Herfried Münkler

Der Dreißigjährige Krieg

Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648
Cover: Der Dreißigjährige Krieg
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017
ISBN 9783871348136
Gebunden, 976 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Noch heute gilt "Dreißigjähriger Krieg" als Metapher für die Schrecken des Krieges schlechthin, dauerte es doch Jahrzehnte, bis sich Deutschland von den Verwüstungen erholte, die der längste und blutigste Religionskrieg der Geschichte angerichtet hatte. Dabei war, als am 23. Mai 1618 protestantische Adelige die Statthalter des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand II. aus den Fenstern der Prager Burg stürzten, kaum abzusehen, was folgen sollte: ein Flächenbrand, der erste im vollen Sinne 'europäische Krieg'. Herfried Münkler erzählt vom Schwedenkönig Gustav Adolf und dem Feldherrn Wallenstein, von Kardinälen und Kurfürsten, von den Landsknechten und den durch Krieg und Krankheiten - ein Drittel der Bevölkerung fand den Tod - verheerten Landschaften Deutschlands. Auch die europäische Staatenordnung lag in Trümmern - und doch entstand auf diesen Trümmern eine wegweisende Friedensordnung, mit der eine neue Epoche ihren Ausgang nahm. Herfried Münkler führt den Krieg in all seinen Aspekten vor Augen, behält dabei aber immer unsere Gegenwart im Blick: Der Dreißigjährige Krieg kann uns, wie er zeigt, besser als alle späteren Konflikte die heutigen Kriege verstehen lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.05.2018

Von all den Neuerscheinungen zum Dreißigjährigen Krieg findet der hier rezensierende Historiker Bernd Roeck das Buch des Politikwissenschaftlers Herfried Münklers am besten geschrieben. Über tausend Seiten hinweg "donnern Kanonen und krachen Kartaunen", freut sich der Rezensent, dem auch gefällt, wie Münkler das Geschehen auf entscheidende Ereignisse verdichtet: den Prager Fenstersturz, die Eroberung Magdeburgs oder Wallensteins Tod. Wenn Münkler allerdings Parallelen zur Gegenwart zieht, und die heutigen Kriege mit denen von vor vierhundert Jahren vergleicht, geht Roeck auf Distanz. Nichts gegen aktualisierende Geschichtsschreibung, aber Ähnlichkeiten zwischen Wallensteins Söldnertruppen und dem Islamischem Staat springen ihm nicht unbedingt ins Auge.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2017

Rezensent Volker Reinhardt lässt sich nicht überzeugen von Herfried Münklers Versuch, den Dreißigjährigen Krieg anders als in historisierender Perspektive zu betrachten. Die angestrebte Analogie zwischen den Ereignissen von 1618-1648 und den heutigen Konflikten im Vorderen Orient und in Afrika hakt laut Reinhardt nicht nur, sie übergeht auch die Andersartigkeit der Geschichte. Dass der Autor den aktuellen Forschungsstand zum Thema zudem in großen Teilen übergeht und Figuren wie Richelieu bei ihm blass bleiben, hält der Rezensent für ärgerlich. Anschauliche Schlachtenschilderungen und Ereignisberichte hingegen bietet der Band zuhauf, so Reinhardt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.11.2017

Richard Kämmerlings liest bei Herfried Münkler noch einmal die Eskalationsgeschichte des Dreißigjährigen Krieges nach. Münklers detaillierte Gesamtdarstellung kann für ihn aus dreierlei Gründen als Standardwerk gelten: erstens, da sie anschaulich und auf aktuellem Stand Diplomatie- und Kriegsgeschichte erzählt. Zweitens, weil Münkler einprägsam die wichtigsten Figuren charakterisiert. Und drittens, da er Deutungsmuster diskutiert, von Schiller bis Golo Mann. Dass der Autor auch Schlachten beschreiben kann und in die Vogelperspektive zu wechseln vermag, um die Langzeitwirkungen des Krieges zu erhellen, macht das Buch für Kämmerlings überdies lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2017

Rezensent Gustav Seibt lernt Kriegsgeschichte als saftige Zitrone kennen bei Herfried Münkler. Derart detailfreudig erzählt seit hundert Jahren niemand vom Krieg, meint Seibt. Und mehr noch, wenn Münkler Faktoren, Bedingungen und Motive des Dreißigjährigen Krieges zerlegt, sich in Finanzierungsfragen und Militärtechnik reinschraubt und nach den Beweggründen scheinbarer Nebenanakteure fragt, erstellt er laut Seibt geradezu ein Lehrbuch für Taktik und Strategie und mögliche Alternativen. Feldherr Münkler befragt Thukydides und erzählt "möglichkeitsoffen" von Schlachten und militärischen Entscheidungen. Das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung, schwärmt der Rezensent.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017

Rezensent Andreas Kilb bekommt von Herfried Münkler eine differenzierte Betrachtung des Dreißigjährigen Krieges. Auch wenn die Schlussfolgerungen, die Münkler aus der Parallelisierung der Aufstände in den Niederlanden und Böhmen mit dem Arabischen Frühling zieht, ihn nicht überzeugen, findet er die Idee immerhin originell. Münklers Patchwork der Gedanken von Döblin bis Carl Schmitt schmälert diesen Eigensinn nicht, versichert er. Die Stärke des Buches liegt für Kilb im Kulturellen, der Darstellung des Wandels der Ikonographie von Velazquez zu Rubens etwa, nicht in den Schlachtbeschreibungen.