Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.10.2025 - Literatur

Die SZ bringt ein 2006 geführtes Gespräch aus dem Archiv des Fotografen Sepp Dreissinger mit der 2016 gestorbenen Wiener Lyrikerin Ilse Aichinger, die darin herrlich österreichisch-existenzialistisch vom Leder zieht: Jeden Vormittag war sie auf "bis zu fünf Tassen" im Café Demel. "Der Grund dafür, warum ich ins Kaffeehaus gehe, ist derselbe, warum ich ins Kino gehe." Es "ist für mich der Versuch, zum Teil der Existenz zu entgehen, zu verschwinden. Im Saal wird es finster. Im Demel wird es zwar nicht finster, aber verschwunden ist man auch hier. Man ist weg von zu Hause, man ist anonym. Es ist ein sehr kostspieliger Versuch zur Anonymität. Zum Glück geht das im Augenblick, weil ich sonst nur die Kinoleidenschaft habe. Am Nachmittag bin ich immer im Filmmuseum. Ich nenne das Zeitverwüstung. Da sind immer fünf bis sechs Stunden weg." 

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Martin Seng blickt für die taz auf Cancel-Culture-Exzesse in den USA, wo christliche Fundamentalisten, rechtsradikale Freiheitsfeinde, MAGA-Antiamerikanisten und sonstige Idioten einen Feldzug gegen Schulbibliotheken führen und mit alleine im letzten Jahr fast 7000 Buchverboten Jugendlichen aus insbesondere armen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Literatur verbauen. Ganz weit oben auf der Abschussliste: "A Clockwork Orange" von Anthony Burgess und "Der Report der Magd" von Margaret Atwood. "Die Verbote treffen auffallend oft Werke, die Sexualität thematisieren und sich mit Verhütung oder auch Scheidung - darunter auch 'Breathless' von Jennifer Niven - kritisch auseinandersetzen. Literatur wie 'Verkauft' von Patricia McCormick, die sich gegen die Ausbeutung von jungen Mädchen und patriarchale Gewalt stellt, wird stigmatisiert" ebenso wie Bücher, die Homosexualität, Missbrauch, Suizid und Rassismus thematisieren.

Außerdem: Andrea Pollmeier resümiert in der FR das Textland-Festival in Frankfurt, wo unter anderem die Schrifstellerin Antje Rávik Strubel auftrat. Stephan Klemm spricht in der FR mit der Bestseller-Autorin Susanne Abel über deren aktuelles Buch "Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104", in dem sie von Heimkindern nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Michael Moorstedt schaut sich für die SZ in der Welt des "Performative Reading" um, einem Netztrend, bei dem man sich beim Buchlesen in der Öffentlichkeit fotografiert.

Besprochen werden unter anderem Gaël Fayes "Jacaranda" (Standard), Édouard Louis' "Der Absturz" (online nachgereicht von der Welt), Virginia Woolfs "The Life of Violet" mit drei frühen, bislang unveröffentlichten Geschichten (NZZ), Helle Helles "Hafni sagt" (FAZ) und Bora Chungs "Dein Utopia" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.10.2025 - Literatur

Im FAZ-Gespräch mit Sandra Kegel zeigt sich der US-Schriftsteller Percival Everett völlig verzweifelt, was den politischen und gesellschaftlichen Zustand seiner Heimat betrifft: Vor den Augen der Öffentlichkeit haben sich die USA in einen Polizeistaat verwandelt, der die Opposition durch Zermürbung und Zensur in die Knie zwingt. "Wenn in der Air Force Academy die Bücher der afroamerikanischen Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou nicht gelesen werden dürfen, Hitlers 'Mein Kampf' aber schon, dann sollte das alle Amerikaner empören. Stattdessen finden viele Demokraten die Brandmarkung von Büchern als subversiv irgendwie schmeichelhaft. Das befremdet mich." Aber "das Verbot von Büchern, egal welcher Art, ist der erste Schritt in ein faschistisches Regime." Denn Lesen "bewirkt genau das, was Faschisten nicht wollen: Bildung und kritisches Bewusstsein. Deshalb werden die Hochschulen attackiert. Sie wollen nicht, dass wir lesen."

Im taz-Gespräch mit Wilfried Hippen erklärt die Amerikanistin Sonka Hinders, warum Jeff Vandermeers vor zehn Jahren erschienener SF-Roman "Auslöschung" aufgrund seiner Story um eine Ökokatastrophe auch heute noch lesenswert ist. Besprochen werden unter anderem das neue "Asterix"-Abenteuer (FR), Jean Paulhans "Die Erfahrung des Sprichworts" (FAZ), Michail Prischwins "Tagebücher Bd. 3/1936" (NZZ), Séan Hewitts "Öffnet sich der Himmel" (SZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Nadia Buddes Neuübersetzung von Ludwig Bemelmans US-Kinderbuchklassiker "Madlen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Stichwörter: Everett, Percival, USA

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.10.2025 - Literatur

Der Literaturwissenschaftler Thomas Kater fragt in einem Essay für die virtuelle Tiefdruckbeilage der FAZ, ob Siegfried Unselds NSdAP-Mitgliedschaft verlegerische Entscheidungen des Verlegers beeinflusst hat - bei Uwe Johnsons erstem Roman "Ingrid Babendererde" stößt er auf eine Spur. Unseld hatte den Roman damals abgelehnt, weil darin von Parteigepränge, wenn auch im Zeichen des Kommunismus und kritisch die Rede war. Kater schreibt dazu: "Dass Unseld seine Mitgliedschaft offenbar nach der wahren, in Teilen suggestiven Aussage gegenüber der Entnazifizierungsbehörde 'beschwiegen' hat, unterscheidet ihn nicht von Millionen anderen Deutschen, die mit den Nationalsozialisten in Verbindung gestanden hatten. Das Besondere an seinem Fall ist vielmehr, dass diese Vergangenheit wohl zumindest bis zu einem gewissen Grad auch seine verlegerischen Entscheidungen beeinflusst haben dürfte. Diese wiederum haben nicht zuletzt in Form des Engagements für die deutsch-jüdische Tradition das geistige Klima der Bundesrepublik wesentlich geprägt." Eine andere Tradition bei Suhrkamp war allerdings, dass man den Kommunismus nicht so kritisieren wollte.

Weitere Artikel: Tilman Spreckelsen denkt in der FAZ darüber nach, welchen Einfluss Füssli und Poe auf Theodor Storms "Schimmelreiter" gehabt haben könnten. Thomas Ribi erinnert in der NZZ an Patrica Highsmiths Jahre in der Schweiz.

Besprochen werden unter anderem Hanif Kureishis "Als meine Welt zerbrach" (Standard), Nina Georges "Die Passantin" (taz), Karsten Krampitz' "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" (taz), die deutsche Erstveröffentlichung von Kim Sisŭps koreanischem Klassiker "Neue Erzählungen von der goldenen Schildkröte" (online nachgereicht von der FAZ), Thomas Pynchons "Schattennummer" (NZZ, FAS), Roland Kaehlbrandts "Von der Schönheit der deutschen Sprache". Eine Wiederentdeckung" (FAZ) und Deena Mohameds Comic "Shubeik Lubeik. Dein Wunsch ist mir Befehl" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Sabrina Habel über Mascha Kalékos "Epitaph auf die Verfasserin":

"Hier liegt M.K., umrauscht von einer Linde.
Ihr 'letzter Wunsch': Daß jeglicher was finde ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.10.2025 - Literatur

Nora Zukker unterhält sich für den Tagesanzeiger mit dem nahezu erblindeten Schriftsteller Michael Fehr. Seine Texte verfasst er mit dem Diktiergerät: "Hören und Reden ist meine Welt. Was die Leute mit der Schrift machen, ist mir nicht ganz klar. Und entsprechend habe ich mich auf das besonnen, was ich kann, was meinem Wesen entspricht. Unterdessen habe ich genug Selbstvertrauen, dass ich weiß, das Universum lebt von der Variation und nicht von der Repetition - insofern ist meine Kunst wertvoll. ... Die Tonaufnahme ist meine Möglichkeit, meine Texte festzuhalten. Aber erst mit etwa vierzig habe ich begriffen, dass ich trotz dieser grundlegend anderen Arbeitsweise immer noch probiere, bestimmten Formen zeitgenössischer Literatur gerecht zu werden. Und da ich mit einer Behinderung auf dem Spielfeld der Gegenwartskunst angetreten bin, ist es für ein prosperierendes Fortkommen wichtig, dass ich mich davon befreie."

Außerdem: Sieglinde Geisel unterzieht Dorothee Elmigers Buchpreis-Gewinner "Die Holländerinnen" dem Page-99-Test von Tell. Besprochen werden unter anderem der Briefwechsel zwischen Gottfried und Nele Benn (online nachgereicht von der FAZ), Jens Harders Comic-Epos "GAMMA … visions" (Intellectures), Ishbel Szatrawskas "Die Tiefe" (NZZ), Marion Fayolles "Aus gleichem Holz" (FR), der neue "Asterix"-Band (NZZ), Stefan Buschs Studie "Über den Sex, den Romane verschweigen" (FAZ) und Sibylle Bergs "PNR: La Bella Vita" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Fehr, Michael

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2025 - Literatur

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Mal ganz abgesehen davon, wie der neue "Asterix"-Comic (diesmal"in Lusitania") eigentlich ist. Er hat sein Gutes, meint Andreas Platthaus, der dem Ereignis die ganze Aufmacherseite des FAZ-Feuilletons widmet: "Alle zwei Jahre rettet das jeweils neue 'Asterix'-Album die Jahresendbilanz des deutschen Buchhandels - zuverlässiger als jeder Gewinnerroman des Deutschen Buchpreises (zumal, wenn der aktuelle, Dorothee Elmigers 'Die Holländerinnen', gerade wieder einmal nicht lieferbar ist, während die 1,5 Millionen 'Asterix'-Alben unter Verschluss schon seit Wochen auf den Erstverkaufstag gewartet haben). Meistverkaufter Titel des jeweiligen Erscheinungsjahres in Frankreich ist ein aktueller 'Asterix' selbstverständlich auch - da mag den Prix Goncourt gewinnen, wer will." Auch SZ, Zeit und Welt besprechen den neuen "Asterix"-Band.

Besprochen werden Ilma Rakusas Tagebuchprosa "Wo bleibt das Licht" (NZZ), Yulia Marfutovas Roman "Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel" (FR), Florian Illies' Buch über den Exilort Sanary-sur-Mer (SZ), Anja Kampmanns Roman "Die Wut ist ein heller Stern" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2025 - Literatur

Dietmar Dath ist in der FAZ sichtlich genervt von einem seiner Ansicht nach immer übergriffiger werdenden Lektorats- und Redaktionswesen, das Autoren und Übersetzer eher gängelt als produktiv zur Seite steht. Am Beispiel von zwölf Fällen legt er dar, was hinter den Kulissen offenbar alles schief läuft. Wer sich beschwert, bekommt "oft erwidert, er verwechsle sich wohl mit Thomas Mann oder Unica Zürn, an deren Schriften wegen erwiesener Kunstheiligkeit kein Strich geändert werden dürfe. Wenn wir aber ganz im Gegenteil die Eigenheiten nicht von Mann und Zürn, sondern von Leuten, vor denen niemand in Ehrfurcht erstarren muss, nicht besäßen, wenn also jemand die schiefe Poesie der Friederike Kempner oder den atemlosen Lügenrausch des Karl May und jeden anderen blühenden Unsinn aus der deutschen Literaturgeschichte entfernt hätte, dann gäbe es anstelle dieser deutschen Literaturgeschichte nur einen Riesenhaufen insipider Fibeltexte."

Weitere Artikel: Die Agenturen melden, dass Oliver Hintz von der Stadt Klütz mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Leiter des örtlichen Literaturhauses freigestellt worden ist, nachdem er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, dass der (seitdem zurückgetretene) Bürgermeister einen Auftritt Michel Friedmans untersagt hat. Roman Bucheli spricht in der NZZ mit Michael Maar, der in seinem neuen Buch "Das violette Hündchen" erneut einen Streifzug durch die Literaturgeschichte unternimmt. Barbara Schweizerhof resümiert im Freitag einen Berliner Abend von Marion Pfaus zur Geschichte der DDR-Literatur. Die taz dokumentiert Marko Martins Dankesrede zur Auszeichnung mit dem Ovid-Preis.
  
