Wolfgang Abendroth

Wolfgang Abendroth, geboren 1906 in Elberfeld, hat Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Tübingen, Münster und Frankfurt/Main studiert. Ab November 1920 war er im Kommunistischen Jugendverband, dann KPD, ab 1926 im Bund freier sozialistischer Jugend; 1928 aus der KPD ausgeschlossen wegen Kritik an der "Sozialfaschismustheorie", Mitarbeit in der KPD-Opposition, Rote Hilfe, Neu Beginnen). Ab 1930 Referendar, 1933 aus politischen Gründen aus dem Justizdienst entlassen, 1935 Promotion mit einer völkerrechtlichen Dissertation an der Universität Bern, die erweitert unter dem Titel "Die völkerrechtliche Stellung der B- und C-Mandate" 1936 in Breslau veröffentlicht, jedoch kurz danach von der Stapo beschlagnahmt wurde. 1936/37 Volontär bei einer Berliner Bank, wegen Widerstandstätigkeit November 1937 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt; 1941-43 als Wirtschaftsjurist tätig, dann zur Strafdivision 999 eingezogen in Griechenland, wo er 1944 desertiert zu den Partisanen der ELAS. