Die Buchmacher

Der Durchschnitt ist nicht innovativ

vom 3.12.2007
03.12.2007. Warum Verlagsgründer nie auf Buchhändler oder Feuilletons hören sollten. Wo sich die Kalenderbranche konzentriert. Und wie der Buchhandel ins Weihnachtsgeschäft startet.

Börsenblatt

Nachdem der Münchner Blumenbar-Verlag jetzt einen Investor im Boot hat, hat sich das Börsenblatt unter Verlegern umgehört, ob die Beteiligung ein lohnender Schritt sein könnte. "Im Grunde träumen doch fast alle davon", räumt Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier ein (der dürfte mit dem Verlagsnamen wohl aber ewig auf einen Investor hoffen). "Bei überschaubarem Stammkapital wäre ein Investor schnell in einer Mehrheitssituation - und man selbst nicht mehr independent", warnt Christoph Links.

22 unabhängige Verlage haben sich im Verbund Swiss Independent Publishers zusammengeschlosen. Im Interview mit dem Börsenblatt kündigt Präsident Ricco Bilger an, zunächst "Marketing- und Vernetzungsarbeit" zu bündeln.


Im Gastkommentar gibt der Verleger Vito von Eichborn Tipps, um als Verlagsgründer zu scheitern: "Für die Programmarbeit gilt: Wenn man sich nach den Mehrheiten richtet, macht man sicherlich weniger Fehler. Aber der Durchschnitt, der es allen recht machen will, war noch nie innovativ. Nie auf Buchhändler oder Feuilletons hören! Ihre Erfahrungen sind von gestern." Und: "Das Kernproblem von Neugründern ist in aller Regel - und dies gilt besonders für die Literatur -, dass sie zu anspruchsvoll sind." Da dies alles ironisch gemeint ist, schiebt Eichborn hinterher: "Und alles anders machen, als es hier oder sonstwo erzählt wird. Alles Neue entsteht an den Rändern.
Was lohnt? Bemerkenswertes, Ungewöhnliches, Komisches, Geheimes, Ungeheuerliches und: Tabus."


Weitere Themen: Beate Semmler vergleicht Buch- und Frisurenbranchen. Parallelen: Man sucht nach kreativen Lösungen; des einen Weltbildplus ist des anderen Zehn-Euro-Frisör; Banken vergeben nicht gerne Kredite. Passend zum Thema Geld erklärt Ute Grundmann am Beispiel des Lusatia Verlags, wie es gelingen kann, Sponsoren zu finden. Sabrina Gab porträtiert das Verlegerpaar Peter Meyer und Annette Sievers (pmv Peter Meyer Verlag). Den Fragenbogen hat der Männerschwarm-Verleger Joachim Batholomae ausgefüllt (Hauptcharakterzug: "Etwas zu viel Selbstvertrauen. Aber manchmal gelingt es, anderen davon ein wenig abzugeben"). Hier das Inhaltsverzeichnis.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Unmittelbar vor der Hochsaison des Kalendergeschäftes - im Dezember werden 41 Prozent der Umsätze erwirtschaftet - bahnt sich ein massiver Konzentrationsschub an. Wie buchreport berichtet, will der Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus (BIFAB), der in den letzten Jahren sein kleines Kalenderprogramm durch Zukauf von Harenberg und Weingarten zur tragenden Verlagssäule mit Namen Der Kalenderverlag Mannheim ausgebaut hat, den Unterhachinger Heye-Verlag schlucken - laut buchreport ein Kalenderverlag, der von seiner Ausrichtung den Vollprogramm-Anspruch des Kalenderverlags Mannheim sehr gut abrunden würde. Sollte die Übernahme gelinge, so buchreport, stiege der Kalenderverlag Mannheim zum Platzhirschen auf einem Markt auf, der bislang von vier ähnlich großen Anbietern, Heye, teNeues, Korsch und dem Kalenderverlag Mannheim, dominiert wurde.

Während der allgemeine Einzelhandel, so buchreport, im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts "zwischen Hoffen und Bangen" schwebt - ein Plus für das Gesamtjahr sei kaum noch zu erreichen - startet der Buchhandel optimistisch ins Saisonfinale. Wie die Dortmunder melden, hat das Sortiment in den vergangenen fünf Monaten dreimal ein zweistelliges Monatsplus verzeichnet. Der kumulierte Jahresumsatz liege trotz einiger Monate mit negativem Ergebnis bei ansehnlichen plus 3,5 Prozent.

Das von Amazon jüngst präsentierte E-Book-Lesegerät "Kindle" stößt auf eine gemischte Resonanz. Hauptkritikpunkte sind laut buchreport neben dem hohen Preis (399 Dollar) besonders das antiquierte Design und die billig anmutenden Materialien. "Wer auch immer das Gerät designed hat, sollte gefeuert werden, und das Team sollte ganz neu anfangen", zitieren die Dortmunder den US-Blogger Robert Scoble. "Das Ding sieht aus wie medizinisches Zubehör", so der Journalist Oliver Luft (journalism.co.uk). Dennoch sei das Gerät derzeit ausverkauft.

Weitere Themen: Nikolaus Hansen verabschiedet sich im Streit mit den Gesellschaftern des Dreiviertelverlags den marebuchverlag. Der Frankfurter Anwalt und Unternehmer Peter Smeets beteiligt sich am Münchner Blumenbar-Verlag. Matthias Kierzek hat den Eichborn-Verlag verlassen; als Nachfolger hat der Aufsichtsrat Stephan Gallenkamp, zuletzt kaufmännischer Chef bei Prestel, ernannt. Der Bertelsmann Club steht wegen einer Weihnacht-Gutschein-Aktion im Fokus der Preisbindungskontrolleure Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerliste.