Die Kritik Benjamin Netanjahus am australischen Premier
Anthony Albanese nach dem Massaker am Bondi-Beach in Sydney mag überzogen gewesen sein, aber dass er den
wachsenden Antisemitismus im Land nicht ernst genug genommen hat, stimmt eben auch, meint Thomas Hahn in der
SZ: "Ein polternder Machtpolitiker war er noch nie. Seine demütige Art trug dazu bei, dass seine Labor-Partei im Mai ihre Regierung mit einem deutlichen Wahlsieg gegen die konservative Coalition verteidigte. Aber vor allem fehlen Albanese nach der Attacke von Bondi die Argumente. Die Anzahl der antisemitischen Verbrechen ist in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich
deutlich angestiegen. Schon im Juli hat die zuständige Sondergesandte Jillian Segal deshalb einen ganzen Katalog an Vorschlägen vorgelegt, darunter: mehr Geld für Sicherheit. Trotzdem gab es
keinen Schutz für ein großes jüdisches Fest am berühmtesten Strand Sydneys. Der Widerspruch ist Albanese wahrscheinlich selbst klar."
"
Dieses Land ist ein Paradies", sagte der Vater der
Schriftstellerin Lily Brett, nachdem er zusammen mit seiner Frau Auschwitz überlebt und nach Australien gekommen. Dort konnten sich Juden, so Brett in der
SZ, bis zum Anschlag von Bondi Beach sicher fühlen. "Wir fühlten uns frei in Australien. So frei, wie meine Eltern, vor allem meine Mutter, sich fühlen konnten. Meine Mutter war sich sicher, dass
die Nazis jederzeit in Australien auftauchen könnten. Sie bestand darauf, dass ich Deutsch lernte - eine Sprache, die ich fast völlig vergessen hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Nazis auftauchen würden. Ich glaubte, Australien würde das nicht zulassen. Australien, da war ich mir sicher, würde uns beschützen. Die Schüsse in Bondi und der Tod und die Verletzungen so vieler jüdischer Menschen
haben dieser Fantasie ein Ende bereitet."
In der
Zeit findet Mark Schieritz den Artikel
Mathias Döpfners (
hier, aber kostenpflichtig) zum Zustand der EU, dem er ein aufblühendes Amerika gegenüberstellt, reichlich unstimmig: "Agonie und Abstieg" diagnostiziere Döpfner nur hierzulande, dass "die Schuldenquote der USA inzwischen 125 Prozent der Wirtschaftsleistung beträgt und die Amerikaner nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds schon 2030 stärker verschuldet sein werden als die Griechen, die ja Konkurs anmelden mussten", sei ihm hingegen keine Erwähnung wert. Noch fragwürdiger findet Schieritz Döpfners Behauptung, "die Bundesrepublik leide 'immer noch' an ihrem '
nationalsozialistischen Trauma'... Das Argument greift eine Logik auf, die bislang vor allem von rechts außen und links außen ins Feld geführt wurde. Sie begreift die deutsche
Erinnerungskultur als Hemmnis für den Fortschritt, und die empirischen Belege dafür als dünn zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung."