Die SZ bringt ein 2006 geführtes Gespräch aus dem Archiv des FotografenSeppDreissinger mit der 2016 gestorbenen Wiener LyrikerinIlseAichinger, die darin herrlich österreichisch-existenzialistisch vom Leder zieht: Jeden Vormittag war sie auf "bis zu fünf Tassen" im Café Demel. "Der Grund dafür, warum ich ins Kaffeehaus gehe, ist derselbe, warum ich ins Kino gehe." Es "ist für mich der Versuch, zum Teil der Existenz zu entgehen, zu verschwinden. Im Saal wird es finster. Im Demel wird es zwar nicht finster, aber verschwunden ist man auch hier. Man ist weg von zu Hause, man ist anonym. Es ist ein sehr kostspieliger Versuch zur Anonymität. Zum Glück geht das im Augenblick, weil ich sonst nur die Kinoleidenschaft habe. Am Nachmittag bin ich immer im Filmmuseum. Ich nenne das Zeitverwüstung. Da sind immer fünf bis sechs Stunden weg."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Martin Seng blickt für die taz auf Cancel-Culture-Exzesse in den USA, wo christliche Fundamentalisten, rechtsradikale Freiheitsfeinde, MAGA-Antiamerikanisten und sonstige Idioten einen Feldzug gegen Schulbibliotheken führen und mit alleine im letzten Jahr fast 7000 Buchverboten Jugendlichen aus insbesondere armen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Literatur verbauen. Ganz weit oben auf der Abschussliste: "A Clockwork Orange" von Anthony Burgess und "Der Report der Magd" von Margaret Atwood. "Die Verbote treffen auffallend oft Werke, die Sexualität thematisieren und sich mit Verhütung oder auch Scheidung - darunter auch 'Breathless' von Jennifer Niven - kritisch auseinandersetzen. Literatur wie 'Verkauft' von Patricia McCormick, die sich gegen die Ausbeutung von jungen Mädchen und patriarchale Gewalt stellt, wird stigmatisiert" ebenso wie Bücher, die Homosexualität, Missbrauch, Suizid und Rassismus thematisieren.
Außerdem: Andrea Pollmeier resümiert in der FR das Textland-Festival in Frankfurt, wo unter anderem die SchrifstellerinAntjeRávikStrubel auftrat. Stephan Klemm spricht in der FR mit der Bestseller-Autorin SusanneAbel über deren aktuelles Buch "Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104", in dem sie von Heimkindern nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Michael Moorstedt schaut sich für die SZ in der Welt des "PerformativeReading" um, einem Netztrend, bei dem man sich beim Buchlesen in der Öffentlichkeit fotografiert.
Besprochen werden unter anderem GaëlFayes "Jacaranda" (Standard), ÉdouardLouis' "Der Absturz" (online nachgereicht von der Welt), VirginiaWoolfs "The Life of Violet" mit drei frühen, bislang unveröffentlichten Geschichten (NZZ), HelleHelles "Hafni sagt" (FAZ) und BoraChungs "Dein Utopia" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Im FAZ-Gespräch mit Sandra Kegel zeigt sich der US-SchriftstellerPercivalEverett völlig verzweifelt, was den politischen und gesellschaftlichen Zustand seiner Heimat betrifft: Vor den Augen der Öffentlichkeit haben sich die USA in einen Polizeistaat verwandelt, der die Opposition durch Zermürbung und Zensur in die Knie zwingt. "Wenn in der Air Force Academy die Bücher der afroamerikanischen Schriftstellerin und BürgerrechtlerinMayaAngelou nicht gelesen werden dürfen, Hitlers 'Mein Kampf' aber schon, dann sollte das alle Amerikaner empören. Stattdessen finden viele Demokraten die Brandmarkung von Büchern als subversiv irgendwie schmeichelhaft. Das befremdet mich." Aber "das Verbot von Büchern, egal welcher Art, ist der erste Schritt in ein faschistischesRegime." Denn Lesen "bewirkt genau das, was Faschisten nicht wollen: Bildung und kritisches Bewusstsein. Deshalb werden die Hochschulen attackiert. Sie wollen nicht, dass wir lesen."
Im taz-Gespräch mit Wilfried Hippen erklärt die Amerikanistin Sonka Hinders, warum JeffVandermeers vor zehn Jahren erschienener SF-Roman "Auslöschung" aufgrund seiner Story um eine Ökokatastrophe auch heute noch lesenswert ist. Besprochen werden unter anderem das neue "Asterix"-Abenteuer (FR), JeanPaulhans "Die Erfahrung des Sprichworts" (FAZ), MichailPrischwins "Tagebücher Bd. 3/1936" (NZZ), SéanHewitts "Öffnet sich der Himmel" (SZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Nadia Buddes Neuübersetzung von LudwigBemelmans US-Kinderbuchklassiker "Madlen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Der LiteraturwissenschaftlerThomas Kater fragt in einem Essay für die virtuelle Tiefdruckbeilage der FAZ, ob Siegfried Unselds NSdAP-Mitgliedschaft verlegerische Entscheidungen des Verlegers beeinflusst hat - bei Uwe Johnsons erstem Roman "Ingrid Babendererde" stößt er auf eine Spur. Unseld hatte den Roman damals abgelehnt, weil darin von Parteigepränge, wenn auch im Zeichen des Kommunismus und kritisch die Rede war. Kater schreibt dazu: "Dass Unseld seine Mitgliedschaft offenbar nach der wahren, in Teilen suggestiven Aussage gegenüber der Entnazifizierungsbehörde 'beschwiegen' hat, unterscheidet ihn nicht von Millionen anderen Deutschen, die mit den Nationalsozialisten in Verbindung gestanden hatten. Das Besondere an seinem Fall ist vielmehr, dass diese Vergangenheit wohl zumindest bis zu einem gewissen Grad auch seine verlegerischen Entscheidungen beeinflusst haben dürfte. Diese wiederum haben nicht zuletzt in Form des Engagements für die deutsch-jüdische Tradition das geistige Klima der Bundesrepublik wesentlich geprägt." Eine andere Tradition bei Suhrkamp war allerdings, dass man den Kommunismus nicht so kritisieren wollte.
Weitere Artikel: Tilman Spreckelsen denkt in der FAZ darüber nach, welchen Einfluss Füssli und Poe auf TheodorStorms "Schimmelreiter" gehabt haben könnten. Thomas Ribi erinnert in der NZZ an PatricaHighsmiths Jahre in der Schweiz.
Besprochen werden unter anderem HanifKureishis "Als meine Welt zerbrach" (Standard), NinaGeorges "Die Passantin" (taz), KarstenKrampitz' "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" (taz), die deutsche Erstveröffentlichung von KimSisŭps koreanischem Klassiker "Neue Erzählungen von der goldenen Schildkröte" (online nachgereicht von der FAZ), ThomasPynchons "Schattennummer" (NZZ, FAS), RolandKaehlbrandts "Von der Schönheit der deutschen Sprache". Eine Wiederentdeckung" (FAZ) und DeenaMohameds Comic "Shubeik Lubeik. Dein Wunsch ist mir Befehl" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologieschreibt Sabrina Habel über MaschaKalékos "Epitaph auf die Verfasserin":
"Hier liegt M.K., umrauscht von einer Linde. Ihr 'letzter Wunsch': Daß jeglicher was finde ..."
Nora Zukker unterhält sich für den Tagesanzeiger mit dem nahezu erblindeten SchriftstellerMichaelFehr. Seine Texte verfasst er mit dem Diktiergerät: "Hören und Reden ist meine Welt. Was die Leute mit der Schrift machen, ist mir nicht ganz klar. Und entsprechend habe ich mich auf das besonnen, was ich kann, was meinem Wesen entspricht. Unterdessen habe ich genug Selbstvertrauen, dass ich weiß, das Universum lebt von der Variation und nicht von der Repetition - insofern ist meine Kunst wertvoll. ... Die Tonaufnahme ist meine Möglichkeit, meine Texte festzuhalten. Aber erst mit etwa vierzig habe ich begriffen, dass ich trotz dieser grundlegend anderen Arbeitsweise immer noch probiere, bestimmten Formen zeitgenössischer Literatur gerecht zu werden. Und da ich mit einer Behinderung auf dem Spielfeld der Gegenwartskunst angetreten bin, ist es für ein prosperierendes Fortkommen wichtig, dass ich mich davon befreie."
