
Das Ergebnis der Volksabstimmung in der
Republik Moldau zum
EU-Beitritt des Landes ist entsetzlich für die europäische Seite,
meint der Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau. Zwar ging es an den Urnen noch gar nicht um den Beitritt, sondern lediglich um eine Verfassungsänderung, die
eine Abstimmung über einen solchen
möglich machen würde, und es setzte sich die proeuropäische Seite durch - aber nur hauchdünn, mit 50,4 gegen 39,6 der Stimmen. Proeuropäischer Rückenwind sieht anders aus. Das hat Gründe, erläutert Münchau: "Es ist für Russland viel einfacher, sich in die Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, wenn dessen Bevölkerung in Teilen Russisch spricht. Die moldauischen Behörden behaupten, dass Russland 15 Millionen Euro an 130.000 Menschen gezahlt habe, um sie zu bestechen, im Referendum mit 'Nein' zu stimmen. Das sind etwas
mehr als 100 Euro pro Person. In einem armen Land wie der Republik Moldau ist das für viele Menschen viel Geld. Die Hürden für eine russische Einflussnahme sind sehr niedrig, und das wird auch so bleiben. In seinem Enthusiasmus für die Erweiterung neigt die EU dazu, ihre eigene Beliebtheit zu überschätzen. Die Erweiterung ist die einzige erkennbare Säule der
geopolitischen Strategie Europas, aber die Union hat kaum die Möglichkeit, die Ereignisse zu kontrollieren. Die EU unterschätzt möglicherweise auch den Widerstand bestehender Mitglieder, sobald die Kosten der Erweiterung in wirtschaftlich verarmte Regionen klar werden. Bisher hat nur Viktor Orbán damit gedroht, eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine zu blockieren. Er wird eines Tages nicht mehr im Amt sein. Stärker werden sich, vermute ich,
Polen und andere Nettoempfänger gegen neue Mitgliedschaften wehren. Polen ist mit Abstand der größte Nettoempfänger, ein Status, den es als Preis für die EU-Erweiterung aufgeben müsste."
Kermit Pattison
berichtet staunend über die Forschung der Molekularpaläonthologin
Alexandra Morton-Hayward, die eine große Sammlung teils viele Jahrhunderte alter
menschlicher Gehirne anlegt - und dazu forscht, unter welchen Umständen dieses Organ so lange erhalten bleiben kann. Unter anderem interessiert sich Morton-Hayward für chemische Auffälligkeiten ihrer Proben: "Tatsächlich sind konservierte Gehirne
voller Eisen - in manchen Fällen bestehen sie zu 25 Prozent aus diesem Element. Es sind eisenhaltige Mineralien, die antike Gehirne gelb, schwarz, orange oder rot färben. In lebenden Gehirnen unterstützt Eisen wichtige Funktionen wie die Atmung und den Elektronentransport. Eisen kann jedoch auch gefährlich sein, da es sich mit dem Alter ansammelt und ein Phänomen namens
oxidativer Schaden fördert. Oxidativer Schaden wird mit dem Altern sowie mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson und anderen Gehirnpathologien in Verbindung gebracht. Tatsächlich legt Morton-Haywards Arbeit nahe, dass oxidativer Stress im Leben einen Prozess in Gang setzen kann, der nach dem Tod weitergeht - insbesondere unter bestimmten Bedingungen wie sauerstoffarmen, wassergefüllten Begräbnisstätten. Sie ist beeindruckt von der Tatsache, dass viele konservierte Gehirne von Menschen stammen,
deren Leben elend endete - in Massengräbern, bei traumatischen Todesfällen, in Armenhäusern und Anstalten."