Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2025 - Film

Philipp Stadelmaier berichtet im Filmdienst den Kongress Zukunft Deutscher Film in Frankfurt. Valerie Dirk spricht für den Standard mit August Diehl, der aktuell in Michael Lockshins russischem Arthouse-Blockbusterfilm "Der Meister und Margarita" den Woland spielt (hier und dort unsere Resümees). Florian Bayer resümiert in der taz das Linzer Filmfestival Crossing Europe. Besprochen werden der Netflix-Dreiteiler "Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat" (Presse), Paul Feigs Krimikomödie "Nur noch ein kleiner Gefallen" (SZ), der ARD-Vierteiler "Die Augenzeugen" (FAZ) und der neue "Marvel"-Blockbuster "Thunderbolts" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2025 - Film

Das private Filmarchiv des 2011 im Alter von 48 Jahren viel zu jung gestorbenen Filmkritikers Michael Althen ist Legende: Tausende von VHS-Aufnahmen hatte er dem Fernsehprogramm abgeluchst, später kamen ebenfalls tausende DVDs und BluRays hinzu. Nachdem sein Sohn, der Regisseur und Produzent Artur Althen, die Kassetten bereits letztes Jahr beim Filmfest München zugänglich machte, gibt es morgen auch an der Berliner Volksbühne dazu eine Performance. "Es ist eine Sammlung aus einer anderen Zeit", sagt Artur Althen im SZ-Gespräch mit Johanna Adorján. "Denn was machte ein Filmkritiker früher, wenn er zum Beispiel aus dem Stand auf irgendjemanden einen Nachruf schreiben musste? Für solche Fälle wollte mein Vater gewappnet sein. Er musste dann ja vielleicht etwas nachsehen. Es ging um Beruhigung. Darum, ruhig schlafen zu können, weil er im Fall der Fälle den erforderlichen Film da hätte. ... Es galt auch, die Aufnahme zu überprüfen. Wurde der Film gut erwischt, waren Anfang und Ende drauf? Anschließend musste die Neuheit etikettiert, nummeriert und katalogisiert werden. ... Erst rückblickend wird mir klar, dass das auch etwas von Wahnsinn hatte."

Weitere Artikel: Rüdiger Suchsland gibt auf Artechock dem designierten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in Sachen Filmpolitik ein paar Tipps und schreibt dem stramm Konservativen ins Stammbuch: "Kulturpolitik darf nicht parteipolitisch aufgefasst werden." Weimer selbst wehrt sich übrigens im Stern-Interview gegen Vorwürfe des Rechtskonservatismus. Esther Buss empfiehlt im Tagesspiegel eine Berliner Reihe mit Filmen von Vittorio De Sica.

Besprochen werden Albert Serras Stierkampf-Dokumentarfilm "Nachmittage der Einsamkeit" (Perlentaucher, Artechock, Freitag, mehr zum Film bereits hier), Denis Pavlovics Dokumentarfilm "Mañana Sol" (Perlentaucher), Michail Lockshins "Der Meister und Margarita" (Artechock, mehr zum Film bereits hier), Joel Souzas Western "Rust" (FAZ, Standard), Isaiah Saxons "Die Legende von Ochi" (Artechock), Jonás Truebas "Volveréis" (Artechock), Alex Scharfmans Horrorkomödie "Death of a Unicorn" (Welt, SZ), Michel Fesslers mit echten Tieren gestaltete Neuverfilmung von "Bambi" (Welt), Charlène Faviers in Deutschland erst Ende Juli startendes Biopic "Oxana" über die Femen-Mitbegründerin Oxana Schatschko (NZZ), die zweite Staffel der Zombie-Serie "The Last of Us" (Freitag), die Netflix-Serie "Four Seasons" (taz) und der neue "Marvel"-Blockbuster "Thunderbolts" (NZZ, Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.05.2025 - Film

Terry Gilliams in den Achtzigern entstandener Klassiker "Brazil" war seinerzeit eine spitz überzeichnete Satire in Gewand eines Science-Fiction-Films, doch heute beschreibt der Film "allzu deutlich die nun herrschende Realität in Donald Trumps Amerika", meint Ibrahim Quraishi in der taz. "Was diesen Vergleich so beunruhigend macht, ist nicht nur der Zusammenbruch juristischer Verfahren, sondern die Erosion der Realität selbst."

