Theodor W. Adorno hat am Frankfurter Institut für Sozialforschung ein "Gruppenexperiment" durchführen lassen, dessen Ergebnisse er dann doch lieber nicht publizierte. Nun soll das unter Leitung des Adorno-Nachfolgers Stephan Lessenich nachgeholt werden, berichtet Ann-Kristin Tlusty in der
Zeit. Brenzlig waren die Ergebnisse, weil sich noch deutlicher als geahnt herausstellte, dass die
Naziideologie noch in den Köpfen der Deutschen spukte: "Intern bezeichnete Adorno das Gruppenexperiment als 'Kind der Liebe, aber auch der Sorge'. Warum genau er nur vereinzelte Publikationen zuließ und sich gegen die vollständige Veröffentlichung entschied, kann heute nur in Ansätzen rekonstruiert werden. '
Wird schocken!', schrieb er an den Rand eines Interviewtranskripts - und beschloss dann offenbar doch, dass die deutsche Nachkriegsöffentlichkeit diesen Schock nicht verkraften würde. 'Adorno stellte fest, dass es
keine soziale Basis für Demokratie in Deutschland gab', sagt Stephan Lessenich..." Nachwirkungen seien bis heute festzustellen, so Tlusty: "In Gegenden, in denen in den 1930ern die NSDAP besonders stark war, ist es heute die AfD." Dann hätten sich also damals schon die Konturen der DDR abgezeichnet?
Die
taz dreht ab, fällt schon seit einiger Zeit auf. Zum
1. Mai schwelgt Timm Kühn in Erinnerungen an jene
ritualhaften Gewaltdemos in Berlin an diesem Datum, die seiner Meinung irgendetwas mit dem "Tag der Arbeit" zu tun gehabt haben müssen. Unter der Überschrift "Der Klassenkampf braucht Gegenwehr" konstatiert er wehmütig: "Zu
Straßenschlachten kommt es zwar kaum noch. Zu sehr aufgerüstet ist die Polizei inzwischen, zu viel Wissen hat sie über Riotbekämpfung gesammelt... Und doch sind es diese Proteste, die
noch nicht tot sind. Auf der Hamburger 'Wer hat, der gibt'-Demo wird die Klassengesellschaft wenigstens noch angesprochen. Und die revolutionäre 18-Uhr-Demo in Berlin bleibt
ein Sehnsuchtsort, der weiterhin - trotz der seit Jahren ausbleibenden Krawalle - Zehntausende anzieht."
Gleich vier Autoren hat die
SZ angesetzt, um
Hudhaifa Al-
Mashhadani, Leiter der multikulturellen Deutsch-Arabischen Schule Ibn Khaldun in Berlin-Neukölln, nachzuweisen, dass er einen
Mordanschlag auf sich erfunden haben soll. Auch seine Doktor- und Professorentitel sollen erfunden sein, und er soll den Irak möglicherweise als Betrüger verlassen haben. Al-Mashhadani war überregional bekannt geworden, weil er in Neukölln den
wachsenden Antisemitismus kritisiert hatte: "Je eindringlicher Al-Mashhadani gerade nach dem Überfall der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 von Anfeindungen gegen seine Schule und ihn persönlich berichtete, umso mehr wuchs das Interesse an seinem Projekt - und auch an ihm, dem Macher dahinter. Den Höhepunkt erreichten die Aufmerksamkeit und die Unterstützung mit dem angeblichen Mordanschlag vom 14. November 2025. Die
SZ hatte Al-Mashhadani zum ersten Mal zwölf Tage danach besucht, Ende November in seinem Schulbüro in Neukölln. Das Interview dauerte fast drei Stunden. Er erzählte, wie ihn ein Mann im U-Bahnhof mit voller Wucht in seinen Rücken gestoßen habe. Reflexartig habe er sich gegen diesen Schlag gelehnt. Die SZ veröffentlichte die Geschichte unter dem Titel 'Im Visier'. Seit dem 28. April ist der Text gelöscht, da er neben der widerlegten Erzählung von einem
angeblichen Mordanschlag viele weitere falsche Angaben Al-Mashhadanis transportierte." Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, ob Anklage erhoben wird, wissen die Autoren nicht. Was das alles für die eben noch gefeierte Schule Al-Mashhadanis bedeutet, erfährt man auch nicht.
Auch der Brandanschlag auf den Antisemitismusbeauftragten Brandenburgs
Andreas Büttner soll möglicherweise gar nicht von Antisemiten, sondern von Freunden und Geschäftspartnern Büttners verübt worden sein, berichten im
Tagesspiegel Thorsten Metzner und Gabi Probst, die ebenso wie die
SZ-Kollegen offenbar gute Kontakte in Berliner Senat und Polizei unterhalten. Vielleicht war der Anschlag gar eine
Gemeinschaftsaktion, was der Artikel nahezulegen scheint: "Auffällig ist,
wie gut sich die mutmaßlichen Tatverdächtigen und das Opfer kennen - und das seit Jahren. Nach
Tagesspiegel-Recherchen sind Büttner, Daniel R. und Lukas S. Gesellschafter einer 2023 gegründeten gemeinsamen Firma, deren Sitz sich in Niedersachsen befindet und die als Zweck 'Unternehmensberatung' angibt. Daniel R. ist Geschäftsführer. Laut Handelsregister ist Büttner Mehrheitseigner der Firma, während Daniel R. und Lukas S. Minderheitsbeteiligungen halten." Außerdem engagieren sich alle drei für eine "Initiative, die in der politischen Bildungs- und Gedenkarbeit aktiv ist", heißt es weiter. "Nach Recherchen dieser Zeitung gibt es keine Hinweise auf Spannungen oder Zerwürfnisse zwischen den beiden Männern und Büttner, die alle ein
freundschaftliches Verhältnis verbinden soll. Sie sollen sich auch nach dem Brandanschlag getroffen haben, in Potsdam und Berlin. Anfang Februar - also nur einen Monat nach dem Brandanschlag - sollen sie
gemeinsam in der Leipziger Oper gewesen sein. Auf dem Programm: 'Der Fliegende Holländer'." Büttner äußert sich in einem
Tagesspiegel-
Interview entsetzt.