Yelizaveta Landenberger berichtet in der taz vom Internationalen Filmfestival Queer Voicesin Chișinău in Moldau. Das Filmfestival von Locarno kämpft um den Erhalt ihrer ikonischen Open-Air-Leinwand auf der Piazza Grande, berichtet Matthias Daum in der Zeit.
Besprochen werden OliverRihs' fördermittellos entstandene Berlin-Komödie "#SchwarzeSchafe", die tazler Ekkehard Knörer allerdings nicht überzeugt ("Figuren wie Publikum hetzen durch einen windschiefen Plot, der sich selbst und seiner Botschaft nicht glaubt"), die Netflix-Miniserie "Untamed", die laut tazler Florian Schmid als Krimi im Yosemite-Nationalpark beginnt, sich dann aber zum "komplexen Opus voller Gewalt und Traumata vor dem Hintergrund geradezu verstörend schöner Landschaftsbilder entwickelt", ThorKleins und LenaVurmas Biopic "Leonora im Morgenlicht" über die Künstlerin Leonora Carrington (Standard) und ein Arte-Porträt des Schauspielers JeffBridges ("über weite Strecken nervtötend", insbesondere wegen des "prätentiösen Off-Kommentars", schreibt Heike Hupertz in der FAZ).
Hanns-Georg Rodek erzählt im Filmdienst, wie es dem Filmunternehmer Peter Wagner mit einigen Mühen gelang, die Kinorechte an den Prügelsausen von Bud Spencer und Terence Hill zu ergattern, sodass die Filme in den nächsten Monaten nun peu à peu wieder im Kino zu sehen sein werden. Besprochen werden FabianStumms Debütfilm "Knochen und Namen", mit dem der RBB seine diesjährige Queer-Reihe eröffnet (Tsp), JamesGunns "Superman" (Jungle World) und Chris Millers "Die Schlümpfe" (FAZ, unsere Kritik).
"Rhinos Conquered the Middle East' von Vahid Vakilifar (Cinema Iran) Wolfgang Lasinger führt auf Artechock durch das Programm des FestivalsCinema Iran, das zum nunmehr zehnten Mal in München stattfindet. Ziemlich drastisch "schlagen sich die bedrückenden Verhältnisse im Iran in den zwei Filmen von VahidVakilifar nieder. ... Die ästhetische Radikalität seiner Filme sucht ihresgleichen. 'Rhinos Conquered the Middle East' (2024) kriecht der persönlichen Krise des desperaten Schauspielers Elias förmlich bis in die Eingeweide nach, um seiner selbstquälerischen Männlichkeit Ausdruck zu verleihen. 'K9' (2020) ist eine beklemmend ausbuchstabierte Science-Fiction-Dystopie. Dieser visuell konsequent durchkomponierte Film entwirft die postapokalyptische Szenerie einer Erde, von der sich die Sonne zurückgezogen hat. Das Kürzel K9 steht für 'ca-nine', Hunde also, und das Arbeitslager Iran K9 (ein hündischer Iran gewissermaßen), in dem der Film spielt, lässt sich als Parabel auf die in Düsternis und Aussichtslosigkeit versunkene islamische Herrschaft im Iran lesen."
Weitere Artikel: Rüdiger Suchsland wird auf Artechock beim Rückblick auf das FilmfestMünchen, wie es vor dreißig Jahren war, sehr nostalgisch und, bei aller Sympathie, sehr bitter, wenn er auf die Gegenwart des Festivals blickt. Sein Kollege Thomas Willmann resümiert das Festival ebenfalls. Leonard Krähmer berichtet für critic.de das 59. Filmfestival in KarlovyVary.
Besprochen werden die den Filmschaffenden VérénaParavel und LucienCastaing-Taylor gewidmete Ausstellung im soylent green in Berlin (critic.de, mehr dazu bereits hier), Alex Ross Perrys auf Mubi gezeigtes Porträt der Indieband Pavement (critic.de), ElsaKremsers und LevinPeters "Dreaming Dogs" (Artechock), Oliver Rihs' "#Schwarze Schafe" (Artechock), Chris Millers "Die Schlümpfe" (Artechock, unsere Kritik), Marianne Elliotts "Der Salzpfad" (NZZ, Standard), LenaDunhams neue Fernsehserie "Too Much" (NZZ) und die Netflix-Serie "Untamed" (FAZ, Zeit Online).
Körperlichkeit aus fast unerträglicher Nähe: "De humani corporis fabrica" von Véréna Paravel und Lucien Castaing Heute eröffnet im silent green Kulturquartier in Berlin eine Ausstellung zum filmischen Schaffen von VérénaParavel und Lucien Castaing, die seit einigen Jahren daran arbeiten, die dokumentarische Filmform mit experimentell-avantgardistischen Arbeiten auf ein neues Niveau zu heben. Den beiden geht es "nicht darum, die Welt zu verstehen; es geht vielmehr darum, sie zu spüren", erklärt Patrick Holzapfel In einem Filmdienst-Essay: "Im Bildergetümmel ist das Sinnliche eine Leerestelle geworden", diagnostiziert Holzapfel unsere bildgetränkte Gegenwart. "Alles erscheint wie hinter Glas, das der Ansatz von Paravel und Castaing-Taylor immer wieder zu brechen verspricht." Ihre Bilder "tauchen im wahrsten Sinne des Wortes in die jeweiligen Gegebenheiten und Orte ein. Das sieht man etwa bei 'De humani corporis fabrica', der Bilder aus dem Inneren von Körpern in französischen Krankenhäusern zeigt. Man sieht Körperlichkeit aus fast unerträglicher Nähe. Sie wird nicht eingeordnet und erklärt; sie wird in ihrer Grenzenlosigkeit dargeboten. Die Filme trachten nach Immersion und verstehen sie als Akt, in dem man nicht mehr weiß, wo man ist."
Außerdem: Ralph Eue empfiehlt im Filmdiensteine Frankfurter Werkschau mit den Film von AlainJessua. Volker Weidermann hat für die ZeitArminMueller-Stahl besucht. Besprochen werden ChristianLerchs Roadmovie "Karli & Marie" (Perlentaucher Jochen Werner hat viel Freude am "herrlich größenwahnsinnigen Schlusspunkt"), die DVD-Ausgabe von AdilkhanYerzhanovs kasachischem Thriller "Steppenwolf", der sich zugleich laut tazler Ekkehard Knörer mit "einiger Wucht" bei den Klassikern des Westernkinos bedient, ThorKleins und LenaVurmas "Leonora im Morgenlicht" (FR), Marianne Elliotts "Der Salzpfad" mit Gillian Anders (FR, Welt) und ChrisMillers "Die Schlümpfe - Der große Kinofilm" (Perlentaucher).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Das Kino ist am Ende. Schuld daran, glaubt Andreas Scheiner in der NZZ, ist das Streaming, aber auch der gesättigte Arthaus-Mittelstand, der sich in Programmkinos und Festivals festgesetzt hat und wie ihn Lars Henrik Gass in seinem Buch "Objektverlust. Film in der narzisstischen Gesellschaft" kritisiert ("Er hat nicht unrecht"). Aber vielleicht wandelt sich das Kino doch noch zu einem Phoenix aus der Asche? "Die große Chance für das Kino ist ausgerechnet seine größte Bedrohung: die KI. Paradoxerweise wird die Technik durch die Technik obsolet: Weil es immer weniger Mittel braucht, um Filme zu machen. Man muss nicht James Cameron heißen und mehrere hundert Millionen Dollar aufwenden, um 'Avatar' in die Länge zu ziehen. In naher Zukunft kann praktisch jeder auf Pandora drehen und Geschichten von blauen humanoiden Mondbewohnern erzählen. Womit sich dann kein Mensch mehr dafür interessieren wird. Blockbuster werden ihre Anziehungskraft verlieren. Denn selbst an noch so spektakulären Bildern hat sich das Publikum irgendwann sattgesehen. Was sich nicht erschöpft, sind die Geschichten. Solche, die sich keine KI ausdenken kann. Und die sich nicht darum drehen, was ohnehin jeder schon kennt, sondern die das eigene Weltbild herausfordern. Wenn es so kommt, dann kommt die beste Zeit für das Kino erst noch."
Außerdem: Besprochen wird der Netflix-Animationsfilm "KPop Demon Hunters" (FAZ).
