Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2024 - Film

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Mit regem Interesse liest Georg Seeßlen für Zeit Online Al Pacinos Autobiografie "Sonny Boy": Der Schauspieler "ist der Meister der Verlierer." Im Kino ist er "ein Kerl, dem wir beim Verlieren zuschauen wollen. Beim schönen Verlieren. Wenn er verliert, hat er unsere volle Sympathie, mehr als das, und wenn er gewinnt, verwandelt er sich in ein Monster: 'Scarface' (1983), diese Film-Oper der Gewalt von Brian de Palma, in der alles noch einmal verdichtet ist, von der Realität des (Einwanderer-)Gangsters in die Hyperrealität der amerikanischen Mythologie." Doch "Pacino, der einem auf der Leinwand immer gefährdet und bedrohlich erscheint, zwischen dem 'Hundeblick', mit dem einer wie er immer durchkommt, und der Explosion der Gewalt - dieser Al Pacino begegnet einem in seiner Biografie als offener, freundlicher und durchaus selbstkritischer Kerl." Der Guardian bringt einen großen Auszug aus dem Buch, in dem sich Pacino an die Dreharbeiten zu "Der Pate" erinnert.

Außerdem: Andreas Kilb (FAZ) und Gunda Bartels (Tsp) gratulieren Corinna Harfouch zum 70. Geburtstag. Besprochen werden Alfonso Cuaróns auf Apple TV+ gezeigte Serie "Disclaimer" mit Cate Blanchett ("ein Streamingjuwel", jubelt SZ-Kritikerin Susan Vahabzadeh online nachgereicht vom TA), Andreas Dresens "In Liebe, Eure Hilde" über Hilde Coppi, die im Nazi-Deutschland Teil der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" war (Welt), Javier Espadas Kino-Dokumentarfilm über Luis Buñuel (online nachgereicht von der FAZ), Juuso Laatios und Jukka Vidgrens Metalkomödie "Heavier Trip" (taz), Małgorzata Szumowskas und Michał Englerts "Frau aus Freiheit" über eine Transfrau in Polen (Standard), Cyrill Boss' und Philipp Stennerts deutsches Fantasyepos "Hagen - Im Tal der Nibelungen" (Standard), die auf MagentaTV gezeigte Serie "Joan" (FAZ) und die auf Disney+ gezeigte Serie "Last Days of the Space Age" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2024 - Film

Noch habe er keine offizielle Post von Trumps Anwälten bekommen, erzählt der Regisseur Ali Abbasi im NZZ-Gespräch über seinen Film "The Apprentice" über den jungen Donald Trump. Der Film behauptet in einer Passage auch, Trump habe seine damalige Frau Ivana vergewaltigt. "Die Szene basiert auf Ivanas eidesstattlicher Aussage vor Gericht. Diese Aussage existiert. Sie hat sie nicht zurückgenommen. Sie hat es auch erneut in ihren Memoiren geschildert. ... Wenn es um eine rechtlich unbehelligte Person ginge, dann wäre die Beweislast klar bei uns. Hier geht es um eine Person, die schon einmal verurteilt worden ist. Trump wurde wegen sexuellen Missbrauchs von einem Zivilgericht in New York schuldig gesprochen. Es gab auch die 'Grab 'em by the pussy'-Aussage. Und erst vergangene Woche kam heraus, dass er Backstage bei einem Schönheitswettbewerb diverse Models zu küssen versuchte. Es gibt also ein Muster. Es gibt frühere Vorfälle. Es gibt Beweise. Es gibt eine Verurteilung. Kann ich zu hundert Prozent dafür bürgen, dass es so war, wie wir es darstellen? Nein. Aber kann ich für irgendeine Szene in dem Film bürgen? Es ist ein Spielfilm."

Im Tagesspiegel-Gespräch mit Andreas Busche und Christiane Peitz versprüht die neue Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle viel Zuversicht, wird aber wenig konkret. Auf reinen Inhaltismus hat sie aber keine Lust, sagt sie: "Es trifft nicht nur auf die Berlinale zu, dass die Auseinandersetzung mit Filmen mehr und mehr einer Nachrichten-Agenda folgt, weniger der Agenda von Kunst und Kultur. Das fing mit MeToo an, oder sogar schon mit der Kontroverse um Streaming und Kino. Jetzt kommen all die geopolitischen Themen hinzu, die Kriege und Krisen. Wir sollten uns gemeinsam darum bemühen, Filme als Filme zu würdigen und nicht als Transportmittel für Inhalte oder Ansichten."

Außerdem: Standard-Kritiker Karl Gedlicka empfiehlt zwei Filme von Hong Sang-soo auf der Viennale. Im Filmdienst gratuliert Daniel Moersener Udo Kier zum 80. Geburtstag. Besprochen wird Michel Francos Demenzdrama "Memory" mit Jessica Chastain und Peter Sarsgaard (Presse),

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.10.2024 - Film

Léa Seydoux in "The Beast" von Bertrand Bonello

Bertrand Bonellos Science-Fiction-Film "The Beast" mit Léa Seydoux (unsere Kritik) ist Yorgos Lanthimos' "Poor Things", mit dem er letztes Jahr im Wettbewerb von Vendig lief, gar nicht mal so unähnlich, findet Dietmar Dath in der (online nachgereichten) FAZ-Kritik: "Beide handeln von Frauen und Männern, Technik und Traum, Emanzipation und Gewalt. Lanthimos aber geht seine Sache mit einer reich verzierten Damaszenerklinge an, während Bonello einfach den Schraubenzieher nimmt. ... Die lockere Schraube, die Bonello bei seinem Publikum mit größter Konsequenz festzieht, ist unser Hang zu pathetischen Debatten darüber, ob die Computersysteme, die wir derzeit einrichten, irgendwann (vielleicht bald) etwas wie 'Bewusstsein' haben und zeigen werden. Bonello weiß: Selbst wenn sie das täten, wäre niemandem geholfen, denn Bewusstsein ist ein Begriff des Denkens von sich selbst, und der kann jederzeit falsch sein. Gefühlsarme Idioten halten sich für rational; andere glauben, sie hätten ein gutes Herz, nur weil sie dumm sind wie dickflüssige Tinte. Bonellos merkwürdiger Monsterfilm faucht beide Fehler an. Er lebe hoch."

Georg Seeßlen führt in der Jungle World anlässlich von Javier Espadas aktuell in Deutschland im Kino gezeigter Buñuel-Doku durch Leben und Werk des so geehrten spanischen Surrealisten und insbesondere durch dessen mexikanische Werkphase: Hier scheint Luis Buñuel "zu gelingen, was er in Europa nicht verwirklichen konnte: die Verbindung der Filmfabel mit den magischen und symbolischen Bildwelten. ... In seinen mexikanischen Filmen hat Buñuel gelernt, die surrealistischen Provokationen in mehr oder weniger normalen Handlungsläufen zu verbergen, oder umgekehrt, mehr oder weniger normale Emotionen und Beziehungen in surrealistischen Szenen fortzuschreiben. Und immer wieder geht es um die Augen, das Sehen, den (geheimen) Blick. Und das Lachen, das eher Schrecken als Lust verheißt."

Weiteres: Valerie Dirk gibt im Standard Viennale-Tipps. Philipp Bovermann (SZ) und Maria Wiesner (FAZ) gratulieren Udo Kier zum 80. Geburtstag. Besprochen werden Matthias Glasners ARD-Thrillerserie "Informant - Angst über der Stadt" mit Jürgen Vogel (taz) und die ZDF-Serie "Love Sucks" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2024 - Film

"Russians At War" von Anastasia Trofimowa

Andreas Scheiner hat für die NZZ beim (zur NZZ zugehörigen) Zurich Film Festival Anastasia Trofimowas bereits auf mehreren Festivals von Protesten begleiteten Dokumentarfilm "Russians At War" gesehen, für den die Journalistin und Filmemacherin nach Manier des Cinéma Vérité den Krieg gegen die Ukraine an der Seite russischer Soldaten filmt (mehr dazu bereits hier). In Interviews positioniert sich Trofimowa zwar gegen die russische Invasion, doch die achselzuckende Beobachtungshaltung in ihrem Film geht dem Kritiker sehr auf die Nerven: "In der fragwürdigsten Szene des Films zeigt ein Soldat ein Handyvideo: Darin schießt mutmasslich eine ukrainische Kampfdrohne mehrfach auf einen wehrlosen russischen Soldaten. Wieso zeigt die Filmemacherin das? Weil der Soldat es ihr gezeigt hat, wäre vermutlich ihre Entgegnung." Doch "noch der um größte Objektivität bemühte Dokumentarfilm entwickelt durch die Auswahl des Materials eine subjektive Färbung. Hier hat der Film eine prorussische Schlagseite. Stoßend ist auch, dass nie Verantwortlichkeiten benannt werden. Niemand ist Täter. So erweckt Trofimowa den Eindruck, dass der Krieg fast schicksalhaft über lauter Unschuldige gekommen sei. Slawischer Fatalismus drückt durch. Kino der antiaufklärerischen Sorte."

Weitere Artikel: Der Erotikthriller kehrt zurück, schreibt Kathrin Hollmer auf Zeit Online, allerdings stehen in diesem Revival nun "Frauen im Zentrum, was wohl auch daran liegt, dass Regisseurinnen, Autorinnen und einige wenige Kamerafrauen inzwischen größere Räume für sie schaffen können".

Besprochen werden Ali Abbasis in den USA bereits als Einflussnahme aufs Wahlgeschehen diskutiertes Biopic "The Apprentice" über den jungen Donald Trump, der darin eher wenig sympathisch wegkommt (FAS, taz), Bertrand Bonellos "The Beast" (FAZ, unsere Kritik) und die insbesondere auf Social Media sehr erfolgreiche Netflix-Liebeskomödie "Nobody wants this" mit Adam Brody als sehr verständnisvollem Mann (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.10.2024 - Film

Stefan Grund hat sich für die Welt mit dem Regisseur Matthias Glasner getroffen, der mit "Der Informant" eine neue Krimi-Miniserie für die ARD gedreht hat (Besprechungen finden sich in der FAZ und in der Berliner Zeitung). Thomas Kroll erzählt im Filmdienst von seiner Arbeit in der kirchlichen Jury beim Filmfestival San Sebastián. In der SZ gratuliert Harald Hordych Liselotte Pulver zum 95. Geburtstag.

Besprochen werden Ramon Zürchers "Der Spatz im Kamin" (SZ, mehr dazu bereits hier), Alfonso Cuaróns Apple-Serie "Disclaimer" (FAZ), Natalie Erika James' Rape-Revenge-Film "Apartment 7A" (Freitag), Ngo The Chaus Verfilmung von Carstens Henns "Der Buchspazierer" (FAZ) und Harald Friedls Dokumentarfilm "24 Stunden" über eine rumänische Pflegerin in Niederösterreich (Standard).
Stichwörter: ARD

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2024 - Film

Verhärtete Gesichtszüge: Maren Eggert in "Der Spatz im Kamin"

Mit "Der Spatz im Kamin" schließt der Filmemacher Ramon Zürcher nach "Das merkwürdige Kätzchen" und "Das Mädchen und die Spinne" seine mit Silvan Zürcher begonnene "Tier-Trilogie" über Familienfassaden und -konflikte ab. Diese Filme handeln davon, "wie wir alle fortwährend in zwischenmenschlichen (und vorwiegend familiären) Beziehungen verharren, die uns nichts als Verletzungen und Schmerz bringen", schreibt Jochen Werner im Perlentaucher. Wobei die Konflikte im Laufe der Trilogie immer weiter an die Oberfläche dringen: In diesem Film nun gibt es von Anfang an keinerlei Zurückhaltung mehr, und alles, wirklich alles wird ausgesprochen. Mal mit eisigem Lächeln im maskenhaften Gesicht, immer öfter aber mit offener Aggression und geradezu sadistischer Erbarmungslosigkeit. Dies ist ein Endzeitfilm, und allen Protagonisten scheint klar zu sein, dass es nichts mehr zu retten gibt und sich Hass und Wut nicht mehr mit vorgespiegelter Harmonie übertünchen lassen." In diesen drei Filmen "geht es um einen fortschreitenden Auf- und Ausbruch: eine Fassade, die im 'Kätzchen' zu bröckeln beginnt, in der "Spinne" erste Risse bekommt und die nun im 'Spatz' endgültig in Flammen aufgeht. Es gibt Momente in diesem ungeheuer intensiven, perfekt (und hochmusikalisch!) durchkomponierten Film, in denen so etwas wie Befreiung in der Luft liegt."

Taz-Autor Ekkehard Knörer ist ganz hingerissen von diesem Uhrwerk von Film: "Es ist wirklich erstaunlich, wie Zürcher hier aufdreht. Manches an den Psychodramen, die aufgetischt werden, ist schon ziemlich drüber. Es ist ein Horrorfilm voller Brutalitäten, der Körper wie auch der Psychen, aber immer wieder auch mit ganz eigener komischer Note. Und Idyllen dazwischen. Sehr unrein, man weiß nie so ganz, was gespielt wird, welche Wendung die Beziehungen nehmen. Und welche Wendung der Film. Nur dass Ramon Zürcher (auch: Buch und Schnitt) sein tolles, mit jeder Bewegung - und wichtiger: Nicht-Bewegung - der Mienen und Körper auf Millimeterpapier arbeitendes Ensemble und jedes Detail jeder Einstellung im Griff hat, das sieht man und spürt man."

"Zürcher verheiratet Ingmar Bergman mit David Lynch zum ebenso abgründigen wie unterhaltsamen Psychogramm einer Familie, vor allem aber einer Frau, in die sich transgenerationale Traumata und Sehnsüchte eingeschrieben haben", schreibt Jens Balkenborg in der FAZ. Und "vielleicht ist die Flucht ins Fantastische, ins Genrekino wirklich der letzte Ausweg, bevor die vollständige emotionale Verkapslung einsetzt", stellt Andreas Busche im Tagesspiegel fest: "Das zögerliche Lächeln, das im Feuerschein die verhärteten Gesichtszüge von Maren Eggert umspielt, wirkt fast wie eine Erlösung."

Weitere Artikel: Im Zeit-Gespräch mit Katja Nicodemus übt sich die neue Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle in der hohen Kunst, Zuversicht und gute Stimmung zu verbreiten, ohne konkrete Angaben zu machen. Selin Amil wirft im Tagesspiegel Schlaglichter ins Programm des neuen Berliner Filmfestivals Dokumentale. Der Schauspieler Dragan Vujic spricht in der NZZ mit Elena Oberholzer und Matthias Venetz über seine TV-Serie "Tschugger", die nun auch in die Schweizer Kinos kommt.

Besprochen werden Bertrand Bonellos von einer Henry-James-Erzählung inspirierter Science-Fiction-Film "The Beaste" mit Léa Seydoux (Perlentaucher, FD) Javier Espadas Dokumentarfilm "Buñuel - Filmemacher des Surrealismus" (FD, FR, mehr dazu hier), Josh Margolins "Thelma" (Freitag), Michel Francos "Memory" mit Peter Sarsgaard und Jessica Chastain (Standard) sowie Amichai Lau-Lavies beim Zurich Film Festival gezeigter Dokumentarfilm "Sabbath Queen" (NZZ). Außerdem informieren SZ und Filmdienst über die Filmstarts der Woche.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2024 - Film

Morgen läuft in den Kinos Javier Espadas Dokumentarfilm "Buñuel - Filmemacher des Surrealismus" an. Im Filmdienst-Gespräch mit Wolfgang Hamdorf erinnert Espada an die Turbulenzen, die Luis Buñuel mit seiner ätzenden Kirchenkritik "Viridiana" ausgelöst hat, die er 1961 ausgerechnet im faschistischen Franco-Spanien gedreht und für die er in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. "Es gab in Spanien erstaunlicherweise eine linke Produktionsfirma, die UNINCI. Sicher hat sie auch deshalb überlebt, weil der Bruder eines der Produzenten Torero war. ... Der ganze Film war eine Zeitbombe. Buñuel ... schaffte das Material heimlich nach Paris. Um an der Grenze keine Schwierigkeiten zu bekommen, packten sie die Filmrollen ins Auto der Stierkämpfer. An der Grenze stand die Guardia Civil und winkte ihnen zum Abschied zu: 'Viel Glück, Toreros, viel Glück!'" In Cannes "war Luis Buñuel selbst gar nicht anwesend. Deshalb nahm José Muñoz Fontán, der Generaldirektor für Film der spanischen Regierung, den Preis entgegen. Als er mit der 'Goldene Palme' in der Hand an der spanischen Grenze ankam, hatten sie ihn schon aller Ämter enthoben. Die spanischen Behörden machten etwas Unglaubliches: Sie entzogen 'Viridiana' die Drehgenehmigung. Damit existierte der preisgekrönte Film offiziell also gar nicht mehr. Sie versuchten auch die Kopien zu zerstören, doch die Hauptdarstellerin Silvia Pinal und ihr Mann, der mexikanische Co-Produzent Gustavo Alatriste, nahmen die Kopie mit nach Mexiko."

Weiteres: Peter Körte berichtet auf FAZ.net über die Gründe, warum Martin Scorseses geplantes Biopic über Frank Sinatra nicht recht in die Gänge kommen will. Besprochen werden Bertrand Bonellos Science-Fiction-Liebesdrama "The Beast" (taz) und Ngo The Chaus Verfilmung von Carsten Henns Roman "Der Buchspazierer" mit Christoph Maria Herbst (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2024 - Film

Sie bereut nichts: Pamela Anderson in "The Last Showgirl"

"Pamela Anderson ist eine Oscar-Anwärterin", ruft Andreas Scheiner in der NZZ: Mit 57 Jahren ist die in den Neunzigern nicht allzu vorrangig für ihr schauspielerisches Können gefeierte Schauspielerin mit Gia Coppolas beim Zurich Film Festival gezeigten Drama "The Last Showgirl" ins Charakterfach gewechselt und spielt darin "stupend eine abgehalfterte Variété-Tänzerin in Las Vegas". Sie "ist umwerfend in der Rolle des Revuegirls vor dem Ruin. Darbietungen wie ihre gibt es nicht allzu oft. Es ist einer dieser seltenen Fälle, in denen eine Schauspielerin, ein Schauspieler sich plötzlich in einem Stoff wiederfindet, der faszinierend mit der eigenen Biografie in einen Dialog tritt. ... Anderson verkörpert eine Frau, die stolz ist auf das, was sie tut. Ganz egal, was die andern sagen. Shelley liebt das 'Razzle Dazzle' diese bessere Peepshow, sie sieht nichts Schmuddeliges darin. Und so ist es auch für Pamela Anderson, die gerne betont, nicht verschämt auf ihre Tage als Sexsymbol zurückzublicken. Sie bereut nichts."

Weitere Artikel: Sonka Weiss empfiehlt im Filmdienst die Robert-Altman-Retrospektive im Filmmuseum München. Besprochen werden die aktuelle Staffel der Gastro-Serie "The Bear", die laut Filmdienst-Kritiker Dietrich Leder "mit zum Besten gehört, was das Fernsehen - egal ob in Gestalt von Streamern oder linearen Sendern - derzeit anbietet", die Arte-Serie "Rematch" über das Schachduell zwischen Garri Kasparow und dem Computer Deep Blue (taz), Waad al-Kateabs beim Zurich Film Fest gezeigter Dokumentarfilm "Death without Mercy" über das verheerende Erdbeben in Syrien und der Türkei 2023 (TA) und die Disney-Serie "Agatha All Along" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.10.2024 - Film

Von seinem Publikum abgeschnitten: "Südsee" von Henrika Kull

Bert Rebhandl porträtiert in der FAS die Berliner Filmemacherin Henrika Kull, die sich der politischen Linken zuzählt und nach dem 7. Oktober - auch unter den Eindrücken eines längeren Aufenthalts in Israel kurz zuvor - nicht fassen kann, wie bedenkenlos sich ein großer Teil ihres Umfelds seitdem vor den antisemitischen Karren zerren lässt. Ihr 2023 fertiggestellter, durchaus mit Erfolg auf Festivals gezeigter Film "Südsee" über eine junge deutsche Frau in Israel fällt derweil durchs Netz: "In dieser aufgeladenen Atmosphäre hatte niemand mehr eine Motivation, 'Südsee' in Deutschland in die Kinos zu bringen. ... Im Wesentlichen ist der Film derzeit von seinem potentiellen Publikum abgeschnitten. Ein Weltvertrieb gab recht ausdrücklich zu verstehen, dass Festivals derzeit davor zurückscheuten, Filme zu zeigen, 'die die Situation schildern'. Eskapistischer Content habe es im Moment leichter. ... 'Südsee' ist zwar ein Einzelfall, doch bestimmte Aspekte lassen sich durchaus verallgemeinern. In einem Konflikt, der an Komplexität kaum zu steigern ist, dominieren eindimensionale Narrative. Die vielen Stimmen, die wie Henrika Kull versuchen, differenzierter zu erzählen, zu kuratieren, überraschende Perspektiven zu eröffnen, sind nicht in der Minderheit. Aber sie müssen gegen die Omnipräsenz der Instagram-Kacheln bestehen."

Außerdem: Ruth Lang Fuentes berichtet in der taz vom Auftakt des Human Rights Festivals in Berlin. Besprochen werden der ARD-Mehrteiler "Herrhausen" (Welt) und die Netflix-Doku "Mr. McMahon" über einen umstrittenen Wrestling-Unternehmer (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2024 - Film

Ralph Eue widmet sich im Filmdienst eingehend den Filmen von Robert Kramer, dem die Viennale in diesem Monat eine Retrospektive widmet: Seine Filme "Essays, und zugleich sind sie Abenteuerfilme." Kramer "beschreitet Wege ins Ungewisse, vielleicht wie es sich in einem Aphorismus von Kierkegaard ausgedrückt findet, dass man das Leben nur rückwärtig verstehen könne, es aber in der Vorausschau gelebt werden müsse. ... Mit seiner Arbeit wolle er versuchen, mit der Kamera zu leben, so wie man auch sonst lebt, um etwas von Menschen zu registrieren, die ihrerseits sehen und darüber ein Verhältnis entwickeln zu dem, was um sie herum vorgeht. ... Im Zusammenhang von 'Route One, USA' (1989) - wohl seinem Opus magnum - einem filmischen Mosaik mit über 60 Personen von verschiedenster Herkunft und mit unterschiedlichstem sozialem Status, die entlang der Route One an der Ostküste der USA zwischen kanadischer Grenze und Florida leben, notierte Robert Kramer: 'Entdeckungen machen. Sie vorbereiten. Das Umfeld schaffen, damit sie zutage treten können. Sich Zeit nehmen. Wir haben die Freiheit, jeden Moment anzufangen oder abzubrechen, um dem Faden der Geschichte, die ja noch im Entstehen begriffen ist, zu folgen, um Leute zu finden, von denen wir nicht wussten, dass wir sie suchten, in einer Stadt, von der wir noch nie gehört hatten.'"



Weitere Artikel: Dunja Bialas weist auf Artechock auf eine Münchner Retrospektive zu Ehren von Ousmane Sembène hin. Robert Wagner empfiehlt auf critic.de eine Berliner Filmreihe zur Geschichte des japanischen Kinos. Rüdiger Suchsland streift für Artechock durch die Kinogeschichte der Maßlosigkeit. Jenni Zylka hört für die taz genau hin, wie Todd Philipps in seinem "Joker: Folie à deux" (Artechock, critic.de, unsere Kritik) Popklassiker einsetzt: "subtil" zwar nicht, "komplex aber schon". Andrey Arnold wirft für die Presse einen Blick auf die sich wandelnde Star-Kultur. Axel Timo Purr schreibt auf Artechock einen Nachruf auf Kris Kristofferson als Schauspieler (leider ebenfalls, ohne Kristoffersons heimlich schönsten Film, Sam Peckinhpahs unterschätzten "Convoy", zu erwähnen).

Besprochen werden Victor Kossakovskys Essayfilm "Architecton" (critic.de, mehr dazu hier), Francis Ford Coppolas "Megalopolis" (Artechock, unsere Kritik), Chris Sanders' Animationsfilm "Der wilde Roboter" (Standard), Michel Francos "Memory" (Artechock), Joachim A. Langs "Cranko" (FAZ), Sabine Hieblers und Gerhard Ertls österreichisches Oma-Road-Movie "80 Plus" (Standard), die ARD-Serie "Made in Germany" über den postmigrantischen Alltag (Zeit Online) und der Netflix-Film "Ein neuer Sommer" mit Nicole Kidman ("Der Strom der schönen Bilder fließt zäh dahin", seufzt Ursula Scheer in der FAZ).