Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Melodram - 12 Artikel

Bille Augusts 'Nachtzug nach Lissabon' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2013 Pascal Merciers Roman "Nachtzug nach Lissabon" erzählt die Geschichte des Berner Lateinlehrers Raimund Gregorius, der über all seinen Büchern den Anschluss an das Leben verloren hat. Eines verregneten Morgens gelangt er durch eine junge Frau, die sich wahrscheinlich von der Brücke stürzen möchte, an das Buch des geheimnisumwitterten portugiesischen Autors Amadeu Prado. Völlig in den Bann gezogen von der Frau, dem Buch und seiner Poesie, bricht er aus seinem Lateinlehrer-Leben aus und auf nach Lissabon, um der Geschichte dieses Schriftstellers, Arztes und Widerstandskämpfers gegen Salazar nachzuspüren. Aus dem - fiktivem - Werk zitiert der Roman seitenweise die Prado'schen Ausführungen, was durchaus etwas Peinliches hatte: "Kein Ernst ist so ernst wie der poetische Ernst", heißt es darin zum Beispiel und ganz ohne Ironie lässt Mercier dann Gregorius tief ergriffen ausrufen: Welch Brillanz! Welch Wucht! Welch stilistische Eleganz! Von Thekla Dannenberg

Aristokraten in Limpopo: Ntshavheni Wa Lurulis 'Elelwani' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2013 Es gibt viele bittere Wendungen, die das neue Südafrika genommen hat. Eine besteht darin, dass die Wiederbelebung der traditionellen afrikanischen Kulturen, die so lange Zeit verboten, verhöhnt oder ausgebeutet wurden, zu einer neuen Entrechtung der Frauen geführt hat. Nadine Gordimer beschreibt in ihrem Roman "Keine Zeit wie diese" sehr beeindruckend Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes mittel- und obdachlos dastehen, da ihnen nach traditionellem Zulu-Recht kein Anteil am Erbe zusteht; es geht voll und ganz an den Bruder des Verstorbenen über. Auch der Regisseur Ntshavheni wa Luruli erzählt in seinem Film "Elelwani" von der Zerrissenheit südafrikanischer Frauen, die sich im Namen der neuen Vielfalt in die alte Unfreiheit begeben (müssen). Der erste überhaupt in der Sprache der Venda, in Tshivenda, gedrehte Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Venda-Autors Titus Maumela von 1954 und kann sich vor allem zu Beginn nicht ganz von der Lehrbuchhaftigkeit der alten afrikanischen Volksliteratur frei machen. Aber er verbindet sie mit den magisch-malerischen Bildern Afrikas, mit denen die Johannesburger Filmfabrik den Zuschauer in den Bann zu schlagen versteht. Manchmal auch trotz heftigster Gegenwehr. Von Thekla Dannenberg

Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2010 Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen. Von Lukas Foerster

Zeitgeschichte als Melodram: Karan Johars 'My Name Is Khan'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010 Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Filmfigur und Schauspieler. Der gesamte Film hat eine starke autobiografische Note. Genauer gesagt: Er geht vom Autobiografischem aus und extrapoliert dasselbe ganz unverschämt ins Quasimythologische und Geopolitische. Von Lukas Foerster

Laboratorium für den Mainstream

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2010 40 Jahre ist das Forum alt und damit zwar zwanzig Jahre jünger als die große Berlinale, aber doch auch selbst ein wenig in die Jahre gekommen. Als politisch engagiertes Gegenfestival war man 1970 angetreten, inzwischen ist das Internationale Forum des jungen Films fest in die Berlinale integriert. Es sucht auch nicht mehr das Gegenkino, sondern begreift sich als "Laboratorium für den Mainstream". Und doch: Die besten (neuen wie alten) Filme der Berlinale laufen auch dieses Jahr aller Voraussicht nach wieder im Forum. Von Lukas Foerster