9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1402 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 141

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2025 - Kulturpolitik

Zur Abwechslung mal gute Nachrichten aus der Kulturpolitik hat in der Zeit Thomas E. Schmidt - und dazu auch noch von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es ist gelungen, diese "in einen stabilen, zukunftsfähigen Zustand zu versetzen und auch noch finanziell gut auszustatten", freut er sich. Das wirklich "dicke Erneuerungsbrett bohrte Andreas Görgen, der scheidende Amtsleiter der ebenfalls scheidenden Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Er beendete die Kameralistik in der SPK: Direktoren verlieren ihren Beamtenstatus, erhalten befristete Verträge, sind nun für die Budgets ihrer Häuser verantwortlich, unterzeichnen Zielvereinbarungen; ein Vorstand leitet die Stiftung; ihr Stiftungsrat wird verkleinert. Mit der Universität Oxford ist eine erste wissenschaftliche Kooperation vereinbart worden. Also raus aus der Schwermutshöhle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2025 - Kulturpolitik

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat allen Grund zum Feiern, denn ab Januar 2026 erhält sie zwölf Millionen Euro mehr pro Jahr von Bund und Ländern. Im Tagesspiegel ist Birgit Rieger zufrieden: "Das Ziel ist es, schlankere Strukturen und mehr internationale Strahlkraft herzustellen für die 1957 ins Leben gerufene Stiftung, die die Verantwortung trägt für die Sammlungen des ehemaligen Staates Preußen. Ende Januar beschloss das Bundeskabinett mit parteiübergreifender Mehrheit eine Neufassung des Stiftungsgesetzes von 1957. Ein wichtiger Meilenstein. Denn erst damit können die Chefs der einzelnen Institute und Museen eigenständiger schalten und walten. Zudem zahlen nun auch die Bundesländer, die an der Finanzierung der SPK beteiligt sind und ihre Zuschüsse (bis auf das Land Berlin) seit 1996 nicht erhöht haben, nun sogar etwas mehr. Darauf kann die neue Präsidentin Marion Ackermann aufbauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2025 - Kulturpolitik

Sieben "internationale Produktionshäuser", die weiter dazu stehen, dass Künstler bei ihnen BDS-Positionen vertreten, bekommen trotzdem weiter Subventionen vom Bund und dem Land NRW, berichtet Thomas Wessel von den Ruhrbaronen. Die Häuser erklärten, zwar gegen Antisemitsmus zu sein, aber sie wollen "auch weiterhin Künstler*innen im Programm haben, deren Grundwerte wir teilen und die gleichzeitig mitunter Haltungen vertreten, die wir nicht teilen". Wessels Kommentar: "Antisemitismus ausschließen, um Antisemiten einzuladen? So ist es gedacht, zu den Grundwerten rechnen die sieben Spielhäuser die 'uneingeschränkten Menschenrechte', zu den Haltungen den Boykott von Menschen. Als Grundwert gelte 'Antidiskriminierung', der Boykott von Israelis dagegen sei Haltung. 'Solidarität' sei ein Grundwert, der mörderische Hass auf Juden wiederum, wie BDS ihn pflegt, sei eine Haltung, die 'wir aushalten müssen'. Juden auch?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2025 - Kulturpolitik

Sehr scharf kritisiert der ehemalige Berliner Kultursenator Klaus Lederer (ehemals Linkspartei) im Gespräch mit Nicola Kuhn und Claudia Reinhard vom Tagesspiegel die Kulturkürzungen in Berlin. Nicht nur wird in der Kultur überproportional gespart, sondern Kai Wegner kürze auch noch bei den niedrigschwelligen Angeboten, etwa dem freien Museumssonntag. "Über die großen Institutionen redet Kai Wegner ja überhaupt nicht. Stattdessen lädt er mit medialem Tamtam die Intendanzen der großen Häuser zu sich ein und streicht Salbe auf ihre gequälten Seelchen, mit der Perspektive, dass 2035 alles gut werden soll. Das kann er aber überhaupt nicht zusichern. Wegner weiß, es schadet dem Ruf Berlins als Kulturstadt massiv, wenn die Kulturinstitutionen richtig auf die Barrikaden gehen. Nur das interessiert ihn. Es ließe sich ja ernsthaft diskutieren, was die Berliner Kultur wirklich braucht und was verzichtbar wäre. Aber das passiert ja nicht. Stattdessen werden Excel-Tabellen mit Kürzungen verkündet, bei denen der zuständige Senator offenbar nicht mal mitreden wollte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2025 - Kulturpolitik

Angesichts der geopolitischen Verheerungen, die Trump gerade auf internationalem Parkett anrichtet, und den Folgen daraus für europäische Verteidigungsetats, wird Holger Noltze im VAN-Kommentar geradezu schwindelig: Was der Kultur zuletzt an Sparplänen vorgesetzt wurde, war wohl kaum mehr als ein "klitzekleiner Vorgeschmack. ... Das war erst der Anfang. Macht es Sinn, einmal mehr zu wiederholen, dass das, was die Größenordnungen angeht, gar keinen Sinn ergibt? Wie viele geschlossene Opernhäuser braucht es für ein Flugabwehrsystem? - Um mal bei den großen Brocken anzufangen. Haushaltssanierungen durch Abbau von 'Kultur' sind so offensichtlich unsinnig, dass sich der Gedanke aufdrängt, dass es dabei gar nicht um Budgets geht, sondern um das Statement, dass jetzt aber Schluss mit lustig sei, erst recht mit dem zweckfrei Schönen." Dabei wäre doch vielmehr ratsam, "in der Phase der Selbstbesinnung, die jetzt ansteht, wo transatlantische Gewissheiten nicht mehr gelten, im Moment größter Verwirrung und gefühlter Ohnmacht, die Sache der Kunst (um nicht der notorischen Verwechslung von Kunst/Markt und 'Kultur' zu folgen) als einen Teil der Resilienz Europas zu erkennen. Auch als Teil der europäischen Diversität, kompliziert, aber vital."

2022 wurden Benin-Bronzen aus deutschen Museen an Nigeria zurückgegeben, irritiert war man aber als der scheidende nigerianische Staatspräsident Mohammedu Buhari die Bronzen an die Nachkommen des Herrscherhauses gab und zu befürchten war, dass die Öffentlichkeit die Bronzen nie sehen wird (unsere Resümees). Jetzt hat sich aber doch eine Lösung gefunden, schreibt Susanne Lenz in der Berliner Zeitung. "Der Oba wird als Besitzer der Bronzen nicht infrage gestellt, doch darum kümmern wird sich künftig das NCMM [Nigerias nationale Museumskommission]. 'Der Oba hat dem NCMM den Segen gegeben, diese Objekte auszustellen, zu bewahren und ihre Wiederherstellung zu betreiben. Es gibt also keine Unklarheiten mehr', sagt [NCMM-Generaldirektor Olugblile] Holloway. Wahrscheinlich ist, dass die Artefakte im Edo Museum of West African Art (EMWAA) gezeigt werden, das sich noch im Bau befindet. Deutschland hat bereits vier Millionen Euro in dieses Projekt investiert."

Von 2014 bis 2017 richtete der IS in Mossul große Verwüstungen an. Einige Baudenkmäler und Artefakte der antiken Stadt Ninive sind für immer verloren, berichtet der Heidelberger Archäologe Peter Miglus in der FAZ: "Die Plünderer des 'Islamischen Staates' haben in den Ruinen des Palastes von Nebi Yunus zweifellos viele wertvolle Gegenstände gefunden. Auch bei unseren Untersuchungen kamen solche Gegenstände wie Schmuck und Keilschriftdokumente zum Vorschein. Über den Verbleib der geraubten Artefakte ist bisher nichts bekannt. Auch auf dem Kunstmarkt dürften sie nur schwer zu finden sein. Es sei denn, sie sind mit Inschriften versehen, die einen direkten Bezug zum Palast haben. Wir haben Goldobjekte ägyptischer Herkunft gefunden, die die assyrischen Könige von ihren siegreichen Feldzügen in der Levante und in Ägypten als Beute nach Ninive brachten. Sollten derartige Funde auf dem Schwarzmarkt auftauchen, würde man eher davon ausgehen, dass sie aus illegalen Grabungen in Ägypten stammen und nicht aus dem Irak."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2025 - Kulturpolitik

