Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2025 - Film

Szene aus "Zero Day Attack"

Ein Angriff Chinas? Das ist eine Gefahr, mit der man in Taiwan tatsächlich leben muss. Die Serie "Zero Day Attack" (Amazon Prime) erzählt davon, und das gar nicht mal schlecht, meint in der Zeit Fabian Peltsch, der bei der Premiere in Berlin dabei war: "Cheng Hsin-mei, die Produzentin von 'Zero Day Attack', erklärte der BBC, sie wolle 'das taiwanische Volk warnen, dass der Krieg wirklich bevorsteht'. Wer jedoch Actionkino erwartet, bei dem die Raketen vom Himmel regnen, verkennt das politische Selbstbild Taiwans. Die ersten 40 Minuten der in Berlin gezeigten Folge sind ein Kopfsprung in den politischen Alltag der noch jungen Demokratie. Die Zuschauer werden Zeuge einer Präsidentschaftswahl, aus der die vormalige Bürgermeisterin von Taipeh als knappe Siegerin hervorgeht. Wie in der Wirklichkeit ist die Politiklandschaft Taiwans auch in der Serie pluralistisch, mitunter vertrackt und unübersichtlich. Die Parlamentarier sind durchaus offen für Handgreiflichkeiten, wenn sie sich nicht einig werden - auch das deckt sich mit der Realität."

Weiteres: Jennifer Lawrence plaudert im Interview mit dem Standard über ihren neuen Film "Die My Love", Mutterschaft und das gesellschaftliche Klima in Trumps Amerika. Besprochen werden Edgar Wrights Actionfilm "The Running Man" mit Glen Powell (SZ, Welt), eine Netflixdoku über Eddie Murphy (SZ), Nadav Lapids Film "Yes" (FAZ, Perlentaucher) und die Netflixserie "The Beast in Me" mit Claire Danes (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.11.2025 - Film

Ariel Bronz in "Yes" (© Grandfilm) 

Einen "Schrei von einem Film" hat der israelische Regisseur Nadav Lapid mit seinem Film "Yes" geschaffen, befindet FR-Kritiker Daniel Kothenschulte, der mitgenommen und beeindruckt aus dem Kino kommt. Tabus ignoriere Lapid konsequent, wenn er die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft nach dem 7.Oktober zeige: "Auch dem Auftrag, die israelische Nationalhymne 'Hatikvah' in ein Propagandastück zur Auslöschung der Palästinenser umzuschreiben, stimmt der Protagonist namens 'Y', von Hause aus ein Jazz-Pianist, nach kurzem Zögern zu. Man fühlt sich an den Auftakt von Sorrentinos 'La Grande Bellezza' über das Rom der Berlusconi-Zeit erinnert, jener schrillen Satire, die ihrerseits Fellinis 'La Dolce Vita' in einen grellbunten Zerrspiegel projiziert hatte." 

Eine "schrille Satire" sieht auch taz-Kritiker Tobias Obermeier in dem Film, der in seiner Überzeichnung die Absurdität des Kriegsalltags treffend darstelle: "Der Alltag in Tel Aviv wirkt schizophren. Yud bringt den Sohn in die Kita, Yasmin arbeitet im Tanzstudio, während wenige Kilometer entfernt der Gazastreifen in Schutt und Asche gelegt wird. Push-Benachrichtigungen über Bombardements, Tote und Verletzte krachen wie Raketen in den Alltag hinein. Zugleich ist die Regierungspropaganda allgegenwärtig. 'Die Armee lügt nicht', redet sich Yud ein. Der Ausweg aus dem Wahnsinn ist permanente Zerstreuung, Rastlosigkeit, der Zwang zum Eskapismus." 

