Eisiges Blau: "Breaking Hearts" von Gilles Lellouche Mit großer Wucht bringt GillesLelloucheNevilleThompsons Roman "Wilde Liebe" unter dem Titel "Beating Hearts" in die Kinos. Verlegt ist die Geschichte aus Irland ins Frankreich der Achtziger. "Ein Film in Großbuchstaben und in schreienden Farben, viel eisiges Blau und brennendes Rot", schwärmt Fritz Göttler in der SZ. "Die Geschichte einer jugendlichenLiebe, erzählt mithilfe von zweiSonnenfinsternissen, einem brutalen Überfall auf einen Geldtransport und einem Sportwagen, der gemein von der Fahrbahn gedrängt wird und sich spektakulär überschlägt. ... MalloryWanecque und MalikFrikah sind wunderbar als liebende Kids, genauso später AdèleExarchopoulos und FrançoisCivil, wenn beide junge Erwachsene sind."
"Lellouche legt die Liebesgeschichte von Jackie und Clotaire episch an", schreibt Dunja Bialas auf Artechock. "Mit einem erhabenenCinemascope-Blick auf eine gigantische Industrieanlage mit brennenden Schloten hebt der Film an. Dann klotzen in signalroter Farbe die Titel über die ganze Breite der Leinwand. Die Kraftmeierei setzt sogleich die Tonlage: Die Liebesgeschichte ist episch und vergeblich, ist schicksalshaft und tragisch, ist poetisch und brutal. ... Lellouch formuliert auf der B-Seiteseinesschwelgerischen Films Emotion immer wieder als Verlust, als Gefühlslage der Unwiederbringlichkeit angesichts einer vergangenen Jugend, die sich in voller Geschwindigkeit verausgabt hat." Weitere Besprechungen auf critic.de, in der FAZ und im Tagesspiegel.
Außerdem: Die Artechocker Dunja Bialas und Rüdiger Suchsland erhalten vom DOK.FestMünchen fünf Antworten auf fünf nachhakende Fragen dazu, dass künftig die Ehefrau des bisherigen Leiters das Festival leiten wird. Esthy Baumann-Rüdiger porträtiert in der NZZPatrickSchwarzenegger, der sich in der Serie "White Lotus" sein Image als "Nepo-Baby" vom Leib spielen will. SZ-Kritikerin Johanna Adorján bekommt zumindest sanftes Bauchdrücken, wenn sie sieht, dass DemiMoore auf Instagram private Fotos des an Demenz erkrankten BruceWillis präsentiert. Rüdiger Suchsland erinnert auf Artechock an die Schauspielerin ÉmilieDequenne, die vor kurzem überraschend und viel zu jung gestorben ist. Wolfgang Hamdorf berichtet im Filmdienst vom Filmfestival in Málaga. Felicitas Kleiner bietet im Filmdienst einen Überblick über die neuenSerien des kommenden Monats. Und Valerie Dirk führt im Standard durchs Programm der Diagonalein Graz.
Besprochen werden LarsHenrikGass' Buch "Objektverlust. Film in der narzisstischen Gesellschaft" (taz), KurdwinAyubs "Mond" (Artechock, unsere Kritik), JoshuaOppenheimers "The End" (Artechock, mehr zum Film bereits hier), DavidAyers Actionthriller "Working Man" nach einem Drehbuch von SylvesterStallone (Artechock), JaumeCollet-Serras Horrorfilm "The Woman in the Yard" (Artechock, unsere Kritik), MarcoLaVias und HannaLadouls "Das Gelbe vom Ei" (Artechock) und die Apple-Serie "The Studio" mit Seth Rogen (Standard).