Außerdem: Sieglinde Geisel unterziehtDorotheeElmigers Buchpreis-Gewinner "Die Holländerinnen" dem Page-99-Test von Tell. Besprochen werden unter anderem der Briefwechsel zwischen Gottfried und Nele Benn (online nachgereicht von der FAZ), JensHarders Comic-Epos "GAMMA … visions" (Intellectures), IshbelSzatrawskas "Die Tiefe" (NZZ), MarionFayolles "Aus gleichem Holz" (FR), der neue "Asterix"-Band (NZZ), StefanBuschs Studie "Über den Sex, den Romane verschweigen" (FAZ) und SibylleBergs "PNR: La Bella Vita" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mal ganz abgesehen davon, wie der neue "Asterix"-Comic (diesmal"in Lusitania") eigentlich ist. Er hat sein Gutes, meint Andreas Platthaus, der dem Ereignis die ganze Aufmacherseite des FAZ-Feuilletons widmet: "Alle zwei Jahre rettet das jeweils neue 'Asterix'-Album die Jahresendbilanz des deutschen Buchhandels - zuverlässiger als jeder Gewinnerroman des Deutschen Buchpreises (zumal, wenn der aktuelle, Dorothee Elmigers 'Die Holländerinnen', gerade wieder einmal nicht lieferbar ist, während die 1,5 Millionen 'Asterix'-Alben unter Verschluss schon seit Wochen auf den Erstverkaufstag gewartet haben). Meistverkaufter Titel des jeweiligen Erscheinungsjahres in Frankreich ist ein aktueller 'Asterix' selbstverständlich auch - da mag den Prix Goncourt gewinnen, wer will." Auch SZ, Zeit und Welt besprechen den neuen "Asterix"-Band.
Besprochen werden Ilma RakusasTagebuchprosa "Wo bleibt das Licht" (NZZ), Yulia MarfutovasRoman "Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel" (FR), Florian Illies' Buch über den Exilort Sanary-sur-Mer (SZ), Anja KampmannsRoman "Die Wut ist ein heller Stern" (SZ).
Dietmar Dath ist in der FAZ sichtlich genervt von einem seiner Ansicht nach immer übergriffiger werdenden Lektorats- undRedaktionswesen, das Autoren und Übersetzer eher gängelt als produktiv zur Seite steht. Am Beispiel von zwölf Fällen legt er dar, was hinter den Kulissen offenbar alles schief läuft. Wer sich beschwert, bekommt "oft erwidert, er verwechsle sich wohl mit Thomas Mann oder Unica Zürn, an deren Schriften wegen erwiesener Kunstheiligkeit kein Strich geändert werden dürfe. Wenn wir aber ganz im Gegenteil die Eigenheiten nicht von Mann und Zürn, sondern von Leuten, vor denen niemand in Ehrfurcht erstarren muss, nicht besäßen, wenn also jemand die schiefePoesie der Friederike Kempner oder den atemlosen Lügenrausch des Karl May und jeden anderen blühenden Unsinn aus der deutschen Literaturgeschichte entfernt hätte, dann gäbe es anstelle dieser deutschen Literaturgeschichte nur einen Riesenhaufen insipider Fibeltexte."
Weitere Artikel: Die Agenturen melden, dass OliverHintz von der Stadt Klütz mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Leiter des örtlichen Literaturhauses freigestellt worden ist, nachdem er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, dass der (seitdem zurückgetretene) Bürgermeister einen Auftritt MichelFriedmans untersagt hat. Roman Bucheli spricht in der NZZ mit Michael Maar, der in seinem neuen Buch "Das violette Hündchen" erneut einen Streifzug durch die Literaturgeschichte unternimmt. Barbara Schweizerhof resümiert im Freitag einen Berliner Abend von MarionPfaus zur Geschichte der DDR-Literatur. Die tazdokumentiertMarkoMartins Dankesrede zur Auszeichnung mit dem Ovid-Preis.