Aurelie von Blazekovic porträtiert für die SZ den IntimitätskoordinatorDavid Thackeray, der bei Dreharbeiten zu intimen Szenen darauf achtet, dass es zu keinen Übergriffen oder unangenehmen Situationen kommt. David Steinitz (SZ) und Mariam Schaghaghi (FAS) sprechen mit GillianAnderson über ihre Rolle in "Der Salzpfad". Im Filmdienstgratuliert Josef Nagel dem internationalen FilmkritikverbandFIPRESCI zum 100-jährigen Bestehen. Micky Beisenherz stutzt in der SZ, dass die Produktion des neuen Films aus der "Tribute von Panem"-Reihe ausgerechnet in Duisburg nach Komparsen sucht.
Besprochen werden WillyHans' "Der Fleck" (FAZ, unsere Kritik), JohannBetz' Dokumentarfilm "SepRuf - Architekt der Moderne" (Welt), JamesGunns "Superman" (critic.de) und OliverRihs' Komödie "#SchwarzeSchafe" (FAS).
In Hollywood herrscht eine Stimmung, bei der das Entsetzen über das Leid der Palästinenser immer häufiger über einen diffusen Antizionismus in Antisemitismus kippt, berichtet Jana Talke in der Jüdischen Allgemeinen. "Jeder jüdische Star, der sich wie Bar Refaeli oder Gal Gadot zu Israel bekennt, Solidarität mit den Geiseln in Gaza zum Ausdruck bringt wie Ginnifer Goodwin oder offen zu seinen Wurzeln steht, wird in sozialen Medien als 'Zio' beschrien. Die Comedians Jerry Seinfeld, Amy Schumer und Chelsea Handler haben aufgrund ihrer (unterschiedlich gearteten) pro-israelischen Einstellungen Cyber-Mobbing, Schikanen und störende Free-Palestine-Aktionen auf ihren Veranstaltungen erfahren. Auch Stars wie Sacha Baron Cohen, die sich nicht zum jetzigen Konflikt äußern, werden für frühere Kommentare beschimpft, seien diese auch nur dem Anti-Antisemitismus gewidmet. Aufgrund dieser tatsächlich an die McCarthy-Ära gemahnenden antisemitischen Stimmung zeigen sich immer weniger jüdische Schauspieler bereit, sich zum Nahost-Konflikt oder zum Antisemitismus in Amerika zu äußern."
Der Raum erzählt Gefühle: Christian Petzolds "Miroirs No. 3" (Piffl Medien) Nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes hatte ChristianPetzolds neuer Film "Miroirs No. 3" nun beim Filmfest München deutsche Erstaufführung, der reguläre Kinostart ist für den Oktober angekündigt. Dunja Bialas und Amelie Hochhäusler haben sich in München zum Gespräch mit dem Regisseur getroffen. Unter anderem erklärt er, warum es ihm für dieses Familiendrama wichtig war, dass das Haus als Spielort nach amerikanischer Manier eine Veranda zur Straße hat: "Die Straße ist ein sozialer Ort. Unser Haus erzählt davon, dass die Familie einmal offen war, zur Straße hin. ... Das zweite ist, dass ich finde, dass man bei sehr, sehr vielen Filmen - gerade bei Erstlings- und Zweitlingsfilmen - keine Raumorientierung mehr hat, weil die Produktionsbedingungen schlecht sind und leider alle sich für die Handkamera entscheiden, um schneller fertig zu werden. Das Raumgefühl aber gibt nicht nur Orientierung, der Raum erzählt Gefühle. Wie weit wir voneinander entfernt sitzen. Wie eine Aufstellung ist." Außerdem erfahren wir, welche Filme Petzold diesmal mit seinem Team zur Vorbereitung durchgearbeitet hat: NanniMorettis "Das Zimmer meines Sohnes" und Hitchcocks "Rebecca".
Der traditionelle Schwerpunkt auf den deutschen Film beim FilmfestMünchen zeigte sich in diesem Jahr, anders als in den Jahren zuvor, ziemlich dynamisch, schreibt Axel Timo Purr auf Artechock: Dieses Jahr gab es eine "heterogene, widersprüchliche Sammlung an Werken. Zwischen Reibung und Rausch, Eskalation und Essenz zeigte die Auswahl eine erstaunliche Bandbreite: mal glatt, mal roh, mal oberflächlich, plump und peinlich und dann wieder so zart, klug und innovativ, dass einem schwindelte."
