"Da rüstet jemand kräftig mit Wortgebimmel auf",
kommentiert Tim Caspar Boehme in der
taz die mit militärischen Begriffen unterfütterte Sektlaune, mit der Kulturstaatsminister
Wolfram Weimer seine Aufstockung der
Filmförderung um nahezu hundert Prozent in der Öffentlichkeit kommuniziert. Aber "die Devise 'mehr Blockbuster und Serienhits made in Germany' kommt zwar griffig rüber, doch ob die gewünschten Produkte zu den Stärken der Filmproduktion hierzulande passen, ist eine andere Frage. ... Listet man die Kinohits aus Deutschland der 2010er auf, liegen die 'Fack Ju Göhte'-Trilogie und Til Schweigers 'Honig im Kopf' vorn. Der Stoff für 'international konkurrenzfähige' Kinobeiträge sieht anders aus." Und "bei all den
hollywood-
inspirierten Großproduktionsfantasien scheint eine entscheidende Partei in der Angelegenheit kaum in den Blick geraten zu sein: die
Kinos. Für sie gibt es im Haushaltsentwurf keine zusätzlichen Mittel. In der Branche stehen laut dem Vorsitzenden des Ausschusses Kultur und Medien Sven Lehmann, Grüne, jedoch
hohe Investitionen an. Wenn die Bundesregierung nicht handle, drohe in kommenden Jahren ein '
Kinosterben'. Von seinem Durchbruch ist Weimer also noch weit entfernt."
Hanns-Georg Rodek hat für die
Welt das
Jerusalem Film Festival besucht, wo auch "Yes", der neue Film des israelischen Regisseurs
Nadav Lapid gezeigt wurde, der 2019 für seinen Film "Synonyme" (unsere
Festivalkritik) den Goldenen Bär der Berlinale gewonnen hatte. Sein neuer Film - "eine
wilde Satire auf das Israel nach dem 7.
Oktober, auf eine Elite, die jeglichen moralischen Kompass verloren hat, auf hemmungslosen Nationalismus und kriecherisches Anpassertum" - hätte in Cannes problemlos mit Palmenaussichten im Wettbewerb laufen können, findet Rodek, wurde an der Croisette aber in einer Nebenreihe versteckt. Er "ist völlig zügellos, rücksichtslos und jenseits aller Grenzen des guten Geschmacks. Aber was bleibt, wenn die Lage in dieser Weltgegend
komplett zügellos,
rücksichtslos und hoffnungslos ist?" Das juckt auch die Netanyahu-Regierung, die mehrfach erfolglos versucht hatte, den Film aus dem Programm zu kegeln, auch ein Störer wurde aus der Vorführung abgeführt. Sie alle haben offensichtlich "den Film nicht gesehen, denn es gibt darin auch einen achtminütigen,
zutiefst berührenden Monolog, in dem eine Frau von den Schrecken erzählt, die sie am 7. Oktober 2023 erlebt hat. In einem Brief wurde verlangt, die Vorführung zu streichen, 'was wir', sagt Festival-Chef Roni Mahadav-Levin, 'selbstverständlich nicht getan haben, denn wir bewerten Filme nicht nach ihrem politischen Standpunkt'." Kurz: "Der Kulturkampf ist in vollem Gang."
Außerdem: Im
Filmdienst freut sich Karsten Essen, dass
Arte eben mit
allen sieben Staffeln der Serie "
Mad Men" ein wichtiges Stück Fernsehgeschichte der späten Nuller- und frühen Zehnerjahre online gestellt hat (wir wünschten uns aber auch mal den "Singing Detective", aber dafür sind die
Arte-Redakteure wahrscheinlich zu jung). In der
FAS macht sich Bert Rebhandl (online nachgereicht) Gedanken über den mythischen Aspekt von
Superman und anderen Superhelden. Christian Aust
plauscht online nachgereicht in der
FAS mit der Schauspielerin
Catherine Zeta-
Jones. Tim Caspar Boehme
erinnert in der
taz an
Steven Spielbergs "Der weiße Hai", der vor fünfzig Jahren in die Kinos gekommen ist und das Blockbuster-Zeitalter begründet hat. Maria Wiesner
gratuliert in der
FAZ dem Schauspieler
Billy Bob Thornton zum siebzigsten Geburtstag.
Besprochen werden die
Wim-
Wenders-Ausstellung in der
Bundeskunsthalle in Bonn (online nachgereicht von der
FAZ), die
Arte-
Serie "Das Attentat - Geheimoperation Belgrad" über die Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten
Zoran Djindjic (
Welt), neue
Golfsport-Komödien mit
Adam Sandler und
Owen Wilson (
Zeit Online) und
Maren-
Kea Freeses Ost-West-Culture-Clash-Komödie "Wilma will mehr" mit
Fritzi Haberlandt (
SZ, mehr dazu bereits
hier).