Eigentlich wollte er nach seinem Film "Synonyme" (unsere Resümees), der bei der Berlinale 2019 den Goldenen Bären gewann, keinen Film mehr über Israel machen, erklärt Nadav Lapid im Tagesspiegel-Interview mit Andreas Busche. Aber der 7. Oktober machte es für ihn notwendig, einerseits den Schmerz zu verarbeiten, und den Israeli gleichzeitig den Spiegel vorzuhalten: "Die israelische Gesellschaft huldigt einem Kult der Normalität. Die Israelis halten das für eine Tugend. Als wir noch Schüler waren, feierten wir oft Partys an Orten, an denen zuvor Terroranschläge verübt worden waren. Wir dachten, das sei mutig. Ich denke, dass der Versuch, das Unnormale zu normalisieren, eines der größten Probleme der israelischen Gesellschaft darstellt: die abnormalen Dinge, die uns widerfahren sind, aber vor allem die abnormalen Dinge, die wir anderen antun."

Weiteres: In der FAZ gratuliert Maria Wiesner der Schauspielerin Whoopi Goldberg zum Siebzigsten. Besprochen werden Lynne Ramsays Psychodrama "Die my love" (FR), Ken Cuperus' Serie "Mistletoe Murders" (FAZ) und Edgar Wrights Verfilmung von Stephen Kings Roman "The Running Man" (FAZ).
Stichwörter: Lapid, Nadav, Israel Hamas

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2025 - Film

Außer Rand und Band: Jennifer Lawrence in Lynne Ramsays "Die, My Love"

Ambivalent fallen die Reaktionen auf Lynne Ramsays "Die, My Love" aus, der diese Woche in den deutschen Kinos anläuft. Kraftvoll ist die Geschichte eines jungen Paares, dessen Liebesglück nach der Geburt eines Sohnes zerbricht, durchaus, findet Andreas Kilb in der FAZ. Vor allem Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence ist außer Rand und Band. Viele tolle Szenen hat die unter anderem nachts durch Wälder streifende und sich ums Haar ins Koma saufende Hauptfigur. Solche Momente sind zwar "großes Kino, aber in 'Die My Love' erschlagen sie sich gegenseitig, weil Lynne Ramsay es versäumt, sie in eine Erzählung einzufügen. Wenn Grace an postpartaler Psychose leidet, krankt Ramsays Film an akuter Formlosigkeit. Er entfaltet die Tragödie einer scheiternden Liebe nicht, er haut sie uns um die Ohren. Gegen diese Bilderprügelei bleibt auch Jennifer Lawrence machtlos."

Arabella Wintermayr hingegen ist in der taz sehr angetan von einem Film, der "nicht verstanden, sondern ertragen" werden will. Sehr gern taucht sie ein in einen Film, "der kompromisslosen Übersetzung innerer Zustände in Bilder und Klänge, in eine Form von Kino, die das Unsagbare nicht erklärt, sondern fühlbar macht. Lynne Ramsays Film stemmt sich gegen die Sprachlosigkeit ebenso wie gegen die Bequemlichkeit des sinnhaften Deutens - und findet in der Verzweiflung seiner Protagonistin eine eigene, wilde Form der Wahrheit." Für die SZ bespricht Kathleen Hildebrand den Film.

Außerdem: Daniel Klaus schreibt in der taz über "Filme gucken wie ein Profi". Ebenfalls in der taz denkt Annekathrin Kohout über die medialen Deutungskämpfe um die Schauspielerin Sydney Sweeney nach. Valerie Dirk stellt im Standard Überlegungen zur Spoiler-Angst in der Filmkritik an. Silvia Bahl unterhält sich im Filmdienst mit den Filmemachern Patricia Hector und Lothar Herzog über deren Dokumentarfilm "Das Ungesagte". Judka Strittmacher ärgert sich in der Berliner Zeitung über Kinogänger, die in Filmen über die NS-Zeit Popcorn verzehren. Besprochen wird der ARD-Thriller "Verschollen" von Daniel Harrich (FAZ).
Stichwörter: Ramsay, Lynne, Die, My Love

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2025 - Film

Im Standard macht sich Valerie Dirk Gedanken darüber, wann der Filmkritiker zum Spielverderber wird: "Es bleibt ein Dilemma. Im schlimmsten Fall wird eine vorsichtige Kritik zum reinen Werbetext. Im besten Fall enthält sie eine Handvoll interessanter Beobachtungen, ohne zu viel zu verraten. Eine detaillierte Analyse wird aber durch den Spoiler-Maulkorb verunmöglicht. 'Der Aufstieg der spoilerfreien Kritik scheint eine Abkehr von der Kritik als Kunstform und eine Hinwendung zur Kritik als Instrument des Fan-Marketings zu sein', schreibt dazu Noah Berlatsky in der Los Angeles Review of Books. ... Es bleibt somit ein Wiglwagl. Einerseits möchte man als schreibende Person keine inhaltsleeren Kritiken schreiben, andererseits das Spiel mit der Spannung nicht verderben. Ein bisschen spoilern sollte also erlaubt sein, oder?"

Dafür wird Kritik heute immer gefühliger: "Der Filmexperte fühlt sich 'nicht abgeholt', die Opernkennerin von der Inszenierung gar 'alleingelassen'", schaudert Kirstin Warnke in der FAZ. "Diese unaufdringliche, fast kindlich-träumerische Art des Begehrens soll also herhalten für einen so feigen, selbstentlastenden Kunstgriff? Einen, der Dominanz tarnt durch Empfindsamkeit, was darüber hinaus den Kritiker selbst unangreifbar macht ('Ich sage ja nur, was ich fühle'). Die schonend-sanfte Formulierung, eingeweicht im Konjunktiv II und gern ergänzt durch ein 'Ich persönlich' (ja, wer denn sonst? Die neuseeländische Löffelente?), unterstellt dem Gegenüber nicht nur übermäßige Krankbarkeit, schafft einen emotionalen Airbag und entzieht sich der Verantwortung."

Weiteres: In der taz berichtet Fabian Tietke von der Duisburger Filmwoche. Und Yelizaveta Landenberger berichtet in der FAZ vom Cottbuser Filmfestival für osteuropäisches Kino.
Stichwörter: Filmkritik, Kritik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2025 - Film

Josef Hader und  Sigi Zimmerschied in "Sturm kommt auf." Foto: ZDF/Fabio Eppensteiner


In Matti Geschonnecks ZDF-Film "Sturm kommt auf" spielt der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader den Juden Julius Kraus, der durch den aufkeimenden Nationalsozialismus in einem kleinen österreichischen Dorf bedroht wird. Im Zeit-Online-Interview mit Arno Makowsky unterhält sich Hader über sein Rollenprofil (introvertiert und mit "einer gewissen Lakonie") und die akutelle politische Situation: "Ich finde, wir müssen versuchen, aus dem gegenseitigen Verurteilen herauszukommen. Die Leute in meinem Heimatdorf sagen, dass sie bestimmte Themen vermeiden, damit man sich nicht zerstreiten muss. Die reden lieber irgendwas Unverbindliches, damit sie nicht sagen müssen: Du bist ein kompletter Depp. Ich bin dafür, dass man eine klare Haltung hat, aber miteinander redet. Die wechselseitige Empörung ist der Brennstoff, mit dem sich die Konflikte immer weiter erhitzen." 

"Vertraut und trotzdem schockierend" findet Judith von Sternburg den Film, wie sie in der FR festhält: "Das Böse gewinnt das Spiel auf ganzer Linie (...) Weil nackte Gewalt und Einschüchterung immer funktionieren, wenn die Gegenwehr nicht ganz enorm ist."

Weitere Artikel: In der FAZ gratuliert Dietmar Dath dem Regisseur Roland Emmerich zum Siebzigsten. Für die taz resümiert Wilfried Hippen die Nordischen Filmtage Lübeck. In der NZZ schreibt Marion Löhndorf über die zahlreichen Verfilmungen des bewegten Lebens Richard Burtons.  

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2025 - Film

Skeptikerin Carol (Rhea Seehorn)