Besprochen werden unter anderem AndreasMaiers "Der Teufel" (NZZ), MichiStrausfelds "Die Kaiserin von Galapagos" (NZZ), AgnieszkaLessmanns "Aga" (FR), IanMcEwans "Was wir wissen können" (NZZ), AndreasPflügers Thriller "Kälter" (Welt) und TrevorNoahs Kinderbuch "Ins hohe Gras" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Besprochen werden unter anderem SibylleBergs "PNR. La Bella Vita" (FR), ArundhatiRoys "Meine Zuflucht und mein Sturm" (online nachgereicht von der FR), StellaNyanzis Gedichtband "Im Mundexil" (online nachgereicht von der FAZ), der Briefwechsel zwischen GottfriedundNeleBenn (online nachgereicht von der Welt), UrsulaKrechels Essay "Vom Herzasthma des Exils" (taz), VirginiaRobertsGiuffres "Nobody's Girl. A Memoir of Surviving Abuse and Fighting for Justice" (NZZ), J. M. G. LeClézios Geschichtensammlung "Neues von den Unerwünschten" (SZ), FerdinandvonSchirachs "Der stille Freund" (Standard) sowie HeinzStrunks und AndréBreinbauers Bilderbuch "Graf Fauchi und das verschwundene Gebiss" (FD). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Christiane Knödler freut sich in der SZ, dass mit dem Jugendliteraturpreis für SarahJäger und ihrem Buch "Und die Welt, sie fliegt hoch" eine "einer der aktuell interessantesten deutschsprachigen Autorinnen" gewürdigt wurde. Julia Hubernagel (taz), Judith von Sternburg (FR) und Josephine Bewerunge (FAZ) berichten von ihren Eindrücken von der FrankfurterBuchmesse. Das FAZ- und Welt-Team werfen verstreute Schlaglichter auf die Buchmesse.
Besprochen werden RonyaOthmanns "Rückkehr nach Syrien. Eine Reise durch ein ungewisses Land" (FAZ), UlrikeDraesners Epos "penelopes sch()iff" (Standard), BernhardHecklers "Die beste Idee der Welt" (taz), OleksandrIrwanez' "Hexenhimmel Berlin" (taz), RichardEvans' Biografie über den britischen Journalisten GeorgeWardPrice, der in seiner Heimat die Hofberichterstattung über Hitler besorgte (NZZ), und neue Hörbücher, darunter eine CD-Box mit elf Hörspielen nach E.T.A. Hoffmann (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der online nachgereichten Frankfurter Anthologieschreibt Joachim Sartorius über JohnAshberys "Auf der North Farm":
"Irgendwo reist irgendwer rasend auf dich zu, reist Tag und Nacht mit unfassbarer Geschwindigkeit, durch Schneestürme und Wüstenhitze ..."
Für das New-Adult- und Romance-Segment hat die Frankfurter Buchmesse "diesmal ihre glamouröse Festhalle hergerichtet", um dem Andrang der Fans Herr zu werden, berichtet Marie Schmidt in der SZ. Doch "zwischen Genretiteln, Fachbüchern und Ratgebern scheint die Hochliteratur allmählich zum Nischenangebot, zum special interest, zu schrumpfen. ... Aus dem versammelten Literaturbetrieb hört man denn auch immer wieder den Satz: 'Literatur funktioniert nicht mehr.'" So "stellt sich die Frage immer dringender, wie man es schaffen kann, dass die Bereiche der viel gelesenen und der ästhetisch anspruchsvollen Literatur nicht immer weiter auseinanderklaffen, zu einander fremden Subkulturen werden. Und wie sich die Kunst neben aller willkommenen Unterhaltung auf dem Buchmarkt behaupten kann. Zumal die Bedingungen des Büchermachens schwieriger werden, durch steigende Herstellungskosten, die Druckereienkrise und womöglich auch das teure Wettbieten unter den Verlagen um wenige besonders begehrte Spitzentitel im Jahr."
Dirk Knipphals berichtet in der taz vom Kritikerempfang des Suhrkamp Verlags auf der FrankfurterBuchmesse, der nicht mehr in der mittlerweile verkauften Unseld-Villa stattfand, sondern im Holzhausenschlösschen: "Die Aura der Klettenbergstraße ist zwar unwiederbringlich dahin, keine knarrenden Sofas, auf denen schon Beckett saß, kein Warhol-Goethe an der Wand, aber die neue Location ist dann doch halt ein guter Ort, um sich auszutauschen und dabei das Gefühl abzuholen, dass es in der Branche, allen Widrigkeiten zum Trotz, immer noch vielekluge, engagierteMenschen gibt, die Bücher schreiben, verlegen und lesen wollen."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Martina Meister porträtiert in der WamS den französischen ComicautorFabcaro, der den am 23. Oktober erscheinenden neuen Asterix-Band getextet hat. In Deutschland ist er weitgehend unbekannt, in Frankreich mit einem beachtlichen, auch Romane umfassenden Werk "seit 2015 ein Superstar. Damals erschien 'Zaï, Zaï, Zaï, Zaï', Untertitel 'Ein Road-movie'. Der Plot dieser Graphic Novel ist komplett absurd" und handelt von einem Comicautor, der sich von einer Petitesse aus in ein wahnwitziges Szenario verstrickt. "Als neuer Kafka wurde er gefeiert, das Buch als sozialkritische Darstellung einer Gesellschaft, die falsche Prioritäten setzt. Zum Bestseller wurde es, weil sich eine ganze Generation im tragikomischen Schicksal dieses Losers wiedererkannte."
Weitere Artikel: Jens Uthoff berichtet in der taz vom ukrainischenStand auf der FrankfurterBuchmesse. Ulrich Gutmair geht für die taz mit der philippinischen AutorinPatriciaEvangelista auf der Frankfurter Buchmesse eine rauchen. In Frankfurt sprach Christiane Körner über ihre Neuübersetzung von AnatoliKusnezows Roman "Babyn Jar", berichtet Christian Geyer in der FAZ. Richard Kämmerlings flaniert für die Welt mit MichaelAngele über den StuttgarterPlatz in Berlin, über den dieser gerade ein Buch geschrieben hat. Gerrit Bartels hat sich für den Tagesspiegel die Auftritte der SchriftstellerinCarolineWahl auf der Frankfurter Buchmesse angesehen. Anatol Regnier schreibt in der FAS über die schweren Probleme, die HeinrichMann damit hatte, im amerikanischen Exil Bücher zu veröffentlichen. Eckardt Köhn erzählt in "Bilder und Zeiten" der FAZ von dem Gespräch, das er 1978 mit der hochbetagten HelenHessel, Witwe des Schriftstellers FranzHessel, über deren Freundschaft mit WalterBenjamin geführt hat. Tilman Spreckelsen erinnert im "Literarischen Leben" der FAZ daran, dass erst eine günstige illustrierte Ausgabe ihrer gesammelten Märchen den bis dahin am Markt eher glücklosen GebrüdernGrimm zum durchschlagenden Erfolg verhalf. In der SZ versuchen Viven Götz und Berit Kruse dem anhaltenden Erfolg von Fantasy-Liebesromanen mit den Methoden der Datenanalyse auf den Grund zu gehen. Außerdem verkündet die Jury des Tagesspiegel die zehn besten Comics des Quartals - auf Platz Eins: "Jakob Neyder" von FranzSuess.
Besprochen werden die ersten vier Bände von HermannL. Gremlizas "Gesammelten Schriften" (taz), IreneSolàs "Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis" (taz), ZoranDrvenkars Krimi "Asa" (taz), AnneSerres "Einer reist mit" (taz), MaggieNelsons "Pathemata" (taz), AnnaPrizkaus "Frauen im Sanatorium" (taz), ThorstenNagelschmidts "Nur für Mitglieder" (taz), LinaSchwenks "Blinde Geister" (taz), T. C. Boyles "No Way Home" (online nachgereicht von der Zeit), IanMcEwans "Was wir wissen können" (online nachgereicht von der Welt), MartinOeschs Comic "Fleischeslust" (NZZ), StephenKings Neuerzählung von "Hänsel und Gretel" (Zeit) und UlfStolterfohts Lyrikband "Rückkehr von Krähe" (FAZ).
Heute Abend findet in Frankfurt anlässlich der Buchmesse ein Solidaritätsabend für BoualemSansal statt (hier alle Informationen). Bisherige Versuche, Druck auf Algerien auszuüben, sind gescheitert - Sansal sitzt weiterhin, im Alter von 80 Jahren und an Krebs erkrankt, in einem algerischen Gefängnis. In der FRkritisiert Claus Leggewie, dass "europäische Regierungen und Institutionen ... in der Auseinandersetzung mit einem autokratischenRegime" auf ihre Macht verzichten. Dabei "haben die EU-Staaten und die EU-Kommission Druckmittel: Mit Algerien bestehen bi- und multilaterale Abkommen, die um den Export von Erdgas und Zukunftstechnologie wie grünen Wasserstoff kreisen. Algerien sucht auf dem wirtschaftlichen Sektor nach noch besseren Bedingungen und sollte diese nur erhalten, wenn es Sansal und Gleizes freilässt (und im Übrigen weitere politische Gefangene), und sie verweigert bekommen, wenn das Regime weiter stur bleibt. Es muss ein Ultimatum geben, dass die Verhandlungen mit Brüssel platzen, wenn Sansal nicht bis spätestens Jahresende auf freiem Fuß ist und wir ihn in der Paulskirche begrüßen dürfen."
Formal wurden in der Bundesrepublik zwar erst zwei Romane von einem Gericht aus dem Verkehr gezogen. Doch die Luft wird dünner, schreibt Felix Stephan in der SZ. Mittlerweile gibt es bei einzelnen Büchern sogar ein juristisches Lektorat: "Über die Aushandlung, die heute zwischen den Autoren, den Gerichten und den Justiziaren stattfindet und die längst zu einem Teil jenes Prozesses geworden ist, der der Literatur ihre Form verleiht, ist das Publikum heute weit überwiegend nicht im Bilde. ... Von Zensur ist dieser Prozess von Aushandlung und Abwägung zwar weit entfernt. Aber es ist doch ein Instrument entstanden, mit dem man gute Chancen hat, einen Roman, den man nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte, relativ preiswert aus dem Verkehr zu ziehen. Oft reicht schon ein anwaltliches Schreiben an die großen Buchhändler, die einen Roman dann bisweilen prophylaktisch aus dem Sortiment nehmen, weil ihnen schon die Möglichkeit, sich damit Ärger und Kosten einzuhandeln, zu riskant erscheint. Und ohne die großen Händler ist ein Buch in Deutschland praktisch vom Markt, ohne dass es je zur Klage gekommen ist."
Weiteres: Ausgehend von Adornos Entsetzen über die damals neuartigen Taschenbücher auf der Frankfurter Buchmesse 1959, denkt Josephine Bewerunge in der FAZ angesichts des digitalen Umbruchs in der Bücherwelt darüber nach, was ein Buch heutzutage eigentlich ist. Kerstin Holm berichtet in der FAZ von einem Treffen russischerExilverlage, bei dem vor allem über Aspekte von ZensurundSelbstzensur diskutiert wurde. Nina Apin berichtet in der taz von der Verleihung des Deutschen Verlagspreises an Kleinverlage. Gerrit Bartels (Tsp) und Christiane Lutz (SZ) berichten vom Kritikerempfang des Suhrkamp-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse, der diesmal erstmals nicht in der (im letzten Jahr verkauften) Suhrkamp-Villa stattfand, sondern im Holzhausenschlösschen - "ein würdiger Ort", meint Lutz. Sehr schade findet es Andreas Platthaus, dass ein Prachtband aus dem Hause Taschen zwar Carl Barks' frühe Abenteuergeschichten mit DonaldDuck in einer bis dato nicht gesehenen philologischen Qualität hochformatig reproduziert - aber die Geschichte mit dem ZombieBombie auch weiterhin von Disney wegen rassistischer Stereotype in der Darstellung afrikanischer Ureinwohner im Giftschrank zurückgehalten wird und also auch hier stillschweigend ausgelassen wurde. Ursula Scheer geht in der FAZ dem Trend von Romanen nach, die sich in cozyBuchhandlungenmitCafés abspielen. Julia Hubernagel schaut sich für die taz in der Welt von Romance- und New-Adult-Romanen um.
Besprochen werden der von Urmila Seshagiri herausgegebene Band "The Life of Violet" mit drei frühen, bislang unveröffentlichten Geschichten von VirginiaWoolf, die nach dem Willen der Autorin eigentlich nie an die Öffentlichkeit dringen sollten (SZ), ThomasPynchons "Schattennummer" (Standard), Jegana Dschabbarowas "Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt" (NZZ), Maggie Nelsons "Pathemata - Die Geschichte meines Mundes" (FAZ), GustavoFaverónPatriaus "Unten Leben" (Intellectures), MarkoDinićs "Buch der Gesichter" (taz), NilsLanghans' "Irgendwann kommt immer ein Meer" (taz) und neue philippinische Romane von KatrinaTuvera und JoseDalisay (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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