Verdrängtes Trauma auf engem Raum: Tilda Swinton in "The End" JoshuaOppenheimer kennt man bislang vor allem für seine hervorragenden Essayfilme "The Act of Killing" und "The Look of Silence", die sich beide mit den Massakern im Indonesien der Sechzigerjahre auseinandersetzen. Mit "The End" legt er nun einen Spielfilm vor - ein postapokalyptischesMusical mit TildaSwinton, das in einem Bunker für Reiche spielt. Diese "Annäherung an das Genre des Endzeit-Dramas fehlte nicht viel zu einer grellen Satire, doch Oppenheimer hat anderes im Sinn", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR. "Nie lässt er die Absurditäten ins Schrille hochkochen, sondern hält sie unter dem Deckel einer Form, deren Strenge zur dekadenten Disziplin dieser Oberschicht passt. Man stelle sich Harold Pinter vor im Stil eines Technicolor-Hollywoodmelodrams, unterbrochen durch altmodische Musical-Couplets. So viel Verfremdung ist vielleicht nichts für jeden, in den USA wurden Kritik und Publikum nicht warm mit diesem außergewöhnlichen Film, der mit großen Gesten von Unausgesprochenem erzählt. ... Oppenheimer führt durch eine Art Spiegelkabinett zwischen Erinnerungs- und Verdrängungskultur vor dem Hintergrund schwerster Verbrechen und taucht noch einmal in die Thematik seiner Dokumentarfilme ein: der Gleichzeitigkeit von verleugneter Schuld und verdrängtem Trauma auf engstem Raum."
Der Film "misslingt fundamental", ächzt Kamil Moll im Filmdienst. "Nur allzu deutlich möchte sich der Film nämlich von dem, was er irrigerweise für eskapistischeGenre-Elemente hält, jenem kunstvollen Formüberschwang also, der Musik- und Tanzfilmkombinationen seit jeher auszeichnet, absetzen. Wo in klassischen Musicals die gesungenen Lieder stets die Funktion einer expressiven Überhöhung von emotionalen Zuständen und Bedürfnissen erfüllen, verweigert sich "The End" mit einer geradezu einfallslosen Widerborstigkeit jeglichen Affekten. Stattdessen bietet er immer wieder aufs Neue Songs, die jeglicher musikalischen Finesse und Eingängigkeit betont enthoben sind und von den Schauspieler:innen in einer mal affektiert stoischen, mal im Tonfall unpassend gefühlsmäßigen Art gesungen werden. ... 'The End' ereilt damit das gleiche Schicksal wie zahlreiche andere Dekonstruktionen filmischer Formen vor ihm: Er gerät trotz aller bilderstürmenden Absichten lediglich zu einem schlechtenPastiche." Weitere Kritiken in taz, FAZ und SZ.
Besprochen werden KurdwinAyubs "Mond" (Perlentaucher, Welt, critic.de, mehr dazu bereits hier), JaumeCollet-Serras Horrorfilm "The Woman in the Yard" (Perlentaucher), die derzeit kontrovers diskutierte Netflix-Serie "Adolescence" (NZZ), Chandler Levacks "I Like Movies" (critic.de), der von JörnGlasenapp und FrancescaPistocchi herausgegebene Band "Nach Fassbinder: Das bundesrepublikanische Kino der 1980er Jahre" (FD), HannaLadouls und MarcoLaVias Tragikomödie "Funny Birds" mit CatherineDeneuve (FR), MimiCaves auf Amazon gezeigter Film "Holland" mit NicoleKidman (FAZ) und die Apple-Serie "The Studio" mit SethRogen (taz, Zeit Online). Außerdem blickenTagesspiegel und Filmdienst auf die wichtigsten Kino-Neustarts der Woche.
Gefangen in einem systemischem Käfig: Florentina Holzinger in "Mond" KurdwinAyubs thrillerartig erzählter "Mond" lässt eine österreichische Kampfsporttrainerin (gespielt von der Choreografin FlorentinaHolzinger in ihrem Filmdebüt) in Jordanien aufschlagen, wo sie drei junge Frauen einer wohlhabenden Familie trainieren soll, die von der Außenwelt abgeschottet sind. Ayub spielt bewusst "mit dem WhiteSaviorComplex", schreibt Carolin Weidner in der taz, "sie kalkuliert den Clash zwischen Wirklichkeit und Rettungsfantasie und macht damit eine Erfahrung möglich, die uns mit eigenen Erwartungen und Fehlschlüssen konfrontiert". Der Film handelt von der "Ohnmacht, die man angesichts der systemischen Unterdrückung von Frauen empfinden kann. Sowie die Erkenntnis, dass auch die Bereitschaft zu Heldentaten nur schwer an einem Fundament zu rütteln vermag, das derart fest verankert ist. Sich in Erzählungen zu flüchten, in denen Einzelnen Großartiges gelingt, trösten, inspirieren möglicherweise. Mit den Tatsachen haben sie oft nichts gemein. Ayub offeriert all dies niesüffisant, nieherablassend. Sie setzt auf ihre Protagonistinnen, schenkt ihnen Mumm und Widerständigkeit."
