
Drei Psychologen veröffentlichten vor kurzem einen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Beitrag in der Wochenzeitschrift
HVG, in dem sie erklärten, dass liebevolle Kindererziehung und die gesunde Entwicklung der
Kinder auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften erfolgen können. Obgleich sie für die Veröffentlichung eine Zustimmung der Universität erhielten, leitete diese ein
Disziplinarverfahren gegen die drei ein, da der veröffentlichte Artikel nicht mit der katholischen Geisteshaltung übereinstimme. Mehr als 7000 Angehörige der Universität bekundeten ihre Solidarität mit den Dozenten. Der Fall betrifft aber auch die Meinungsfreiheit, die berufliche Autonomie, das Verhältnis zwischen christlicher Ethik und öffentlichem Diskurs,
erklärt die evangelische Theologin
Dóra Laborczi: "Obwohl wir in unserer extrem gespaltenen und mental zerbrechlichen Gesellschaft dazu neigen zu denken, dass es besser ist, Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden, sind sie in Wirklichkeit notwendig, um einen
sozialen Konsens zu schaffen. Die Möglichkeit, sich zu äußern, der Raum für den Dialog und die Gelegenheit zur demokratischen Debatte sind die Grundvoraussetzungen für alles, was wir gemeinsam als Christen und als Staatsbürger verteidigen sollten. Eine
authentische christliche Gemeinschaft, ihre Stimme und ihr Raum sind stets auch inklusiv. Sie spricht nicht die Sprache der Angst, sondern die der Hoffnung und des Vertrauens. Wir müssen nicht in jeder Frage die gleiche Position einnehmen. Aber wir können uns vielleicht darauf einigen, dass, wenn die Akademiker einer kirchlichen Universität Repressalien ausgesetzt sind, weil sie aus wissenschaftlicher, menschlicher und gewissenhafter Überzeugung einen gesellschaftlichen Dialog über ein spaltendes Thema initiiert haben (nicht zuletzt, weil sie sich gegen Hassreden und für Liebesbeziehungen aussprechen), dann bedeutet
Solidarität mit ihnen auch das Eintreten für christliche und demokratische Werte."