Besprochen werden unter anderem Andreas Maiers "Der Teufel" (NZZ), Michi Strausfelds "Die Kaiserin von Galapagos" (NZZ), Agnieszka Lessmanns "Aga" (FR), Ian McEwans "Was wir wissen können" (NZZ), Andreas Pflügers Thriller "Kälter" (Welt) und Trevor Noahs Kinderbuch "Ins hohe Gras" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Lektorat

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2025 - Literatur

Besprochen werden unter anderem Sibylle Bergs "PNR. La Bella Vita" (FR), Arundhati Roys "Meine Zuflucht und mein Sturm" (online nachgereicht von der FR), Stella Nyanzis Gedichtband "Im Mundexil" (online nachgereicht von der FAZ), der Briefwechsel zwischen Gottfried und Nele Benn (online nachgereicht von der Welt), Ursula Krechels Essay "Vom Herzasthma des Exils" (taz), Virginia Roberts Giuffres "Nobody's Girl. A Memoir of Surviving Abuse and Fighting for Justice" (NZZ), J. M. G. Le Clézios Geschichtensammlung "Neues von den Unerwünschten" (SZ), Ferdinand von Schirachs "Der stille Freund" (Standard) sowie Heinz Strunks und André Breinbauers Bilderbuch "Graf Fauchi und das verschwundene Gebiss" (FD). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.10.2025 - Literatur

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Christiane Knödler freut sich in der SZ, dass mit dem Jugendliteraturpreis für Sarah Jäger und ihrem Buch "Und die Welt, sie fliegt hoch" eine "einer der aktuell interessantesten deutschsprachigen Autorinnen" gewürdigt wurde. Julia Hubernagel (taz), Judith von Sternburg (FR) und Josephine Bewerunge (FAZ) berichten von ihren Eindrücken von der Frankfurter Buchmesse. Das FAZ- und Welt-Team werfen verstreute Schlaglichter auf die Buchmesse. 

Besprochen werden Ronya Othmanns "Rückkehr nach Syrien. Eine Reise durch ein ungewisses Land" (FAZ), Ulrike Draesners Epos "penelopes sch()iff" (Standard), Bernhard Hecklers "Die beste Idee der Welt" (taz), Oleksandr Irwanez' "Hexenhimmel Berlin" (taz), Richard Evans' Biografie über den britischen Journalisten George Ward Price, der in seiner Heimat die Hofberichterstattung über Hitler besorgte (NZZ), und neue Hörbücher, darunter eine CD-Box mit elf Hörspielen nach E.T.A. Hoffmann (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Joachim Sartorius über John Ashberys "Auf der North Farm":

"Irgendwo reist irgendwer rasend auf dich zu, 
reist Tag und Nacht mit unfassbarer Geschwindigkeit,
durch Schneestürme und Wüstenhitze ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2025 - Literatur

Für das New-Adult- und Romance-Segment hat die Frankfurter Buchmesse "diesmal ihre glamouröse Festhalle hergerichtet", um dem Andrang der Fans Herr zu werden, berichtet Marie Schmidt in der SZ. Doch "zwischen Genretiteln, Fachbüchern und Ratgebern scheint die Hochliteratur allmählich zum Nischenangebot, zum special interest, zu schrumpfen. ... Aus dem versammelten Literaturbetrieb hört man denn auch immer wieder den Satz: 'Literatur funktioniert nicht mehr.'" So "stellt sich die Frage immer dringender, wie man es schaffen kann, dass die Bereiche der viel gelesenen und der ästhetisch anspruchsvollen Literatur nicht immer weiter auseinanderklaffen, zu einander fremden Subkulturen werden. Und wie sich die Kunst neben aller willkommenen Unterhaltung auf dem Buchmarkt behaupten kann. Zumal die Bedingungen des Büchermachens schwieriger werden, durch steigende Herstellungskosten, die Druckereienkrise und womöglich auch das teure Wettbieten unter den Verlagen um wenige besonders begehrte Spitzentitel im Jahr."

Dirk Knipphals berichtet in der taz vom Kritikerempfang des Suhrkamp Verlags auf der Frankfurter Buchmesse, der nicht mehr in der mittlerweile verkauften Unseld-Villa stattfand, sondern im Holzhausenschlösschen: "Die Aura der Klettenbergstraße ist zwar unwiederbringlich dahin, keine knarrenden Sofas, auf denen schon Beckett saß, kein Warhol-Goethe an der Wand, aber die neue Location ist dann doch halt ein guter Ort, um sich auszutauschen und dabei das Gefühl abzuholen, dass es in der Branche, allen Widrigkeiten zum Trotz, immer noch viele kluge, engagierte Menschen gibt, die Bücher schreiben, verlegen und lesen wollen."

