Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

3651 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 366

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.07.2025 - Film

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Das Kino ist am Ende. Schuld daran, glaubt Andreas Scheiner in der NZZ, ist das Streaming, aber auch der gesättigte Arthaus-Mittelstand, der sich in Programmkinos und Festivals festgesetzt hat und wie ihn Lars Henrik Gass in seinem Buch "Objektverlust. Film in der narzisstischen Gesellschaft" kritisiert ("Er hat nicht unrecht"). Aber vielleicht wandelt sich das Kino doch noch zu einem Phoenix aus der Asche? "Die große Chance für das Kino ist ausgerechnet seine größte Bedrohung: die KI. Paradoxerweise wird die Technik durch die Technik obsolet: Weil es immer weniger Mittel braucht, um Filme zu machen. Man muss nicht James Cameron heißen und mehrere hundert Millionen Dollar aufwenden, um 'Avatar' in die Länge zu ziehen. In naher Zukunft kann praktisch jeder auf Pandora drehen und Geschichten von blauen humanoiden Mondbewohnern erzählen. Womit sich dann kein Mensch mehr dafür interessieren wird. Blockbuster werden ihre Anziehungskraft verlieren. Denn selbst an noch so spektakulären Bildern hat sich das Publikum irgendwann sattgesehen. Was sich nicht erschöpft, sind die Geschichten. Solche, die sich keine KI ausdenken kann. Und die sich nicht darum drehen, was ohnehin jeder schon kennt, sondern die das eigene Weltbild herausfordern. Wenn es so kommt, dann kommt die beste Zeit für das Kino erst noch."

Außerdem: Besprochen wird der Netflix-Animationsfilm "KPop Demon Hunters" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.07.2025 - Film

Besprochen werden Willy Hans' "Der Fleck" (taz, unsere Kritik) und eine auf Disney+ gezeigte Doku über Steven Spielbergs "Der weiße Hai" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.07.2025 - Film

Aurelie von Blazekovic porträtiert für die SZ den Intimitätskoordinator David Thackeray, der bei Dreharbeiten zu intimen Szenen darauf achtet, dass es zu keinen Übergriffen oder unangenehmen Situationen kommt. David Steinitz (SZ) und Mariam Schaghaghi (FAS) sprechen mit Gillian Anderson über ihre Rolle in "Der Salzpfad". Im Filmdienst gratuliert Josef Nagel dem internationalen Filmkritikverband FIPRESCI zum 100-jährigen Bestehen. Micky Beisenherz stutzt in der SZ, dass die Produktion des neuen Films aus der "Tribute von Panem"-Reihe ausgerechnet in Duisburg nach Komparsen sucht.

Besprochen werden Willy Hans' "Der Fleck" (FAZ, unsere Kritik), Johann Betz' Dokumentarfilm "Sep Ruf - Architekt der Moderne" (Welt), James Gunns "Superman" (critic.de) und Oliver Rihs' Komödie "#SchwarzeSchafe" (FAS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2025 - Film

In Hollywood herrscht eine Stimmung, bei der das Entsetzen über das Leid der Palästinenser immer häufiger über einen diffusen Antizionismus in Antisemitismus kippt, berichtet Jana Talke in der Jüdischen Allgemeinen.  "Jeder jüdische Star, der sich wie Bar Refaeli oder Gal Gadot zu Israel bekennt, Solidarität mit den Geiseln in Gaza zum Ausdruck bringt wie Ginnifer Goodwin oder offen zu seinen Wurzeln steht, wird in sozialen Medien als 'Zio' beschrien. Die Comedians Jerry Seinfeld, Amy Schumer und Chelsea Handler haben aufgrund ihrer (unterschiedlich gearteten) pro-israelischen Einstellungen Cyber-Mobbing, Schikanen und störende Free-Palestine-Aktionen auf ihren Veranstaltungen erfahren. Auch Stars wie Sacha Baron Cohen, die sich nicht zum jetzigen Konflikt äußern, werden für frühere Kommentare beschimpft, seien diese auch nur dem Anti-Antisemitismus gewidmet. Aufgrund dieser tatsächlich an die McCarthy-Ära gemahnenden antisemitischen Stimmung zeigen sich immer weniger jüdische Schauspieler bereit, sich zum Nahost-Konflikt oder zum Antisemitismus in Amerika zu äußern."