Im Zeit-Gespräch mit Ijoma Mangold und Tobias Timm unterhalten sich die Kultursenatoren Carsten Brosda und Joe Chialo über die Berliner Sparpläne, die neue Hamburger Oper und die Antisemitismus-Klausel. Chialo merkt an, dass beim Thema Antisemitismus zu sehr "nach rechts geschielt" wurde und das Thema linker Antisemitismus tabuisiert wurde. Brosda meint dazu: "Grundsätzlich stimme ich dir zu, aber am Ende ist Antisemitismus Antisemitismus, und wir sollten uns nicht zu lange nur mit der Frage aufhalten, ob das nun links oder rechts ist." Darauf Chialo: "Das ist schon wichtig, denn wenn man das Problem immer nur bei den anderen wahrnimmt, leidet die Selbstreflexion darunter. Ich hatte damals wegen meiner Initiative zur Antidiskriminierungs-Klausel diesen Farbanschlag an meinem Wohnhaus, das kam eindeutig von links. Wenn das von rechts gekommen wäre, wäre die gesamte Kultur dagestanden wie eine Eins und hätte Demonstrationen organisiert."

In der Diskussion um die Schaffung eines Schiedsgerichts für NS-Raubkunst-Fälle, hat die scheidende Koalition noch Fakten geschaffen und die Beratende Kommission unter dem Vorsitz von Hans-Jürgen Papier abgewickelt (unsere Resümees). Dagegen wurde jetzt Kritik laut, weil der Vorwurf im Raum steht, die Schaffung eines Schiedsgerichts mit "einseitig von staatlich-administrativen Stellen" festgelegten Bewertungs- und Beurteilungsregeln könne die Kläger benachteiligen, da die Nachfahren einen Beweis für den Raub der Kunstwerke erbringen müssen, schreibt Annegret Erhard in der Welt. Hier lohne sich daher ein Blick nach Österreich: "Denn erst nach der Restitutionsentscheidung erfolgt die Ermittlung der Rückgabeberechtigten und danach erst die Restitution selbst. Sollten keine Nachfahren der Opfer auffindbar sein, werden die Kunstwerke über den Nationalfonds der Republik Österreich zugunsten der NS-Opfer oder deren Rechtsnachfolger verwertet. Dass eine Verjährung im Zusammenhang mit NS-Raubkunst nach österreichischem Gesetz ausgeschlossen ist, passt ins Bild einer Nation, die souverän die Empathie mit den Opfern des NS-Unheils und deren Nachfahren über juristische Einzelfallbetrachtungen setzt." (Aber mit Empathie für die Opfer des Holocaust haben wir es ja nicht so, blickt man beispielsweise auf die Bayerische Gemäldesammlung, mehr hier).

