Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
22.01.2007. Wie der Börsenverein mit der Beinahepleite der Wirtschaftstochter FGM umgeht. Welche Konsequenzen sich aus dem Trend zum Billigbuch ergeben. Welche positiven Aspekte sich aus dem Elefantenrennen von DBH und Thalia abgewinnen lassen. Und wieviel Prozent der US-Bestsellerliste von den Konzernen belegt werden.

Börsenblatt

Verkehrte Welt in dieser Woche: Während der traditionell börsenvereinskritische buchreport vergleichsweise zurückhaltend über die Beinahepleite der Börsenvereins-Tochter Factoring Gesellschaft Media (FGM, siehe Buchmacher der letzten Woche) berichtet, analysiert das (verbandseigene) Börsenblatt schonungslos die Krise der Wirtschaftstochter: Die FGM-Mutter BAG (steht für Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft) weise eine Deckungslücke von fünf Millionen Euro auf, die mit einer Drei-Millionen-Finanzspritze der Verbandsschwester MVB teilweise geschlossen werden soll. Ursache der Misere war das Geschäft der FGM mit dem Billigbuch-Dealer Zanolli, von dem die FGM Forderungen in Höhe von 40 Millionen Euro aufgekauft hatte, abgesichert lediglich durch den heillos überschätzten Lagerbestand von Zanolli - nach der Zanolli-Insolvenz blieb die FGM auf einem großen Teil der Forderungen sitzen. Nachdem die BAG-Geschäftsführer Knut Milbredt und Klaus Jost zurückgetreten sind, sei noch offen, ob auch im Aufsichtsrat Konsequenzen gezogen werden. Dessen Ex-Vorsitzender Friedrich Roggenkamp gab zu Protokoll, dass er damals nichts habe wissen können. Ebenso schön ist ein Zitat von Dino Zanolli, Ex-Vertriebsleiter bei den Kölnern und inzwischen Geschäftsführer beim Portal www.billigbuch.de. Er habe sich gewundert, dass die Probleme der BAG erst jetzt öffentlich geworden seien.

Im Editorial erklärt Chefredakteur Torsten Casimir, dass sich die Preisfrage im Buchhandel in den Vordergrund schiebe - und verweist auf mehrere Artikel aus dem Heft: So ist der durchschnittliche Ladenpreis 2006 zum vierten Mal in Folge gesunken (auf 14,86 Euro). In einer facettenreichen Analyse des Taschenbuchmarktes schreibt Eckart Baier, dass die Zehn-Euro-Schwelle bei Softcover-Ausgaben im populären Segment nur noch selten überboten würde. Auf den zunehmenden Preisdruck begegneten die Verlage mit neuen, hochwertigeren Formaten. Dritter Preis-Artikel: ein Interview mit Weltbild-Chef Carel Halff. Der feiert den Erfolg der Billigeditionen von SZ & Co. ("das günstigste und effizienteste Branchenmarketing, das wir je erlebt haben"), kündigt weitere Experimente der Augsburger auf den so genannten Nebenmärkten an und zeigt sich besorgt über die Zunahme an Verkaufsfläche ("es sind schon heute zu viele Center da").

Weitere Themen:

BLV-Verleger Hartwig Schneider erklärt (vorsicht, Link öffnet nur ein Foto des Autors, vielleicht wird der Link ja noch vom Börsenblatt repariert) im Kommentar, warum Bestsellerlisten dem Ratgebermarkt schaden. Nils Kahlefendt gibt einen Überblick über Literaturportale (wie bluetenleser.de, poetenladen.de oder den perlentaucher) und schließt mit der Aussicht, dass sich die Literaturportale wandeln müssten, um an die jüngsten Trends im Internet (z.B. Web 2.0) anknüpfen zu können. Im "Menschen"-Ressort stellt Adrienne Braun die Hatje-Cantz-Verlegerin Annette Kulenkampff vor. Peter Hoeg erklärt, warum er zehn Jahre lang kein Buch veröffentlicht hat und sich jetzt mit einem Roman zurückmeldet. Den Fragebogen hat Christoph Peters ausgefüllt. Im Extra-Teil des Heftes analysiert das Börsenblatt den Ratgeber-Markt.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express



Die Krise der FGM ist auch im buchreport ein großes Thema (hier der Aufmacherartikel, hier der Folgeartikel): Dabei legen die Dortmunder das Augenmerk besonders auf die Konsequenzen für den gesamten Börsenverein und seine Wirtschaftstöchter, deren Investitions- und Innovationskraft gebremst werde - und zwar ausgerechnet in einer Phase, in der der Verband Millionenprojekte wie Volltextsuche Online oder die Erneuerung des VlB angeschoben habe. "Viel Spielraum, um mögliche Verluste auszugleichen, hat der Börsenverein nicht. Die Zahl der Beitragszahler geht zurück, auch die Melkkuh Ausstellungs- und Messe GmbH lässt sich nicht endlos anzapfen, weil sie im knallharten Messegeschäft jeden Euro braucht."

Im Interview der Woche versucht Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder den von ihm vor Wochen postulierten "radikalen Wandel des Buches" zu erläutern - was misslingt. Um Bücher für den Markt zu zu inszenieren, müssten die Verlage zukunftsorientierter und kreativer vorgehen, allgemeinplätzelt Honnefelder.

Im Interview mit buchreport zeichnet der Frankfurter Verleger und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage Joachim Unseld ein düsteres Szenario des Buchhandels. Die Probleme hätten sich in den letzten Jahren verschärft. "Was vor einem Jahr noch als Strukturwandel bezeichnet wurde, ist zum Strukturbruch geworden. Das einzig Positive, das manche Kollegen dem Elefantenrennen von DBH und Thalia noch abgewinnen können, ist, dass es sich um ein Oligopol und nicht um ein Monopol handelt. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mich darüber freuen kann."

Weitere Themen: Thalia hat im vergangenen Geschäftsjahr (bis 30. September 2006) den Umsatz um 19,5 Prozent (flächenbereinigt: plus 1,4 Prozent) auf 550,9 Millionen Euro gesteigert, allein in Deutschland wuchs Thalia sogar um 23 Prozent (auf 408,5 Millionen Euro). Auf dem US-Buchmarkt haben die fünf größten Verlagsgruppen 2006 rund 83 Prozent aller verfügbaren Hardcover-Plätze auf der Bestsellerliste des "Publishers Weekly" belegt. Marktführer ist Random House (28,4 Prozent der Plätze). Und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Monopole, Buchmarkt