Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Mons - 6 Artikel

Und wer zahlt jetzt? Thanos Anastopoulos' 'Die Tochter' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2013 Mit Holz kann man gut arbeiten, auch als Filmemacher. Bäume werden gefällt und zersägt, Bretter gestapelt und gehobelt, mitunter fallen Späne, mal fängt man sich einen Splitter ein, mal kracht die ganze Chose zusammen. Und wenn das Holz erst einmal Feuer gefangen hat, brennt es natürlich wunderbar. Angesichts dieser symbolischen Qualitäten ist es kein Wunder, dass sich Thanos Anastopoulos für seine Parabel auf die griechische Krise "Die Tochter" ein Holzdepot als Ort der Handlung ausgesucht hat. Von Thekla Dannenberg

Rücksichtslos sichtbar: Takahisa Zezes 'Heaven's Story'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2011 Ein sanftes, zerbrechliches Monstrum von einem Film. 278 Minuten dauert Takahisa Zezes "Heaven's Story" und doch bekommt man das Ding nie wirklich zu fassen. Irgendwo zwischen hysterischem Charakterdrama, blutigem Rachethriller und Erzählexperiment, lyrisch, naiv, stellenweise wunderschön, stellenweise enervierend setzt es sich zwischen alle Stühle. Nahe liegt ein Vergleich mit einem anderen, fast genauso langen und ungleich lauteren, grelleren japanischen Monstrum, Sion Sonos "Love Exposure", vor zwei Jahren im Forum zu sehen und längst zum Kultfilm avanciert. "Heaven's Story" wird, obwohl handwerklich der bessere Film, derartige Reaktionen wohl eher nicht hervorrufen. Von Lukas Foerster

Gott auf zwei Rädern: Koji Wakamatsus 'Caterpillar'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010

So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem Match Cut Koji Wakamatsu dann hinüber ins Spielfilmbild. Man sieht: eine Vergewaltigung hinter mit billigem Digitaleffekt in die Bilder kopiertem Feuer. Der Effekt und das Geschehen gehen eine Verbindung ein, aber sie ist sichtlich künstlich. In diesem extrem sachlich dissoziierten Dokumentarbild-Spielfilmübergang setzt Koji Wakamatsu die Parameter, an die er sich fortan konsequent hält.
Von Ekkehard Knörer