
Vor zwei Wochen wurde an der
Budapester Corvinus Universität ein Hochschullehrer fristlos entlassen, weil er in einem Prüfungsfall eine
ethische Untersuchung forderte. In besagtem Fall wurde einem
Kind eines regierungsnahen Geschäftsmannes eine unbeaufsichtigte Prüfung abgenommen, bei der der Kandidat die Prüfung bestand. Die Budapester Corvinus Universität war die erste Universität, die von der gegenwärtigen Regierung in eine
Stiftungsuniversität umgewandelt und dessen Kuratorium mit
Regierungsvertretern und regierungsnahen Oligarchen aufgefüllt wurde. Zwar gab es Proteste seitens einiger Studenten und Dozenten gegen die Entlassung, sowie gegen die Prüfungspraktiken, die aber ohne jegliche Konsequenzen verhallt sind. Der Rechtssoziologe
Zoltán Fleck erklärt, wie es zu diesem Erodieren der Werte an Universitäten kam: "Nur der totale Rückzug aus allen Wertentscheidungen, Weltanschauungen und aus der Verantwortung führt zum Verderben der ursprünglichen und heute noch wesentlichen Aufgabe der Universität. Es sind nicht die Wertediskussionen in den Klassenzimmern, die heutzutage das Problem darstellen, sondern eine alltäglich spürbare
gravierende intellektuelle Demotivation sowie die Gleichgültigkeit gegenüber Werten. Die Erziehung zu einem bewussten und verantwortungsvollen Staatsbürger, die Stärkung demokratischer Attitüde und die Verbindung mit der Welt zersplittern das
sklerotische Skelett der heutigen Universität. Ein furchtloses, kritisches Verständnis von Werten, der Erwerb des für eine professionelle und verantwortungsbewusste Meinungsbildung erforderlichen Wissens und ein Bewusstsein für die Bedeutung dieser Prozesse für das Leben und das Wohlergehen menschlicher Gemeinschaften - das ist es, was Hochschullehrer (auch) fördern sollten. Dies kann sicherlich nicht an Orten geschehen, an denen Möglichkeiten für moralisches Verhalten eliminiert und durch Angst ersetzt werden."