Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2025 - Film

Die Ostfrau im Film: "Wilma will mehr"

Maren-Kea Freese (geboren in Hannover, wie jede Kritik anmerkt) erzählt mit "Wilma will mehr" die Geschichte einer einfachen Elektrikerin aus der DDR, die Ende der Neunziger aus der Lausitz nach Wien geht. Gespielt wird sie von Fritzi Haberlandt (geboren in Berlin-Ost, was ebenso jede Kritik anmerkt). "Besonders schön ist Freeses Film immer dann", schreibt Barbara Schweizerhof im Freitag, "wenn man die patente Wilma dabei beobachten darf, wie sie ihr Pech in persönliches Glück verwandelt. Als vielseitige Handwerkerin, als Mitbewohnerin, die stolz ihre DDR-Identität in einer Bohemien-WG verteidigt, oder auch als Tanzlehrerin, die japanischen Touristen den Wiener Walzer beibringt." Michael Pilz (Welt) verlässt den Kinosaal derweil mit Fragen. "Noch ein Film über den Osten und die Ostdeutschen" also, aber will Freeses "Film wirklich wissen, wie die sogenannten Ostfrauen waren und vielleicht sogar noch sind? Oder ist Wilma wie sie ist, weil es der Film und die Ost-West-Debatten drei Jahrzehnte nach dem Ende eines immer märchenhafter wirkenden anderen deutschen Staatswesens gern hätten? Filme zeigen Fantasien und Fiktionen in Klischees, Kulissen und Kostümen." Und "zum filmreifen Klischee haben sich auch die Ostdeutschen verdichtet, vor allem die Ostfrau."

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Sichtlich fasziniert liest sich Susanne Gietl für den Filmdienst durch das Buch "You Are What You Watch: How Movies and TV Affect Everything" des Datenjournalisten Walter Hickey, der anhand zahlreicher Beispiele die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Film illustriert. Dazu gehört auch die Messung körperlicher Reaktionen auf Filme: "Der niederländische Mediziner Frits Rosendaal analysiert vor und nach der Sichtung eines Films körperliche Reaktionen. Der auf Thrombose und Hämophilie spezialisierte Professor entwickelte eine spezielle Methode, um körperliche Reaktionen beim Filmerleben nachzuweisen. So wurde einer Studiengruppe zunächst der Dokumentarfilm 'A Year in Champagne' gezeigt und zwei Wochen später der Horrorfilm 'Insidious - Hinter verschlossenen Türen' (2010). Jeweils vor und nach der Filmsichtung wurde die Blutgerinnungsfähigkeit untersucht. Das Ergebnis spricht für sich. Während sich bei der Dokumentation bei 86 Prozent der Menschen eine bessere Blutgerinnung nachweisen ließ, passierte bei 'Insidious' das Gegenteil. Bei 57 Prozent der Probanden gefror das Blut zwar nicht sprichwörtlich in den Adern, aber ihre Körper reagierten tatsächlich mit einem geringeren Blutfluss."

Im Standard freut sich Christian Schachinger, dass Pamela Anderson nach "The Last Showgirl" (mehr dazu hier) ihr Comeback mit der (auf Zeit Online besprochenen) Komödie "Die nackte Kanone" (unser Resümee) ausbauen kann.

Besprochen werden Maren-Kea Freeses Wendegeschichte "Wilma will mehr" mit Fritzi Haberlandt (Freitag, Welt), Viktor Jakovleskis und Nikias Chryssos' Technofilm "Rave On" (Welt, mehr dazu hier), Daniel Abmas Dokumentarfilm "Im Prinzip Familie" (Freitag), Nick Hamms britischer Blockbuster "William Tell" (NZZ) sowie Elsa Bennetts und Hippolyte Dards Alkoholikerinnen-Schwank "Die guten und die besseren Tage" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2025 - Film

Außer Atem: Liam Neeson in "Die Nackte Kanone"

