manuel Brug begleitet für die WeltSimon Rattle auf einer Konzerttour durch England mit dem Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: Im Eurostar plaudert der Dirigent dann über seine Erinnerungen und seine Beziehung zu England. In der FAZ gratuliert ein bewundernder Robin Passon der Pianistin Elisabeth Leonskaja zum Achtzigsten, ohne dabei zu verschweigen, dass sie heute für russische Soldaten spielt. Besprochen wird der neue Song "Dünya garip" von Haftbefehl (Welt).
Thomas Wochnik (Tsp) erinnert sich in der Ausstellung "Elegantly Wasted" im Urban Spree wehmütig an eine Clubkultur vor Corona und vor dem 7. Oktober, der die Gesellschaft wohl "unwiederbringlich" gespalten habe, wie Kurator Max Dax ihm gegenüber äußert. So unbeschwert wie auf den Fotos, die Ben de Biel zwischen 2006 und 2019 im Ritter Butzke geschossen hat, wird es vermutlich nicht mehr, glaubt auch Wochnik: "Vieles von dem, was die Kamera festhielt, hat man längst wieder vergessen. Wer erinnert sich nach einer langen Clubnacht schon speziell an die Garderoben-Boys - und auch das ist einer der Gründe, aus denen sich das Fotografieren in Clubs grundsätzlich verbietet - in einer durch und durch auf den ausgelassenen, ungezwungenen Glücksmoment und seine unbedingte, von allen Konsequenzen freie Flüchtigkeit zugeschnittenen Welt."
In der SZ ist Joachim Hentschel mit Blick auf den Fall Konstantin Wecker gar nicht ganz so überrascht, ist in den Songs deutscher Liedermacher doch rückblickend eines augenfällig: "Wie oft die Frauenrollen in diesen Liedern nicht von Frauen, sondern von Mädchen gespielt werden - von Minderjährigen. Über Udo Lindenbergs 'Ob du 14 oder 40 bist, ist dann alles total egal' über '17 Jahr, blondes Haar', das Udo Jürgens mit 30 zum ersten Mal sang und später immer wieder. Wie manche Protagonisten im links-alternativen Lager zu der Zeit über Sexualität mit minderjährigen Menschen dachten, auch darüber gibt es bis heute eine nicht zufriedenstellend abgeschlossene Debatte." In der Welt fragt sich auch Hannah Bethke, wann die Linke beginnt, strukturellen Machtmissbrauch und Gewalt in den eigenen Reihen aufzuklären.
Weitere Artikel: Für die FR spricht Arne Löffel mit der Singer-Songwriterin Tuva Hellum Marschhäuser alias Tuvaband, deren neues Album "Seven Ways Of Floating" gerade erschienen ist. Für die tazporträtiert Yelizaveta Landenberger die russische Popsängerin Monetochka, die seit 2022 im litauischen Exil lebt, sich gegen den Krieg und für ukrainische Geflüchtete einsetzt und nun für drei Konzerte nach Deutschland kommt. Jonathan Fischer reist für die Welt nach Lagos, um den Erfolg von Afrobeats zu ergründen. In der NZZ freut sich Corina Kolbe, dass die russische Cellistin Anastasia Kobekina, die 2022 allein aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit von der Kartause Ittingen ausgeladen wurde, nun beim Lucerne Festival debütiert.
Die SZ erscheint heute mit einer großen Exklusiv-Reportage, in der Konstantin Wecker die Beziehung mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Wecker ließ über seinen Anwalt eine Entschuldigung ausrichten. In der Zeit berichtet Christina Reitz von den Zweifeln, ob Johann Sebastian Bach tatsächlich der Komponist der beiden neu aufgetauchten Stücke ist. So sei etwa der Bach-Schüler Salomon Günther John, der als Kopist der beiden Partituren gilt, zum Zeitpunkt der Niederschrift höchstens zehn bis zwölf Jahre alt gewesen. Die Zeit erscheint heute außerdem mit einer kleinen Musik-Beilage, die ein Interview mit dem Gitarristen Jeff Parker über das neue Tortoise-Album und ein Porträt der britischen Organistin Anna Lapwood enthält.
Besprochen werden das neue Sudan Archives-Album "The BPM" (FR) und ein Konzert des Quartetts von Charles Lloyd beim Enjoy-Jazz-Festival in der Christuskirche von Mannheim (FAZ).
