Wurde heute in London schon wieder der Buchdruck revolutioniert? Der Guardian hält dies für möglich und stellt aufgeregt die Espresso Buchmaschine der Firma On Demand Books vor, die die Buchhandelskette Blackwell's heute in ihrer Filiale an der Charing Cross Road in Betrieb genommen hat. Der Apparat, der wie ein monströser Kopierer aussieht, kann seltene oder vergriffene Bücher auf Bestellung ausdrucken und binden - und zwar innerhalb von fünf Minuten:

"Die Maschine in Aktion klickte und surrte, wobei sie mehr als 100 Seiten die Minute druckte, festklemmte, band, köpfte und das fertige Stück ausspuckte - warm wie Toast. Die Qualität der Paperbacks ist unstrittig: Der Text ist klar, unverschmiert und gut ausgerichtet, das Papier ist dick, der Umschlag schick, wenn auch zunächst ein bisschen klebrig."

Bisher hat Blackwell's dem Bericht des Guardian zufolge eine halbe Million Titel im Angebot, vor allem solche, für die das Copyright abgelaufen ist. Der Buchhändler will aber mit den Verlagen ins Gespräch, um auch Copyright-geschützte Bücher in das Angebot aufzunehmen. Die Buchhändler können damit vor allem Platz sparen: Eine Million Titel würden 23,6 Meilen Regale füllen!

Die Times ist nach ersten Tests nicht ganz so begeistert. Nicht nur fiel ihr selbstgedrucktes Exemplar der seit fünfzig Jahren vergriffenen "Heroes of Aviation" prompt auseinander, die Zeitung macht auch preisliche Bedenken geltend: "Blackwell ist überzeugt, dass in der Maschine die Zukunft liegt, aber überlegt noch, ob die Preise richtig austariert sind. Blackwell verlangt Regalpreise für lieferbare Bücher und 10 Pence pro Seite für einen vergriffenen Titel, womit man bei einem 300-seitigen Buch auf saftige 30 Pfund kommt."

In den USA wurde der - auch als EBM oder ATM for Books - bekannten Apparat 2007 in der New York Public Library eingeführt. Und obwohl das Time Magazine die von Verleger-Urgestein Jason Epstein inspirierte Espresso Buchmaschine zur Erfindung des Jahres kürte, war ihr Erfolg bisher mäßig durchschlagend. Neben einer Handvoll Buchhändler haben sie bisher nur einige wenige Universitätsbibliotheken und die Open Content Alliance in San Francisco aufgestellt.

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