Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Rumänien - 8 Artikel

Über Fußball und Freiheit: Corneliu Porumboius "Fotbal Inifinit" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2018 Corneliu Porumboiu ist einer der intelligentesten Filmemacher Rumäniens, er gehört zu jener Nouvelle Vague, die in den Nuller Jahren so viel Lust auf die Entdeckung des bis dahin oft geschmähten Landes machten. Mit seinem Film "12 Uhr 8 östlich von Bukarest" gewann er die Goldene Kamera, den Preis für das beste Debüt: In einer Fernseh-Debatte streiten ein Historiker und ein Weihnachtsmann über die revolutionären Ereignisse in ihrem Dorf. Der Film war eine so kluge wie komische Parabel auf die Wende von 1989, auf das Fernsehen, die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und den Opportunismus. Von Thekla Dannenberg

Kein Entrinnen aus der Eskalationsmaschine: Radu Judes 'Everybody in Our Family' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012

Marius Vizereanu ist ein netter Kerl, Ende dreißig, etwas depressiv und heillos unerwachsen. Solche Männer haben jahrelang Berlin bevölkert, jetzt sind sie offenbar in Bukarest. In seiner Wohnung hängt noch ein Poster von Che Guevara, aber für sein Handy braucht er schon die Lesebrille. Seine Frau hat sich von ihm getrennt, die kleine Tochter darf er fünfzehn Tage im Jahr sehen. Jetzt will er mit ihr ein Wochenende zum Zelten nach Constanta ans Schwarze Meer. Mehr Urlaub bekommt er nicht, mehr Geld hat er nicht. Der Mann hat alle Sympathie, aber man weiß auch: Er hat keine Chance.
Von Thekla Dannenberg

Untersucht den ungeklärten Tod zweier Roma: Philip Scheffners Dokumentarfilm 'Revision' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012

Ein Weizenfeld nahe der polnischen Grenze. Im Sommer 1992 war das Feld Tatort eines im juristischen Sinne bis heute unaufgeklärten Verbrechens. Gut 19 Jahre später, im Herbst 2011, filmt Philip Scheffner denselben Ort für seinen Film "Revision". Der gelbe Weizen rauscht sanft im Wind, die Schatten der Rotorblätter einer Windkraftanlage ziehen über das Feld. Die Windräder und ihr Schattenwurf tauchen immer wieder auf im Film, sie wirken in ihrer gleichmäßigen Bewegung leitmotivisch rhythmisierend, aber in ihnen steckt noch mehr: In den Windkraftanlagen materialisiert sich die zeitliche Differenz, die 19 Jahre zwischen dem inzwischen historischen Kriminalfall um zwei erschossene Roma und ihrer filmischen Revision. Tatsächlich stellt der (insbesondere im Osten Deutschlands evidente) Siegeszug der Windparks den größten Einschnitt in das Landschaftsbild Deutschlands in den letzten zwei Jahrzehnten dar (vermutlich ist das sogar noch untertrieben). Dass sie aufmerksam sind für solche scheinbar nebensächlichen Details, für auf den ersten Blick völlig kontingente Verbindungen, ist kennzeichnend für die Filme des außergewöhnlichen Dokumentaristen Philip Scheffner.
Von Lukas Foerster

Porträt eines Jugendgefängnisses: Florin Serbans 'If I Want to Whistle, I Whistle'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010

Silviu Chiscan ist 19 Jahre alt und Insasse eines rumänischen Jugendgefängnisses. Kurzrasierte Haare, bullig, eine Narbe auf der Stirn. Die anderen Insassen sehen mehr oder weniger genauso aus. Gemeinsam nehmen sie Mahlzeiten ein, spielen dazwischen Fußball oder arbeiten, handeln untereinander mit Zigaretten und prügeln sich. Silviu steht kurz vor seiner Entlassung. Der Oberwärter, der ihn im ersten Filmdrittel zu sich zitiert, scheint ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen. Vor der Entlassung soll er einen Fragebogen ausfüllen, der seine psychosoziale Befindlichkeit betrifft. Er interessiert sich weniger für den Bogen, als für die Praktikantin, die ihm beim Ausfüllen helfen soll. Aus der Bahn werfen wird ihn aber nicht das Mädchen, sondern der Besuch seines Bruders.
Von Lukas Foerster

Schiere Erstreckung: Constantin Popescus 'Portrait of the Fighter as a Young Man'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010 Ein Historienfilm in den Bergen, in den Wäldern, in Dörfern, im Gras, in den Feldern. Rumänien im Nachkrieg. Darum, dass dieser Nachkrieg nicht enden darf, dass eine Fahne hochzuhalten ist gegen das neue kommunistische Regime, darum geht es dem Fähnlein der bis an die Zähne bewaffneten Aufrechten, die den Guerillakampf in den Bergen bis zum letzten Tropfen ihres eigenen Bluts kämpfen. "Portrait of the Fighter as a Young Man", das Langfilm-Debüt des Regisseurs Constantin Popescu, beruht auf historischen Tatsachen. Die Guerilla-Truppen, von denen er erzählt, gab es tatsächlich und den Helden, dem der Film gewidmet ist, Ion Gavrila-Ogoranu, Anführer einer zusehends dezimierten Kämpfergruppe, gab es auch. Als seine Geschichte stellt sich der Film im Nachhinein dar, weil er nämlich als einziger bis ins Jahr 1976 (!) durchhielt. Von Ekkehard Knörer