Alle schauen "Pluribus". Zumindest in den deutschen Feuilletons führt heute kein Weg an der soeben auf Apple TV erschienenen neuen Serie des "Breaking Bad"-Erfinders Vince Gilligan vorbei. Gilligans neuer Streich spielt in einer Zukunft, in der die Menschheit weitgehend gentechnisch gleichgeschaltet ist. Nur wenige aufrechte Individuen halten noch durch, darunter eine Bestsellerautorin namens Carol (Rhea Seehorn). Richard Kämmerlings ist in der Welt ziemlich angetan: "Nach der rasanten und etwas klamaukigen Auftaktfolge findet 'Pluribus' schnell eine Spur, die irgendwo zwischen Mystery-Klassikern wie 'Lost', 'Westworld' oder 'Severance' und den großen moralischen Fragen liegt, wie sie Gilligan auch in seinen genredefinierenden Meisterserien (…) gestellt hat. Wäre der Verlust der Individualität nicht ein angemessener Preis für eine rundum glückliche, wenngleich uniforme Welt ganz ohne Kriege, Kriminalität und Gewalt? Ist der Egoismus der Einzelnen nicht die Ursünde der Menschheit und wäre die Abschaffung des Ich (wie ihn ganze Weltreligionen predigen) die Rettung?"

Allzu viel, stellt Matthias Kalle auf Zeit Online klar, dürfen Rezensionen aufgrund eines Presseembargos gar nicht verraten über "Pluribus". Was er trotz allem schreiben darf, liest sich gleichwohl ziemlich faszinierend: "Die Serie ist keine Dystopie klassischer Machart, die Bedrohung ist nicht repressiv, sondern höflich. Überangepasst, rational, verständnisvoll ist die Sprache des Kollektivs - wie die einer künstlichen Intelligenz, die gelernt hat, dem Menschen möglichst nie zu widersprechen. Das Unheimliche entsteht auch nicht durch Gewalt, sondern durch Konsens, durch das absolut Gute." Und: "Selten ist man beim Schauen einer Serie so ratlos gewesen, was als Nächstes passieren könnte." In der FAS schreibt Harald Staun über die Serie, in der BlZ Patrick Heidmann.

Weiteres: Mina Marschall blickt in der FAZ zurück auf den ersten "Twilight"-Film. Jan Küveler spricht in der Welt mit Matthias Schweighöfer über dessen Rolle im neuen Film "Das Leben der Wünsche". Ueli Bernays und Tobias Sedlmaier unterhalten sich in der NZZ mit dem Musiker Dino Brandão und dem Regisseur Moris Freiburghaus über deren Psychiatrie-Film "I Love You, I Leave You".

Besprochen werden die vierte Staffel der Serie "The Witcher" (taz), Christian Petzolds "Miroirs No. 3" (Standard), die zweite Staffel der Serie "Maxton Hall" (Zeit Online, Welt, FAZ), Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent" (Zeit Online), Neele Leana Vollmars "Dann passiert das Leben" (FAZ), Guillermo del Toros "Frankenstein" (BlZ) und das ARD-Dokudrama "Nürnberg 1945" (Welt).
Stichwörter: Pluribus, Gilligan, Vince

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2025 - Film


Im Weltraum ist zwar alles möglich, aber musste Dan Trachtenberg in "Predator: Badlands" niedlich werden, fragt sich im Standard Christian Schachinger, dem noch die Ohren dröhnen. Diesmal macht sich ein beinloser synthetischer Mensch namens Thia (Elle Fanning) zusammen mit dem predatorischen Gummimasken-Gfries "auf die Jagd nach dem im Wesentlichen nicht kaputtbaren und mindestens fünf Meter großen stacheligen Untier Kalisk. Dabei handelt es sich um die Jagdtrophäe aller Jagdtrophäen auf dem sonst noch von explodierenden Würmern, sedierende Pfeile schießenden Pflanzen oder Killer-Lianen bewohnten Todesplaneten. ... Mittendrin böst auch die Weyland-Korporation mit einer Androidenarmee herum." Doch wo im Vorgänger "Prey" der Protagonist "die indigene Bevölkerung wie auch die französischen Trapper zum Spaß jagte und sich die Schädel an den Gürtel heftete, wird nun versucht, den Trashkino-Ungustl zum Sympathieträger zu drehen und zwischendurch auch drollige 'Familienszenen' mit Predator, süßem Felltierchen und künstlichem Menschen einzubauen."

Weitere Artikel: Im Standard ärgert sich Marian Wilhelm, das große Netflixproduktionen wie Guillermo del Toros "Frankenstein", Kathryn Bigelows Thriller "A House of Dynamite" oder Noah Baumbachs Dramödie "Jay Kelly" in Österreich nicht in den Kinos laufen.

