Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2025 - Musik

Für den Freitag wirft Ji-Hun Kim einen Blick auf den aktuellen Aktivismus gegen Spotify. Im Reflektor-Podcast spricht Tocotronic-Bassist Jan Müller mit Mille Petrozza von Kreator. In der NZZ gratuliert Bertram Job der Westfalenhalle Dortmund zum hundertjährigen Bestehen. Bernhard Heckler spricht in der SZ mit Howard Carpendale, der eben seine Autobiografie veröffentlicht hat. Besprochen werden ein von Omer Meir Wellber dirigiertes Konzert der Wiener Symphoniker mit Vadym Kholodenko (Standard), die Netflix-Dokuserie über den Prozess gegen den Rapper Sean Combs (NZZ), ein von Jordi Savall dirigiertes Konzert der Berliner Philharmoniker (FAZ, Tsp), die ab 12. Dezember laufende ARD-Serie "Mozart/Mozart" (WamS) und Lordes neues Album "Virgin" ("ein kathartisches Popalbum", schreibt Dagmar Leischow in der taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2025 - Musik

Die Generalversammlung der European Broadcasting Union hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Israel am nächsten Eurovision Song Contest teilnehmen darf. Spanien, Irland, Slowenien und die Niederlande haben daraufhin erklärt, die Veranstaltung zu boykottieren - auch die Rundfunkanstalten weiterer Länder könnten sich dazu noch entschließen. "Der Eurovision Song Contest ist am Ende", kommentiert Jens Balzer auf Zeit Online: "Im Grunde ist der ESC seit fast 70 Jahren die einzige paneuropäische Kulturinstitution. Und diese Institution ist nun zerstört durch die Logik des Boykotts, wie sie sich insbesondere gegen Israel und israelische Künstlerinnen und Künstler seit einigen Jahren in kulturellen Institutionen und Szenen ausgebreitet hat - unter der Fahne der Moral und des politischen Aktivismus und wie sie noch niemals zu etwas anderem geführt hat als zu eben Zerstörung. Der Eurovision Song Contest ist am Ende, die Verfechter der Boykottidee haben gewonnen, aber was damit politisch gewonnen sein soll, bleibt ihr Geheimnis." Alles halb so wild, meint offenbar Nadine Lange vom Tagesspiegel: "Selbst wenn wie in den Anfangsjahren nicht mal ein Dutzend Nationen dabei sind, wird die Show weitergehen."

Außerdem: Stephanie Grimm resümiert in der taz das britische hcmf-Festival für zeitgenössische Musik. Edo Reents (FAZ) und Jakob Biazza (SZ) schreiben Nachrufe auf den Gitarristen, Songschreiber und Produzenten Steve Cropper, der den Stax-Sound maßgeblich geprägt hat. Auch diesen Klassiker - in dessen Lyrics er mit "Play it, Steve" auch namentlich erwähnt wird, hat er entscheidend mitgewirkt: 



Besprochen werden ein Konzert von Laibach in Bosnien (taz), Howard Carpendales Autobiografie (NZZ), die Netflix-Dokuserie über den Prozess gegen Sean Combs, die ausgerechnet von dessen Konkurrenten 50 Cent produziert wurde (Standard) und das neue Album von Kraftklub (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2025 - Musik

Die European Broadcasting Company tagt heute und morgen über die Teilnahme Israels beim 70. Eurovision Song Contest im nächsten Jahr. Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits im November getroffen werden, wurde dann aber wegen des Waffenstillstands in Gaza zunächst verschoben. An den Positionen hat sich derweil wenig geändert, schreibt Ueli Bernays in der NZZ: "Spanien bleibt bei seiner Drohung. José Pablo López, der Chef des öffentlichrechtlichen Senders RTVE, bekräftigte vergangene Woche die Absicht, den ESC im Falle einer Teilnahme Israels zu boykottieren. ... Spaniens Einfluss auf den ESC ist insofern besonders bedeutend, als die spanische Rundfunkstation (...) zu den 'Big Five' gehört, die die Finanzierung des Gesangswettbewerbs garantieren." Ebenso wie "Deutschland, das seinerseits gedroht hat, sich bei einem Ausschluss Israels zurückzuziehen. So stehen sich zwei ESC-Hauptakteure frontal gegenüber. ... Sollten die Rundfunkgesellschaften im Streit auseinandergehen, hätte dies eine der größten Krisen der EBU zur Folge."