Der Raum erzählt Gefühle: Christian Petzolds "Miroirs No. 3" (Piffl Medien)

Nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes hatte Christian Petzolds neuer Film "Miroirs No. 3" nun beim Filmfest München deutsche Erstaufführung, der reguläre Kinostart ist für den Oktober angekündigt. Dunja Bialas und Amelie Hochhäusler haben sich in München zum Gespräch mit dem Regisseur getroffen. Unter anderem erklärt er, warum es ihm für dieses Familiendrama wichtig war, dass das Haus als Spielort nach amerikanischer Manier eine Veranda zur Straße hat: "Die Straße ist ein sozialer Ort. Unser Haus erzählt davon, dass die Familie einmal offen war, zur Straße hin. ... Das zweite ist, dass ich finde, dass man bei sehr, sehr vielen Filmen - gerade bei Erstlings- und Zweitlingsfilmen - keine Raumorientierung mehr hat, weil die Produktionsbedingungen schlecht sind und leider alle sich für die Handkamera entscheiden, um schneller fertig zu werden. Das Raumgefühl aber gibt nicht nur Orientierung, der Raum erzählt Gefühle. Wie weit wir voneinander entfernt sitzen. Wie eine Aufstellung ist." Außerdem erfahren wir, welche Filme Petzold diesmal mit seinem Team zur Vorbereitung durchgearbeitet hat: Nanni Morettis "Das Zimmer meines Sohnes" und Hitchcocks "Rebecca".  

Der traditionelle Schwerpunkt auf den deutschen Film beim Filmfest München zeigte sich in diesem Jahr, anders als in den Jahren zuvor, ziemlich dynamisch, schreibt Axel Timo Purr auf Artechock: Dieses Jahr gab es eine "heterogene, widersprüchliche Sammlung an Werken. Zwischen Reibung und Rausch, Eskalation und Essenz zeigte die Auswahl eine erstaunliche Bandbreite: mal glatt, mal roh, mal oberflächlich, plump und peinlich und dann wieder so zart, klug und innovativ, dass einem schwindelte."

Weiteres: Thomas Willmann spricht für Artechock mit Tim Key und James Griffiths über deren (auf Artechock und in der taz besprochenen) Film "The Ballad of Walls Island". Dunja Bialas berichtet auf Artechock von Branchentreffen beim Filmfest München. Von dort liefern ihre Kolleginnen Anna Edelmann und Paula Ruppert zehn Impressionen. Rüdiger Suchsland resümiert auf Artechock die Masterclass, die der iranische Filmemacher Asghar Farhadi beim Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna gegeben hat (mehr vom Festival bereits hier). Die Cineteca Bologna hat das Gespräch auf ihrem ohnehin reichhaltig gefüllten Youtube-Kanal dokumentiert: 



Besprochen werden Willy Hans' "Der Fleck" (Tsp, Artechock, unsere Kritik), die von Lena Dunham für Netflix geschriebene RomCom-Serie "Too Much" (Welt), Ben Smallbones "Homestead" (Artechock), Johann Betz' Dokumentarfilm "Sep Ruf - Architekt der Moderne" (Artechock), Darren Thorntons "Vier Mütter für Edward" (Standard), die dritte Staffel der Netflix-Erfolgsserie "Squid Game" (Freitag), Philip Kochs Netflix-Gruselfilm "Brick" mit Matthias Schweighöfer (Welt, SZ) und James Gunns "Superman"-Blockbuster (NZZ, Artechock).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.07.2025 - Film

Wer beobachtet hier wen? Szene aus "Der Fleck" von Willy Hans (Grandfilm)

Sehr beeindruckend findet Perlentaucherin Stephanie Diekmann Willy Hans' Langfilmdebüt "Der Fleck". Der Film handelt von einer Gruppe Schüler, die lieber einen langen Sommernachmittag an einem Flussufer verbringt statt in den Unterricht zu gehen. Doch "wächst das Gefühl der Beklemmung. Nicht auf Seiten der Figuren, von denen sich zwei irgendwann in Bewegung setzen und von da an im Terrain vague zwischen Autobahnbrücke und Flussufer unterwegs sind. Sondern auf Seiten derjenigen, deren Blick an den der Kamera (spektakulär: Paul Spengemann) angeschlossen ist, und denen durch diese Kamera vermittelt wird, dass etwas zurückblickt: aus dem Wald, dem Dickicht, von der anderen Seite des Flusses, aus der Tiefe der Höhlen, aus der Distanz und gelegentlich aus der Nähe. ... Der Horror, der in der Welt wohnt und wartet, ist in wenigen Filmen so behutsam kartiert worden wie in 'Der Fleck'." Dazu passend hier unser Resümee des Filmdienst-Gesprächs, das Kamil Moll mit dem Regisseur geführt hat.