Quietschfidel kommt Kamil Moll nach Akiva Schaffers "Die Nackte Kanone" aus dem Kinosaal getänzelt. Das mit Liam Neeson besetzte Reboot des Nonsense-Klassikers der späten Achtziger überzeugt auf ganzer Linie. Der Film "beherzigt die wichtigste Regel typischer ZAZ-Produktionen", schreibt er in der Welt: "Schauspieler in tragenden Rollen zu besetzen, die in der popkulturellen Wahrnehmung noch kaum als Komödiendarsteller gesetzt sind. Und sie so spielen zu lassen, als würden sie als Einzige scheinbar nicht wissen, dass sie permanent Pointen erzeugen." Da Komödien praktisch aus dem amerikanischen Kino verschwunden sind, wundert es Moll nicht, "dass 'Die nackte Kanone' in Bezug auf Tempo und Gag-Dichte geradezu überzukompensieren scheint, atemlose 85 Minuten lang Witz auf Witz schichtet, als gelte es Rechtfertigungen für die eigene Existenz zu liefern. Wenn am Ende aber selbst die Abspann-Credits noch gefüllt sind mit Sehtests und einer Aufzählung der gängigsten Netflix-Passwörter, ist diese Beweisführung in eigener Sache abgeschlossen."

Der Film "ist von einer so befreienden Nichtsnutzigkeit, dass man sich fragt, wie Hollywood ausgerechnet das Dümmste seiner erfolgreichen Franchises so lange brachliegen lassen konnte", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR. "Nichts zündet wirklich", murrt hingegen Axel Timo Purr auf Artechock. Auch nicht rundum überzeugt ist SZ-Kritiker Jakob Biazza. Gelacht hat er schon auch, aber dem Film mangelt es "oft an der nötigen Nonchalance. Und noch etwas mehr an der getriebenen Akribie des Regisseur- und Drehbuchautoren-Trios Jim Abrahams und David und Jerry Zucker. Jener Akribie, mit der die drei besonders im ersten Teil ihre vermeintlichen Brachialwitze erst vorbereiteten - und dann exekutierten. Mit der sie vor allem in den Achtzigern das ganze hohle Hollywood-Pathos persiflierten und damit pulverisierten."

Weitere Artikel: Cosima Lutz widmet sich in einem Filmdienst-Essay der Schauspielkunst von Fritzi Haberlandt, die aktuell in Maren-Kea Freeses "Wilma will mehr" (besprochen bei Artechock) zu sehen ist. In seiner Artechock-Glosse verzweifelt Rüdiger Suchsland über den Jubel der deutschen Produzenten über den gestern beschlossenen Geldsegen der Filmförderung für die Branche, denn "der derzeitige Umgang der Filmförderung mit dem Kinofilm ist lieblos und kenntnislos. Er droht diesen zu zerstören." Marina Razumovskaya besucht für die taz den Fundus der 1907 gegründeten Berliner Theaterkunst GmbH, deren Vorräte heute internationalen Film- und Fernsehproduktionen dienen. Außerdem erinnert Rüdiger Suchsland in einer neuen Artechock-Reihe mit Klassikerbesprechungen an Bernardo Bertoluccis "Der letzte Kaiser".

Besprochen werden Kyle Newachecks "Happy Gilmore 2" mit Adam Sandler (Perlentaucher), Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Technofilm "Rave On" (taz, Artechock, critic.de, mehr dazu bereits hier), Alvaro Longorias Dokumentarfilm "Ecce Homo" über ein unbeachtete in einer Wohnung hängendes Gemälde, das sich als echter Caravaggio entpuppte (FR), Pia Hierzeggers Regiedebüt "Altweibersommer" über drei Frauen im Urlaub (Tsp), Elsa Bennetts und Hippolyte Dards "Die guten und die besseren Tage" (Standard), Michael Shanks' "Together - Unzertrennlich" (taz) und die Apple-Serie "Chief of War" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.07.2025 - Film

