Die Buchmacher

Zum Auftakt des Branchenparlaments

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
18.11.2007. Warum die Zwischenbilanz ein halbes Jahr nach dem Fall der Preisbindung in der Schweiz zum Glück uneinheitlich ausfällt. Wie Amazon seine Stammkunden dazu ermutigen will, mehr einzukaufen. Inwiefern der Auftakt des Branchenparlaments geglückt ist. Und warum Second Life, obwohl keiner mehr darüber spricht, dennoch toll ist.

buchreport.express

Ein halbes Jahr nach dem Fall der Preisbindung im deutschsprachigen Schweizer Buchhandel zieht buchreport eine Zwischenbilanz (hier der Artikel). Die neue Freiheit habe zwar bei "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" zu einem "beispiellosen Preissturz" geführt. Doch Anlass zur Euphorie hätten die "Kartellis" aber nicht: Die Bilanz zeige keine einheitliche Entwicklung. "Aus Sicht des Buchhandels muss man sagen: Zum Glück!". Einiges deute darauf hin, dass zwar Bestseller um bis zu 30 Prozent billiger, andere Bücher in vielen Buchhandlungen aber um bis zu 10 Prozent teurer geworden seien. "Vermutlicher Grund: Durch diese Preiserhöhungen sollen die Nachlässe auf Bestseller finanziert werden. Wie groß die Rolle dieser Umkehrung der traditionellen Querfinanzierung aber tatsächlich ist, lässt sich kaum feststellen, weil für die Kalkulation der Buchhändler auch der zur Zeit rekordverdächtig starke Euro eine Rolle spielt", analysieren die Dortmunder.

buchreport ist zufrieden mit dem Auftakt des Branchenparlamentes, das an die Stelle der Abgeordnetenversammlung getreten ist. Seinem Auftrag, den offensiven Austausch zwischen den drei Buchhandelssparten auch in Zukunft zu sichern, sei es in seiner ersten Sitzung gerecht geworden. "Wie vom Vorsitzenden Heinrich Riethmüller erhofft, hat man sich kräftig die Meinung gesagt." Hier der Artikel.

Nachdem Amazon auch in Deutschland das Flatrate-Versandprogramm "Amazon Prime" eingeführt hat, vermutet buchreport: "Primäres Ziel der günstigeren und schnelleren Lieferungen: Amazon will besonders Stammkunden dazu ermutigen, mehr einzukaufen - und zwar hauptsächlich abseits der stärksten Produktkategorien Medien und Elektronik." Schwerere Warenkörbe, so buchreport, könnten den Preisverfall bei DVDs und Speichermedien kompensieren, unter dem alle Internethändler litten. Für "Amazon Prime" nehme der Onliner selbst massive Anlaufverluste in Kauf.

Weitere Themen: Der Kölner Deubner Verlag geht am 22. November mit einem Familienrechtsportal an den Start und will sukzessive ein Rechtsgebiete übergreifendes Portal aufbauen. Till Spielmann interviewt den Fischer-Online-Marketing-Beauftragten Sigurd Martin zum Start des Verlags ins E-Commerce-Zeitalter - ab Dezember werden Thomas-Mann-Texte zum Download angeboten (zwischen 1,50 und 7 Euro). Dies sei ein Test, ob "Micro-Payment" funktioniere; als Erweiterung plane der Verlag, Theater-Texte zum Herunterladen anzubieten. Droemer Knaur will die Auslieferungstermine entzerren und bietet in den Sommermonaten künftig Spitzentitel im Hardcover und Paperback an. Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Amazon Prime, Thomas Mann

Börsenblatt

Viel Branchenpolitik im aktuellen Börsenblatt: "Lebhafte Debatten" ist die Meldung zu den Ergebnissen des ersten Treffens des Branchenparlaments überschrieben - gemeint ist: Es wurde ganz schön gestritten, u.a. über eine Dienstleistungsmitgliedschaft für branchennahe Unternehmen (Verleger dagegen, Sortimenter und Zwischenbuchhändler dafür) und die Preisbindung - am Ende sei der Vorstand aufgefordert worden, "Verstöße gegen das Preisbindungsgesetz zu rügen und öffentlich bekannt zu machen." Hier das Protokoll zur ersten Sitzung.

Zweites Top-Thema des Heftes ist Second Life. Im Interview mit Sabrina Gab erklärt Christoph Lattemann, Juniorprofessor für Corporate Governance und E-Commerce an der Uni Potsdam mit Schwerpunkt SL, dass zwar der erste Medien-Hype von Second Life vorbei sei. Die Anzahl von Neuanmeldungen zeige jedoch, dass Second Life immer noch viele Nutzer anziehe: In den letzten sechs Monaten hätten sich jeden Monat etwa eine Million neue Nutzer angemeldet. "Unternehmen dürfen zunächst nicht mit übersteigerten Return on Investment-Erwartungen auf virtuellen Welten wie Second Life einsteigen", rät der Akademiker. Lehmanns-Blogger Bernd Sommerfeld pflichtet im Kommentar zum Interview Lattemann bei: "Recht hat er! Fast jeden Tag gibt es z.B. eine virtuelle Konferenz oder spannende Disskusion die man bequem vom Schreibtisch aus besuchen kann. Schlechtes Wetter oder Bahnstreik sind da kein Thema."

Der Ex-Verleger Heinz Gollhardt schimpft im Gastkommentar über die leeren Werbeformeln der Verlage. "Es kommt bei solchen Zitaten in Anzeigen offenbar nicht auf den Informationswert an, sondern auf einen Gestus von Bedeutsamkeit", vermutet der Autor. "Hinzu kommt, dass man sich die Prominenz einer Zeitung oder eines Kritikers mit solchen Zitaten gern und kostenlos leiht. Ob dies aber bewirkt, dass sich der Zweck einer Anzeige erfüllt, dass nämlich das Buch möglichst oft und in gro­ßer Zahl bestellt wird, wage ich zu bezweifeln."

Weitere Themen:
Die erste direkte Verhandlungsrunde zwischen Random House und den in Verdi organisierten Übersetzern ist - Trommelwirbel - ohne Ergebnis geblieben (wie bisher die meisten Treffen beider Fraktionen, Ausnahme: vor Gericht). Wie Autor hh berichtet, hat Hanser unterdessen die Übersetzer zu Verhandlungen aufgefordert. Die Deutschen wollen zu Weihnachten nach Angaben von Ernst & Young durchschnittlich 26 Euro für Bücher - und insgesamt 248 Euro - ausgeben. Jürg Bodenmann steigt aus der Thalia-Geschäftsführung aus, Michael Wetzel und Tom Kirsch werden ab Januar neue Geschäftsführer der Thalia Service GmbH (hier die Meldung). Im "Menschen"-Ressort porträtiert Volkhard Bode den Hugendubel-Regionalleiter Ost Sebastian Blenninger. Michael Kleeberg lobt seine Lieblingsbuchhandlung, die Autorenbuchhandlung in Berlin. Den Fragebogen hat der Drogerie-Unternehmer Dirk Rossmann ausgefüllt - Branchenbezug? Bei Rossmann werden auch Bücher verkauft. Lebensmotto? "Volk und Knecht und Überwinder, sie gestehn zu jeder Zeit: höchstes Glück der Erdenkinder sei nur die Persönlichkeit", Goethe. Hier das Inhaltsverzeichnis.
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