Jens Balkenborg (FAZ) verortet den Film in Ayubs Theater- und Filmschaffen: Die Filme der kurdisch-österreichischen Regisseurin "lassen Kulturen crashen, stellen Fragen zu Migration und Religion, zu Heimatlosigkeit, (patriarchaler) Macht und (digitalen) Identitäten. Ihre Figuren sind Gefangene in systemischen Käfigen, manche wollen raus, manche haben sich eingerichtet. Dass es Systeme gibt, wie 'Mond' zeigt, die ohne Intervention von außen unüberwindbar scheinen, verleiht diesen sehr kinematographischen Werken etwas erschlagendWahrhaftiges."
Weiteres: Dass der (wie der Standardmeldet, nun wieder auf freien Fuß gesetzte) Fotograf und Regisseur HamdanBallal bei einer Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und israelischen Siedlern im Westjordanland verletzt und vom Militär verhaftet wurde, erinnertFAZ-Filmkritiker Bert Rebhandl an Szenen aus dem Dokumentarfilm "No Other Land", an dem Ballal beteiligt war. Marco Fründt blickt für die taz auf die aktuelle Ausgabe des GriechischenFilmfestivalsin Hamburg. Welt-Kritikerin Marie-Luise Goldmann erfährt in der neuen Staffel von "WhiteLotus", warum Trio-Freundschaften untereinander gerne übereinander lästern, sobald das Trio zum Duo schrumpft.
Der "Duce" als lächerliche Figur: "M. Der Sohn des Jahrhunderts" (Sky) Der SchriftstellerDavideCoppoberichtet in der NZZ davon, wie in Italien die Miniserie "M. Der Sohn des Jahrhunderts" über Mussolini (lose nach der Romanserie von AntonioScurati) wahrgenommen wird. Dass der Regisseur Joe Wright und die Autoren Stefano Bises und Davide Serino den italienischen Diktator als lächerlicheFigur darstellen, findet Coppo zwar "interessant und mutig", aber dieses Manöver "erfordert einen gut geschulten kritischen Geist. Denn allzu leicht könnte man sich in jenen Mann einfühlen. ... So schrieb etwa Marco Travaglio, Chefredaktor von Il Fatto Quotidiano: 'Es besteht die Gefahr, dass die Zuschauer denken, der Duce und die historischen Figuren, die um ihn kreisen, seien wirklich so: Marionetten, Parodien und Silhouetten aus dem Puppentheater oder der Groteske.' Und der Corriere della Sera fühlte sich zu dem Hinweis bemüßigt, dass 'der Faschismus keine Komödie, sondern eine Tragödie' sei. Der chaotische Pulsschlag der Kommentare in den sozialen Netzwerken lässt anderseits erkennen, dass vor allem Nostalgiker oder Bewunderer des Duce über das Porträt empört waren. Von den Fratelli d'Italia scheint niemand Zeit gehabt zu haben, sich mit der Serie auseinanderzusetzen."
Im Kunstmuseum Stuttgart ist aktuell ChristianMarclays mittlerweile legendäre Installation "The Clock" zu sehen, die einmal alle 24 Stunden abläuft und dabei zu jeder Uhrzeit des Tages einen Ausschnitt aus der Filmgeschichte zeigt, in dem gerade genau diese Uhrzeit herrscht. Am Stück nur für Athleten des Kinositzens zu packen, weshalb sich um diese Installation ein regelrechter Tourismus entwickelt hat von Menschen, die, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet, ein paar Stunden mitnehmen, um so den Eindruck allmählich zu vervollständigen. Für den Filmdienstwar Patrick Holzapfel in den frühen Morgenstunden dort. "Gerade das Wieder-Reinkommen zählt zu den schönsten Momenten, die man mit 'The Clock' verbringen kann. Plötzlich stellt sich so etwas wie Parallelität ein, man bekommt das Gefühl, dass das Kino geblieben ist, während man weg war, und dass es für einen immer läuft, wenn man es braucht. ... Immer zur vollen Stunde verdichtet sich dann das Geschehen. Countdowns setzen ein, Duelle werden ausgefochten, abfahrende Züge müssen erwischt werden. Das Kino liebt dievollen Stunden."