Weiteres: Jan Küveler spricht für die WamS mit dem Regisseur Jan-Ole Gerster über seinen neuen Thriller "Islands". Im Musikfeuilleton des Dlf Kultur widmet sich Georg Beck der Entstehung von Hanns Eislers Filmmusik zu Alain Resnais' "Nacht und Nebel".

Besprochen werden Albert Serras Stierkampf-Dokumentarfilm "Nachmittage der Einsamkeit" (taz, unsere Kritik), Jan Henrik Stahlbergs "Muxmäuschenstill X" (Zeit Online, SZ), die von Arte online gestellte, britische Serie "Unschuldig - Mr. Bates gegen die Post" mit Toby Jones (FD), der neue "Marvel"-Blockbuster "Thunderbolts" (Tsp) und eine Arte-Doku über den Einfluss von Steven Spielbergs "Der weiße Hai" auf die Filmgeschichte (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.04.2025 - Film

Halb Blockbuster, halb Avantgarde: "Der Meister und Margarita"

Die Feuilletons stürzen sich auf Michael Lockshins Bulgakow-Verfilmung "Der Meister und Margarita" - die Stalinismus-Satire wurde noch vor dem endgültigen Einmarsch Russlands in die Ukraine von den russischen Behörden erst gefördert, dann wegen ihrer Spitzen auch gegen Putin verfemt, vom Publikum aber zum Kassenhit erkoren (unser erstes Resümee zum Film hier). "In seiner Machart vollkommen verwegen, halb Blockbuster, halb Avantgarde, strahlt er eine Unbekümmertheit aus, die es im russischen Kino doch schon lange nicht mehr geben dürfte", staunt Daniel Kothenschulte in der FR. "Ein lustvolles Chaos verbreitet dieser erstaunliche Film von Anfang bis Ende. ... Träte dieser Film als Autorenfilm auf, als kunstvolle filmische Farce über den Stalinismus, wie es sie etwa von Alexander Sokurow gibt, hätte er es kaum durch die Zensur geschafft. Als eher kommerzielles Produkt jedoch, als Fantasy-Epos, scheint die staatlich geförderte Produktion Narrenfreiheit genossen zu haben. ... Glücklich und völlig überrumpelt verlässt man nach zweieinhalb Stunden einen Film voll ungelöster Rätsel, wie ihn vielleicht auch Salvador Dalí hätte drehen können."

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Fabian Tietke widerspricht in der taz vehement: Dieser Film "ist kein besonders gutes Werk. Es ist als Phänomen interessanter denn als Film". Der Regisseur "versteht keine Sekunde, dass es mehr bräuchte als gute Ausstattung und schöne Kulissen, um der Komplexität des Romans auch nur halbwegs gerecht zu werden." Entstanden ist so "ein generischer, mittelguter Blockbuster ohne jede Relevanz für die Gegenwart". Andreas Kilb von der FAZ sieht den Film mit voranschreitender Laufzeit "ins Straucheln" kommen, da "Lockshins Inszenierung die historischen und die fantastischen Anteile von Bulgakows Roman - hier die Love Story zwischen dem Dichter und seiner Angebeteten (Julia Snigir), dort die Späße des Teufels mit den sozialistischen Spießern - nicht wirklich zusammenbringt. ... Mit dem Körper steckt der Film tief in der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, während sein Kopf in den digitalen Wolken des Marvel-Universums hängt." Jörg Taszman spricht für den Filmdienst mit dem Regisseur.

