Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Korea - 6 Artikel

Verschiebung und Variation: Hong Sangsoos 'Nobody's Daughter Haewon' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2013 Ein paar Hong-Sangsoo-Filme habe ich gesehen und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich mich hinterher schon bald nur noch schemenhaft an sie erinnern konnte. Immer wieder greift Hong die gleichen Motive, Schauplätze und Figuren auf, rekombiniert und rearrangiert sie, als wären alle seine Filme in Wirklichkeit ein einziger. Differenz und Wiederholung, Verschiebung und Variation, darum kreisen Hongs Filme, so sind sie gemacht. Das Resultat ist eine Ähnlichkeit, aber auch eine ganz eigene spielerische Leichtigkeit und Flüchtigkeit, die es so schwer machen, Hongs Filme zu fassen zu kriegen, sie festzunageln und ordentlich in Gedächtnisschubladen abzulegen. Von Elena Meilicke

Eine Archäologie von Gegenwart: Kelvin Kyung Kun Parks 'Cheonggyecheon Medley'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2011

Die Erinnerung an den Großvater des Regisseurs, der im Korea der Nachkriegszeit eine Maschinenfabrik aufgebaut hatte, ist ein Ausgangspunkt des Films. Die Fabrik war situiert in Cheonggyecheon, einem Stadtviertel Seouls. Die einst dort ansässige Schwerindustrie war ein wichtiger Motor der Modernisierung des Landes, inzwischen ist der Ort von der wirtschaftlichen und technologischen Progression des moderne High-Tech-Korea überholt und abgehängt worden. Die großen Betriebe sind verschwunden, doch immer noch gibt es zahlreiche kleine Metallwerkstätten in den engen Gassen. Oder zumindest gab es diese Werkstätten, als Kelvin Kyung Kun Park, ein junger Regisseur, der von der Kunst zum Kino gekommen ist, Cheonggyecheon aufgesucht hat. Inzwischen sind viele dieser Kleinstunternehmen wohl bereits Opfer eines urbanen Erneuerungsplans geworden und mussten modernen Appartmentkomplexen weichen (Wikipedia weiß mehr). Die letzten Bilder des Films - konfuzianistische Rituale im unpersönlichen Weiß eines Neubaus - deuten diese Entwicklung an.
Von Lukas Foerster

Vorhutkonkurrenz: Ausblick auf die Berlinale 2011

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2011 22 potenzielle Oscars sind im Anmarsch auf die Berlinale: "True Grit", der Eröffnungsfilm der Coen-Brüder , hat zehnmal die Chance, wird allerdings, wie es aussieht, vergleichsweise leer ausgehen in Konkurrenz zum Historien-Heuler, -Flucher und -Stotterer "The King's Speech", den Dieter Kosslick in die unfreiweillig surreal zusammengesetzte Gemischtwarenreihe namens Berlinale Special nachnominiert hat, auf deren Operationstisch sich regelmäßig Nähmaschinen und Regenschirme begegnen. "The King?s Speech" sagte im Gegenzug den zugesicherten Schlussfilmauftritt beim kurz vor Berlin liegenden Rotterdam-Festival wieder ab. Nur ein Zeichen für das Von Ekkehard Knörer

Aufforderung zu metaphyischer Bescheidenheit: So Sang-mins 'I'm in Trouble!'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010
Schon der englische Titel ist toll: "I'm in Trouble!". Eine simple, nachvollziehbare Feststellung, eine Feststellung, die durchs nachgesetzte Ausrufezeichen verstärkt, aber nicht qualitativ erweitert wird. "In Trouble" ist jeder manchmal, in Filmen geht es aber meist eher darum, wie man "in trouble" gerät und wie man demselben wieder entkommt. Trouble als Problem, das gelöst werden will. So Sang-mins Film geht es eben gerade nicht um Eskalation und Bewältigung, aus deren Perspektive Trouble immer nur Mittel zum Zweck und Antriebsmotor einer dramaturgischen Konstellation ist. Eine Konstellation, die selber ganz und gar nicht auf Trouble aus ist. Sondern auf das harmonische Ineinandergreifen von Plotpoints und story arcs. So Sang-min geht es ganz im Gegenteil um eine Phänomenologie des Trouble. Um einen sanft zerrütteten Zustand der Welt, der sich im sanft zerrütteten Zustand des Protagonisten spiegelt und umgekehrt. Um ein prekäres In-der-Welt-sein und gleichzeitig um eine Welt, die selber schon immer prekär ist - auch wenn das außer der Hauptfigur nicht viele mit bekommen. Das ist das Besondere an diesem Film: Er kennt keine Perspektive außerhalb des Troubles.
Von Lukas Foerster

Home movies aus Nordkorea: 'Sona, the Other Myself' von Yang Yong-hi (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2010 Vor vier Jahren präsentierte das Forum "Dear Pyongjang" (hier mehr in einem pdf-Dokument), einen kleinen Dokumentarfilm über einen Besuch der Regisseurin Yang Yong-hi und ihrer exilkoreanischen Familie bei der Verwandtschaft in Nordkorea. Eindrucksvolle Bilder aus einer im Allgemeinen hermetisch abgeriegelten Welt, aber auch die tragische Familiengeschichte, die hinter diesen Bildern zum Vorschein kam, machten den Film zu einem der stärksten seines Berlinalejahrgangs. Von Lukas Foerster