Weiteres: Hamdan Ballal, der palästinensische Co-Regisseur des Dokumentarfilms "No Other Land", soll laut einer dpa-Meldung bei einem Scharmützel im Westjordanland von israelischen Siedlern verletzt und im Anschluss in Gewahrsam genommen worden sein - der genaue Ablauf der Geschehnisse ist allerdings noch unklar. Besprochen werden die Netflix-Serie "Adolescence", die gerade wegen ihres Themas - Gewalt gegen Frauen - und ihrer Inszenierung - jede Folge wirkt wie in einer Einstellung gedreht - für sehr viel Aufsehen sorgt (taz), KurdwinAyubs "Mond" mit Volksbühnen-Schauspielerin Florentina Holzinger (Tsp) und MarcWebbs Realfilm-Remake des Disneyklassikers "Schneewittchen" (taz).
De Niro meets de Niro: "The Alto Knights" Hollywood-Klassizist BarryLevinson erweckt mit seinem in den Fünzigern angesiedelten "The Alto Knights" (nach einem Drehbuch des "Casino"-Autors NicholasPileggi) das große New Yorker Mafia-Epos wieder zum Leben. Stilecht hat er sich dafür Robert de Niro vor die Kamera geholt, der zudem in einer Doppelrolle gleich beide verfeindete Mafiabosse in diesem Film spielt. Bert Rebhandl bekommt in seiner Kritik (online nachgereicht von der FAZ) dennoch Bauchschmerzen: "Levinson fährt noch einmal all das auf, was man erwarten darf: chromblitzende Limousinen, schwere Anzüge, markigeVisagen, eleganteGangsterbräute". Er "schwelgt noch einmal so richtig in Eindrücken von einem New York, das es vielleicht nie gab." Doch "wirkt das alles nun auch schon so, als wäre es nur mehr Zitat. In Martin Scorseses 'Casino' war noch jede Faser der Anzüge, die De Niro trug, von Bedeutung. Nun aber wirkt alles schon ein wenig so, als wäre es ein Grabtuch, und was darunter rumort, ist keine wirkliche Spannung mehr, sondern Unklarheit, woran man sich halten sollte. Kann ein Genre auch dement werden, bevor es stirbt?"
SZ-Kritiker Fritz Göttler kann sich am doppelten De Niro derweil kaum sattsehen: Er hat "wie besessen Nuancen erarbeitet, um Frank und Vito voneinander abzugrenzen, das Bürgerliche vom Ordinären - der Haaransatz, die Brille, der Gehstock. Was beide Figuren verbindet, ist der vertraute nörgelige De-Niro-Sound, wenn er zu erklären anfängt, und eine geringschätzige Verbissenheit, eine grummelnde Grimmigkeit, eine stirnrunzelige Bösartigkeit, erschreckend unberechenbar. Er wächst in diesem Film endgültig, über die individuelle Figur hinaus, der Mafia-Archetyp des Hollywoodkinos."
Morbide Melancholie: "Der Leopard" (Netflix) Georg Seeßlen ärgert sich in seinem sehr großen Jungle-World-Essay über die auf Netflix gezeigte Serien-Neuverfilmung von Giuseppe Tomasi de Lampedusas Roman "Der Leopard", der von Visconti einst kongenial und episch auf die Leinwand gebracht wurde. Demgegenüber fällt dieses Industrieprodukt erheblich ab - nicht nur, aber auch, weil es sich (anders als Visconti) gar nicht erst daran versucht, eine Position zum Italien der Gegenwart einzunehmen, sondern sich stattdessen als "Nationalepos" empfiehlt, so Seeßlen: "Vom Verfall, der in Viscontis Film überall spürbar ist, bleiben nur Dekors: die Behauptung einer gewissen 'Morbidität' oder Melancholie. ... Es ist schon eine negative Meisterleistung, den Stoff ausgerechnet in diesen Jahren der globalen ebenso wie der nationalen Krisen so fundamental zu entpolitisieren. ... Man wird nun nicht gleich 'Der Leopard' als melonistische Propaganda ansehen müssen, aber die Zähmung dieses widerspenstigen Stoffs entspricht doch einem neuen kulturpolitischen Mainstream: Förderung von prestigeträchtigen Großprojekten, Kürzungen bei unabhängigen und eigenwilligen Szenen. ... Das Geld, das man in 'Der Leopard' sieht, fehlt woanders."
