Ausgerechnet bei einer Rede in der Knesset hatte sich
Helmut Kohl zur "
Gnade der späten Geburt" gratuliert und damit in Israel nicht gerade Begeisterung ausgelöst - auch in Deutschland wurde Kohl vorgeworfen, dass er sich damit aus der historischen Verantwortung stehlen wolle. Der Germanist
Peter-André Alt begibt sich in der
FAZ auf die Spur der Formulierung. Ihre Erfinder sind sozusagen
Günter Gaus und
Günter Grass. Zustande kam das in einer der berühmten Interviewsendungen Gaus', in diesem Fall mit Grass im Jahr 1965: "Auf die Frage nach seiner Generationserfahrung erklärte Grass, er gehöre zu jenen, die zu jung waren, 'um Nazis zu werden' und zugleich zu alt, 'um diese Zeit abstreifen zu können'. Erst nach dem Krieg habe er gemerkt, so Grass, 'dass der Jahrgang kein Verdienst ist'. '
Eine Gnade', so fügte Gaus an dieser Stelle hinzu. Grass wiederum zögerte kurz und bestätigte dann: 'In dem Fall eine Gnade', aus der, wie er ergänzte, auch eine 'Art Verpflichtung' zur Vermittlung zwischen den Generationen erwachse. Damit war
die Formel geboren, ohne dass sie jedoch öffentliche Resonanz auslöste; die Medien griffen sie nicht auf, und auch in politischen Debatten spielte sie einstweilen keine Rolle."
In der
FR erinnert Arno Widmann an die
Schlacht von Ayacucho 1824, in der die letzten spanischen Truppen aus Kolumbien vertrieben wurden.