Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Wettbewerb 2019 - 22 Artikel - Seite 2 von 2
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Carlo Chatrian zieht mit seinem Locarno-Team nach Berlin um, meldet Variety. Zhang Yimous Wettbewerbsfilm "One Second" wurde überraschend aus dem Programm genommen - chinesische Zensur, fragt sich der Tagesspiegel. Ästhetisch reizvoll, aber doch begähnenswert: Denis Côtés "Ghost Town Anthology" im Wettbewerb. Und beim Porträtfilm "What She Said" über die Filmkritikerin Pauline Kael trauert die Filmkritik den alten Zeiten nach. Der fünfte Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Eine winterliche Landschaft, im Vordergrund eine Art Baustelle, auf der zwei Bagger stehen. Dann hört man ein Auto, das schnell näher kommt, und das ist es, rast von hinten ins Bild, macht eine kurze scharfe Kurve nach links und knallt mit voller Geschwindigkeit in die kleine Steinmauer. Stille. Die Kamera wandert um das Autor, dann auf zwei Beine, die herbei rennen, und dann sieht man zwei kleine Gestalten mit grauen Halloween-Masken auf dem Gesicht, die auf das Auto starren. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Der Brite Gareth Jones gehört zu jenen Figuren der Weltgeschichte, die in Vergessenheit gerieten, weil sie für alle Seiten so unbequem sind. Er arbeitete zunächst als Journalist in Berlin, hatte gute Kontakte zu Hitler und Goebbels und wurde, als er nach London zurückkehrte, außenpolitischer Berater von Premierminister Lloyd George. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Ein echtes Highlight findet sich in der Perspektive Deutsches Kino: Maryam Zarees "Born in Evin" arbeitet die Grausamkeiten des iranischen Regimes auf. Im Wettbewerb läuft derweil politisches Kino. Sehr zu Recht außer Konkurrenz: Die Mossad-Räuberpistole "The Operative", über den sich die taz die Haare rauft. Der vierte Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019
Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke, bekommt ihn nicht weg gewuchtet, dann schleppt er den Sack wieder die Treppe bis zu seiner Mansarde hoch und beginnt die Leiche zu zersägen. Was in den Koffer passt, wird auf den Sperrmüll geworfen, der Rest landet, klatsch, im Wandschrank. Dazu läuft Adamos Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen". Um den Lärm zu übertönen, aber auch weil es einen krassen Effekt setzt. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Würden heute noch Western gedreht werden - der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wäre ihr Held. Er ist vielleicht der letzte männliche Schauspieler, den man noch an seiner Haltung und seinem Gang erkennt. Auch kann er sich jederzeit ganz in sich zurückziehen, so dass nur noch eine Außenhülle zurückzubleiben scheint. Das alles kommt ihm auch in dieser Rolle eines alten Mannes zurück, der fühlt, dass sein Leben zu Ende geht und der sich in ein kleines Dorf an der norwegisch-schwedischen Grenze zurückzieht. Trond, so heißt der Mann, hat hier den letzten Sommer allein mit seinem Vater verbracht, der die Familie dann aus Liebe zur Nachbarsfrau verließ. Ein Verlust, den der Junge auch als alter Mann offenbar nie verwunden hat. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Was für ergiebige Filmfiguren Unternehmensberaterinnen abgeben, hat Maren Ade mit ihrem "Toni Erdmann" bewiesen. Sandra Hüller haute einen mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem muskulösen Intellekt einfach um. Seitdem wagt niemand mehr, Witze über Frauenabende zu machen (Und worüber habt Ihr Schönes geredet? Frauenquote, Paygap, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.) Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019
Alexandre sieht genauso aus, wie Pariser, die froh sind, nicht in der Provinz leben zu müssen, sich den Lyonnaiser Bourgeois vorstellen: brav gescheitelt, mit Barbour-Jacke, fünf Kindern, darunter nur einem Töchterchen, einer hübschen Frau, und gutem Auskommen. Alexandre ist einer, der - gibt es das wirklich noch? - seine Mutter siezt. Alexandre geht jeden Sonntag zur Messe, und seine Kinder, die vorher brav Klavier üben, gehen brav mit. Alexandre glaubt wirklich noch dran. Und seine Frau, die ihn den ganzen Film über nach Kräften unterstützt, glaubt auch dran und ist Lehrerin am katholischen Gymnasium. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019
Auf einmal ist nur noch wilde Wut auf der Leinwand. Eben noch zogen sich lustig bunte Kinderkleckse über den Vorspann, da rastet das Mädchen aus, schreit und tobt und schmeißt mit allem um sich, was ihm in die Finger kommt. Vor allem die bescheuerten Bobbycars. Lehrer, Erzieher, Betreuer flüchten hinters Panzerglas, doch das hält die Attacken ebenso wenig aus wie die Nerven aller Beteiligter. Benni ist neun Jahre, das aggressivste und brutalste Kind, das jemals auf der Leinwand zu sehen war, und man schließt dieses Früchtchen des Zorns sofort in sein Herz. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019 Gestern abend wurde in Berlin mit großer Gala, rotem Teppich und Lone Scherfings "The Kindness of Strangers" die Berlinale eröffnet. Scherfings Film ist ein Großstadtmärchen aus dem winterlichen New York, in dem eine Reihe von Unglücksraben Halt und Trost sucht. Das wird mit einer reichlichen Portion Humanismus dargeboten, und aus dem Konzerthaus dröhnen dazu die Klänge von Smetanas "Moldau". Von Thekla Dannenberg