Michael Pilz (Welt) sieht die seit längerem geführte Kontroverse um Israel und den ESC auch im Kontext mit dem Flirt der insbesondere britischen Popkultur mit BDS-Positionen: "Durch die aggressive Rundfunkpolitik von EBU-Staaten wie Spanien werden solche Haltungen verstaatlicht. Sie erledigen den ESC." Dieser "war eine utopische Versammlung und Veranstaltung. Das Unpolitische war nur die Aura. Das Politische war offen, für Identitäres, Patriotisches und Parodistisches. Da wurde paramilitärisch scharf mit Feuerwerk geschossen, um Kriege zu bannen. Da saß eine Deutsche im Konfirmationskleid mit einer weißen Gitarre und wünschte der Welt ein bisschen Frieden. In der Regel waren alle da und sich im Wesentlichen einig. So war er, der Eurovision Song Contest oder Grand Eurovision de la Chanson. Er wurde 69 Jahre alt."

Weiteres: Adrian Schräder porträtiert in der NZZ The Alchemist, der eben als Hiphop-Produzent des Jahres ausgezeichnet wurde und bei dem sich nur die Allergrößten des Genres den Sound polieren und anreichern lassen: "Seine Musik wirkt wie ein Sediment aus Jahrzehnten, wie ein Archiv, das mit der Geduld eines Archäologen geöffnet wird." Marie Gundlach und Berit Kruse spüren in der SZ dem Algorithmus auf den Zahn, der jedes Jahr zum Jahresende die auf Social Media herumgereichten Spotify-Wrapped-Statistiken erstellt. In der FAZ gratuliert Jan Wiele der Jazzsängerin Cassandra Wilson zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden das von Paavo Järvi dirigierte Debütkonzert des Tonhalle-Orchesters im Festspielhaus Baden-Baden ("ein Ritterschlag", schreibt Christian Wildhagen in der NZZ), eine von 50 Cent produzierte Netflix-Doku über den Fall Sean "Diddy" Combs (Zeit Online, Welt, SZ), ein Konzert des Ensemble Modern in Frankfurt (FR), ein Konzert von Víkingur Ólafsson in Wien (Standard), ein Konzert des London Philharmonic in Frankfurt (FR), ein Konzert der Hives in Frankfurt (FR) und eine Ausstellung mit neuerworbenen Mozartbriefen im Mozarteum in Salzburg (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2025 - Musik

Derya Türkmen stellt in der taz Manifest vor, eine türkische Girl-Band, die sich musikalisch und modisch am K-Pop-Hype orientiert. Die sechs jungen Frauen kopieren den Stil der ostasiatischen Vorbilder jedoch nicht nur, sondern übersetzen ihn "ins Türkische: weniger Idolkult, mehr Alltagsnähe, weniger Coolness, mehr Selbstbehauptung. Ihre Musik - t-Pop, wie sie das nennen - verbindet die polierten Beats des K-Pop mit türkischen Popmustern, mischt R'n'B, Dance und elektronische Einflüsse. Für ihre Fans - vor allem junge Frauen - klingt das nach Aufbruch und Freiheit in einem Land voller Repressionen. Für die Kulturhüter des Landes nach Grenzüberschreitung. Denn hinter den Pastelltönen und Tanzschritten steckt mehr als Show: eine Generation, die sich auf der Bühne so zeigt, wie sie im Alltag oft nicht darf." Gar nicht gut an kommt das bei der türkischen Obrigkeit. Die Staatsanwaltschaft Istanbul wirft der Band bereits "unanständige Bewegungen" vor.

Wir hören natürlich rein:



Der Rapper Chino Amobi legt, lesen wir bei Standard-ler Christian Schachinger, mit seinem neuen Album "Eroica II: Christian Nihilism" einen "schweren Brocken" vor. Das ziemlich rätselhafte Werk ist unter anderem von "grimmigen Schriften der russischen Orthodoxie" inspiriert: "Gleich im Opener 'The Triumph of the Cross' hören wir verfremdete und durch die akustische Kälte einer ungeheizten Kirche dringende sakrale Chormusik. Die passt in folgenden Stücken wie 'Hand of God' zu einer Mischung aus Rap mit Grabesstimme und Quietschenenten-Gesang aus den Pop-Charts. In der beharrlich im Zeitlupentakt Richtung Kifferparanoia pochenden 'Space City' oder in '777' erinnert Amobi an Massive Attack oder an den düsteren, technoiden Berliner Dub von Basic Channel oder Rhythm & Sound."