Weitere Artikel: Jörg Taszman spricht für den Filmdienst mit GillesLellouche über dessen Gangster-Liebesfilm "Beating Hearts". Andreas Scheiner resümiert in der NZZ die Verleihung des SchweizerFilmpreises. Georg Seeßlen schreibt auf Zeit Online zum Tod des Schauspielers RolfSchimpf, der viele Jahre den "Alten" im ZDF gespielt hat. Auf FAZ.netgratuliert Andreas Kilb der Schauspielerin LenaOlin zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden LarsHenrikGass' Buch "Objektverlust. Film in der narzisstischen Gesellschaft" (FD), die ZDF-Serie "Die Affäre Cum-Ex" (Welt) und die auf Arte gezeigte Mini-Serie "Unschuldig - Mr. Bates gegen die Post" (taz).
Thomas Klein führt für den Filmdienst ein ausführliches Werkstattgespräch mit dem Tonmeister MatthiasLempert, der gerade an TomTykwers aktuellem Film "Das Licht" (unsere Kritik) mitgearbeitet hat. Über die Zukunft seines Berufs insbesondere auch als Geräuschemacher macht er sich wenig Sorgen - schon der Computer hat ihn nicht arbeitslos gemacht: "Der Schwerpunkt der Geräuschemacher ist die Vertonung der Bewegungen und Aktionen der Schauspieler. Der Klang ihrer Schritte, ihrer Kleidung, der Dinge, die sie in die Hand nehmen. Das ist dermaßen individuell und es sind so viele Details darin, wie etwa auch das Material und in welchem Zustand es ist. Ein guter Geräuschemacher trifft diese Geräusche instinktiv richtig. Wenn man versuchen würde, diese aus Archivtönen zusammenzubauen, wäre das total unwirtschaftlich und würde noch nicht mal gut werden. Das ist ein Bereich, der wird immer Handarbeit bleiben."
Außerdem: Manfred Rebhandl fragt die Regisseurin IvetteLöcker, was sie gerade liest. Besprochen werden GiaCoppolas "The Last Showgirl" (Standard, mehr zum Film hier), die ARD-Serie "Marzahn Mon Amour" nach dem gleichnamigen Roman von KatjaOskamp (Welt) sowie die beiden Paramount-Serien "NCIS: Origins" (FAZ) und "Happy Face" (FAZ).
Valerie Dirk spricht für den Standard mit TomTykwer über dessen neuen, in der FAZ besprochenen Film "Das Licht" (unser Resümee). In epdFilmempfiehlt Gerhard Midding ein mit historischen 35mm-Filmkopien bestrittenes Italowestern-Wochenendeim Berliner Zeughauskino. Besonders "Tepepa" mit TomásMilián und OrsonWelles legt er uns ans Herz - der "fürwahr furiose Western" steht für alle Nicht-Berliner auch legal auf Youtube:
Besprochen werden BarryLevinsons Mafiathriller "The Alto Knights" mit Robert de Niro in einer Doppelrolle (Tsp, BLZ, SZ), GiaCoppolas "The Last Showgirl" mit Pamela Anderson (Welt, SZ, unser Resümee), CélineSallettes Biopic "Niki" über die Künstlerin Niki de Saint Phalle (taz, SZ) MarcWebbs Realfilm-Remake von Disneys Zeichentrickfilmklassiker "Schneewittchen" (NZZ, SZ), WeiShujuns chinesischer Thriller "Only The River Flows", der in Deutschland schon seit knapp einem Monat läuft (NZZ), die Netflix-Serie "Adolescence", die gerade weltweit die Charts stürmt (Welt), die Netflix-Serienadaption von GiuseppeTomasidiLampedusasRomanklassiker "Der Leopard" (NZZ) und ShondaRhimes' auf Netflix gezeigte Krimikomödie "The Residence" (FAZ).