Weiteres: Thomas Willmann spricht für Artechock mit TimKey und JamesGriffiths über deren (auf Artechock und in dertaz besprochenen) Film "The Ballad of Walls Island". Dunja Bialas berichtet auf Artechock von Branchentreffen beim FilmfestMünchen. Von dort liefern ihre Kolleginnen Anna Edelmann und Paula Ruppert zehn Impressionen. Rüdiger Suchsland resümiert auf Artechock die Masterclass, die der iranische Filmemacher AsgharFarhadi beim Festival Il Cinema Ritrovatoin Bologna gegeben hat (mehr vom Festival bereits hier). Die Cineteca Bologna hat das Gespräch auf ihrem ohnehin reichhaltig gefülltenYoutube-Kanal dokumentiert:
Besprochen werden WillyHans' "Der Fleck" (Tsp, Artechock, unsere Kritik), die von LenaDunham für Netflix geschriebene RomCom-Serie "Too Much" (Welt), Ben Smallbones "Homestead" (Artechock), JohannBetz' Dokumentarfilm "SepRuf - Architekt der Moderne" (Artechock), Darren Thorntons "Vier Mütter für Edward" (Standard), die dritte Staffel der Netflix-Erfolgsserie "Squid Game" (Freitag), Philip Kochs Netflix-Gruselfilm "Brick" mit Matthias Schweighöfer (Welt, SZ) und JamesGunns "Superman"-Blockbuster (NZZ, Artechock).
Wer beobachtet hier wen? Szene aus "Der Fleck" von Willy Hans (Grandfilm) Sehr beeindruckend findetPerlentaucherin Stephanie Diekmann WillyHans' Langfilmdebüt "Der Fleck". Der Film handelt von einer Gruppe Schüler, die lieber einen langen Sommernachmittag an einem Flussufer verbringt statt in den Unterricht zu gehen. Doch "wächst das Gefühl der Beklemmung. Nicht auf Seiten der Figuren, von denen sich zwei irgendwann in Bewegung setzen und von da an im Terrain vague zwischen Autobahnbrücke und Flussufer unterwegs sind. Sondern auf Seiten derjenigen, deren Blick an den der Kamera (spektakulär: PaulSpengemann) angeschlossen ist, und denen durch diese Kamera vermittelt wird, dass etwas zurückblickt: aus dem Wald, dem Dickicht, von der anderen Seite des Flusses, aus der Tiefe der Höhlen, aus der Distanz und gelegentlich aus der Nähe. ... Der Horror, der in der Welt wohnt und wartet, ist in wenigen Filmen so behutsam kartiert worden wie in 'Der Fleck'." Dazu passend hier unser Resümee des Filmdienst-Gesprächs, das Kamil Moll mit dem Regisseur geführt hat. Die Kritiker von critic.de - darunter viele, die auch für den Perlentaucher tätig sind - schildern ihre gesammelten Eindrücke vom und Entdeckungen beim Festival Il Cinema Ritrovatoin Bologna, das ganz auf Retrospektiven und Restaurationen spezialisiert ist. Verblüffendes ist dabei an der Tagesordnung. "Es geht hier in Bologna nicht nur darum, Filme wiederzuentdecken", hält Andrey Arnold fest, "sondern auch darum, sie immer wieder neu auszurichten, umzustülpen, sie zu verpflanzen oder auf den Kopf zu stellen, damit sie uns in einem anderen, außergewöhnlichenLicht erscheinen. Erstaunlich, wie produktiv das in den meisten Fällen ist."
Weitere Artikel: Oliver Rahayel resümiert im Filmdienst die Diskussionsveranstaltungen beim FilmfestMünchen. Andreas Scheiner porträtiert für die NZZ den Schauspieler Jeremy Allen White, der im Herbst als BruceSpringsteen im Kino zu sehen sein wird. Thomas Schmoll erinnert in der Welt an ElemKlimovs vor 40 Jahren uraufgeführten Antikriegsfilm-Klassiker "Komm und Sieh".
Besprochen werden ElsaKremsers und LevinPeters "Dreaming Dogs" (Perlentaucher), die Arte-Doku "World White Hate" über den sich übers Internet international vernetzenden Rechtsradikalismus (taz), die von LenaDunham für Netflix geschriebene RomCom-Serie "Too Much" (taz, FAZ) und James Gunns neuer "Superman"-Film (taz, Standard).