Auch das wollen wir uns nicht entgehen lassen:


Sean Comby aka P Diddy
wehrt sich gegen eine neue Netflix-Doku, gibt der Standard durch. Michael Maier trifft sich für die Berliner Zeitung mit dem Dirigenten Jordi Savall, der bei den Berliner Philharmonikern debütiert. Besprochen wird "Resurrection", ein Album, das Hans Lüdemann gemeinsam mit dem westafrikanisch-westeuropäischen Trio Ivoire aufgenommen hat (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2025 - Musik

Christian Wildhagen erkundigt sich für die NZZ bei Sebastian Nordmann, dem neuen Intendanten des Lucerne Festivals, nach dessen Plänen für die Schweizer Musikinstitution: Dieser hat eben Riccardo Chaillys Vertrag als Chefdirigent bis Ende 2028 verlängert, kündigt aber auch neue Formate für das Sommerfestival an. Dass Popstar Rosalía auf ihrem neuen Album katholische Sinnsuche betreibt, hat auch im Vatikan zu (durchaus wohlwollenden) Reaktionen geführt, berichtet Aurelie von Blazekovic in der SZ. Während man bei männlichen Stars so gut wie jede bizarre Wunderlichkeit als Ausdruck einer interessanten Exzentrität feiert, wird Britney Spears bei jeder sich bietenden Gelegenheit für verrückt erklärt, ärgert sich Julia Werner in der SZ.

Besprochen werden der neue Band "Bread of Angels" aus Patti Smiths autobiografischen Büchern (NZZ), ein Band mit Texten zum Komponisten und Musiktheoretiker Philip Herschkowitz (FAZ), der von Erika Thomalla herausgegebende Band "Gegenwart machen" mit der Oral History des Popjournalismus in Deutschland (SZ) und neue Weihnachts-CDs, darunter "Joy to the World" des Gesangensembles Chanticleer unter der Leitung von Tim Keeler ("besonders virtuos", schreibt Clemens Haustein in der FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2025 - Musik

Besprochen wird ein Konzert von Curse in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2025 - Musik

Julian Weber feiert in der taz die New Yorker Band Say She She, die mit "Cut & Rewind" ein phänomenales Album vorlegt und nun für zwei Shows Deutschland besucht. Was ist so besonders an der siebenköpfigen, mit drei Sängerinnen aufwartenden Truppe? "Der Sound von Say She She ist temperamentvoll und zugleich elegant. Er sorgt für einen Sog, wie an der Eingangsschleuse von Kaufhäusern, wo einem von der stehenden Luft die Haare zu Berge stehen. (...) Warum funzt das so? Weil der Sound von Say She She zwar slick klingt, aber nie ehrfürchtig daherkommt oder gar selbstzufrieden, sondern als Wille, das angehäufte Knowhow prägnant in Szene zu setzen. Hier eine Gesangsharmonie, die dröhnt wie ein Sturmklingeln, dort ein Bassriff, das spritzt wie Bratfett."

Da müssen wir natürlich sofort reinhören:


Der Cellist Julius Berger erzählt in der FAZ über Karl Poppers Musikalität. Christoph Irrgeher freut sich im Standard auf eine Aufführung von Cornelius Cardews legendärem "The Great Learning", einem Mammutwerk der freien Klangentfaltung. Billy Idol wird 70, lesen wir bei Edo Reents in der FAZ.

Besprochen werden ein HR-Sinfoniekonzert mit Werken von Unsuk Chin, Dmitrij Schostakowitsch und anderen in der Alten Oper Frankfurt (FR), Uwe Dierksens Hörstück "Hirngespinste / Pipedreams" (FR), das neue Album von Cheap Trick namens "All Washed Up" (Standard) und "Poussière d'or", das neue Album des Schweizer Singer/Songwriters Stephan Eicher (NZZ).
Stichwörter: Say She She

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2025 - Musik

Ausführlich und recht positiv resümiert Peter Blaha in der FAZ das "Wien Modern"-Festival. Helmut Lachenmann konnte hier seinen Neunzigsten feiern. Aber es gab auch neue Stimmen, etwa die Avantgardistin Francesca Verunelli, deren siebzigminütige Komposition "Songs and Voices" zum Angedenken an ihre Schwester den Rezensenten beeindruckte - unter anderem gerade durch die lange Abwesenheit der Stimmen: "Dadurch entsteht eine Leerstelle, die symbolisch für die verstorbene Schwester steht. Die menschlichen Stimmen - mit Liegetönen, Flüstern, Hauchen und allenfalls rudimentärem Gesang - treten überhaupt erst nach rund zwanzig Minuten zum Instrumentalensemble hinzu. Wellenartig baut sie große Steigerungen auf, die von relativ simplen Motiven ihren Ausgang nehmen, deren konstruktives Potential und Ausdruckskraft sich erst allmählich offenbart."