Heute will die Bundesregierung beschließen, dass sich die Filmförderung im nächsten Jahr von 133 Millionen auf 250 Millionen erhöht. Dieser Geldsegen hängt auch damit zusammen, dass sich das noch unter Claudia Roth in Aussicht gestellte Steueranreizmodell bislang aufgrund der Diskussion mit den Bundesländern schmerzlich verschleppt. "Zwar können seit Februar dieses Jahres Produktionsfirmen statt 20 Prozent 30 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen, doch da die Gesamtsumme des Deutschen Filmförderfonds und des German Motion Picture Funds gleich geblieben ist, hält sich der positive Effekt in Grenzen", informiert Helmut Hartung in der FAZ. Zudem "könnte ein steuerbasiertes Anreizmodell frühstens ab 2027 in Kraft treten. Die Filmwirtschaft klagte beim Staatsminister, dass bis dahin eine Insolvenzwelle über technische Dienstleister und Produktionsfirmen hinwegrollen würde. Also einigte man sich kurzfristig ... auf die pragmatische Füllhorn-Lösung, die die Bundesländer verschont und eine schnelle Hilfe verspricht."

Dieser rasche Erfolg hat maßgeblich mit der Lobby-Arbeit von Björn Böhning von der SPD zu tun, erklärt Michael Hanfeld im FAZ-Kommentar. Der frühere Hauptgeschäftsführer der Produktionsallianz hat (mal wieder) die Seiten gewechselt: "Er ist seit Anfang Mai Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. ... Als Verbandsboss der Filmproduzenten trieb er die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen von deren ersten Tag im Amt bis zum Bruch der Ampelkoalition in Sachen Filmförderung vor sich her. Was Roth an Plänen ventilierte, erschien stets so, als hätte der Produzentenverband die Tischvorlage geschrieben." Jetzt "sitzt der Strippenzieher Björn Böhning im Finanzministerium, das sich zu Ampelzeiten unter Christian Lindner (FDP) nicht engagierte, und - schwups - gibt es für die Filmförderung 120 Millionen Euro pro Jahr drauf. Das allerdings nur, wenn es dem von der Union ins Amt gebrachten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gelingt, den Streamern Zwangsinvestitionen in deutsche oder europäische Filme aufzuerlegen."

Außerdem: Thomas Abeltshauser spricht in der taz mit Dea Kulumbegaschwili über deren neuen, beim Filmfestival in Venedig mit dem Preis der Jury ausgezeichneten Film "April". Besprochen werden Maura Delperos Historiendrama "Vermiglio" (Jungle World, unsere Kritik) und Álvaro Longorias Dokumentarfilm "The Sleeper" über ein Bild, das unbeachtet in einer Wohnung hing und sich am Ende als echter Caravaggio entpuppte (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.07.2025 - Film

Verloren im Labyrinth: "Rave On" (Telos Pictures)

Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Techno-Film "Rave On" (mit Aaron Altaras, der kürzlich in der ARD-Serie "Die Zweiflers" für Aufsehen sorgte) taucht tief ein in die Ekstaseangebote einer Berliner Clubnacht, schreibt Philipp Bovermann in der SZ. Das Drehbuch steuert zwar einige Klischees, aber wer bitte achtet bei so einem Film auf die Story? "Alle hier sind abgeklärte Profis. Und trotzdem gibt es unter ihnen ein Einverständnis, dass hier eine mindestens höher dosierte, vielleicht sogar höhere Form der Wirklichkeit eingeübt und verteidigt wird, gegen Mainstreamdeppen, gegen Kommerzheinis, gegen Zugezogene, ein bisschen auch: gegen die Gegenwart. ... Es wird geballert, Freunde. Es läuft Musik. Man schwebt durch die Stunden wie eine klirrende Partikelwolke, deren Spannung sich ständig verändert, von Reinheit auf Abgrund, von warmem Leuchten auf verloren im Labyrinth. Und im Darkroom erzählt einem irgendeine Tante was von 'unerschöpflicher Nullpunkt-Energie im Äther'. Berlin, baby! Früher war alles besser."

