Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Wettbewerb 2017 - 16 Artikel - Seite 1 von 2
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2017
"Freiheit?" lacht eine Figur in "Hao Ji Le" ("Have A Nice Day") einmal verächtlich. Drei Sphären von Freiheit gebe es, erklärt sie dann: die des Bauernmarktes, dort kaufe man, was es gerade gibt. Dann die des Supermarktes, dort hat man die freie Auswahl. Und drittens die Sphäre des Online-Shoppings. Eine Erklärung folgt darauf nicht mehr, aber das Prinzip ist klar. Von Katrin Doerksen
Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2017
Wenig überraschend hat Hong Sangsoo wieder einen zweigeteilten Film gedreht, antiklimaktisch und ruhig. Anders als noch in "Right Now, Wrong Then" erzählt der Koreaner diesmal aber nicht zwei Mal vom selben Geschehen in unterschiedlichen Variationen, sondern von zeitlich voneinander abgegrenzten Episoden im Leben der Schauspielerin Younghee (Kim Minhee). Von Katrin Doerksen
Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2017 Lissabon, Wirtschaftskrise. Eine Familie - von der Einrichtung her: weißgott keine, die man der untersten Schicht der Bevölkerung zugerechnet hätte - bekommt die Folgen eines schleichenden Wohlstandsverlusts konkret zu spüren: Die Mutter verschwindet plötzlich, taucht dann wieder auf. Dann ist der Vater verschwunden, der sich mit sinnlosen Tätigkeiten den Tag vertreibt. Das Geld für den Bus für die Tochter reicht kaum hin. Mit der Bank sei alles geregelt, sagt die Mutter einmal. Nur mit dem Strom ist es so eine Sache. Ein paar wenige Tage leuchten die Lampen zwar noch, doch begleichen kann die Familie ihre Schulden frühestens in ein paar Wochen. Zwischendurch entführt der Vater einen ehemaligen Schulkameraden, der an einer jobtechnisch relevanten Position sitzt, aufs Läppischste. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2017
Claire ist eine sympathische Frau, gewissenhaft und grundanständig. Sie isst kein Fleisch, trinkt lieber keinen Alkohol und parkt nicht im Halteverbot. Freunde braucht sie nicht, andere Menschen braucht sie nicht, will sie nicht, sie kommt bestens allein zurecht, vielen Dank. Ihren Sohn hat sie allein großgezogen, als Hebamme bringt sie Tag für Tag andere Menschen auf die Welt (wir erleben sie tatsächlich bei echten Geburten). Und wenn die Klinik, in der sie arbeitet, nicht einem ultraeffizenten Geburtszentrum weichen müsste, wäre sie rundum zufrieden in ihrem Kokon. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2017
So viele Fragen bleiben. Nach Andres Veiels Beuys-Doku möchte man sich sofort eine Beuys-Biografie greifen, in eine Beuys-Ausstellung gehen, auf Youtube nach Material suchen, nach Bildern und Artikeln. Das ist ein Kompliment an den Film. Denn dass er in 107 Minuten nicht den ganzen Beuys zeigen konnte, ist klar. Aber er fixt einen an. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2017 Der einzige wirkliche Film des Wettbewerbs wird als solcher auch gezeigt: Aki Kaurismäkis analog gedrehtes Märchen holt Aleppo ganz nahe an Helsinki. Die Berlinale hat den aussichtsreichsten Kandidaten für den Goldenen Bären endlich gefunden. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2017 Der japanische Regisseur Sabu, eigentlich Hiroyuki Tanaka, erzählt in "Mr. Long" ein Gangster-Drama in fünf Akten. Während Long die Tage zählt, um von Yokohama das Schiff zurück nach Taiwan zu nehmen, muss Lily fürchten, dass der Dealer wieder auftaucht, der sie überhaupt erst angefixt hatte... Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2017
Als die Abspannmusik einsetzt und der Applaus losbricht, bin ich schockiert, wirklich schockiert. Schon vorbei? 71 Minuten schon vorbei? Aber es hat doch grad erst angefangen, denke ich leicht benommen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2017 In gewisser Hinsicht ist Thomas Arslans "Helle Nächte" eine Art Bilanz seines jüngeren Schaffens: Der Familienkonflikt in einer Zeit neben der Zeit ("Ferien"), und eine Naturkulissenerhabenheit, in der verborgene Gefahren an der Schwelle zur Merklichkeit lauern. Erhaben. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2017
Das Wochenende bescherte uns im Wettbewerb außer Alain Gomis' schönem "Felicité" (hier die Kritik) und Josef Haders "Wilde Maus" (hier die Kritik) noch zwei Filmschinken: Stanley Tuccis Biopic über den Künstler Alberto Giacometti und Gurinder Chadhas "Viceroy's House".
Tuccis Film basiert auf James Lords Buch "A Giacometti Portrait". Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2017 Wegen Sparmaßnahmen setzt eine Zeitung ihren Musikkritiker auf die Straße. Der sinnt fortan auf Rache. Lustspiel mit dem beliebten österreichischen Kabarettisten Josef Hader.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2017 Wie Felicité das Geld für eine Operation ihres Sohns aufzutreiben versucht, das sie in dieser unverschämten Höhe natürlich nicht hat, gehört zu den traurigsten Geschichten, die jemals auf der Berlinale erzählt worden sind. Alain Gomis' "Félicité" im Wettbewerb. Von Thekla Dannenberg