Angesichts der geopolitischen Verheerungen, die
Trump gerade auf internationalem Parkett anrichtet, und den Folgen daraus für europäische Verteidigungsetats,
wird Holger Noltze im
VAN-Kommentar geradezu schwindelig: Was der Kultur zuletzt an
Sparplänen vorgesetzt wurde, war wohl kaum mehr als ein "klitzekleiner Vorgeschmack. ... Das war erst der Anfang. Macht es Sinn, einmal mehr zu wiederholen, dass das, was die Größenordnungen angeht,
gar keinen Sinn ergibt? Wie viele geschlossene Opernhäuser braucht es für ein Flugabwehrsystem? - Um mal bei den großen Brocken anzufangen.
Haushaltssanierungen durch Abbau von 'Kultur' sind so offensichtlich unsinnig, dass sich der Gedanke aufdrängt, dass es dabei gar nicht um Budgets geht, sondern um das Statement, dass jetzt aber
Schluss mit lustig sei, erst recht mit dem zweckfrei Schönen." Dabei wäre doch vielmehr ratsam, "in der Phase der Selbstbesinnung, die jetzt ansteht, wo transatlantische Gewissheiten nicht mehr gelten, im Moment größter Verwirrung und gefühlter Ohnmacht, die Sache der Kunst (um nicht der notorischen Verwechslung von Kunst/Markt und 'Kultur' zu folgen) als einen Teil der
Resilienz Europas zu erkennen. Auch als Teil der
europäischen Diversität, kompliziert, aber vital."
2022 wurden
Benin-Bronzen aus deutschen Museen an Nigeria zurückgegeben, irritiert war man aber als der scheidende nigerianische Staatspräsident Mohammedu Buhari die Bronzen an die Nachkommen des Herrscherhauses gab und zu befürchten war, dass die Öffentlichkeit die Bronzen nie sehen wird (unsere
Resümees). Jetzt hat sich aber doch eine Lösung gefunden,
schreibt Susanne Lenz in der
Berliner Zeitung. "Der Oba wird als
Besitzer der Bronzen nicht infrage gestellt, doch darum kümmern wird sich künftig das NCMM [Nigerias nationale Museumskommission]. 'Der Oba hat dem NCMM den Segen gegeben, diese Objekte auszustellen, zu bewahren und ihre Wiederherstellung zu betreiben. Es gibt also keine Unklarheiten mehr', sagt [NCMM-Generaldirektor Olugblile] Holloway. Wahrscheinlich ist, dass die Artefakte im
Edo Museum of West African Art (EMWAA) gezeigt werden, das sich noch im Bau befindet. Deutschland hat bereits vier Millionen Euro in dieses Projekt investiert."
Von 2014 bis 2017 richtete der
IS in
Mossul große Verwüstungen an. Einige Baudenkmäler und Artefakte der antiken Stadt Ninive sind für immer verloren, berichtet der Heidelberger Archäologe
Peter Miglus in der
FAZ: "Die Plünderer des 'Islamischen Staates' haben in den Ruinen des Palastes von Nebi Yunus zweifellos viele wertvolle Gegenstände gefunden. Auch bei unseren Untersuchungen kamen solche Gegenstände wie Schmuck und Keilschriftdokumente zum Vorschein. Über den Verbleib der geraubten Artefakte ist bisher nichts bekannt. Auch auf dem Kunstmarkt dürften sie nur schwer zu finden sein. Es sei denn, sie sind mit Inschriften versehen, die einen direkten Bezug zum Palast haben. Wir haben Goldobjekte ägyptischer Herkunft gefunden, die die assyrischen Könige von ihren siegreichen Feldzügen in der Levante und in Ägypten als Beute nach Ninive brachten. Sollten derartige Funde
auf dem Schwarzmarkt auftauchen, würde man eher davon ausgehen, dass sie aus illegalen Grabungen in Ägypten stammen und nicht aus dem Irak."