Die Buchmacher

Repression gegen Raubkopierer

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17.12.2007. Wer im Weihnachtsgeschäft besonders glücklich ist. Wie Marvel die Comicbranche umwälzt. Warum sich die Börsenvereins-Tochter BAG in die Krise manövriert hat. Und mit welchen Methoden sich die Verlage am besten gegen Raubkopierer wehren - nämlich mit Repression und attraktiven Inhalten.

buchreport.express

Wasserstandsmeldung aus dem Weihnachtsgeschäft: Der deutsche Sortimentsbuchhandel hat in der 49. Kalenderwoche zwischen dem 1. und 2. Advent den Umsatz um 3,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche gesteigert. "Von der insgesamt stabilen Buchkonjunktur profitieren die verschiedenen Sortimente allerdings nicht in gleichem Maße", analysiert buchreport. "Große Buchhandlungen mit ihren großzügigen Präsentations- und Bewegungsflächen dürften von der Nachfrage im vorweihnachtlichen Gedränge stärker profitieren als kleinere Sortimente." Bis auf Ratgeber und Sach-Taschenbücher seien alle Warengruppen im Plus. Zweistellig hätten Hörbücher zugelegt, auch das Saisongeschäft mit Kalendern entwickele sich besser als im Vorjahr (hier und hier die Artikel).

Start des Marvel-Digitalarchivs "Marvel Digital Comics" (hier): Zu den 2500 Comic-Titeln aus der Backlist sollen pro Jahr über 100 Titel hinzukommen, berichtet buchreport. Neuere Ausgaben sollen frühestens sechs Monate nach dem Print-Debüt ins Netz gestellt werden. Ziel der Aktion: "Einem jungen, technikaffinen Publikum sollen Klassiker wie ,Fantastic Four? oder ,X-Men? wieder näher gebracht werden." Mit der Offensive setze Marvel die gesamte Branche unter Druck: Die Auflagen der Klassiker-Comics seien rückläufig, junge Künstler erzielten ohnehin meist nur kleine Auflagen, weshalb der Preis der Alben besonders für jüngere Leser oft unerschwinglich sei. Verlage kämpften außerdem gegen das große Angebot von Raubkopien ihrer Titel. Im Interview mit Michael Groenewald erklärt der Carlsen-Lektor, dass es "spannender" sei, mit eigens für das Internet konzipierten Stoffen neue Leser zu gewinnen als mit den Klassikern. "Gerade im Bereich Eigenproduktionen wird das Internet zukünftig eine größere Rolle spielen, inbesondere im Marketing und PR-Bereich."

Der Süddeutsche Verlag hat seine Buchverlage Redline, verlag moderne industrie (mi) und mvg an den Münchner Finanzbuchverlag (Umsatz 2007: acht Millionen Euro, von buchreport geschätzt) abgestoßen; im Gegenzug erhält der SV eine 15-prozentige Beteiligung am Börsenbuch-Spezialisten. Im Gespräch mit buchreport wehrt sich der Finanzbuchverleger Christian Jund gegen Spekulationne, die Süddeutschen hätten die Verlage als Verlustbringer abgestoßen: mi und mvg seien profitabel, nur Redline müsse noch zulegen.

Kahlschlag bei der angeschlagenen Börsenvereins-Tochter Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (BAG): Interimsgeschäftsführer Manfred Antoni baut 15 der 30 Stellen ab, löst die BAG-Tocher Factoring-Gesellschaft Media (die in Folge der Pleite von Zanolli die BAG in die Krise gerissen hatte) sowie die ZMV Medien Vertriebs GmbH (die zur Verwertung der Zanolli-Reste eingerichtet wurde) auf.

Weitere Themen: Der Club Bertelsmann hat nach Protesten der Preisbindungstreuhänder per Unterlassungserklärung die Weihnachts-Gutscheinaktion gestoppt, bei der auf reduzierte Clubausgaben ein Rabatt von 2,50 Euro gewährt wurde. Gleich zwei Kinofilme widmen sich den Mordfällen im bayerischen Hinterkaifeck, die in Anna Maria Schenkels Krimi "Tannöd" verarbeitet werden - Wüste Film beginnt im April 2008 mit den Dreharbeiten, der Mystery-Thriller "Kaifeck Murder" (produziert von 24 Frames, Neue Kinowelt, Seven Pictures) soll sogar schon im Januar 2008 in die Kinos kommen. Thomas Schierack wird Geschäftsführer des Lübbe-Verlags für Finanzen, Personal und Recht und damit Nachfolger von Uwe Sertel - der Jurist Schierack berät den Verlag schon seit 2001 in rechtlichen Fragen. Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.
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Börsenblatt

Im Editorial rekapituliert Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir die Krise der BAG. "Über zu lange Zeit sind die Geschäfte der BAG nicht entschieden genug den Erfordernissen des Marktes angepasst worden. Risiken wurden verkannt. Dringende Investitionen wurden nicht getätigt. Am Ende fehlte jeder finanzielle Spielraum, zum Beispiel die rückständige IT zu relaunchen", so Casimir. Der "betriebswirtschaftlichen Katastrophe" sei eine mentale vorausgegangen. "Man hatte sich in Frankfurt das buchhändlerische Leben als einen langen, ruhigen Fluss vorgestellt. Leider die falsche Mind Map: im Zentrum kontemplativ statt kompetitiv."

In der Rubrik "Zahl der Woche" beschreibt das Börsenblatt den erstaunlichen Erfolg von Hape Kerkelings Wanderbeschreibungen "Ich bin dann mal weg", von der 2,5 Millionen Exemplare verkauft worden seien.

Konstantin Wegner, Rechtsanwalt in München, plädiert in der Diskussion über Bücher-Raubkopien und die geeignete Reaktion von Verlagen für eine "Mischung aus Repression und attraktivem Angebot". "Da sich die Piraterie kaum zu einem so grundlegenden Problem wie in der Musikbranche entwickeln wird, können sich die Verlage auf die Verfolgung der heavy user und den Schutz ihrer Bestseller konzentrieren." Verlage könnten aus den Fehlern der Musikbranche lernen, die sich lange Zeit darauf fokussiert habe, das Problem mit juristischen Mitteln in den Griff zu bekommen, ohne eine Alternative zu bieten, "viel zu spät erste Online-Angebote zuließ und nun sogar so weit ist, auf jeden Kopierschutz zu verzichten."

Weitere Themen: Amazon verhandel laut Wirtschaftswoche mit Vodafone über einen weltweiten Vertrieb des neuen E-Book-Lesegerätes "Kindle". Brockhaus wehrt sich gegen den Stern-Vergleich mit der Wikipedia, bei dem die Community-Enzyklopädisten besser abgeschniktten haben als die 15-bändige Online-Ausgabe des Brockhaus: Statt die Wikipedia mit der "Brockhaus-Enzyklopädie" zu vergleichen, habe der Stern "Äpfel mit Birnen" verglichen. Andreas Trojan porträtiert die Verleger Zsuzsanna Bazing und Janos Schenk, die zwei Verlage in Budapest und Passau leiten (Dialog Campus Verlag und Schenk Verlag). Hier das Inhaltsverzeichnis.
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