Weiteres: David Steinitz (SZ), Berit Dießelkämper (Zeit) und Marie-Luise Goldmann (Welt) erzählen, wie Alec Baldwin nach einer Verkettung fahrlässigen Handelns 2021 bei den Dreharbeiten zum Western "Rust", der jetzt in die Kinos kommt, die Kamerafrau Halyna Hutchins erschoss und wie dieser Unfall juristisch aufgearbeitet wurde. Alexander Riedel meldet in der Jüdischen Allgemeinen, dass das Jüdische Museum Berlin Claude Lanzmanns mehr als 200 Stunden Material umfassendes Audioarchiv mit den für seinen Film "Shoah" geführten Interviews zugänglich machen und aufbereiten will. Für November ist außerdem die Ausstellung "Claude Lanzmann - Die Aufzeichnungen" geplant.

Besprochen werden Albert Serras Stierkampf-Dokumentarfilm "Nachmittage der Einsamkeit" (critic.de, FR, mehr dazu bereits hier), die auf Hector German Oesterhelds gleichnamigen argentinischen Kultcomic basierende Netflix-Science-Fiction-Serie "Eternauta" (taz), Saulė Bliuvaitės "Toxic" (Jungle World, unsere Kritik), Alain Chabats Netflix-Animationsserie "Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge" (FAZ) und der neue Marvel-Blockbuster "Thunderbolts" (Presse).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2025 - Film

Bringt das Blut zum Vorschein: "Nachmittage der Einsamkeit" von Albert Serra

Albert Serras Dokumentarfilm "Nachmittage der Einsamkeit" porträtiert den Stierkämpfer Andrés Roca Rey, entzieht sich selbst jeder Wertung und nimmt SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier durch seine visuellen Qualitäten ziemlich gefangen: "Die Bilder stehen für sich und dokumentieren ein Ritual, ohne es in seiner kulturellen Logik oder traditionellen Abfolge zu sezieren. ... Die plastische Kraft des Films speist sich aus den verschiedenen Blickwinkeln, aus denen Torero und Stier gefilmt werden. Sie verleihen den Bildern eine verzerrte, fast groteske Gestalt. In ihnen bleibt der - im Kino nie direkt darstellbare - Übergang vom Leben zum Tod fließend."

Weiteres: Andreas Busche verabschiedet im Tagesspiegel Rainer Rother, den langjährigen Leiter der Deutschen Kinemathek in Berlin, in den Ruhestand. Dlf Kultur hat ein großes Gespräch mit Rother geführt. Valerie Dirk wirft für den Standard einen Blick ins Progamm des Linzer Festivals Crossing Europe. Besprochen werden Jan Henrik Stahlbergs Moralisten-Satire "Muxmäuschenstill X" (Tsp) und Frédéric Hambaleks "Was Marielle weiß" (Presse, unsere Kritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2025 - Film

Stefan Trinks gratuliert in der FAZ dem Animationsfilmkünstler William Kentridge zum Siebzigsten. Besprochen werden der Apple-Neunteiler "Your Friends & Neighbors" mit dem aus "Mad Men" bekannten Jon Hamm (NZZ) und die in einer kanadischen Inuitgemeinde spielende Netflixserie "North of North" (taz).
Stichwörter: Kentridge, William

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2025 - Film

August Diehl in "Der Meister und Margarita" von Michael Lokshin

Anna Narinskaya spricht für die FAZ mit dem russischen Regisseur Michael Lokshin, dessen Bulgakow-Verfilmung "Der Meister und Margarita" nun auch in Deutschland in die Kinos kommt. In Russland war der Film trotz erkennbarer Spitzen gegen Putin einer der erfolgreichsten Filme des Jahres - sehr zur Sorge der Obrigkeit, die etwa verfügte, dass Lokshins Name bei einer Preisverleihung nicht genannt werden durfte, und deren Vasallen in der Presse unisono Gift und Galle spuckten. "Deputierte der russischen Staatsduma ... bezeichneten mich als Terroristen und Extremisten und den Film als antirussisch", sagt der inzwischen in Los Angeles lebende Regisseur, der sich auch "gegen die Großinvasion in die Ukraine ausgesprochen" hat und eigener Aussage nach "ukrainische Stiftungen" unterstützt. 2021, als er den Film drehte, "war Russland anders, es war ein mild autoritäres Regime. ... Es gab den 'neuen Stalinismus' noch nicht. Wir waren schockiert, wie schnell wir in der Postproduktionsphase in ihn hineinrutschten. Als wir die Szenen montierten, waren wir frappiert, wie sehr manche, etwa die 'öffentliche Verurteilung' des in Ungnade Gefallenen oder die allgegenwärtigen Denunziationen, sich mit der Realität deckten."

