Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2025 - Film

Lässt es krachen, bis die Fetzen fliegen: "Sirāt" von Óliver Laxe

Zum Ende hin geht Óliver Laxes bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführtem (hier unser Resümee) und mit großen Autorenfilmergesten in Szene gesetztem Wüstenroadtrip "Sirāt" dann doch die Luft aus, findet Tilman Schumacher im Perlentaucher. Der Film schildert die Suche eines Vaters nach seinem verlorenen Sohn in der Wüste, wobei er sich einer Techno-Karawane anschließt, während das Radio über einen Krieg informiert. Mit voranschreitender Laufzeit "blickt Laxes Film zunehmend abgeklärt, ja kalt auf seine Figuren. Entsprechend werden sie geopfert wie Bauern auf dem Schachbrett. Das mag dramaturgisch kühn, hie und da auch mit der Verve eines unkonventionellen Autorenfilms inszeniert sein. Womöglich ist der Abgang einer Figur, die fatal auf eine Landmine tritt und dabei ausgerechnet 'Lasst es krachen!' in Richtung ihrer Musikfreunde ruft, aber auch zynisch? Mich konnte jedenfalls dieses 'Gottspielen' des Scripts an diesem Punkt nicht mehr erreichen. Das mag anderen anders gehen. Ein bildgewaltiges, allerlei ungewohnte Pfade abschreitendes Wüsten-Roadmovie ist 'Sirāt' allemal."

Weiteres: Katja Nicodemus hätte sich am liebsten gar nicht mehr von der Seite Anke Engelkes gelöst, die sie zwei Jahre lang für ein episches Porträt in der Zeit begleitet hat: "Es war so begeisternd und beflügelnd, ihr fast zwei Jahre lang immer wieder zu begegnen." Marlene Knobloch ist in der Zeit sehr ratlos, ob der Humor von Bully Herbigs Komödienkassenschlager "Der Schuh des Manitu" (dem nun nach 24 Jahren eine Fortsetzung gegönnt wird) nicht völlig aus der Zeit gefallen oder doch noch irgendwie ganz nett ist. Yasmin Müller schreibt in der NZZ einen Nachruf auf die mit gerade einmal 33 an Krebs verstorbene Schauspielerin Kelley Mack.

Besprochen werden Alexis Langlois' queeres Popmusical "Drama Queens" (Perlentaucher), Justine Bauers "Milch ins Feuer" (FR), Helge Schneiders Selbstporträt "The Klimperclown" (FR, mehr dazu bereits hier), Nisha Ganatras Komödie "Freakier Friday" mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan (Standard) und Ina Weisses nun auch in der Schweiz startender Film "Zikaden" mit Nina Hoss (NZZ).
Stichwörter: Laxe, Oliver

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.08.2025 - Film

"The Klimperclown": Reflexionen aus dem geglückten Leben

Kamil Moll hat im Filmdienst viel Freude an "The Klimperclown", Helge Schneiders Porträt in eigener Sache: "In einem lockeren Arrangement aus dokumentarischem Material, Spielszenen und begleitetem Schaffensprozess ist dies ein in mäandernden Geschichten wunderbar verläppernder Dokumentarfilm und zugleich dessen leichthändige Parodie. Die Schwerpunkte ... sind dabei klar von Leerstellen durchsetzt: Seinem filmischen Schaffen als Regisseur und Schauspieler bei Filmemachern wie Christoph Schlingensief und Werner Nekes schenkt er kaum Beachtung, präsentiert stattdessen lieber als Weltpremiere im Film seine ersten Drehversuche aus der Jugendzeit. Wie zuletzt bei Arne Körners Porträtfilm über den modernen Renaissancemenschen Dietrich Kuhlbrodt, 'Nonkonform' (für den Schneider als Geistesverwandter nicht von ungefähr die Filmmusik einspielte), sieht man hier vor allem einem der faszinierendsten Künstler der letzten Jahrzehnte beim gegenwärtigen Ausüben eines freien, geglückten Lebens zu."

Weiteres: Die Filmgalerie 451 hat zahlreiche Arbeiten des experimentellen Filmemachers Klaus Wyborny gratis online gestellt, meldet Fabian Tietke in der taz. Urs Bühler stimmt in der NZZ auf das heute Abend beginnende Filmfestival Locarno ein. Tilman Schumacher führt in critic.de durch das unmittelbare Nachkriegskino von Harald Reinl, der später als Edgar-Wallace- und Karl-May-Routinier bekannt wurde. Tobias Obermeier erinnert in der Jungle World an den "Weißen Hai" von Steven Spielberg, der vor 50 Jahren das Blockbuster-Zeitalter einläutete.

Besprochen werden Justine Bauers Landlebenfilm "Milch ins Feuer" (taz, FD), Nisha Ganatras Komödie "Freakier Friday" mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan (Tsp, Welt), Alexis Langlois' queeres Popmusical "Drama Queens" (Tsp), die neue Staffel der auf Amazon Prime gezeigten Serie "Der Sommer, als ich schön wurde" (taz) sowie Arnaud und Jean-Marie Larrieus vorerst nur in Österreich startender Film "Die Geschichte von Jim" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.08.2025 - Film

Jenny Schily in "Das Haus meiner Eltern" (ZDF)

Heike Hupertz findet es in der FAZ (online nachgereicht) nur schwer verständlich, dass das ZDF "Im Haus meiner Eltern", Tim Ellrichs Debütfilm, "absurderweise zu nachtschlafender Zeit ins lineare Programm gesetzt hat". Zum Glück gibt es heutzutage ja Mediatheken, die zeitsouveränen Zugriff gestatten. Den braucht es auch, denn dieser "aufregende" und "in distanzierendem, oft statuesk wirkendem Schwarz-Weiß" gedrehte Film über eine Familie, in die sich ein Fall von Schizophrenie schleicht, "verlangt wache Konzentration. Den reduzierten Zimmerschauplätzen, Kamerablicken, die nur starre Teilsichten erlauben, entspricht der Stillstand in der hier gezeigten Familie." Der Regisseur, "der auf eigene Familienerfahrungen zurückgreift und den Film, so heißt es, im eigenen Elternhaus gedreht hat, erzählt mit ungewöhnlichem Blick von der zwangsläufig großen Belastung und der meistens festgefahrenen Familiendynamik, wenn ein psychotisch erkranktes Familienmitglied Hilfe verweigert und sein Selbsterhaltungstrieb abgestorben scheint." Dieser Film "nimmt auf TV-'Sehgewohnheiten' keine Rücksicht und zeigt Schizophrenie wünschenswert neu".

Weiteres: Irene Genhart stimmt im Filmdienst auf das Filmfestival Locarno ein, das morgen beginnt. Besprochen werden der auf Netflix gezeigte, südafrikanische Heist-Sechsteiler "Marked" (in der taz verspricht Florian Schmid einen "streckenweise sehr unterhaltsamen Krimi") sowie Delphine und Muriel Coulins vorerst nur in Österreich startendes Drama "Mit dem Feuer spielen" über einen Vater, dessen Sohn sich radikalisiert (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.08.2025 - Film

"Da rüstet jemand kräftig mit Wortgebimmel auf", kommentiert Tim Caspar Boehme in der taz die mit militärischen Begriffen unterfütterte Sektlaune, mit der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Aufstockung der Filmförderung um nahezu hundert Prozent in der Öffentlichkeit kommuniziert. Aber "die Devise 'mehr Blockbuster und Serienhits made in Germany' kommt zwar griffig rüber, doch ob die gewünschten Produkte zu den Stärken der Filmproduktion hierzulande passen, ist eine andere Frage. ...  Listet man die Kinohits aus Deutschland der 2010er auf, liegen die 'Fack Ju Göhte'-Trilogie und Til Schweigers 'Honig im Kopf' vorn. Der Stoff für 'international konkurrenzfähige' Kinobeiträge sieht anders aus." Und "bei all den hollywood-inspirierten Großproduktionsfantasien scheint eine entscheidende Partei in der Angelegenheit kaum in den Blick geraten zu sein: die Kinos. Für sie gibt es im Haushaltsentwurf keine zusätzlichen Mittel. In der Branche stehen laut dem Vorsitzenden des Ausschusses Kultur und Medien Sven Lehmann, Grüne, jedoch hohe Investitionen an. Wenn die Bundesregierung nicht handle, drohe in kommenden Jahren ein 'Kinosterben'. Von seinem Durchbruch ist Weimer also noch weit entfernt."

Hanns-Georg Rodek hat für die Welt das Jerusalem Film Festival besucht, wo auch "Yes", der neue Film des israelischen Regisseurs Nadav Lapid gezeigt wurde, der 2019 für seinen Film "Synonyme" (unsere Festivalkritik) den Goldenen Bär der Berlinale gewonnen hatte. Sein neuer  Film - "eine wilde Satire auf das Israel nach dem 7. Oktober, auf eine Elite, die jeglichen moralischen Kompass verloren hat, auf hemmungslosen Nationalismus und kriecherisches Anpassertum" - hätte in Cannes problemlos mit Palmenaussichten im Wettbewerb laufen können, findet Rodek, wurde an der Croisette aber in einer Nebenreihe versteckt. Er "ist völlig zügellos, rücksichtslos und jenseits aller Grenzen des guten Geschmacks. Aber was bleibt, wenn die Lage in dieser Weltgegend komplett zügellos, rücksichtslos und hoffnungslos ist?" Das juckt auch die Netanyahu-Regierung, die mehrfach erfolglos versucht hatte, den Film aus dem Programm zu kegeln, auch ein Störer wurde aus der Vorführung abgeführt. Sie alle haben offensichtlich "den Film nicht gesehen, denn es gibt darin auch einen achtminütigen, zutiefst berührenden Monolog, in dem eine Frau von den Schrecken erzählt, die sie am 7. Oktober 2023 erlebt hat. In einem Brief wurde verlangt, die Vorführung zu streichen, 'was wir', sagt Festival-Chef Roni Mahadav-Levin, 'selbstverständlich nicht getan haben, denn wir bewerten Filme nicht nach ihrem politischen Standpunkt'." Kurz: "Der Kulturkampf ist in vollem Gang."

Außerdem: Im Filmdienst freut sich Karsten Essen, dass Arte eben mit allen sieben Staffeln der Serie "Mad Men" ein wichtiges Stück Fernsehgeschichte der späten Nuller- und frühen Zehnerjahre online gestellt hat (wir wünschten uns aber auch mal den "Singing Detective", aber dafür sind die Arte-Redakteure  wahrscheinlich zu jung). In der FAS macht sich Bert Rebhandl (online nachgereicht) Gedanken über den mythischen Aspekt von Superman und anderen Superhelden. Christian Aust plauscht online nachgereicht in der FAS mit der Schauspielerin Catherine Zeta-Jones. Tim Caspar Boehme erinnert in der taz an Steven Spielbergs "Der weiße Hai", der vor fünfzig Jahren in die Kinos gekommen ist und das Blockbuster-Zeitalter begründet hat. Maria Wiesner gratuliert in der FAZ dem Schauspieler Billy Bob Thornton zum siebzigsten Geburtstag.

Besprochen werden die Wim-Wenders-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn (online nachgereicht von der FAZ), die Arte-Serie "Das Attentat - Geheimoperation Belgrad" über die Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic (Welt), neue Golfsport-Komödien mit Adam Sandler und Owen Wilson (Zeit Online) und Maren-Kea Freeses Ost-West-Culture-Clash-Komödie "Wilma will mehr" mit Fritzi Haberlandt (SZ, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2025 - Film

"Gegrüßet seist du, Pedro, voll der Gnade, der Herr ist mit dir", dichtet Kathleen Hildebrand in der SZ den katholischen Rosenkranz um und bringt damit die kultische Verehrung auf den Punkt, die dem Schauspieler Pedro Pascal in diesem Sommer entgegengebracht wird. Erst der Riesenerfolg in der "Star Wars"-Serie "The Mandalorian", gefolgt von Aufritten in weiteren Serien und in Cannes, aktuell drei Filme im Kino - und das Internet steht völlig Kopf. "Das Rührende" daran: Diese Liebe hat ihren Quell nicht nur in seinem guten Aussehen. Sondern, vor allem, in seiner Nettigkeit. ... Und weich ist er auch noch: Pascal steht offen zu seiner sozialen Angststörung. Dass er bei Filmpremieren so viel kuschelt, liegt wohl daran, dass Körperkontakt ihn beruhigt."

Aus Pedro Pascals Instagram eingebettet: seine tolle Fotostrecke für Vanity Fair

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Weitere Artikel: Im Buch Zwei der SZ porträtiert Sonja Zekri den Berliner Schauspieler Kida Ramadan, der wahrscheinlich am 5. August nach einem Jahr Gefängnis aus der Haft entlassen wird. Fritz Göttler führt in der SZ durch die wechselhafte Karriere von Liam Neeson. In der FAZ gratuliert Edo Reents Volker Brandt, der als Synchronsprecher die Standardstimme von Michael Douglas ist, zum 90. Geburtstag.

Besprochen werden die Wim-Wenders-Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn (FAS) Gabrielle Bradys auf Arte gezeigter Dokumentarfilm "Die Wölfe kommen immer nachts" über das Leben in der mongolischen Steppe (FAZ), Peter Kerekes' Doku "Unter einem guten Stern" über eine Astrologin (Standard) und Amy Odells Biografie über die Schauspielerin Gwyneth Paltrow (WamS).
Stichwörter: Pascal, Pedro, Wenders, Wim

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2025 - Film

Die Ostfrau im Film: "Wilma will mehr"

Maren-Kea Freese (geboren in Hannover, wie jede Kritik anmerkt) erzählt mit "Wilma will mehr" die Geschichte einer einfachen Elektrikerin aus der DDR, die Ende der Neunziger aus der Lausitz nach Wien geht. Gespielt wird sie von Fritzi Haberlandt (geboren in Berlin-Ost, was ebenso jede Kritik anmerkt). "Besonders schön ist Freeses Film immer dann", schreibt Barbara Schweizerhof im Freitag, "wenn man die patente Wilma dabei beobachten darf, wie sie ihr Pech in persönliches Glück verwandelt. Als vielseitige Handwerkerin, als Mitbewohnerin, die stolz ihre DDR-Identität in einer Bohemien-WG verteidigt, oder auch als Tanzlehrerin, die japanischen Touristen den Wiener Walzer beibringt." Michael Pilz (Welt) verlässt den Kinosaal derweil mit Fragen. "Noch ein Film über den Osten und die Ostdeutschen" also, aber will Freeses "Film wirklich wissen, wie die sogenannten Ostfrauen waren und vielleicht sogar noch sind? Oder ist Wilma wie sie ist, weil es der Film und die Ost-West-Debatten drei Jahrzehnte nach dem Ende eines immer märchenhafter wirkenden anderen deutschen Staatswesens gern hätten? Filme zeigen Fantasien und Fiktionen in Klischees, Kulissen und Kostümen." Und "zum filmreifen Klischee haben sich auch die Ostdeutschen verdichtet, vor allem die Ostfrau."