Außerdem: Jannis Holl erinnert in der FAZ (online nachgereicht) an Arthur Penns New-Hollywood-Klassiker "Little Big Man" mit Dustin Hoffman. Besprochen werden Kyle Newachecks neuer "Happy Gilmore"-Film mit Adam Sandler (NZZ) und die auf Hawaii angesiedelte Apple-Serie "Chief of War" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2025 - Film

Die "Star Wars"-Filme, die George Lucas um 2000 ins Kino brachte, waren bei den Fans zwar einst sehr verhasst, schreibt Kathleen Hildebrand in der SZ, doch lohnt es sich, die Trilogie im Lichte aktueller politischer Großwetterlagen wiederzusehen. "Die Politik der Prequels könnte nicht besser in die bedrohliche Gegenwart passen. Lucas erzählt für seine Verhältnisse subtil und klug davon, wie Demokratie in Faschismus kippt. Von ihrer Lähmung durch Bürokratie und die Korrumpierbarkeit ihrer Politiker durch wirtschaftliche Interessen. ... Bei einer der letzten Abstimmungen im Senat wird die Republik verabschiedet und, 'um die Sicherheit zu garantieren', zum Imperium erklärt, mit einem allein regierenden Herrscher an der Spitze. Die Tausenden Senatoren in ihren Kanzeln, die mit Rüsseln, mit Fühlern, mit blauer Haut und rosafarbener, alle klatschen für Palpatine, der im Geheimen ein böser Sith-Lord ist. Amidala, die selbst zu seinem Aufstieg beigetragen hat, sagt: 'So also stirbt die Freiheit. Mit donnerndem Applaus.'"



Besprochen werden Charlène Faviers Biopic "Oxana" (Jungle World, FAZ, unsere Kritik) und die auf Disney+ gezeigte Serie "Washington Black" nach dem gleichnamigen Roman von Esi Edugyan (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2025 - Film

Bert Rebhandl spricht in der FAS mit der Schauspielerin Fritzi Haberlandt, die aktuell im Kino in Maren-Kea Freeses Ostfrauen-Porträt "Wilma will mehr" (besprochen in der WamS) zu sehen ist. Felicitas Kleiner führt im Filmdienst durch das angekündigte Programm des Filmfestivals Venedig. Katharina Zeckau porträtiert im Filmdienst den Filmemacher Max Kronawitter. Martin Scholz plaudert in der WamS mit Mark Hamill, der aktuell in Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung "The Life of Chuck" im Kino zu sehen ist. Katharina J. Cichosch schreibt in der taz einen verspäteten Nachruf auf den bereits Mitte Juni verstorbenen Kölner Filmrebell und Kinomacher Bernhard Marsch (hier unser erstes Resümee zu dessen tragischen und viel zu frühen Tod).

Besprochen werden Maura Delperos Melodram "Vermiglio" (Standard, unsere Kritik), Charlène Faviers "Oxana" (FAZ, unsere Kritik), die auf MagentaTV gezeigte Serie "The German" mit Oliver Masucci (taz, Tsp), Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis "Rave On" mit Aaron Alataras (FAS), die ZDF-Serie "Rembetis" (FAZ) und der Superheldenfilm "The Fantastic Four - First Steps" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.07.2025 - Film

Fabian Tietke freut sich in der taz über die Werkschau Aysun Bademsoy in Frankfurt. Erst kürzlich brachte die türkischstämmige Berliner Filmemacherin mit "Spielerinnen" (unsere Kritik) ein P.S. zu ihrer 1995 mit "Mädchen am Ball" begonnenen Langzeit-Doku-Trilogie über fußballspielende türkische Mädchen in Berlin-Kreuzberg in die Kinos. "Im Rückblick wird noch deutlicher, dass schon in ihren ersten Filmen Menschen um ein Verhältnis ringen zu der Gesellschaft, in der sie leben, aber auch zu den Menschen in ihrer Familie, ihrem Freundeskreis. In den Filmen über die Fußballerinnen geht es neben diesen Themen auch um vermachtete Projektionen und Erwartungen, mit denen sich Frauen herumschlagen müssen. ... Mitte der 2000er Jahre porträtiert Bademsoy in 'Am Rand der Städte' das Leben von Menschen, die aus der Arbeitsemigration in die Türkei zurückgekehrt sind und oft in abgeschlossenen Siedlungsbauten leben. Geduldig und behutsam zeigt der Film Szenen aus dem Alltag der Zurückgekehrten, viele der Bilder zeigen sie beim Rentnerdasein in ihren Wohnungen, während ihre Kinder versuchen den Nicht-Orten am Strand etwas abzugewinnen. ... Gut zehn Jahre später zeigt sie in 'Spuren - Die Opfer des NSU' ein Panorama der Trauer und Enttäuschung unter Hinterbliebenen und Freunden der vom NSU Ermordeten."

