Andreas Bähr

Der grausame Komet

Himmelszeichen und Weltgeschehen im Dreißigjährigen Krieg
Cover: Der grausame Komet
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017
ISBN 9783498006792
Gebunden, 304 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Wenn Gott den Menschen den Krieg erklärt. Als Beginn des Dreißigjährigen Krieges gilt heute der Prager Fenstersturz im Mai 1618. Für die Zeitgenossen jedoch war ein anderes Ereignis ausschlaggebend. Als im Dezember desselben Jahres ein heller "Winterkomet" mit einem rutenförmigen Schweif am Himmel erschien, sahen sie in ihm die Prophezeiung eines schrecklichen Krieges, eine Botschaft Gottes, die nichts Gutes verhieß. Andreas Bähr verfolgt die vielstimmige Auseinandersetzung mit dem Kometen durch die Kriegszeit von 1618 bis 1648 hindurch und zeigt, wie stark die frühneuzeitliche Deutung von Welt durch den religiösen Glauben geprägt war.  Die Zeichen göttlichen Zorns oder göttlicher Milde hatten Auswirkungen auf die irdischen Geschehnisse, Erscheinungen am Himmelszelt avancierten zu wichtigen Indikatoren für die Bewertung des Kriegsverlaufs. Dieses Buch wirft Schlaglichter auf den Dreißigjährigen Krieg aus der Perspektive derer, die angesichts der Gewalt und Unübersichtlichkeit ihrer Zeit im Winterkometen einen Orientierungspunkt fanden. Akteure ganz unterschiedlicher sozialer und konfessioneller Zugehörigkeit geraten in den Blick: Wir begegnen René Descartes beim "Ulmer Kometenstreit", der die frühneuzeitliche Verschränkung von Wissenschaft und Religion bezeugt, wir erleben in der Autobiografie Augustin Güntzers, wie der Schweifstern in den Alltag eines Kannengießers eingeht, erhalten Einblick in das Leben des Schuhmachers Hans Heberle, den der Anblick des Kometen zum Verfasser einer Kriegschronik werden ließ, und beobachten den berühmten Universalgelehrten Athanasius Kircher bei einer nächtlichen Vision - ein Brückenschlag zwischen Ereignis- und Mentalitätsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

Rezensent Harald Eggebrecht schätzt den Berliner Historiker Andreas Bähr für die Vorgehensweise individueller Tiefenschürfung, mit der jener anhand von Einzelschicksalen Geschichte lebendig werden lässt. In den von Bähr unter Aspekten wie "Lebensentscheidungen", "Visionen" oder "Frieden" analysierten Berichten, Tagebüchern und Briefen aus dem Dreißigjährigen Krieg gewinnt der Kritiker faszinierende Einblicke in zeitgenössische Wahrnehmungen jener Jahre, insbesondere im Hinblick auf die Himmelszeichen der Epoche, die etwa von Kepler oder dem Jesuiten Johann Baptist Cysat auf unterschiedliche Weise gedeutet wurden. Der stringente und "pointierte" Erzählton hat dem Rezensenten gut gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.11.2017

Als eine der interessantesten Neuerscheinungen zum 400. Jahrestag des Kriegsausbruchs des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet Richard Kämmerlings das Buch des Berliner Frühneuzeithistorikers Andreas Bähr. Wie sorgfältig der Autor zeitgenössische Quellen studiert und zu einem Essay montiert hat, das den Krieg von einer eher wenig bekannten Perspektive in den Blick nimmt, um zu zeigen, wie Menschen versuchen, ihren Erfahrungen Sinn zu verleihen, hat Kämmerlings fasziniert. Über die theologischen Auslegungen der Kometenerscheinung im Jahr 1618 liest er mit Interesse. Für Kämmerlings eine Art nicht fiktionales Pendant zu Kehlmanns neuem Roman.