Ina Hartwig

Wer war Ingeborg Bachmann?

Eine Biografie in Bruchstücken
Cover: Wer war Ingeborg Bachmann?
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783100023032
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ingeborg Bachmann ist ein Mythos der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Die divenhaften Auftritte und die frühe Berühmtheit, die Beziehungen mit Paul Celan und Max Frisch und nicht zuletzt ihr rätselhafter, tragischer Tod sorgen für ein glamouröses Bild. Ina Hartwig schaut hinter die Fassade und entdeckt in zahlreichen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser oder Henry Kissinger eine andere Persönlichkeit: Ingeborg Bachmann als politisch denkende Intellektuelle und Medienprofi, als Dichterin, die trotz all ihrer Gefährdungen überrascht mit Witz und lebenspraktischer Klugheit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2017

Kristina Maidt-Zinke vermisst einen Exkurs zu Ingeborg Bachmanns Dichtungen in Ina Hartwigs Biografie. Abgesehen davon aber scheint sie begeistert von Hartwigs Leistung, ohne Raunen, dafür mit Kennerschaft ein "vielfach gebrochenes" Porträt der Schriftstellerin zu zeichnen. Dass Hartwig für Insider schreibt, vieles voraussetzt, erkennt die Rezensentin zwar rasch, Sog entwickelt das Buch allerdings nicht zuletzt durch die journalistisch geschulte, erzählende Schreibe der Autorin, meint sie. Boulevardeskes, Subjektives hat darin Platz, Zeitzeugen-Aussagen und weniger hard facts, so Maidt-Zinke. Neben dem Bild Bachmanns entsteht daraus laut Rezensentin auch ein Panorama der 50er bis 70er Jahre. Dass Hartwig die dunklen Seiten der Dichterin nicht voyeuristisch ausschlachtet, rechnet ihr die Rezensentin hoch an.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2017

Mit Ina Hartwig und Helmut Böttiger haben gleich zwei Literaturkritiker Ingeborg-Bachmann-Bücher vorgelegt, und die hier rezensierende Schriftstellerin Eva Menasse nutzt die Gelegenheit, auch mal eine Hymne zu schreiben. Während ihr beide Bücher wenig hagiografisch, angenehm nüchtern und wissenschaftlich erscheinen, lobt die Kritikerin insbesondere Hartwig für ihren enormen Rechercheaufwand. Anhand von Gesprächen mit Zeitzeugen, Freunden und Bekannten kann Hartwig nicht nur mit den gängigen Klischees der "Schmerzensfrau" aufräumen, so die Kritikerin, neue Blickwinkel eröffnen und Zweifel beseitigen - Kissinger etwa verneinte Hartwigs Frage nach einer Affäre mit Bachmann nicht, erfahren wir - sondern Menasse freut sich auch über das ein oder andere Bonmot: "Sie trank wie eine Bäuerin, saß aber da in Chiffonkleidern", verrät etwa Peter Härtling. Dass sich die Autorin Bachmann ganz ohne Scheu nähert, dabei ihren eigenen subjektiven Zugang stets mitreflektiert, hat der Rezensentin gut gefallen.