In seiner wöchentlichen Artechock-Kolumne ärgert sich Rüdiger Suchsland über durchformatiertes Kino, darüber, dass selbst gestandene Autorenfilmer in Deutschland mit Filmförderung nicht rechnen dürfen, dass der Filmnachwuchs offenbar jeden Hunger verloren hat und dass der Tod des einst für den deutschen Film sehr wichtigen Produzenten Rob Houwer von der hiesigen Medienöffentlichkeit quasi komplett verpennt wurde. Noch "vor drei Jahren hatte ihm das Münchner Filmmuseum eine Retrospektive gewidmet. ... Immerhin in Blickpunkt Film gibt es einen Nachruf, der ihn angemessen als 'eine Schlüsselfigur der sich emanzipierenden Filmszene der BRD' und des Autorenfilms ehrt. Früh arbeitete er mit Regisseuren wie Volker Schlöndorff, Michael Verhoeven, Johannes Schaaf, Peter Fleischmann und Hansjürgen Pohland zusammen. Der von ihm produzierte Film 'Jagdszenen aus Niederbayern' (1969) wurde zum internationalen Erfolg und zählt heute zu den ikonischen Werken des westdeutschen Autorenkinos. Ebenso 'O.K.' von Michael Verhoeven, der 1970 für einen Abbruch der Berlinale sorgte. 1982 ehrte ihn die Bundesrepublik mit dem Filmband in Gold als Unterzeichner des Oberhausener Manifests. 2022 wurde sein Film 'Der Soldat von Oranien' (Regie: Paul Verhoeven) Weltkulturerbe."

Weiteres: Jörg Gerle widmet sich im Filmdienst neuen 4K-Editionen von David Finchers frühen Filmen. Marion Löhndorf (NZZ) und Alexander Menden (SZ) gratulieren Helen Mirren zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden Charlène Faviers Biopic "Oxana - Mein Leben für die Freiheit" (Artechock, Standard, Tsp, unsere Kritik), Maura Delperos Melodram "Vermiglio" (Artechock, unsere Kritik), Adam Elliots Animationsfilm "Memoiren einer Schnecke" (Artechock, mehr dazu bereits hier), Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung "The Life of Chuck" (Artechock, Welt), Lena Dunhams Serie "Too Much" (Freitag), Petra Costas Netflix-Dokumentation "Apokalypse in den Tropen" über die politischen Turbulenzen in Brasilien in den letzten Jahren (SZ), die auf MagentaTV gezeigte Serie "The German" mit Oliver Masucci (Welt) und der vom Europapark Rust produzierte Animationsfilm "Grand Prix of Europe" (FAZ, Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2025 - Film

Sensibel und mit der Last der Welt auf den Schultern: Albina Korzh spielt Oksana Schatschko