Weiteres: In der FAZ unterhält sich Paul Ingendaay mit der neuen Präsidentin des Goethe-Instituts Gesche Joost über die Zukunft des Instituts.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2025 - Kulturpolitik

Auf den Natur und Wissenschaften-Seiten der FAZ resümiert Wolfgang Krischke die Tagung "Beyond Restitution: Indigenous Practices, Museums, and Heritage" an der Universität Lüneburg, bei der deutsche Kulturwissenschaftler und Kuratoren ethnologischer Sammlungen mit Vertretern von vier indianischen Gemeinschaften aus Südamerika über den Umgang mit Kultgegenständen diskutierten: Neben der fremden Inbesitznahme indigener Gegenstände" wurde vor allem das Prinzip der Musealisierung kritisiert: "Die Einlagerung der Dinge oder ihre Präsentation unter dem Glas der Vitrinen beraube sie ihrer Seele, reiße sie aus ihren lebendigen Zusammenhängen und degradiere sie so zu bloßen 'Objekten' mit nur noch historischem Wert.  (…) Gegen die 'Gefängnisse' der Vitrinen und Depots setzten die Referenten emphatische Schilderungen ihrer im 'Territorio', der Heimaterde, verwurzelten Lebenswelten: Deren Menschen wurden dargestellt als verbunden mit ihren Ahnen und im Einklang mit der Pflanzen- und Tierwelt lebend, eingebettet in einen mythischen Kosmos, zu dem spirituelle Führer, sakrale Gegenstände und Träume den Zugang herstellen. Erst in dieser Welt, so die Botschaft, könnten die aus ihrer Isolationshaft befreiten Objekte wieder als Werkzeuge oder Kultgegenstände zu sich selbst kommen, um ihren praktischen, religiösen und ästhetischen Sinn erneut zu entfalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2025 - Kulturpolitik

"Es ist, als müsste die öffentlich geförderte Kultur neuerdings ihre Existenz rechtfertigen", schreibt die CDU-Politikerin Monika Grütters in der FAZ und plädiert für schnelles Umdenken, auch mit Blick auf Berlin: "Kulturpolitik in Berlin ist also, ob sie will oder nicht, auch Bundespolitik. Von der Kulturblüte in der Hauptstadt profitiert ganz Deutschland. Dabei gibt es viel zu verteidigen. In Berlin gibt es mehr Museen als Regentage (120), mehr Galerien, als das Jahr Tage hat (400); und wenn man jede Woche ein anderes Theater besuchen wollte, bräuchte man ein Jahr dafür - und wäre dann noch in keinem der drei Opernhäuser gewesen (oder vier, wenn man die Neuköllner Oper dazurechnet). Wir können froh sein, dass Deutschland gerade wegen seiner Hauptstadt in der Welt wieder als Kulturnation wahrgenommen wird. Wenn wir die Kultur schleifen, haben wir also viel zu verlieren. Deshalb sollten wir uns verständigen über die Kosten und den Nutzen von Kürzungsszenarien."
Stichwörter: Grütters, Monika, Sparpläne

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2025 - Kulturpolitik

Die FAZ bringt eine Beilage "Demokratie & Verfassung", wo man sich zuerst fragt: Wo ist die Anzeige? Dann kommt aber keine, sondern FAZ-Redakteure durchpflügen von sich aus in Besinnungsaufsätzen die Politikfelder. Andreas Kilb macht zur kulturpolitischen Stimmung in Deutschland eine interessante Bemerkung: "Der in siebzig Jahren Nachkriegszeit entstandene Konsens, dass die Kultur von den Auf- und Abwärtsbewegungen der Konjunktur und ihren Folgen für die öffentlichen Haushalte verschont bleiben muss, beginnt zu bröckeln. In München, Dresden, Köln, Hannover und vielen anderen Städten sind teils drastische Kürzungen im Kulturetat geplant. Am tiefsten indes ist der Einschnitt in Berlin." Die Politik kann auch zuschlagen, weil der Rückhalt des Publikums, anders als in früheren Kürzungsrunden, morsch geworden ist, so Kilb: "Damals gingen die Zuschauer gemeinsam mit den Theaterleuten auf die Straße. Ob es heute wieder so käme, ist die Frage. Eine Erkenntnis aus dem Berliner Haushaltsdrama ist, dass die Kulturszene bei ihren Protestkundgebungen unter sich blieb."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2025 - Kulturpolitik

