Laszlo Vegel

Exterritorium

Szenen vom Ende des Jahrtausends
Cover: Exterritorium
Matthes und Seitz, Berlin 2007
ISBN 9783882211115
Gebunden, 192 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Akos Doma. "Exterritorium" liefert die schonungslose Chronologie eines unabwendbaren Krieges in unserer nächsten Nähe, vor den Augen Europas. Es ist keine Abrechnung, sondern ein Dokument, ein essayistisches Kriegstagebuch. "Szenen vom Ende des Jahrtausends" ist der Untertitel dieses Buchs, das Laszlo Vegel während der Balkankriege in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts verfasst hat. Darin nimmt er keine distanzierte Beobachterhaltung ein, sondern notiert den allgegenwärtigen Schrecken aus der Innenperspektive. Als Mitglied der ungarischen Minderheit in Serbien muß er erleben, wie seine serbischen Nachbarn zusehends einem nationalistischen Wahn verfallen. Die aktuellen Ereignisse liefern die Folie der biografischen Rückblenden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2008

Mit Beklemmung hat Michael Martens Laszlo Vegels Buch über die ungarische Minderheit in der serbischen Provinz Vojvodina während der Natoangriffe 1999 gelesen. Der ungarische Autor erzählt in 14 Tagebuch-ähnlichen Kapiteln von den Anfeindungen, denen die Angehörigen der ungarischen Minderheit durch ihre serbischen Nachbarn ausgesetzt waren und beschreibt die tiefe Verunsicherung, die der serbische Nationalismus bei ihnen hervorrief, so der Rezensent beeindruckt. Martens hat zudem viele imponierende Sprachbilder für die Beschreibung des Krieges gefunden, muss aber dabei feststellen, dass Vegel mitunter die Metaphern etwas verrutscht sind. Zudem klängen manche Schilderungen des Autors arg verbittert oder larmoyant, kritisiert der Rezensent, der sich auch bei manchen Urteilen des Autors über historische Zusammenhänge etwas irritiert zeigt. So findet er die Beurteilung, Serbien sei von der Geschichte des 20. Jahrhunderts "großzügig" behandelt worden, nicht wirklich nachvollziehbar. Völlig unmöglich findet der Rezensent das "plumpe" Titelbild, auf dem ein alter Geiger vor einem Schild mit der Aufschrift "Nato, 1939, 1999" abgebildet ist, aber das ist, wie er betont, nicht dem Autor, sondern dem Verlag anzulasten. Dem bei deutschsprachigen Lesern bislang kaum bekannten Autor aber wird man nach diesem Buch mehr Beachtung schenken, davon ist der Rezensent überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2008

Dies ist eine schonungslose Abrechnung mit dem serbischen Nationalismus, konstatiert Karl-Markus Gauß. Sie kommt von einem, der ihn hautnah miterlebt hat, als Mitglied der ungarischen Minderheit in der serbischen Vojvodina. Die Vojvodina war, ebenso wie der Kosovo, unter Tito als autonome Region befriedet, bis dann unter dem Nationalisten Slobodan Milosevic die Nationalitätenkonflikte befeuert wurden. Der Autor Laszlo Vegel nimmt diese Situation zum Ausgangspunkt für eine recht weit ausholende Darstellung des von keinerlei Selbstzweifel angekränkelten serbischen Nationalismus, den er bis weit in die Geschichte zurückverfolgt. Auch mit einigen Legenden räumt er auf, so habe es etwa, anders als gerne behauptet, sehr wohl, ja, immer schon, serbischen Antisemitismus gegeben. Der Rezensent ist mit der Stoßrichtung Vegels und mit seinen zentralen Thesen völlig einverstanden, gibt allerdings zu bedenken, dass er mit der Behauptung, Serbien sei in diesem Jahrhundert "alles auf dem silbernen Tablett serviert" worden, dann doch übertreibt und die serbischen Toten des Zweiten Weltkriegs unterschlägt.

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