Charlène Favier erzählt in "Oxana - Mein Leben für die Freiheit" die Geschichte der Künstlerin Oksana Schatschko (gespielt von Albina Korzh), die die Protestgruppe Femen gründete. Wir erinnern uns, das war jenes Kollektiv, das um 2010 mit nackten Brüsten und subversiven Aktionen gegen Putin und andere Patriarchen aus Osteuropa international für einiges Aufsehen sorgte und damit deren Hass auf sich zog. Die Regisseurin "zeigt das Patriarchat als Problem, das in jede Nische des privaten und gesellschaftlichen Lebens eindringt", schreibt Alice Fischer im Perlentaucher. "Schon früh spürt man in den packenden Bildern dieses Films, dass diese sehr verletzliche und sensible Person unter der Last der Welt, die sie sich auf die Schultern geladen hat, vielleicht zusammenbrechen wird. Favier schafft in ihrem Film beeindruckende Momente der Konversion: Das religiöse Motiv wird immer wieder aufgegriffen, nicht nur, weil Schatschko später in Paris eine Ausstellung mit ihren Ikonen eröffnen wird. Nun sind die religiösen Bilder in blasphemischer Weise verfremdet, wir sehen Penisse, Madonnen, die Burka tragen, einen Erzengel mit Sturmgewehr. Aber der Film geht viel weiter in seinem kunstvollen Spiel mit dem Thema: Als Oksana in Paris spontan ein intensives Sexerlebnis mit einem Fremden hat, gehen ihre Augen beim Cunnilingus wie die einer Märtyrerin zum Himmel: 'Ich werde nie heiraten', schwört sie in Ekstase dem Allmächtigen."

Unwahrscheinlich depressiv, aber dafür auch unwahrscheinlich niedlich: Adam Elliotts "Memoiren einer Schnecke" sendet mixed messages

Acht Jahre lang hat Adam Elliott an seinem Knete-Animationsfilm "Memoiren einer Schnecke" buchstäblich herumgedrückt, entstanden ist "ein melancholisches Juwel", freut sich Daniel Kothenschulte in der FR. Ein Kinderfilm ist das nicht - in den verschroben-skurrilen Bildwelten geht es um Tod und Depression. "Alle Menschen sind fragile Wesen in diesem Film, Weichtiere gewissermaßen." Für den Film hat sich Elliott von der lebensweltlich allumfassenden Bräune seiner Kindheit in den Siebzigern inspirieren lassen, schreibt Jens Balzer in der Zeit. "Braun ist nicht gleich Braun, es gibt immer noch ein anderes Braun, und alles führt zurück in die Kindheit: Das sagt schon viel über die Kunst dieses Films. Er führt in eine Welt, in der es wimmelt und in der sich alles unaufhörlich verwandelt, auch dort, wo es eng und gedrückt erscheint; er führt in eine Welt, die voller Nuancen und Feinheiten ist, auch dort, wo man sie nicht erwartet oder nicht auf den ersten Blick sieht." Katharina Granzin ist in der taz ein bisschen skeptischer: Die Geschichte "ist so überbordend voll mit Unglück, dass es fast schon beliebig wirkt". Als "Kontrapunkt" ist hier "in zahllosen visuellen Details ein liebevoller Humor am Werk, der allerdings auch widersprüchliche Botschaften vermittelt. Manchmal schwappt er ins Sarkastische" und "dann wieder ins Allzuniedliche: All die Schnecken-Accessoires, die Grace um sich versammelt, verbreiten ein solches Feelgood-Ambiente, dass Grace' Unglücklichsein darin fast unangemessen wirkt".

Weiteres: Tilman Krause freut sich in der Welt, dass das Berliner Zeughauskino noch bis Ende August eine (von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster mitkuratierte) Reihe mit den Filmen von Willi Forst zeigt. Besprochen werden Maura Delperos Melodram "Vermiglio" (Perlentaucher), Matt Shakmans Superheldenfilm "Fantastic Four: First Steps" ("ein Lieblingsfilm", schwärmt ein völlig hingerissener Andreas Platthaus in der FAZ), Oliver Rihs' Berlinkomödie "#SchwarzeSchafe" (NZZ),  Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung "The Life of Chuck" mit Tom Hiddleston (FAZ, Standard), Caroline Poggis und Jonathan Vinels vorerst nur in der Schweiz startender Film "Eat the Night" (NZZ) und eine Arte-Doku über Liza Minnelli (Welt). Filmdienst und Tagesspiegel schauen außerdem auf die Kinostarts der aktuellen Woche.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.07.2025 - Film