Das wurde aber auch Zeit, möchte man rufen, liest man auf Zeit online den gruseligen Bericht des Göttinger Historikers Holger Stoecker, der half Gebeine von Angehörigen der Hehe in Tansania zu identifizieren, die die Deutschen einst geraubt und jetzt - zum Teil wenigstens - zurückgegeben haben. Deutsche Soldaten hatten nicht nur die Gebeine oder Schädel besiegter Hehe mitgenommen, sondern schon früh auch Grabräubereien begangen: "Die Suche nach der Herkunft der Gebeine führte zurück in die Zeit um den Jahreswechsel 1896/97. In jenen Tagen betraten Soldaten der in Iringa stationierten Einheit der deutschen Schutztruppe die Grabanlage der Königsfamilie nahe Rungemba. Der Einsatz wurde geleitet von Jan Stierling, einem Militärarzt, der gleichfalls auf der Station Iringa untergebracht war. Stierling beschreibt die Anlage in einem Beitrag für die Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen der Berliner Universität 1899 als eine 'wahrhaft eines Fürsten würdige Begräbnisstätte'. ... Ferner wusste Stierling, dass der Sultan jeden Monat im Schutz der Nacht nach Rungemba kam, um am Grabe seines Vaters Rituale abzuhalten. Dies war der Anlass für den Schutztruppen-Einsatz auf der Grablege: Um 'das Ansehen des flüchtigen Quawa empfindlich zu schädigen', wie Stierling schreibt, schändeten die Soldaten die Gräber, verwüsteten die Anlage und nahmen die Gebeine von Mkwawas Vater Munyigumba und von mindestens drei seiner Halbbrüder mit."

In der Welt ist Manuel Brug wenig beeindruckt von dem Opernhausgeschenk des Unternehmers Klaus-Michael Kühne für Hamburg. Zumal ihn die lieblose Art kränkt, mit der die sanierungsbedürftige alte Oper Hamburg ohne jede öffentliche Diskussion offenbar ausgemustert wird: "1678 wurde in Hamburg die bürgerliche Gänsemarktoper als zweite private Spielstätte überhaupt nach Venedig eröffnet. Bis zum Bankrott 1738 glänzten hier Georg Friedrich Händel, Reinhard Keiser und Georg Philipp Telemann. Seit 1827 spielt man nahebei in der Dammtorstraße. Im aktuellen, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude stammt das Bühnenhaus von 1926, das im Krieg zerstörte Vorderhaus mit seiner großformatigen Glasfassade und den typischen Fifties-Wabenlogen von 1955. Man sieht und hört fast überall gut. 2005 wurde ein zusätzliches Betriebsgebäude eröffnet. Gustav Mahler wirkte in der Staatsoper, nach dem Krieg waren die großen Zeiten unter Rolf Liebermann, August Everding und Götz Friedrich. Anfang der 2000er Jahre machten die Produktionen von Peter Konwitschny und Ingo Metzmacher überregional von sich reden. Nun soll ab Herbst 2025 (neben dem neuen Ballettchef Demis Volpi) ein junges Leitungsteam um den regieführenden Intendanten Tobias Kratzer und den Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber wieder für (positive) Schlagzeilen sorgen." Ist es da "wirklich so toll, wenn eine Oper, von alters her ein Haus in der Mitte der Stadt und der Gesellschaft, in eine noch zu entwickelnde Immobilienperipherie rückt?"

Neubauten können auch von der Krise des Genres an sich ablenken, fürchtet Jürgen Kesting in der FAZ. Längst gebe es gar nicht mehr ausreichend gute Opernsänger. Und gerade die Oper Hamburg sei in der wenig kunstsinnigen Stadt kaum noch zu füllen. Was hilft da ein zeichenhafter Neubau? Es gibt warnende Beispiele: "Die Oper von Sydney, seit Jahrzehnten ein 'herausragendes Opernhaus', ist nur ein Touristenziel, Aufführungen finden dort nur sporadisch statt."