"Die Ironie ist beißend", schreibt Jan Küveler in der Welt. "Der lebenslang verfolgte Bulgakow ist längst zum nationalen Kulturschatz avanciert, und so gab es für die Verfilmung Millionen an Zuschuss vom Kulturministerium. Dann kamen Krieg und Gleichschaltung der öffentlichen Meinung. Plötzlich schien nicht mehr Stalins, sondern Putins Russland das Ziel der Totalitarismus-Satire."

Außerdem: Quirin Hacker gibt in der FR Tipps zum GoEast-Festival in Wiesbaden. In der FAZ gratuliert Dietmar Dath dem Schauspieler Winfried Glatzeder zum 80. Geburtstag. Besprochen werden die zweite Staffel von Kida Khodr Ramadans ARD-Serie "Testo" (FAZ), die auf Paramount+ gezeigte, deutsche Science-Fiction-Serie "Parallel Me" (Zeit Online) und die auf Amazon gezeigte Ballett-Serie "Étoile" mit Charlotte Gainsbourg (WamS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2025 - Film

Die Regisseurin Angelina Maccarone spricht im Filmdienst mit Thomas Klein über ihren Thriller "Klandestin", der das Verhältnis zwischen Migration, Politik und Kultur in den Blick nimmt. Besprochen werden Naoko Yamadas japanischer Animationsfilm "The Color Within" (critic.de, FR, unsere Kritik), Naomi Osakas Tennisdrama "Julie bleibt still" (Tsp), Ryan Cooglers rassismuskritischer Zombiefilm "Blood & Sinners" (NZZ, mehr dazu bereits hier) und Paul Poets bislang nur in Österreich startender Dokumentarfilm "Der Soldat Monika" über eine rechte Trans-Frau im österreichischen Militär, die sowohl in der Neuen Rechten wie in der queeren Community aneckt (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2025 - Film

Geradezu synästhetisch: "The Colors Within" von Naoko Yamada

Schön, dass die Anime-Regisseurin Naoko Yamada mit "The Colors Within" nun erstmals auch einem deutschen Kinopublikum vorgestellt wird, freut sich Kamil Moll im Perlentaucher. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei Mädchen, die in einem religiösen Internat eine Band gründen - eine von den beiden hat zu Farben ein ganz besonderes Verhältnis. "Die Geschichte einer Annäherung, die am Ende der Schulzeit auch eine des notwendigen Abschieds sein wird, erzählt Yamada in einer eigensinnig empfindsamen Mischung aus handgemalten und computeranimierten Elementen. Geradezu synästhetisch verbindet sie von einem starken Bewusstsein für Lichtverhältnisse geprägte Farbtöne mit Klang. Die Farben scheinen mitunter wie Laub zu rascheln oder mit den Wellen zu rauschen, verbinden sich mit einem Ozean aus Sound."

"Nach lediglich 97 Oscarverleihungen ... ist die amerikanische Filmakademie auf eine wirklich sensationell revolutionäre Idee gekommen", amüsiert sich David Steinitz in der SZ: "Die stimmberechtigten Jurorinnen und Juroren müssen sich die Filme künftig anschauen, bevor sie wählen dürfen." Bislang galt diese Voraussetzung nämlich eher als "Gentlemenʼs Agreement". Richten soll dies nun ein Streamingangebot, anhand dessen sich nachvollziehen lässt, ob ein Film gesichtet wurde oder nicht - für Kinosichtungen muss eine quasi-eidesstattliche Versicherung abgegeben werden: "Allein für so einen Zettel, auf dem Brad Pitt dann per Unterschrift versichert, dass er am 21. Mai um 19.30 Uhr in Cannes im Kino saß, würde man natürlich viel geben. ... Dass die Jury-Gemeinschaft künftig freilich einen Film online anklicken und dann draußen in den Pool springen kann, während er drinnen durchläuft, ist allerdings ein Problem, dass die Filmakademie nicht wird lösen können." Ähnlich sieht es Hanns-Georg Rodek in der Welt.