Zwei neu aufgetauchte - oder zumindest erst jetzt dem Komponisten gesichert zugeschriebene - frühe Kompositionen Johann Sebastian Bachs werden weiterhin eifrig kommentiert, unter anderem von Manuel Brug in der Welt, von Michael Stallknecht in der NZZ und von Regine Müller in van. Im Tagesspiegel winkt Frederik Hanssen hingegen ab. Für ihn sind die "zwei jetzt aufgetauchten Frühwerke nichts als Staubkörner der Musikgeschichte, Fingerübungen eines Minderjährigen. Geschrieben für ein Instrument, das einst als 'Königin' galt, aber im öffentlichen Musikleben längst ein Schattendasein fristet, gerade in einer gottlosen Metropole wie Berlin. Hand aufs Herz: Wann waren Sie zuletzt in der Kirche bei einem Orgelkonzert? Und wann haben Sie in irgendeinem journalistischen Organ - diese Zeitung eingeschlossen - eine Kritik gelesen oder gehört über so eine Veranstaltung? Na also."
Gerald Felber scheint anderer Ansicht zu sein und rekonstruiert in der FAZ die "akribische Entschlüsselungsarbeit", die zur Aufnahme der beiden Stücke ins Bachwerkeverzeichnis führte: "Dass die beiden schwungvollen Stücke nach 1700 im mitteldeutschen Umkreis Bachs entstanden waren, ließ sich aus kalligraphischen Eigenheiten und den Wasserzeichen des benutzten Papiers ableiten; dass ihr Schreiber an anderen Stellen Kopien nach verbürgten Bach-Werken hinterlassen hatte, verdichtete, ebenso wie das Vorliegen bestimmter stilistischer Eigenheiten, die sich damals außer bei Johann Sebastian bei keinem anderen Komponisten finden, die Vermutung, dass auch die Originale der beiden in Brüssel überlieferten Stücke Kompositionen Bachs sein könnten." Ein weiteres wichtiges Puzzlestück lieferte dann die Gesprächsabschrift eines ehemaligen Bach-Schülers, in dem die Werke Erwähnung finden.
Hören Sie selbst (ab 15:20):
Weiteres: In der Welt widmet sich Manuel Brug Leben und Werk der verstorbenen Kessler-Zwillinge: "Sie waren das schöne Deutschland". In der FAZ gedenkt Wiebke Hüster der Kesslers. Mehr zum Freitod der Kesslers im heutigen 9punkt. Klangmaschinen, auf denen legendäre Kraftwerk-Songs entstanden, werden in den USA versteigert, berichtet Josef Engels in der Welt. SZler Harald Eggebrecht würdigt die koreanische Star-Violinistin Hyeyoon Park anlässlich des Erscheinens ihres ersten Konzert-Albums. Daniel Gerhardt besucht für Zeit Online ein Marilyn-Manson-Konzert in Berlin - und ist ziemlich entgeistert ob der offensichtlichen Lustlosigkeit auf und vor der Bühne. Helene Slancar liest für den Standard ein Buch des Musikers Parov Stelar über seine Karriere und das wilde Musik-Biz. Max Dax spricht in der FR mit Stefan Hantel alias Shantel über dessen aktuelles Völkerverständigung-durch-Musik-Projekt "Mentsh United". Die Berliner Zeitung begleitet weiterhin, warum auch immer, Till Lindemanns Solotour und beschäftigt sich heute mit einem nichtssagenden Instagram-Kommentar seines Tour-Drummers Joe Letz. Journalismus am Limit.
Die Kessler-Zwillinge sind gestorben. Die beiden gehörten zu den wenigen internationalen Stars, die Deutschland in der Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Alice und Ellen Kessler, geboren 1936 in Nerchau (Grimma), nach dem Zweiten Weltkrieg DDR, machten eine Tanzausbildung und zogen mit 18 Jahren nach Paris, wo die beiden blonden, langbeinigen, bildschönen jungen Frauen am Lido eine rauschende Karriere machten. "Von 1954 bis 1960 tanzten sie im Lido, später im Olympia, und natürlich war man auch im Wirtschaftswunderdeutschland auf den doppelten Exportschlager aufmerksam geworden", schreibt Arno Frank im Spiegel. "Die Kesslers drehten bald einen Film nach dem anderen, in Deutschland, Frankreich und Italien, durchweg Massenware à la 'Solang' es hübsche Mädchen gibt'." Sie tanzten "auf Bühnen von New York bis Las Vegas, von London bis Hongkong, von Buenos Aires bis Sydney. In der populären 'Ed Sullivan Show' waren sie 14-mal zu Gast und liefen dort Leuten wie Frank Sinatra, Harry Belafonte, Dean Martin oder Bing Crosby über den Weg. Unterdessen schrieben sie in Deutschland mal eben Fernsehgeschichte ('Klimbim', 'Dalli Dalli'), zeigten - eine Premiere für das Land - im italienischen Fernsehen ('Studio Uno') erstmals Bein." Die beiden haben nie geheiratet und nahmen offenbar gemeinsam "begleitete Sterbehilfe" in Anspruch, erzählt Elke Heidenreich, die auf Zeit online einen kurzen Nachruf schreibt. In der tazschreibt Jan Feddersen.