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Sichtlich fasziniert liest sich Susanne Gietl für den Filmdienst durch das Buch "You Are What You Watch: How Movies and TV Affect Everything" des Datenjournalisten Walter Hickey, der anhand zahlreicher Beispiele die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Film illustriert. Dazu gehört auch die Messung körperlicher Reaktionen auf Filme: "Der niederländische Mediziner Frits Rosendaal analysiert vor und nach der Sichtung eines Films körperliche Reaktionen. Der auf Thrombose und Hämophilie spezialisierte Professor entwickelte eine spezielle Methode, um körperliche Reaktionen beim Filmerleben nachzuweisen. So wurde einer Studiengruppe zunächst der Dokumentarfilm 'A Year in Champagne' gezeigt und zwei Wochen später der Horrorfilm 'Insidious - Hinter verschlossenen Türen' (2010). Jeweils vor und nach der Filmsichtung wurde die Blutgerinnungsfähigkeit untersucht. Das Ergebnis spricht für sich. Während sich bei der Dokumentation bei 86 Prozent der Menschen eine bessere Blutgerinnung nachweisen ließ, passierte bei 'Insidious' das Gegenteil. Bei 57 Prozent der Probanden gefror das Blut zwar nicht sprichwörtlich in den Adern, aber ihre Körper reagierten tatsächlich mit einem geringeren Blutfluss."

Im Standard freut sich Christian Schachinger, dass Pamela Anderson nach "The Last Showgirl" (mehr dazu hier) ihr Comeback mit der (auf Zeit Online besprochenen) Komödie "Die nackte Kanone" (unser Resümee) ausbauen kann.

Besprochen werden Maren-Kea Freeses Wendegeschichte "Wilma will mehr" mit Fritzi Haberlandt (Freitag, Welt), Viktor Jakovleskis und Nikias Chryssos' Technofilm "Rave On" (Welt, mehr dazu hier), Daniel Abmas Dokumentarfilm "Im Prinzip Familie" (Freitag), Nick Hamms britischer Blockbuster "William Tell" (NZZ) sowie Elsa Bennetts und Hippolyte Dards Alkoholikerinnen-Schwank "Die guten und die besseren Tage" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2025 - Film

Außer Atem: Liam Neeson in "Die Nackte Kanone"

Quietschfidel kommt Kamil Moll nach Akiva Schaffers "Die Nackte Kanone" aus dem Kinosaal getänzelt. Das mit Liam Neeson besetzte Reboot des Nonsense-Klassikers der späten Achtziger überzeugt auf ganzer Linie. Der Film "beherzigt die wichtigste Regel typischer ZAZ-Produktionen", schreibt er in der Welt: "Schauspieler in tragenden Rollen zu besetzen, die in der popkulturellen Wahrnehmung noch kaum als Komödiendarsteller gesetzt sind. Und sie so spielen zu lassen, als würden sie als Einzige scheinbar nicht wissen, dass sie permanent Pointen erzeugen." Da Komödien praktisch aus dem amerikanischen Kino verschwunden sind, wundert es Moll nicht, "dass 'Die nackte Kanone' in Bezug auf Tempo und Gag-Dichte geradezu überzukompensieren scheint, atemlose 85 Minuten lang Witz auf Witz schichtet, als gelte es Rechtfertigungen für die eigene Existenz zu liefern. Wenn am Ende aber selbst die Abspann-Credits noch gefüllt sind mit Sehtests und einer Aufzählung der gängigsten Netflix-Passwörter, ist diese Beweisführung in eigener Sache abgeschlossen."

Der Film "ist von einer so befreienden Nichtsnutzigkeit, dass man sich fragt, wie Hollywood ausgerechnet das Dümmste seiner erfolgreichen Franchises so lange brachliegen lassen konnte", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR. "Nichts zündet wirklich", murrt hingegen Axel Timo Purr auf Artechock. Auch nicht rundum überzeugt ist SZ-Kritiker Jakob Biazza. Gelacht hat er schon auch, aber dem Film mangelt es "oft an der nötigen Nonchalance. Und noch etwas mehr an der getriebenen Akribie des Regisseur- und Drehbuchautoren-Trios Jim Abrahams und David und Jerry Zucker. Jener Akribie, mit der die drei besonders im ersten Teil ihre vermeintlichen Brachialwitze erst vorbereiteten - und dann exekutierten. Mit der sie vor allem in den Achtzigern das ganze hohle Hollywood-Pathos persiflierten und damit pulverisierten."

Weitere Artikel: Cosima Lutz widmet sich in einem Filmdienst-Essay der Schauspielkunst von Fritzi Haberlandt, die aktuell in Maren-Kea Freeses "Wilma will mehr" (besprochen bei Artechock) zu sehen ist. In seiner Artechock-Glosse verzweifelt Rüdiger Suchsland über den Jubel der deutschen Produzenten über den gestern beschlossenen Geldsegen der Filmförderung für die Branche, denn "der derzeitige Umgang der Filmförderung mit dem Kinofilm ist lieblos und kenntnislos. Er droht diesen zu zerstören." Marina Razumovskaya besucht für die taz den Fundus der 1907 gegründeten Berliner Theaterkunst GmbH, deren Vorräte heute internationalen Film- und Fernsehproduktionen dienen. Außerdem erinnert Rüdiger Suchsland in einer neuen Artechock-Reihe mit Klassikerbesprechungen an Bernardo Bertoluccis "Der letzte Kaiser".

Besprochen werden Kyle Newachecks "Happy Gilmore 2" mit Adam Sandler (Perlentaucher), Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Technofilm "Rave On" (taz, Artechock, critic.de, mehr dazu bereits hier), Alvaro Longorias Dokumentarfilm "Ecce Homo" über ein unbeachtete in einer Wohnung hängendes Gemälde, das sich als echter Caravaggio entpuppte (FR), Pia Hierzeggers Regiedebüt "Altweibersommer" über drei Frauen im Urlaub (Tsp), Elsa Bennetts und Hippolyte Dards "Die guten und die besseren Tage" (Standard), Michael Shanks' "Together - Unzertrennlich" (taz) und die Apple-Serie "Chief of War" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.07.2025 - Film

Heute will die Bundesregierung beschließen, dass sich die Filmförderung im nächsten Jahr von 133 Millionen auf 250 Millionen erhöht. Dieser Geldsegen hängt auch damit zusammen, dass sich das noch unter Claudia Roth in Aussicht gestellte Steueranreizmodell bislang aufgrund der Diskussion mit den Bundesländern schmerzlich verschleppt. "Zwar können seit Februar dieses Jahres Produktionsfirmen statt 20 Prozent 30 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen, doch da die Gesamtsumme des Deutschen Filmförderfonds und des German Motion Picture Funds gleich geblieben ist, hält sich der positive Effekt in Grenzen", informiert Helmut Hartung in der FAZ. Zudem "könnte ein steuerbasiertes Anreizmodell frühstens ab 2027 in Kraft treten. Die Filmwirtschaft klagte beim Staatsminister, dass bis dahin eine Insolvenzwelle über technische Dienstleister und Produktionsfirmen hinwegrollen würde. Also einigte man sich kurzfristig ... auf die pragmatische Füllhorn-Lösung, die die Bundesländer verschont und eine schnelle Hilfe verspricht."

Dieser rasche Erfolg hat maßgeblich mit der Lobby-Arbeit von Björn Böhning von der SPD zu tun, erklärt Michael Hanfeld im FAZ-Kommentar. Der frühere Hauptgeschäftsführer der Produktionsallianz hat (mal wieder) die Seiten gewechselt: "Er ist seit Anfang Mai Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. ... Als Verbandsboss der Filmproduzenten trieb er die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen von deren ersten Tag im Amt bis zum Bruch der Ampelkoalition in Sachen Filmförderung vor sich her. Was Roth an Plänen ventilierte, erschien stets so, als hätte der Produzentenverband die Tischvorlage geschrieben." Jetzt "sitzt der Strippenzieher Björn Böhning im Finanzministerium, das sich zu Ampelzeiten unter Christian Lindner (FDP) nicht engagierte, und - schwups - gibt es für die Filmförderung 120 Millionen Euro pro Jahr drauf. Das allerdings nur, wenn es dem von der Union ins Amt gebrachten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gelingt, den Streamern Zwangsinvestitionen in deutsche oder europäische Filme aufzuerlegen."

Außerdem: Thomas Abeltshauser spricht in der taz mit Dea Kulumbegaschwili über deren neuen, beim Filmfestival in Venedig mit dem Preis der Jury ausgezeichneten Film "April". Besprochen werden Maura Delperos Historiendrama "Vermiglio" (Jungle World, unsere Kritik) und Álvaro Longorias Dokumentarfilm "The Sleeper" über ein Bild, das unbeachtet in einer Wohnung hing und sich am Ende als echter Caravaggio entpuppte (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.07.2025 - Film

Verloren im Labyrinth: "Rave On" (Telos Pictures)

Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Techno-Film "Rave On" (mit Aaron Altaras, der kürzlich in der ARD-Serie "Die Zweiflers" für Aufsehen sorgte) taucht tief ein in die Ekstaseangebote einer Berliner Clubnacht, schreibt Philipp Bovermann in der SZ. Das Drehbuch steuert zwar einige Klischees, aber wer bitte achtet bei so einem Film auf die Story? "Alle hier sind abgeklärte Profis. Und trotzdem gibt es unter ihnen ein Einverständnis, dass hier eine mindestens höher dosierte, vielleicht sogar höhere Form der Wirklichkeit eingeübt und verteidigt wird, gegen Mainstreamdeppen, gegen Kommerzheinis, gegen Zugezogene, ein bisschen auch: gegen die Gegenwart. ... Es wird geballert, Freunde. Es läuft Musik. Man schwebt durch die Stunden wie eine klirrende Partikelwolke, deren Spannung sich ständig verändert, von Reinheit auf Abgrund, von warmem Leuchten auf verloren im Labyrinth. Und im Darkroom erzählt einem irgendeine Tante was von 'unerschöpflicher Nullpunkt-Energie im Äther'. Berlin, baby! Früher war alles besser."

Außerdem: Jannis Holl erinnert in der FAZ (online nachgereicht) an Arthur Penns New-Hollywood-Klassiker "Little Big Man" mit Dustin Hoffman. Besprochen werden Kyle Newachecks neuer "Happy Gilmore"-Film mit Adam Sandler (NZZ) und die auf Hawaii angesiedelte Apple-Serie "Chief of War" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2025 - Film

Die "Star Wars"-Filme, die George Lucas um 2000 ins Kino brachte, waren bei den Fans zwar einst sehr verhasst, schreibt Kathleen Hildebrand in der SZ, doch lohnt es sich, die Trilogie im Lichte aktueller politischer Großwetterlagen wiederzusehen. "Die Politik der Prequels könnte nicht besser in die bedrohliche Gegenwart passen. Lucas erzählt für seine Verhältnisse subtil und klug davon, wie Demokratie in Faschismus kippt. Von ihrer Lähmung durch Bürokratie und die Korrumpierbarkeit ihrer Politiker durch wirtschaftliche Interessen. ... Bei einer der letzten Abstimmungen im Senat wird die Republik verabschiedet und, 'um die Sicherheit zu garantieren', zum Imperium erklärt, mit einem allein regierenden Herrscher an der Spitze. Die Tausenden Senatoren in ihren Kanzeln, die mit Rüsseln, mit Fühlern, mit blauer Haut und rosafarbener, alle klatschen für Palpatine, der im Geheimen ein böser Sith-Lord ist. Amidala, die selbst zu seinem Aufstieg beigetragen hat, sagt: 'So also stirbt die Freiheit. Mit donnerndem Applaus.'"



Besprochen werden Charlène Faviers Biopic "Oxana" (Jungle World, FAZ, unsere Kritik) und die auf Disney+ gezeigte Serie "Washington Black" nach dem gleichnamigen Roman von Esi Edugyan (taz).