
Abgesehen von der beispiellose Gewalt gegen die Homosexuellen war das schlimmste für den Medienwissenschaftler
Peter György bei der Demo, dass die Gegendemonstranten die
ungarische Mittelschicht widerspiegelten. György im
Interview mit Dora Matalin: "Das sind konsolidierte Menschen, die Familie und einen Arbeitsplatz haben, und die am Samstag Nachmittag auf die Straße gegangen sind, um
andere zu demütigen. Ihr Problem ist nicht, dass diese Menschen schwul sind. In Ordnung, sollen sie doch schwul sein, sagt der Ungar, sie sollen aber nicht noch
gute Laune dabei haben und vor allem sollen sie nicht stolz darauf sein. Denn das ärgert jeden, der frustriert ist - und die ungarische Mittelschicht ist ziemlich frustriert. Sie ist frustriert, weil sie ununterbrochen Angst vor der Verarmung hat, weil sie ihre frühere Sicherheit verloren hat. Weil sie einst in einem geschlossenen, auch kulturell überschaubaren Land gelebt hat, dessen Maßstäbe inzwischen zerfallen sind. Deshalb können diese Ungarn das Anderssein der anderen
nur ertragen, solange diese sich verstecken."