Hier singen sie 1968 ein kleines Gebet bei Ed Sullivan:
In der SZ berichtet Max Florian Kühlem von dem dreitägigen, internationalen "Ideenfestival zur Zukunft der Klassik", das die Kulturstiftung des Bundes veranstaltet hat. Klassik ist schwierig, weiß Kühlem, das "merkt man genau hier, an dieser Stelle: Bespricht das Feuilleton eine Opernpremiere im Münchner Raum nicht, hagelt es umgehend Protestbriefe. Gleichzeitig gehören solche Besprechungen zu den am wenigsten gelesenen Texten. Es ist also eine kleine, aber stabile Gruppe, die Klassik liebt und verteidigt - Teil der bildungsbürgerlichen Mittelschicht."
Weitere Artikel: Der Musiker Parov Stelar spricht im Interview mit dem Standard über sein Buch "Trip", das vom Leben als Künstler erzählt und die Abgründe der Musikindustrie nachzeichnet. In der SZ berichtet ein enthusiastischer Helmut Mauró über die Entdeckung zweier Orgelstücke von Johann Sebastian Bach durch den Musikwissenschaftler Peter Wollny: "Der erste Eindruck: Knapp konzentrierte, hochambitionierte kontrapunktische Figuralkunst, die zu einem 17-jährigen Hochbegabten passt. Eines ist klar: Bach hat nicht allzu klein angefangen." Auf Zeit onlineberichtet dazu Christina Rietz. In der FRschreibt Harry Nutt zum Tod des Countrymusikers Todd Snider.
Besprochen werden ein Konzert mit Beethoven, Schönberg und Schubert in der Alten Oper Frankfurt (FR) und ein Konzert der schwedischen Metalband Sabaton in der Uber Arena in Berlin ("Die Musik von Sabaton kann man sich grundsätzlich als symphonisch angedickten Metal mit pseudogregorianisch gegurgelten Chor-Einlagen vorstellen. Daneben fanden sich beim Berliner Konzert viele Stücke, die an den in Deutschland derzeit äußerst populären Shanty-Rock von Santiano erinnerten, mit gleichermaßen geschunkelt wie gestampft wirkenden Rhythmen und Männerchorgesängen; man bekam sofort Lust, dazu ein paar Taue zu straffen oder sich um eine Ankerwinde zu drehen", resümiert ein animierter Jens Balzer bei Zeit online).
Die Feuilletons beschäftigen sich heute mit dem Rapper Haftbefehl: Sonja Zekri erläutert in der SZ, warum Haftbefehls Texte gerade "nicht Ausdruck mangelnder Sprachfähigkeit" sondern, "im Gegenteil, eine hochartifizielle Kunstsprache" sind - auf den Unterrichtsplan müssen sie aber trotzdem nicht gleich, findet sie. Alexander Menden und Joachim Hentschel waren ebenfalls für die SZ bei einem Haftbefehl-Konzert in Osnabrück. In der NZZ denkt Daniel Haas über die Gemeinsamkeiten zwischen Rap und Schlager nach. Besprochen wird das Album "Soiz" der österreichischen Künstlerin Anna Buchegger (taz).
Annekathrin Kohout nähert sich in der taz dem K-Pop-Hype an, der längst nicht mehr nur ein Nischenphänomen ist. Die koreanische Popindustrie setzte bereits früh auf Fanaktivierung via Onlineplattformen: "Wie Hollywood nicht ohne das Kino möglich geworden wäre, wäre K-Pop nicht ohne Social Media denkbar. Früh baute die koreanische Unterhaltungsindustrie ein Ökosystem, das auf digitale Interaktion ausgerichtet war. Plattformen wie Lysn ermöglichten direkte Idol-Fan-Kommunikation, Weverse schuf eigene Räume für Fandoms. Videos werden nicht nur geschaut - sie werden zigfach angesehen, geliked, geteilt, geremixt, in Fan Fiction fortgeschrieben oder in Reaction-Videos analysiert und interpretiert."