Die Kritiker von critic.de - darunter viele, die auch für den Perlentaucher tätig sind - schildern ihre gesammelten Eindrücke vom und Entdeckungen beim Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna, das ganz auf Retrospektiven und Restaurationen spezialisiert ist. Verblüffendes ist dabei an der Tagesordnung. "Es geht hier in Bologna nicht nur darum, Filme wiederzuentdecken", hält Andrey Arnold fest, "sondern auch darum, sie immer wieder neu auszurichten, umzustülpen, sie zu verpflanzen oder auf den Kopf zu stellen, damit sie uns in einem anderen, außergewöhnlichen Licht erscheinen. Erstaunlich, wie produktiv das in den meisten Fällen ist."

Weitere Artikel: Oliver Rahayel resümiert im Filmdienst die Diskussionsveranstaltungen beim Filmfest München. Andreas Scheiner porträtiert für die NZZ den Schauspieler Jeremy Allen White, der im Herbst als Bruce Springsteen im Kino zu sehen sein wird. Thomas Schmoll erinnert in der Welt an Elem Klimovs vor 40 Jahren uraufgeführten Antikriegsfilm-Klassiker "Komm und Sieh".

Besprochen werden Elsa Kremsers und Levin Peters "Dreaming Dogs" (Perlentaucher), die Arte-Doku "World White Hate" über den sich übers Internet international vernetzenden Rechtsradikalismus (taz), die von Lena Dunham für Netflix geschriebene RomCom-Serie "Too Much" (taz, FAZ) und James Gunns neuer "Superman"-Film (taz, Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2025 - Film

Dikator im Kindchenschema: "Sandpit"

Mit der bislang noch nicht ausgestrahlten Trickfilmserie "Sandpit" will der russische Medienmogul Wladimir Solowjow nach eigener Aussage "das Kinderfernsehen nicht nur revolutionieren, sondern im Sinne der russischen Propaganda politisieren", schreibt Raoul Löbbert auf Zeit Online. Geschehen soll dies über den Kniff, die Mächtigen der Welt, inklusive Putin selbst, im Kulleraugen-Look zu zeigen - und das, obwohl diese Ästhetik "autoritären Systemen wesensfremd" ist. Doch "vielleicht ist die russische Jugend in Wahrheit auch gar nicht das Zielpublikum. Schließlich funktioniert die Niedlichkeit in Sandpit nach dem Kindchenschema des deutschen Zoologen und Verhaltensforschers Konrad Lorenz. Kulleraugen lösen, wie Lorenz in den Vierzigerjahren beschrieb, im (erwachsenen) Betrachter einen emotionalen Beschützerreflex aus." In 'Sandpit' "wird Putin unschuldig und harmlos gemacht mit den Mitteln der KI. Kurz: Dieser Putin will geknuddelt werden. Adressat sind demnach auch, ja vielleicht vor allem die kriegsmüden Teile der westlichen Öffentlichkeit, die, dem einseitig enthemmten Kriegsgeschehen in der Ukraine zum Trotz, nach Belegen dafür suchen, dass von Russland weniger Gefahr ausgeht, als die Sicherheitsexperten behaupten." 

Weiteres: Marius Nobach resümiert im Filmdienst vor allem die deutschen Produktionen, die beim Filmfest München gezeigt wurden. Besprochen werden Dirk Laabs' dreiteilige Arte-Dokumentation "World Wide Hate" über weltweit vernetzten Rechtsterrorismus (Zeit Online, FAZ), die dritte Staffel der Netflix-Dokuserie "Tour de France: Unchained" (NZZ), Marta Savinas "Primadonna" (Standard) und James Gunns Neustart des "Superman"-Franchise (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2025 - Film

Ulrich von Schwerin hat sich in einem Vierteljahr in Mumbai einen guten Überblick über den aktuellen Bollywood-Film verschaffen können, von dem man in Europa seit dem abgeebbten Trend der Nullerjahre kaum noch etwas mitbekommt. Selbst in den dafür unwahrscheinlichsten Genres wird weiterhin getanzt und gesungen, schreibt er in der NZZ. Aber der grassierende Hindu-Nationalismus hat auch hier Spuren hinterlassen: "Gezeigt werden im Regal vor allem düstere Politthriller, Gangsterfilme und Historiendramen. ... Vor Beginn des Films erhebt sich das Publikum von den Sitzen, wenn die Nationalhymne gespielt wird." So weist sich: "Die großen Blockbuster in Indien sind laut, gewaltvoll, actiongeladen - und zutiefst nationalistisch. Mit Ausnahme einiger seltener Komödien spielen in allen Filmen Politik und Geschichte eine zentrale Rolle." Aber "das indische Kino ist unübersehbar in der Krise. ... Teure Produktionen erweisen sich als Flop, Produzenten sind ratlos. ... Filmkritiker fordern daher schon länger frische Gesichter, originelle Geschichten und kluge Drehbücher. Viele Studios wollen aber keine Wagnisse eingehen."

Dass die Preise beim Filmfest München allesamt an die traditionell im Programm stark vertretenen Cannes-Wiederholungen gehen, findet tazlerin Arabella Wintermayr an sich zwar "nachvollziehbar", aber "auch ein klein wenig bedauerlich", schließlich gab es auch diverse Filme ohne Cannes-Weihen, die wegen ihrer "künstlerischen Eigenständigkeit und thematischen Risikobereitschaft" mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Insbesondere Michael Koflers "Zweitland" und Uta Briesewitz' "American Sweatshop" hebt Wintermayr hervor.

Besprochen werden Chiara Sambuchis bei Arte online stehende Doku "Das Srebrenica Tape" (Tsp) und James Griffiths britische Komödie "The Ballad of Wallis Island" (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2025 - Film

Das Dahinschleichen der Zeit: "Der Fleck" von Willy Hans (Grandfilm)

Kamil Moll, der auch als Kritiker für den Perlentaucher tätig ist, spricht im Filmdienst mit Willy Hans über dessen Spielfilm "Der Fleck". Darin erzählt der Langfilmdebütant unter anderem mit Mitteln des Experimentalfilmers von einem Teenager, der die Schule schwänzt, um lieber mit Freunden einen Tag am Fluss zu verbringen. "Die Grundprämisse beim Schreiben war, mich an dieses Alter zurückzuerinnern und an solche Tage, die eigentlich selten waren, aber eine wahnsinnige Magie entfaltet haben", sagt der Filmemacher. "Man erwartet nichts", doch "auf einmal entwickelt sich ein solcher Tag aus einem Dahinschleichen der Zeit in etwas Aufregendes und Wertvolles. In etwas, das dann eine Art von Erinnerung erzeugt. Darin liegt eine Grundarchitektur des Erlebens jugendlicher Zeit: Alles ist absichtslos, nirgendwo gibt es eine Art von Bestimmung. Die Zeit rinnt dahin - und auf einmal entsteht aus diesem Nichts eine Bedeutung."

Jörg Seewald resümiert in der SZ die Debatten vom Filmfest München. Zum einen ging es dabei darum, dass sich die Münchner Kinolandschaft vom Corona-Knick, anders als etwa Berlin, einfach nicht erholen will. Zum anderen stellte Christian Petzold grundsätzliche Fragen zum Ethos des Filmemachens in Deutschland: "Er sang ein Loblied auf die Provinz. ... Denn die aus Petzolds Sicht kreativsten Köpfe kämen eben nicht aus Metropolen wie Berlin, sondern aus der Provinz." Dort entstehen in Petzolds Worten "'die Wünsche und Sehnsüchte. Die werden nach Berlin getragen. Diese Stadt lebt von den Wünschen und Sehnsüchten, die andere Leute mitbringen. Sie sind das Material und die Energie.'" Leider sei die Provinz in Deutschland so hässlich, es stelle sich daher "die Frage: 'Kann man die Provinz wieder so filmen, dass sie einen Zauber hat?' Letztlich gehe es auch darum in seinem neuen Film 'Miroirs No. 3': 'Kann man es schaffen, einen Kuss auf einem Rasengitterstein genauso schön wie im Jardin du Luxembourg zu inszenieren?'"

Weiteres: Maria Wiesner erinnert in der FAZ an Steven Spielbergs ersten "Jurassic Park". Besprochen werden Martina Pluras Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (critic.de), Rebecca Lenkiewiczs "Hot Milk" (taz) und James Griffiths' Tragikomödie "The Ballad of Wallis Island" mit Carey Mulligan (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2025 - Film