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Martina Meister porträtiert in der WamS den französischen Comicautor Fabcaro, der den am 23. Oktober erscheinenden neuen Asterix-Band getextet hat. In Deutschland ist er weitgehend unbekannt, in Frankreich mit einem beachtlichen, auch Romane umfassenden Werk "seit 2015 ein Superstar. Damals erschien 'Zaï, Zaï, Zaï, Zaï', Untertitel 'Ein Road-movie'. Der Plot dieser Graphic Novel ist komplett absurd" und handelt von einem Comicautor, der sich von einer Petitesse aus in ein wahnwitziges Szenario verstrickt. "Als neuer Kafka wurde er gefeiert, das Buch als sozialkritische Darstellung einer Gesellschaft, die falsche Prioritäten setzt. Zum Bestseller wurde es, weil sich eine ganze Generation im tragikomischen Schicksal dieses Losers wiedererkannte." 

Weitere Artikel: Jens Uthoff berichtet in der taz vom ukrainischen Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Ulrich Gutmair geht für die taz mit der philippinischen Autorin Patricia Evangelista auf der Frankfurter Buchmesse eine rauchen. In Frankfurt sprach Christiane Körner über ihre Neuübersetzung von Anatoli Kusnezows Roman "Babyn Jar", berichtet Christian Geyer in der FAZ. Richard Kämmerlings flaniert für die Welt mit Michael Angele über den Stuttgarter Platz in Berlin, über den dieser gerade ein Buch geschrieben hat. Gerrit Bartels hat sich für den Tagesspiegel die Auftritte der Schriftstellerin Caroline Wahl auf der Frankfurter Buchmesse angesehen. Anatol Regnier schreibt in der FAS über die schweren Probleme, die Heinrich Mann damit hatte, im amerikanischen Exil Bücher zu veröffentlichen. Eckardt Köhn erzählt in "Bilder und Zeiten" der FAZ von dem Gespräch, das er 1978 mit der hochbetagten Helen Hessel, Witwe des Schriftstellers Franz Hessel, über deren Freundschaft mit Walter Benjamin geführt hat. Tilman Spreckelsen erinnert im "Literarischen Leben" der FAZ daran, dass erst eine günstige illustrierte Ausgabe ihrer gesammelten Märchen den bis dahin am Markt eher glücklosen Gebrüdern Grimm zum durchschlagenden Erfolg verhalf. In der SZ versuchen Viven Götz und Berit Kruse dem anhaltenden Erfolg von Fantasy-Liebesromanen mit den Methoden der Datenanalyse auf den Grund zu gehen. Außerdem verkündet die Jury des Tagesspiegel die zehn besten Comics des Quartals - auf Platz Eins: "Jakob Neyder" von Franz Suess.

Besprochen werden die ersten vier Bände von Hermann L. Gremlizas "Gesammelten Schriften" (taz), Irene Solàs "Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis" (taz), Zoran Drvenkars Krimi "Asa" (taz), Anne Serres "Einer reist mit" (taz), Maggie Nelsons "Pathemata" (taz), Anna Prizkaus "Frauen im Sanatorium" (taz), Thorsten Nagelschmidts "Nur für Mitglieder" (taz), Lina Schwenks "Blinde Geister" (taz), T. C. Boyles "No Way Home" (online nachgereicht von der Zeit), Ian McEwans "Was wir wissen können" (online nachgereicht von der Welt), Martin Oeschs Comic "Fleischeslust" (NZZ), Stephen Kings Neuerzählung von "Hänsel und Gretel" (Zeit) und Ulf Stolterfohts Lyrikband "Rückkehr von Krähe" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2025 - Literatur

Heute Abend findet in Frankfurt anlässlich der Buchmesse ein Solidaritätsabend für Boualem Sansal statt (hier alle Informationen). Bisherige Versuche, Druck auf Algerien auszuüben, sind gescheitert - Sansal sitzt weiterhin, im Alter von 80 Jahren und an Krebs erkrankt, in einem algerischen Gefängnis. In der FR kritisiert Claus Leggewie, dass "europäische Regierungen und Institutionen ... in der Auseinandersetzung mit einem autokratischen Regime" auf ihre Macht verzichten. Dabei "haben die EU-Staaten und die EU-Kommission Druckmittel: Mit Algerien bestehen bi- und multilaterale Abkommen, die um den Export von Erdgas und Zukunftstechnologie wie grünen Wasserstoff kreisen. Algerien sucht auf dem wirtschaftlichen Sektor nach noch besseren Bedingungen und sollte diese nur erhalten, wenn es Sansal und Gleizes freilässt (und im Übrigen weitere politische Gefangene), und sie verweigert bekommen, wenn das Regime weiter stur bleibt. Es muss ein Ultimatum geben, dass die Verhandlungen mit Brüssel platzen, wenn Sansal nicht bis spätestens Jahresende auf freiem Fuß ist und wir ihn in der Paulskirche begrüßen dürfen."