Steht im Regen: Lars Eidinger in "Das Licht" In TomTykwers "Das Licht" hängt mal wieder alles mit allem zusammen und zerren die globalen Konflikte und gesellschaftspolitischen Fragestellungen an einer Berliner Patchwork-Familie zwischen Arbeit in einer PR-Agentur und in der Entwicklungshilfe. "Mit schwerer Hand führt Tom Tykwer diese Familie samt ihrer weitverzweigten Probleme innerhalb von gut 160 Minuten Laufzeit sprichwörtlich ins Licht und macht dabei selbst vor einem immersiven Zwischenhalt auf einem kenternden Flüchtlingsboot nicht Halt", schreibtPerlentaucher Kamil Moll. "Seinen ersten Kinofilm seit nahezu einer Dekade gestaltet er als eine stetig produzierende, im Einzelnen mitunter sogar recht kurzweiligeBildermaschine." Doch "wie einstmals bei 'Lola rennt' ... hat diese Leistungsschau etwas aufdringlich Streberhaftes. Im so kalkulierten wie letztlich wohlfeilen Wechsel filmischer Register drückt sich weniger eine wirkliche Freude am visuellen Überschuss aus, als, umso dringlicher, ein auteuristisches Geltungsbedürfnis, von dem man sich vor allem anderen auch hinters Licht geführt fühlt."
Dass man diese Überfülle an Themen nicht ganz ernst nehmen kann, muss auch Dunja Bialas von Artechockeinräumen. Und "trotzdem schleicht sich eine Leichtigkeit und ein wohltuender Übermut in seinen Film. ... In der Summe ist 'Das Licht' ein mutiger und kreativer Befreiungsschlag aus jedwelchem allzuengen Plotgefängnis: Mit seinem Kino-Comeback kehrt Tykwer zur inszenatorischenLust seiner Anfänge zurück." Ihr Artechock-Kollege Rüdiger Suchsland ist direkt darunter weniger überzeugt: Er sah einen "Film, der sein Publikum nicht nur enttäuscht, weil er es langweilt, sondern weil er es auf einer fundamentaleren Ebene in die Irre führt. Trotz seiner immer sehenswerten, mitunter fesselnden Form handelt es sich um eine Meditation ohne Substanz."
Weitere Artikel: Auf Artechockfordert Rüdiger Suchsland die Koalitionäre von SPD und Union dazu auf, den deutschen Film finanziell besser auszustatten, da selbst "durchfinanzierte" Filme in Deutschland oft noch nachträglich um Drehtage gestutzt werden müssen. "Was im deutschen Film mehr als alles andere fehlt, das ist Überschuss! Das ist das Überflüssige, das, was gute Filme haben, bevor sie durch den Förderfleischwolf des deutschen Films gedreht werden." Marius Nobach schreibt im Filmdienst zum Tod der Schauspielerin ÉmilieDequenne. Matthias Hannemann spricht für die FAZ mit dem SchriftstellerJonasJonasson, der die Story zur auf Disney+ gezeigten Satire "Whiskey on the Rocks" über ein 1981 in Schweden strandendes, sowjetisches U-Boot verfasst hat.
Besprochen werden GiaCoppolas "The Last Showgirl" mit Pamela Anderson und JamieLeeCurtis (Freitag, Artechock, taz, Presse, mehr zum Film bereits hier), RenéFrölkes experimenteller Dokumentarfilm "Spuren von Bewegung vor dem Eis" (Perlentaucher), BarryLevinsons "The Alto Knights" mit Robert de Niro (FR, Artechock), Marc Webbs Realfilm-Remake des Disney-Klassikers "Schneewittchen" (critic.de, Standard, Welt, Tsp, FR), CamillaGuttners "Die Akademie" (Artechock), DanBerks und RobertOlsens "Mr. No Pain" (Artechock), RaMellRoss' auf Amazon gezeigte Verfilmung von ColsonWhiteheadsRoman "Nickel Boys" (SZ, mehr dazu bereits hier), die DVD-Ausgabe von FabianStumms "Sad Jokes" (taz), die Apple-Serie "Dope Thief" (FAZ), die zweite Staffel der Netflix-Serie "Totenfrau" (Welt) und die auf Netflix gezeigte Krimi-Persiflagenserie "The Residence" (taz). Außerdem blicken Tagesspiegel und Filmdienst auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.