Ein Leckerbissen für Freunde des Analogfilms präsentiert ab morgen und bis zum Sonntag das Hamburger Metropolis-Kino: Da läuft das von Thorsten Wagner kuratierte Festival "Grainy Days from 16mm". Das Programm zeigt "wie einschneidend das Format seit seiner Einführung im Jahr 1923 die Film- und Kinokultur beeinflusst hat", schreibt Wilfried Hippen in der taz. "Filme wurden dank der Verkleinerung der Filmstreifen von 35mm auf 16mm billiger und dadurch demokratischer." Auf diese Weise "entstanden viele Nischen, in denen eine neue, vielfältige und wilde Filmkultur sprießen konnte. ... Auch der Dokumentarfilm, wie wir ihn heute kennen, wurde erst durch die 16mm-Kameras möglich, denn nur mit ihnen konnten die Kameraleute nach draußen gehen, um dort beweglich und spontan die Wirklichkeit in ihren Bildern einzufangen. Für das Kurzfilmprogramm 'Die Star Maschine' (24. 7., 21 Uhr) hat Wagner drei dokumentarische Filme über Pop-Stars aus den 1960er- und 1970er-Jahren ausgewählt. Darunter 'Das Tor zum Garten der Träume', für den Rolf Schübel mit der Kamera zwei junge Mädchen aus Oberhausen bei einem Tag mit ihrem Idol, dem Schlagersänger Bernd Clüver, begleitet hat."

Außerdem: Milos Vec staunt auf der Geisteswissenschaften-Seite der FAZ mit einer von Davide Vaira verfassten, juristischen Studie über Hayao Miyazakis "Porco Rosso" darüber, wie gut sich die Erzählung dieses japanischen Animationsfilms über einen privat quasi-militärische Einsätze fliegenden Piloten mit dem dafür gesetzten normativen Rahmen des Völkerrechts deckt. Besprochen werden Adam Elliots Animationsfilm "Memoiren einer Schnecke" (critic.de), Maura Delperos "Vermiglio" (taz, critic.de), die von Arte online gestellte Thriller-Serie "Das Attentat - Geheimoperation Belgrad" (Tsp) und Matt Shakmans Superheldenfilm "The Fantastic Four: First Steps" (Welt).
Stichwörter: Analoger Film, 16mm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.07.2025 - Film

Russland will diese Woche ein Gesetz verabschieden, das es Onlineanbietern verbieten soll, Filme zu vertreiben, die "die traditionellen geistig-moralischen Werte Russlands diskreditieren", berichtet Stefan Scholl in der FR. "Wie die meisten repressiven Gesetze der Putin-Legislative ist auch dieser Entwurf sehr schwammig", ähnlich wie schon genannte Werte nur raunend beschrieben werden. So "rätseln auch linientreue Portale, welche Filme welche dieser Werte verletzen könnten. In Gefahr seien 'Game of Thrones', 'Harry Potter', 'House of Cards' und 'Sex and the City', vermutet das Unterhaltungsportal dtf.ru. Allerdings gerieten diese US-Serien schon vorher unter Beschuss. Denn sie spielen zumindest in Passagen mit Motiven und Gedanken der in Russland inzwischen gesetzlich verbotenen 'Bewegungen' LGBT oder Childfree. Die neuen Verbote drohen also vor allem westlichen Filmen, deren Personal Phobien bei der nationalpopulistischen Szene Russlands hervorruft.. ... 'Welchen Zuschauer wir haben', verkündete Vizepremier Tatjana Golikowa schon 2023, 'das hängt vor allem davon ab, welchen Zuschauer wir erziehen.' Aber ein Großteil der russischen Jugend konsumiert längst kostenfrei Netflix-Serien auf ausländischen Piratenportalen, VPN ist für 14-Jährige Alltag."

Weiteres: Stefan Stiletto arbeitet sich in einem Werkporträt für den Filmdienst durch die Animationsfilme von Adam Elliot. In der FAZ gratuliert Dietmar Dath dem Schauspieler Willem Dafoe zum 70. Geburtstag. Besprochen werden Maura Delperos "Vermiglio" (Tsp), Jennifer Kaytin Robinsons neuer Film aus der Slasher-Reihe "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" (Standardund Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung "The Life of Chuck" (SZ).
Stichwörter: Russland, Zensur in Russland