Die Buchmacher

Schulbuchverleger gegen Stiftung Warentest

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
12.11.2007. Warum DVDs im Buchhandel eigentlich gute Chancen hätten - de facto aber keine Rolle spielen. Weshalb die Mitmachquote im Mitmachweb nicht so toll ist. Wieso die Aura des guten Buchs kaum noch interessiert. Und worüber sich die Schulbuchverleger bei der Stiftung Warentest immer noch aufregen.

buchreport.express

Im Kommentar greift Till Spielmann das beliebte Thema "DVD-Geschäft im Buchhandel" auf - besser gesagt: "Nicht-Geschäft", denn der Film-Datenträger spielt im Sortiment kaum eine Rolle. "Es leuchtet nicht ein, weshalb sich Filme besser im Umfeld von Waschmaschinen und Mikrowellen als in Medienabteilungen des Buchhandels verkaufen lassen sollen", klagt der Autor. Allein, dass dem Gros der Verfilmungen ein Roman zugrundeliege, mache den Buchhändler "zum geborenen Ansprechpartner". Aufhänger des Kommentars ist eine Studie des Bundesverbands Audiovisuelle Medien zur DVD im Buchhandel, der weniger als ein Prozent seines Umsatzes mit DVDs erwirtschafte. Immerhin seien die Zuwachsraten groß: Im ersten Halbjahr 2007 seien die Verkaufszahlen im stationären Buchhandel um 69 Prozent und der Umsatz um 44 Prozent gestiegen.

buchreport zitiert die Ergebnisse zur Buchbranche aus der Allensbacher Computer- und Technikanalyse (ACTA). Demnach liegen Bücher im Ranking der interessantesten Medien unter den 14- bis 17-Jährigen nur im Mittelfeld: 27 Prozent interessieren sich für Bücher, für moderne Telekommunkation aber rund 57 Prozent. Unter den Onlinerhändlern hat amazon.de die Nase vorn: 34 Prozent aller Onlinekäufer hätten in den vergangenen zwölf Monaten bei den Münchnern eingekauft, dahinter liegen weltbild.de (13,5 Prozent der Onlinekäufer), buch.de (4,9), buecher.de (4,3), zweitausendeins.de (2,5) und bol.de (2,4). "Aus Sicht der Bücherbranche ernüchternd sind die Zahlen zur Aktivität der Nutzer im Mitmachweb 2.0", schreibt buchreport. Die Beteiligung der Internet-Nutzer an bücheraffinen Web 2.0-Diensten erscheine gering: Nur 0,7 Prozent der 14- bis 64-Jährigen verfassten regelmäßig Kritiken zu Büchern, Filmen oder CDs, nur 0,3 Prozent wirkten an Online-Lexika mit.

Im Aufmacherartikel legt buchreport eine erste Bilanz des Jahres 2007 vor. Über alle monatlichen Schwankungen hinweg habe sich das Jahr als "gutes Buchjahr" entpuppt. Der kumulierte Umsatz bewege sich seit Juni weit oberhalb der Null-Linie: zwischen 2,6 und 4,8 Prozent. Im Oktober habe der Umsatz im Buchhandel sogar um elf Prozent zugelegt - in erster Linie wegen "Harry Potter", aber auch ohne den Bestseller hätten die Buchhändler im Monat sowie übers Jahr gesehen ein Umsatzplus verzeichnet.

Weitere Themen: Carlsen meldet, dass in der ersten Woche 1,5 Million Exemplare des siebten Potters verkauft wurden - buchreport legt nach, dass sich alle anderen Potter-Teile auf der Bestsellerliste verbessern konnten. Michael Gilles wechselt vom DuMont Kalenderverlag zur Brockhaus-Tochter Der Kalenderverlag Mannheim. Der britische Channel 4 stellt die "Richard & Judy"-Show im Sommer 2008 ein - die als Talkshow immer wieder als Heidenreich-Pendant bestsellerförderlich gewirkt hat. Hier da Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.

Börsenblatt

Im Gastkommentar beklagt der Berliner Verleger Jörg Sundermeier (Verbrecher Verlag), dass Erfolge selbst für große Verlage kaum noch planbar seien. Es sei unmöglich, anhand der Vorschauen der Verlage vorauszusagen, welche Titel es auf die Bestsellerlisten schafften. Zum einen sei dies die Schuld der Ketten, die fast nur noch auf den Absatz schauten und einen Krimi, der sich schon auf anderen Kanälen gut verkauft habe, ins Stammlager nähmen - egal, ob dieser aus einem Klein- oder Großverlag stamme. "Die Aura des guten Buchs interessiert den Buchhandel immer weniger", klagt der Berliner.

Autor vb berichtet über das Ringen der Navigationsgerätehersteller Tomtom und Garmin um den niederländischen Kartenlieferanten Tele-Atlas, der u.a. Nokia und Google Maps mit Karten beliefere. Im Gespräch mit dem Börsenblatt erklärt der MairDumont-Chef Frank Mair, dass der Zugang von Verlagen zu kartografischen Daten erschwert würde, sollte Garmin den Zuschlag bekommen. Ihn selbst tangiert das Revirement kaum: Mair kooperiert mit dem Tele-Atlas-Wettbewerber Navteq.

Nils Kahlefendt stellt den Roman "Ein Sommer der bleibt" von Peter Kurzeck vor, der nur als mündliche Erzählung als Hörbuch erscheint, und unterhält sich mit dem Autor über die Hintergründe. Nur online erschienen ist ein Interview mit dem Literaturkritiker Hubert Winkels, der eine Einordnung des Romans versucht und über die Tradition mündlicher Überlieferung referiert.


Michael Roesler-Graichen verfolgt den Streit um den Schulbuchtest der Stiftung Warentest. Nach Einschätzung der Verlage sei die Zeitschrift "test" bei der Publikation der Untersuchungsergebnisse zu großzügig mit dem Begriff "Fehler" umgegangen. Außerdem kritisierten die Verlage die Untersuchungsmethode der Stiftung - so liege der Maßstab von Fachlexika beispielsweise der inhaltlichen Bewertung der geprüften Biologie- und Geschichtskapitel zugrunde, ohne dass der schulische Kontext miteinbezogen worden sei. Ob sich die "test"-Verlierer in allen Branchen so (lange) aufregen - und damit ungewollt immer wieder an den Misserfolg erinnern?

Weitere Themen: Die Mayersche wird in diesem Jahr einen Umsatz von 135 Millionen Euro erwirtschaften - ein Plus von 20 Prozent (hier die Meldung). Maria Koettnitz, Verlagsleiterin Allgemeines Sachbuch bei den Ullstein Buchverlagen, hat den Verlag verlassen - Hintergründe, warum die Fluktuation bei den Berlinern so hoch ist, sind nicht bekannt (hier die Meldung). Der Autor hc bilanziert die Erfolge der "Kinderbuchkönigin" Astrid Lindgren, die am 14. November 100 Jahre alt geworden wäre. Bis Ende 2006 habe ihr deutscher Hausverlag Oetinger 30 Millionen Exemplare ihrer Werke verkauft. Zum Jubiläum habe Oetinger ein Werbepaket von 1,2 Million Euro geschnürt. Im "Menschen"-Ressort werden die Aufbau-Bilderbuch-Leiterin Heike Clemens und die Werbetexterin Kerstin Duken vorgestellt. Hier das Inhaltverzeichnis.
Archiv: Börsenblatt