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Weitere Artikel: Gerrit Bartels empfiehlt im Tagesspiegel die Filmreihe im Berliner Zeughauskino, die die Veröffentlichung von Uwe Johnsons Kritiken zum DDR-Fernsehen flankiert. Axel Timo Purr spricht für Artechock mit Bill Bennett über dessen autofiktionalen Film "Mein Weg". Gerhard Hofer schreibt in der Presse zum Tod der österreichischen Schauspielerin Waltraud Haas.

Besprochen werden Angelina Maccarones "Klandestin" (taz, Artechock, Freitag), Saulė Bliuvaitės "Toxic" (Tsp, Artechock, FAZ, unsere Kritik), Michael Lockshins russische Bulgakow-Verfilmung "Der Meister und Margarita" mit August Diehl, die in Russland alle Kassenrekorde gebrochen hat und das, wie Adam Soboczynski in der Zeit staunt, obwohl sie deutlich putinkritische Züge trägt, Ryan Cooglers "Blood & Sinners" (critic.de, mehr dazu bereits hier), Peter Dörflers auf Amazon gezeigte Dokuserie "German Cocaine Cowboy" (critic.de) und die DVD-Ausgabe von Karl Grunes Stummfilm "Die Straße. Der Film einer Nacht" aus dem Jahr 1920 (taz). Außerdem blicken Tagesspiegel und Filmdienst auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2025 - Film

Freudlose Räume: "Toxic" von Saulė Bliuvaitė

Saulė Bliuvaitės beim Filmfestival in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnetes Spielfilmdebüt "Toxic" erzählt vor einer desolaten Kulisse im Hinterland Litauens von der Drangsal, die sich zwei Mädchen in Hoffnung auf eine Karriere als Models selbst auferlegen. Die Regisseurin "filmt die Innenräume als strenge Tableaus, in kühlen Farben, die Ulrich Seidl alle Ehre machen würden", schreibt Perlentaucherin Katrin Doerksen. "Angelaufene Wände, Spitzengardinen, postsowjetische Tristesse. Freudlose Räume des Sollens, des Müssens und nicht Dürfens. Ihre Körper sind das Einzige, worüber die Mädchen Kontrolle zu haben glauben, sie geben ihnen Perspektive, eine potentielle Fahrkarte hinaus in die Welt." Vor Härten bleibt man nicht verschont - etwa beim Einsatz eines Bandwurms, der den Hunger abtöten soll. Aber "vollends in den Bereich des Bodyhorror lässt Saulė Bliuvaitė ihren Film nicht kippen; bleibt statt bei den Exzessen des Genres eher bei einem zwar stilisierten, aber distanziert beobachtenden Realismus." Michael Meyns ist in der taz skeptisch, ihm stellt sich im Verlauf "immer wieder die Frage, ob das Gezeigte tatsächlich die Realität des ländlichen Litauens darstellt oder nicht doch eher eine betont miserabilistische Version". Für den Filmdienst spricht Susanne Gietl mit der Regisseurin.
 
Außerdem: Fabian Tietke empfiehlt im Tagesspiegel das Arabische Filmfestival in Berlin. Besprochen werden Frédéric Hambaleks "Was Marielle weiß" (Standard, online nachgereicht von der FAS, unsere Kritik), der Actionfilm "The Accountant 2" mit Ben Affleck und Jon Bernthal (Standard) und die zweite Staffel der auf Disney+ gezeigten "Star Wars"-Serie "Andor" (taz).