Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Berlinale 2023 - 19 Artikel - Seite 2 von 2
Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2023 Ralphie ist ein Ubermann: Seit er seinen Job verloren hat, kutschiert er die Leute in seinem Wagen durch die verödete Industriestadt im kalten Norden Amerikas, ohne damit recht über die Runden zu kommen.
Und alle trampeln auf ihm herum.
Wenn er eine Sekunde zu lange in den Rückspiegel blickt, beschimpft ihn die stillende Mutter auf dem Rücksitz als Psycho. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023
In seinem neuen Film zeigt der koreanisch-chinesische Regisseur Zhang Lu ein melancholisches Bild Pekings, in dem Gu, ein geschiedener Foodblogger zwischen der schwierigen Beziehung zu seinem Vater, einer sich nie wirklich auslebenden Liebe zu seiner deutlich jüngeren Mitarbeiterin und dem Dasein für seine Tochter versucht, sein tristes Leben zu meistern. Mit sanften humoristischen und poetischen Einschüben dümpelt der Film dabei zwischen bewegenden Momenten und uninspirierten Gemeinplätzen des romantischen Entfremdungskinos. Man begreift die Schwere des Seins, aber fühlt sie nur bedingt. Von Patrick Holzapfel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023
Die Stimme ist nicht mehr ganz so glockenhell wie früher, sie ist gegerbter, hat Patina gewonnen.
Patina, die sich nicht nur aus den schönen Dingen des Musikerinnen- und Aktivistinnen-Lebens zusammensetzt, wie ein neuer Dokumentarfilm über die Folk-Ikone Joan Baez zeigt, mittlerweile bereits 82 Jahre alt und seit 2019 (leider) nicht mehr auf der Bühne aktiv. Von Benita Berthmann
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023
Der weibliche Körper ist seit jeher ein Schlachtfeld, in der Theorie, aber vor allem in der Realität: Er wurde verfügbar gemacht, herabgesetzt und unterworfen, und selbst jene, die ihn idealisierten, verehrten und in Szene setzten, wandten sich meist ab, wenn es blutig wurde.
Wenn die französische Filmemacherin Claire Simon ihre Dokumentation über eine Pariser Frauenklinik "Notre Corps" nennt, ist dies eine Setzung in gleich mehrfacher Hinsicht. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023
In einer der vielen lustigen Szenen von Matt Johnsons "Blackberry" muss Mike Lazaridis, der geniale Ingenieur, der das kanadische Smartphone erfand, auf die Schnelle einen Prototypen zusammenbasteln, um ihn den Vorstandsherren von AT&T präsentieren zu können. Im Kaufhaus sucht er sich dafür das nötige Material zusammen, jede Menge Heimwerkerbedarf, Elektroschrott und Kinderspielzeug. Was er über Nacht fabriziert, sieht grottig aus, funktioniert aber einwandfrei. Aus diesem Geist ist auch Johnsons Film gemacht, mit vielen hektischen Schwenks, unscharfen Einstellungen und selbstgezimmerter Deko. Er sieht aus wie ein B-Movie, läuft aber im Wettbewerb. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2023 Marlene Burow und Felix Kramer in "Irgendwann werden wir uns alles erzählen".Wer wie ich in einem früheren Leben als Filmkritiker schon in den achtziger Jahren nach Cannes reiste und die Berlinale besuchte, erinnert sich an eine Art Film, die man vielleicht am besten als "Festivalfilm" bezeichnet. Filme sind das, die man sich eben nur in der Zwangskonstellation eines Festivals ansehen würde - langsam, getragen, gediegen, schon ein bisschen mit Autorenprätention, aber doch auch auf einer literarischen Vorlage beruhend, so wie "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" auch. Wie viel hundert dieser Filme mag ich seitdem vergessen haben? Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2023
In seiner nicht an Pathos geizenden Endzeitparabel zeigt Rolf de Heer eine junge unbenannte Frau, die auf der Suche nach ein bisschen Zwischenmenschlichkeit oft nur ein paar neue Schuhe findet, die sie auf ihrer Reise durch trockene Wüstenlandschaften allerdings gut brauchen kann. Anhand dieser wechselnden Schuhe lässt sich so manches erkennen über eine Daseinsform, die letztlich nur danach trachtet, weiter gehen zu können und dabei jedwede Empathie verliert. Von Patrick Holzapfel