Pamela Anderson als "The Last Showgirl" GiaCoppolas "The Last Showgirl" bildet mit "Babyface" von Halina Reijn (unsere Kritik) und "The Substance" von Coralie Fargeat (unsere Kritik) eine Welle an Filmen, die das Altern von Frauen (und damit auf zweiter Ebene auch: von Schauspielerinnen) thematisieren. Hier sind es PamelaAnderson, die ein Las-Vegas-Showgirl spielt, deren Falten das Licht nicht mehr ganz kaschieren kann, und ihr gegenüber JamieLeeCurtisals desillusionierte Kellnerin. "Das Drehbuch lebt allerdings vom Andeuten, nicht vom Aussprechen", schreibt Maria Wiesner in der FAZ. "Coppola setzt in ihrem Vegas-Bild auf Kontraste zwischen den abgedunkelten Garderobenräumen und der harschen Realität draußen. Sie fängt Anderson also immer wieder in stiller Kontemplation im grellen Licht der Wüstensonne beim Spaziergang zwischen den Glasfassaden ein; das Gesicht trägt dann kein Make-up; Shelly wirkt nackter als in ihren freizügigen Revuekostümen." Aber "wenn Curtis ... als angetrunkene Kellnerin in nichts als glänzenden Strumpfhosen und einer zu engen Jacke mit tiefem Dekolleté zu BonnieTylers 'Total Eclipse of the Heart' mitten im Casino auf ein Podest steigt und zu tanzen beginnt, hat sie diesen Film allen anderen gestohlen, denn was sie da zeigt, ist zum Niederknien schön, traurig und wahr."
"Fühlen und weinen mit Bonnie Tyler", schreibt auch Silvia Szymanski auf critic.de zum Film: "Perfekt. Ichkapituliere." Diese Szene wollen wir uns nicht entgehen lassen:
Weiteres: In der tazempfiehlt Fabian Tietke die Doku-Reihe "Man wird nicht als Mann geboren" im Berliner Kino Krokodil. Andreas Scheiner (NZZ), Andrey Arnold (Presse) Jürgen Kaube (FAZ) gratulieren BruceWillis zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden ErrolMorris' auf Netflix gezeigter Dokumentarfilm "Chaos - Die Manson-Morde" (Robert Wagner berichtet auf critic.de von "brutal eindimensionalen anderthalb Stunden"), AnthonyundJoeRussos auf Netflix gezeigter Science-Fiction-Film "The Electric State" (FAZ, Zeit Online), die zweite Staffel der Netflix-Serie "Totenfrau" (Tsp, Welt) und die Sky-Dokuserie "Was geschah an Bord vom Flug 2525", die den Germanwings-Absturz vor zehn Jahren Welt-Kritiker Peter Praschl zufolge "fast perfide" für Verschwörungstheorien ausschlachtet.
Marius Nobach (Filmdienst) und Andreas Kilb (FAZ) blicken auf die Nominierungen zum im Mai verliehenen DeutschenFilmpreis, wo sich TimFehlbaums "September 5" (unsere Kritik), AndreasDresens "In Liebe, Eure Hilde" (unsere Kritik) und MohammadRasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums" (unsere Kritik) als Favoriten entpuppten. Andreas Scheiner erzählt in der NZZ von seinen Mühen, mit dem italienischen Regisseur PaoloSorrentino ins Gespräch zu kommen. Andreas Kilb schreibt in der FAZ zum überraschenden Tod der mit 43 Jahren gestorbenen Schauspielerin ÉmilieDequenne.
Besprochen werden WalterSalles' "Für immer hier" (Jungle World, unsere Kritik), CélineSallettes Biopic "Niki" über die Künstlerin NikideSaintPhalle (Presse), die neue Staffel der Amazon-Fantasyserie "Das Rad der Zeit" (taz), die Netflix-Serie "Adolescence" (TA) und AndréSchäfers "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann" (NZZ, unser Resümee zum deutschen Kinostart vergangenen Herbst).
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