Hier Verunellis Werk "Cinemaolio":



Außerdem: Obwohl der israelische DJ Avichai Partok doch schon ein "erklärter Gegner des israelischen Besatzungsregimes" ist, wird er von internationalen Clubs immer noch boykottiert, muss Jessica Ramczik  in der taz feststellen. Ebenfalls in der taz befasst sich Henrik von Holtum mit den künstlerischen Schwierigkeiten von ebenfalls nicht mehr jungen Kindern berühmter Popstars wie Baxter Dury oder Moon Unit Zappa. In der FR gratuliert heute Bernhard Uske Helmut Lachenmann zum Neunzigsten. Besprochen werden das neue Blawan-Album "SickElixir" (FR) und eine CD der türkischen Pomusikerin Peki Momés, die Iggy Pop in seiner Radiosendung "Iggy Confidential" vorstellte.

Stichwörter: Neue Musik, Wien Modern

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2025 - Musik

VAN hatte das Thema im Juni bereits aufgegriffen: Der Pau Brasil, Brasiliens Nationalbaum, ist vom Aussterben bedroht - aus seinem Holz, dem Fernambuk, werden Streichbögen für Geigen oder Cellos geschnitzt (unser Resümee). Brasilien will den Baum nun unter die vollständig geschützten Arten aufzunehmen, berichtet Michael Stallknecht, der für die SZ mit dem Bogenmacher Thomas M. Gerbeth, der auch Vorsitzender der deutschen Gruppe der IPCI, der International Pernambuco Conservation Initiative, die bereits seit 1997 eigene Plantagen in Brasilien finanziert, ist: "Gemeinsam mit anderen Initiativen hat man inzwischen mehr als drei Millionen Bäume neu gepflanzt, nach vierzig Jahren gelten sie als ausgewachsen. Der gesamte internationale Bogenbau benötige nur 30 bis 50 Bäume pro Jahr, rechnet Gerbeth am Telefon vor. Höchstens 50.000 Bäume seien damit in den vergangenen 250 Jahren in Streichbögen verbaut worden, gleichzeitig 50 bis 70 Millionen für andere Zwecke abgeholzt. 'Unser kleines Handwerk wird zum Sündenbock gemacht für alles, was in dieser Zeit schiefgelaufen ist.'"

Zum Neunzigsten von Helmut Lachenmann schaut Reinhard J. Brembeck (SZ) bei dem Komponisten in Stuttgart vorbei. Viel zitiert Brembeck nicht aus dem stundenlangen Gespräch, das die beiden auch über die gesellschaftskritischen Positionen führten, die immer auch in Lachenmanns Musik Eingang fanden: "Die deutsche Wiederbewaffnung, die Notstandsgesetze, der Mauerbau, dann die RAF: All das fand einen Weg in Lachenmanns Denken und Komponieren. Seine Arbeit beschreibt der in der Autostadt Stuttgart geborene so: Sie sei wie ein Auto bauen und es gleichzeitig dabei zerstören. Lachenmann bricht immer aus, er ist immer auf Suche nach dem Apfel, der das Entweichen aus dem Paradies ermöglicht." An ein schönes Bonmot des Luigi Nono-Schülers, der Melodien für etwas "Überlebtes, ja Reaktionäres" hielt, erinnert indes Marco Frei in der NZZ: "'Ich hasse Humor. (…) Humor ist einfach lachhaft. Meine Stücke sind heiter. Ich mache einen scharfen Unterschied zwischen heiter und humorvoll.'"