Besprochen werden Agnieszka Hollands Kafka-Biopic "Franz K." (NZZ), Clint Bentleys historisches Filmdrama "Train Dreams" auf Netflix (das Sofia Glasl in der SZ wärmstens empfiehlt), Jovana Reisingers Sisi-Adaption "Unterwegs im Namen der Kaiserin" (Zeit) sowie zwei Filme über Ostdeutschland: "Sehnsucht in Sangerhausen" von Julian Radlmaier und "Rote Sterne überm Feld" von Laura Laabs (die ein ungenannter Autor in der Welt als neue "ostdeutsche Heimatfilme" feiert: Ersterer setzt "nicht die heute vorherrschende Arithmetik der Identitäten, sondern eine geteilte Sehnsucht" als Gegenentwurf zu den Verteilungskämpfen, und letzter "ist eine geschichtsphilosophische Tiefenbohrung auf ostdeutschem Terrain, für die im Film Walter Benjamins Idee, man müsse die Geschichte gegen den Strich bürsten, Pate steht").
Stichwörter: Trachtenberg, Dan, Horrorfilm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.11.2025 - Film

Szene aus "Franz K."

NZZ-Kritikerin Susanna Petrin verliebt sich vom Fleck weg in den jungen Franz Kafka in Agnieszka Hollands Biopic "Franz K.". Im deutsch-israelischen Schauspieler Idan Weiss habe Holland "eine Inkarnation Kafkas gefunden. Er ist dem Schriftsteller wie aus dem Gesicht geschnitten: große, dunkle, verwundert schauende Augen, leicht abstehende Ohren, zarte Haut, bleiche, magere Gestalt. In den besten Szenen verharrt die Kamera etwas länger auf diesem schönen, melancholischen Gesicht, können wir Kafkas eigene, verrätselt-philosophischen Sätze genießen oder seinen Humor." Leider kann das nicht darüber hinweg helfen, dass die Kritikerin vom Gesamtergebnis ein wenig enttäuscht ist. Holland hat "erstaunlich wenig eigene Sichtweisen auf Franz hinzuzufügen".

Besprochen werden Laura Laabs' "Rote Sterne überm Feld" (Perlentaucher), Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent" (FAZ, Perlentaucher)  Mehmet Akif Büyükatalays Film "Hysteria", die RTL+ - Serie "Die Nibelungen - Kampf der Königreiche" (FAZ), Jan Kounens "Der Mann, der immer kleiner wurde - Die unglaubliche Geschichte des Mr. C." (FR), Jan Komasas Thriller "The Change" (taz), Anatol Schusters Film "Chaos und Stille" (taz), Jan-Christoph Schultchens "Unten - Im Ortsverein" (SZ) und Dan Trachtenbergs "Predator: Badlands" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.11.2025 - Film

Hysteria von Mehmet Akif Büyükatalay. Mit Devrim Lingnau.

Mehmet Akif Büyükatalay ist bereits seit seinem Debüt "Oray" als "differenzierte Stimme des postmigrantischen Kinos" in Deutschland bekannt, erinnert Gunda Bartels im Tagesspiegel. Sein neues Werk, "Hysteria", das diese Woche ins Kino kommt, ist ein Thriller, der seinen Ausgangspunkt bei einem Filmdreh nimmt, bei dem ein Koran verbrannt wird. "Hysteria" verknüpft "gekonnt Suspense-Motive wie das Rätselraten um einen geheimnisvollen Einbrecher mit dem Diskursfeuer um Koranverbrennungen, Migranten und kulturellen Ressentiments. Themen, die neben der hell lodernen Empörung, wie sie die in den Film integrierten Nachrichtenbilder muslimischer Proteste transportieren, Ängste triggern, von denen die vielen, oft von bedrohlichen Streichern untermalten Nachtaufnahmen in 'Hysteria' sprechen."