Heute Abend beginnt im Berliner Zeughauskino die von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster kuratierte Willi-Forst-Retrospektive. Zu Forst, auf dessen Wiener Operetten- und Musikkomödien man lange Zeit vor allem im Fundus-Programm von 3sat stieß und den man wohl am ehesten mit den Filmvorlieben der Großelterngeneration in Verbindung bringen würde, hat er über Ernst Lubitsch und - ausgerechnet - dem japanischen Maverick Seijun Suzuki gefunden, erzählt Gerhard Midding auf epdFilm. Die Wiederentdeckung hat sich gelohnt: "In seinem anmutigen Komödienstil bewahrte er tatsächlich etwas von dem, was nach 1933 gänzlich verbannt schien: ein Begreifen, wie nah Melancholie und Witz beieinander liegen. Seine besten Filme entführen ihr Publikum in ein nicht nur verzuckertes Wien, sie lassen Spuren erahnen einer Empfindsamkeit, die sich während des Zerfalls der k.u.k. Monarchie entwickelte. Diese Melange aus Wehmut und Skepsis erreichte indes nie den Grad von Pessimismus, der die Exilfilme von Wilder, Siodmak oder Max Ophüls prägt. Wie diese fasziniert auch ihn die Macht von Täuschung und Maskierung - kaum ein Forst-Film, in denen Gefühle und die Realität nicht immer auch gebrochen, reflektiert wahrgenommen werden. Es ist ein Kino der Verführung, das deren Inszenierung gleichzeitig ironisch entlarvt. ... Frivolität und Leichtsinn mögen auf den ersten Blick bei ihm herrschen, aber sie haben einen doppelten Boden und fordern nicht nur in den Melodramen ihren Preis."

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Weiteres: Annabelle Hirsch spricht für die FAS mit Vanessa Schneider, die über ihre Cousine Maria Schneider, die in "Der letzte Tango von Paris" von Bernardo Bertolucci und Marlon Brando für die berüchtigte "Butterszene" sexuell rüde überrumpelt und gedemütigt wurde, ein Buch geschrieben hat. Marie-Luise Goldmann berichtet in der WamS bestens gelaunt vom Filmfest München, zumal das Festival seinen Akkreditierten ein paar halbe Maß sowie ein paar Bade-Sprünge in die Isar spendiert. Christian Schröder schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf die Schauspielerin Anita Kupsch. Wieland Freund schreibt in der Welt zum Tod von Michael Madsen. In der Literarischen Welt erinnert sich Georg Stefan Troller an seine Begegnung mit Russ Meyer.

Besprochen werden Ben Smallbones "Homestead" (taz), Torsten Körners ARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (Tsp) und die Sky-Serie "The Narrow Road to the Deep North" (WamS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2025 - Film

Der Schauspieler Michael Madsen ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Tarantino, damals selbst noch ein No-Name, machte ihn mit seinem epochemachenden Debütfilm "Reservoir Dogs" zum Namen, als er den sadistischen Mr. Blonde spielte. "Er war ein Star, und trotzdem ein Mann der zweiten Reihe, damit hatte er sich irgendwann abgefunden und machte sich selbst darüber lustig", schreibt David Steinitz in der SZ. "Madsen spielte in diversen Filmen mit, auch großen kommerziellen Hits wie der Wal-Schnulze 'Free Willy' (und hoffte inständig, dass dies nicht der Film wäre, für den er in Erinnerung bleiben würde). Aber am besten lief es eben doch immer, wenn Tarantino sich meldete. Dieses Warten auf einen Anruf des Meisters hat Madsen wieder und wieder als quälend beschrieben. Auch, dass er zwischen seinen Tarantino-Jobs nicht nur ein bisschen, sondern sehr viel Müll gedreht hat, hat er unumwunden zugegeben. 'Piranhaconda' zum Beispiel. Oder 'Scary Movie 4'. 'Aber wenn du eine Hypothek abbezahlen musst, dann musst du eben auch Geld verdienen', sagte er dann gern."

Mit diesem makabren Tanz in "Reservoir Dogs" ging Madsen in die Filmgeschichte ein: 



Außerdem: Im Tages-Anzeiger bringen Oliver Schneider und Claudia Schmid Hintergründe dazu, dass sich die NZZ vom Zurich Film Fest trennt. Wie das Festival künftig auf eigenen Beinen stehen soll, erklärt Direktor Christian Jungen im NZZ-Gespräch. Andreas Kilb schreibt in der FAZ zum Tod von Anita Kupsch. Und das Artechock-Team liefert fleißig Kurzkritiken vom Filmfest München.

Besprochen werden Rebecca Lenkiewiczs "Hot Milk" mit Vicky Krieps nach dem Roman von Deborah Levy (Welt, Tsp), Martina Pluras gleichnamiges Remake der 2001er-Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (Standard, FD), Durga Chew-Boses beim Filmfest München gezeigtes Remake von Otto Premingers "Bonjour Tristesse" (Artechock), Pedro Pinhos beim Filmfest München gezeigter Film "I Only Rest in the Storm" (Artechock), Gareth Edwards' "Jurassic World: Rebirth" (Artechock, Welt, unsere Kritik) und Torsten Körners ARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (FAZ),