In der FAZ gratuliert Max Nyffeler dem Komponisten, der der Neuen Musik ganz neue Horizonte eröffnete: "Im Zentrum seines Schaffens stand stets die Erforschung des Klang- und Geräuschspektrums der Instrumente jenseits des von ihm als korrumpiert empfundenen 'schönen Tons'. Gemeinsam mit Eduard Brunner erkundete er deshalb die Schönheiten des Geräuschs auf der Klarinette, vom tonlosen Blasen bis zum Klappenschlag. Das Resultat ist im Solostück 'Dal niente' von 1970 zu hören. Im Cellosolo 'Pression' wandte er seine Kompositionsmethode erstmals auf ein Streichinstrument an. Damit war ein neuer Typus von Instrumentalmusik geboren. Lachenmann kreierte dafür den Begriff 'Musique concrète instrumentale'." In der taz gratuliert Tim Caspar Boehme. Wir erinnern uns gern:



Besprochen wird ein Haydn-Konzert von András Schiff mit dem Orchestra of the Age of Enlightment in der Alten Oper Frankfurt (FR).
Stichwörter: Fernambuk, Lachenmann, Helmut

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Musik

Margareta Kosmol berichtet für die taz aus den Techno-Clubs Tbilissis, die sich zu einem Zentrum der antirussischen Protestbewegung entwickelt haben. Unter anderem lernt sie den queeren jungen Aktivisten Gleb kennen: "Die Techno-Philosophie ist für Gleb provokativ und revolutionär: 'Ich finde es faszinierend, wie sie in Berlin groß wurde, als die Mauer fiel. Heute ist Techno in Berlin leider mehr Kommerz. Hier in Georgien spürt man das Feuer in den Menschen. Sie verteidigen ihren Raum! Das ist ein Ort, an dem wir uns vor dieser Welt verstecken können, die versucht, uns zu zerstören.' Der Boden vibriert vom Bass, rote und gelbe Strahlen schneiden den Raum wie Laser. Gleb sagt, hier fühle er sich vollkommen frei: 'Aber irgendwann merkst du, dass diese Wände des Clubs auch dein Gefängnis werden, weil du dahinter keinen anderen Ort hast, dich sonst nirgendwo akzeptiert fühlst.'"

Ingeborg Ruthe besucht für die FR eine Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, die dem Paul-Robeson-Archiv gewidmet ist. Das liegt in Berlin, weil der schwarze amerikanische Blues-Sänger Robeson in den 1960er Jahren Kontakte in die DDR geknüpft hatte. Wie überhaupt die DDR-Führung einige Versuche machte, Robeson für ihre Sache einzugemeinden: "Die Staatsführung machte sich den Kampf der Afroamerikaner für die Bürgerrechte einseitig zu eigen in der politischen Polemik gegen das imperialistische System. Blues, Gospel, Spiritual, Soul galten als Leidensmusik der Diskriminierten, Unterdrückten. Das Melancholische, aber auch Widerständige fand sich dann wieder in der Musik von Ost-Bands wie Hansi Biebl, Freygang, Monokel, Kerth, Engerling, Distelmann und bei den Konzerten von Manfred Krug und Günther Fischer. Da ging es aber weniger um den antiimperialistischen Klassenkampf, eher um den eigenen Protest gegen einen bornierten Sozialismus, gegen die beschnittene Individualität und Reisefreiheit."

Ein Robeson-Klassiker auf Youtube aus dem Hollywoodfilm "Showboat" (1936):



Weitere Artikel: Begeistert berichtet Wilhelm Sinkovicz in der Presse von einem Schubert-Abend im Wiener Musikverein. Der Sänger Matthias Goerne und der Pianist Daniil Trifonov widmeten sich dem "Winterreise"-Zyklus. Harry Nutt trauert in der FR um den Reggae-Star Jimmy Cliff. Wolfgang Sandner gratuliert in der FAZ dem Trompeter Randy Brecker zum 80. Merle Krafeld fasst auf van eine Studie zusammen, die vor Fachkräftemangel in Musikschulen warnt. Michael Pilz beschäftigt sich in der Welt mit dem aktuellen Vinyl-Boom. Helene Slancar besucht für die taz das queere Metalfestival "Loud and Proud" im Wiener Club Flucc. Christoph Wagner schaut sich für die NZZ zwei Konzerte der Jazz-Pianistin Marilyn Crispell an.

Besprochen werden Holly Golightlys Album "Look Like Trouble" (FR), "Firedove", die neue CD der Star-Organistin Anna Lapwood (Zeit Online), ein Klavierabend im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit Bruce Liu (Tagesspiegel), ein Gastkonzert der Cellistin Alisa Weilerstein bei der Staatskapelle in der Berliner Philharmonie (Tagesspiegel), ein Konzert des Rappers Kontra K in der Berliner Uber Arena (Tagesspiegel) und das Album "Adieu Unsterblichkeit" der österreichischen Band Kreisky (Standard).