Philipp Ther

Die Außenseiter

Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa
Cover: Die Außenseiter
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427767
Gebunden, 436 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Flucht und Integration gehören zu den beherrschenden Themen der Gegenwart. Sie sind ein maßgeblicher Grund für den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und drohen, die EU zu spalten. Ein Blick in die Tiefen der Geschichte relativiert allerdings die "Flüchtlingskrise" des Jahres 2015. Seit 1492 die sephardischen Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben wurden, ist Europa immer ein Kontinent der Flüchtlinge gewesen. Philipp Ther geht den Gründen der Flucht nach: religiöser Intoleranz, radikalem Nationalismus und politischer Verfolgung. Anhand von Lebensgeschichten veranschaulicht er die Not auf der Flucht, identifiziert Faktoren für gelingende Integration und erörtert das wiederholte Versagen der internationalen Politik sowie die Lehren, die daraus etwa in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gezogen wurden. Der Humanitarismus ist, wie Ther zeigt, in der Flüchtlingspolitik stets brüchig gewesen. Doch auch wenn heute einmal mehr die Angst vor einem Scheitern der Integration dominiert, haben die Zielländer fast immer von der Aufnahme von Flüchtlingen profitiert. Das belegt insbesondere die deutsche Nachkriegsgeschichte, als gerade die junge Bundesrepublik zu einem Flüchtlingsland wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2017

Thomas Steinfeld nimmt das Buch des Historikers Philipp Ther vor allem als Diskussionsanregung. Die Geschichte der Flüchtlinge im modernen Europa, die der Autor in seinem Buch erzählt, liefert laut Steinfeld den Stoff dazu. Wenn diese Darstellung eines Europas, das geprägt ist von Völkerwanderungen, von Vertreibung bzw. Umsiedlung den neuen Deutschnationalen die Argumentationsgrundlage entziehen könnte, wäre Steinfeld froh. Nur erkennt er das Dilemma des Buches darin, dass der Historiker eigentlich nicht politisch argumentieren kann, und die Rechtspopulisten seine Argumente auch verschwörungstheoretisch deuten würden. Den sachlichen Ertrag des Bandes aber schmälert das für den Rezensenten nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.10.2017

Rezensentin Elisabeth von Thadden schätzt den Wiener Osteuropa-Historiker Philipp Ther dafür, dass er ihr ganz neue Perspektiven auf Europa eröffnet. In dem nun vorliegenden Band "Die Außenseiter" lernt die Kritikerin das moderne Europa als Kontinent der Fliehenden kennen: Ther erzählt ihr anhand konkreter Schicksale aus den letzten fünfhundert Jahren mitreißend von Aufbruch, Flucht und Integration, mischt so geschickt Fachwissen, Spannung und Erzählkunst, dass sich eine breite Leserschaft angesprochen fühlen dürfte, zumal er bei allem Erzählreichtum den Überblick über sein bisweilen "ausuferndes" Material behält, schwärmt die Rezensentin. Das Buch ist reich an verblüffenden Einsichten, fährt Thadden fort: Sie erfährt hier etwa, dass die nur 30000 Einwohner zählende Stadt Frankfurt nach 1685 circa hunderttausend hugenottische Flüchtlinge aufnahm und versorgte.