Laura Laabs wiederum bringt diese Woche ihren Erstling "Rote Sterne überm Feld" ins Kino, eine Politkomödie, die, wie Bert Rebhandl in der FAZ schreibt, im mecklenburg-vorpommerischen Bad Kleinen spielt und diverse Linke Diskurse aufgreift; in der allerdings auch Rammstein-Sänger Till Lindemann, für viele Linke ein rotes Tuch, in einer kleinen Rolle zu sehen ist. "Für Laabs gehört Lindemann auch zum Geschichtsort Bad Kleinen, sie macht allerdings durchaus deutlich, dass sie den mythologischen Leerlauf, der in Rammstein-Videos herrscht, in Aufklärung überführen möchte. 'Rote Sterne überm Feld" steht auf eine originelle Weise quer zu vielen politischen und kulturkämpferischen Frontverläufen im heutigen Deutschland. Als Manifest einer ästhetischen Linken, aber auch als Abenteuer einer Begegnung zwischen 'Heimkehrern' und 'Zurückgebliebenen' verdient der Film ein großes Publikum."

Außerdem: Die Schauspielerin Diane Ladd, bekannt unter anderem aus David Lynchs "Wild at Heart", ist tot, wie Zeit Online meldet. Susanne Gietl zeichnet im Filmdienst nach, wie der Regisseur Heinrich Sabl 25 Jahre lang an seinem Animationsfilm "Memory Hotel" gebastelt hat.

Besprochen werden Ira Sachs' "Peter Hujar's Diary" (taz), die Disney+-Serie "Habibi Baba Boom" (Welt), Jan Komasas Revolutionsfilme "The Change" (SZ), die Serie "All's Fair" mit Kim Kardashian (Zeit Online), Lynne Ramsays "Die, My Love" (NZZ) und Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent" (critic.de).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.11.2025 - Film

Wagner Moura in "The Secret Agent"


Der brasilianische Filmemacher Kleber Mendonça Filho gewann mit "The Secret Agent" im Mai die Goldene Palme von Cannes. Jetzt kommt der Film, der 1977 während der Militärdiktatur spielt, bei uns in die Kinos. Vordergründig geht es um eine kleine Gruppe Außenseiter, die einem Fremden (Wagner Mouros) helfen, ein Verbrechen aufzuklären. Doch dieser Film ist viel mehr als ein Politthriller, versichert ein begeisterter Andreas Busche im Tagesspiegel: "Eine paranoide Grundstimmung schwingt in den panoramischen Panavision-Bildern von Kamerafrau Evgenia Alexandrova mit. Konterkariert wird das latente Unbehagen durch die saturierten Farben, die eher an den gegenkulturellen Idealismus der Tropicalismo-Bewegung der späten 1960er Jahre denken lassen. So wie mit den Stimmungen spielt Mendonça auch mit den Genres: Die Verunsicherung ist auf allen Ebenen von 'The Secret Agent' intendiert."

Auch SZ-Kritikerin Aurelie von Blazekovic ist schwer beeindruckt von der Welt, die ihr Mendonça eröffnet: "In 'The Secret Agent' entsteht ein kompositorisches Ganzes aus Siebzigerjahre-Farben und Musik, beeindruckend sind aber vor allem die Details. Der deutsche Schneider Hans und seine Geheimlyrik! Das Paar aus Angola! Die Nachbarin! Wie dieser Film Szene für Szene Welten eröffnet, wie er einen einnimmt, hineinzieht, staunen lässt - die Fähigkeit des Kinos, das zu vollbringen, ist Teil der Geschichte. Marcelos Schwiegervater betreibt in Recife ein Stadtkino. Da rennen die Leute panisch aus den Horrorfilmen oder haben Sex im Kinosessel. Der kleine Sohn von Marcelo lebt bei diesen Kinobetreiber-Großeltern und hat Albträume vom Filmplakat für 'Der Weiße Hai'. Er malt es in einer kindlichen Bewältigungsstrategie immer wieder ab, will den Film sehen, darf aber nicht, wenn es nach dem Vater geht."

Weiteres: In der taz resümiert Fabian Tietke das Dokumentarfilmfestival in Leipzig. Besprochen werden eine ARD-Serie zum Cybermobbing, "Schattenseite" (Welt), Yorgos Lanthimos' "Bugonia" (NZZ) und Kirill Serebrennikows "Das Verschwinden des Josef Mengele" (NZZ).