Formal wurden in der Bundesrepublik zwar erst zwei Romane von einem Gericht aus dem Verkehr gezogen. Doch die Luft wird dünner, schreibt Felix Stephan in der SZ. Mittlerweile gibt es bei einzelnen Büchern sogar ein juristisches Lektorat: "Über die Aushandlung, die heute zwischen den Autoren, den Gerichten und den Justiziaren stattfindet und die längst zu einem Teil jenes Prozesses geworden ist, der der Literatur ihre Form verleiht, ist das Publikum heute weit überwiegend nicht im Bilde. ... Von Zensur ist dieser Prozess von Aushandlung und Abwägung zwar weit entfernt. Aber es ist doch ein Instrument entstanden, mit dem man gute Chancen hat, einen Roman, den man nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte, relativ preiswert aus dem Verkehr zu ziehen. Oft reicht schon ein anwaltliches Schreiben an die großen Buchhändler, die einen Roman dann bisweilen prophylaktisch aus dem Sortiment nehmen, weil ihnen schon die Möglichkeit, sich damit Ärger und Kosten einzuhandeln, zu riskant erscheint. Und ohne die großen Händler ist ein Buch in Deutschland praktisch vom Markt, ohne dass es je zur Klage gekommen ist." 

Weiteres: Ausgehend von Adornos Entsetzen über die damals neuartigen Taschenbücher auf der Frankfurter Buchmesse 1959, denkt Josephine Bewerunge in der FAZ angesichts des digitalen Umbruchs in der Bücherwelt darüber nach, was ein Buch heutzutage eigentlich ist. Kerstin Holm berichtet in der FAZ von einem Treffen russischer Exilverlage, bei dem vor allem über Aspekte von Zensur und Selbstzensur diskutiert wurde. Nina Apin berichtet in der taz von der Verleihung des Deutschen Verlagspreises an Kleinverlage. Gerrit Bartels (Tsp) und Christiane Lutz (SZ) berichten vom Kritikerempfang des Suhrkamp-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse, der diesmal erstmals nicht in der (im letzten Jahr verkauften) Suhrkamp-Villa stattfand, sondern im Holzhausenschlösschen - "ein würdiger Ort", meint Lutz. Sehr schade findet es Andreas Platthaus, dass ein Prachtband aus dem Hause Taschen zwar Carl Barks' frühe Abenteuergeschichten mit Donald Duck in einer bis dato nicht gesehenen philologischen Qualität hochformatig reproduziert - aber die Geschichte mit dem Zombie Bombie auch weiterhin von Disney wegen rassistischer Stereotype in der Darstellung afrikanischer Ureinwohner im Giftschrank zurückgehalten wird und also auch hier stillschweigend ausgelassen wurde. Ursula Scheer geht in der FAZ dem Trend von Romanen nach, die sich in cozy Buchhandlungen mit Cafés abspielen. Julia Hubernagel schaut sich für die taz in der Welt von Romance- und New-Adult-Romanen um.

Besprochen werden der von Urmila Seshagiri herausgegebene Band "The Life of Violet" mit drei frühen, bislang unveröffentlichten Geschichten von Virginia Woolf, die nach dem Willen der Autorin eigentlich nie an die Öffentlichkeit dringen sollten (SZ), Thomas Pynchons "Schattennummer" (Standard), Jegana Dschabbarowas "Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt" (NZZ), Maggie Nelsons "Pathemata - Die Geschichte meines Mundes" (FAZ), Gustavo Faverón Patriaus "Unten Leben" (Intellectures), Marko Dinićs "Buch der Gesichter" (taz), Nils Langhans' "Irgendwann kommt immer ein Meer" (taz) und neue philippinische Romane von Katrina Tuvera und Jose Dalisay (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.