Hier ein Musikvideo, das dank des Films "K-Pop Demon Hunters" Furore macht:
Rap und Schlager: Das passt besser zusammen als man auf den ersten Blick meint, schreibt Daniel Haas in der NZZ mit Blick auf den von Haftbefehl ausgelösten Reinhard-Mey-Hype. Gemeinsam ist beiden Genres einerseits die Ironieferne, andererseits der habituelle Abstand zum Bildungsbürgertum: "Im Schulterschluss von Rap und Schlager verschränkt sich also ein Herkunfts- mit einem Klassenphänomen. Spätaussiedlerkinder und prekarisierte Migranten können sich, anders als abgesicherte Bildungsbürger, die Dekadenz der Ironie nicht leisten. Sie müssen und wollen Geld verdienen. Ihr Begehren zielt aufs reale, nichts aufs symbolische Kapital. Para, Massari. Nicht Buchmesse, ZDF. Die Kollaborationen von Rappern und Schlagersängern bilden so gesehen eine Querfront des Realismus. Gemeinsam ergeben sie den Klang unserer Gegenwart."
Weitere Artikel: Judith von Sternburg besucht für die FR ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt. Gegeben werden Werke von Brahms und Bruckner und die Rezensentin ist ziemlich begeistert. Ralf Niemczyk stellt in der FAS vier Fragen an die Musikerin Alli Neumann. Julian Weber bespricht in der taz eine unter anderem dem Sänger und Schauspieler Paul Robeson gewidmete Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste. Der Tagesspiegel blickt auf das Programm des Rejazz-Festivals, das in der Berliner Kunstfabrik Schlot stattfindet. VANberichtet weiter über einen Streit, der in der Musikverlagszene schwelt - es geht um abwertende Äußerungen Nick Pfefferkorns, Leiter des Verlags Breitkopf & Härtel über gewisse Tendenzen in der Neuen Musik. Stefan Hochgesand schaut sich in der BlZ Gitarrentipps an, die Dani Sophia, ehemalige Begleitmusikerin Till Lindemanns, ins Netz stellt. Die Welt bringt ein von Xavi Sancho geführtes, ursprünglich in El País erschienenes Interview mit der Sängerin Rosalía. Gunda Bartels berichtet im Tagesspiegel über ein Konzert der Violinistin Agam Berger, die sich 482 Tage lang in den Händen der Hamas befand und nun die Berliner jüdischen Kulturtage in der Synagoge Rykestraße eröffnet (siehe auch das heutige 9punkt).
Besprochen wird ein Abend mit dem Schlagzeuger Alexej Gerassimez und dem Jazzpianist Omer Klein im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt (FR).
Schock in der Zürcher Tonhalle! "Gerade spielt das Tonhalle-Orchester unter seinem Musikdirektor Paavo Järvi eine besonders sehnsuchtsvolle, himmelstürmende Passage im Finale der sogenannten 'Auferstehungssinfonie', da bricht draußen im Foyer ein Tumult los. Unter lautem Stampfen und mit ordinärem 'Tschingbum!' marschiert eine offenkundig schwer angeheiterte Truppe vor den Türen auf und stört die andächtige Konzentration im Saal." Das gehört zu Mahlers Zweiter, versichert in der NZZ Christian Wildhagen, immer noch ganz hingerissen von dem Konzert. "Die Stelle ist der gewagteste Moment in diesem ohnehin kühnen Werk: Nie zuvor sind das Profane und das Erhabene in der Musik so unvermittelt aufeinandergeprallt; ... Es ist gerade der Mut zur drastischen Zuspitzung solcher Schlüsselmomente, der die Qualität von Järvis Interpretation ausmacht. Aus langjähriger Erfahrung weiß Järvi, wie sehr Mahler in der Zweiten die Traditionen der Sinfonie aufbricht, indem er sie um theatralische und oratorienhafte Elemente erweitert."
Weitere Artikel: Sylvia Prahl erzählt in der taz, wie die Compilation "Emmi Aid" entstand, mit der der Musikjournalist und -manager Martin Hossbach die Initiative zur Rettung des Emmauswalds in Berlin-Neukölln unterstützen wollte. Ebenfalls in der tazporträtiert Merle Zils die Chemnitzer Musikerin Gwen Dolyn.
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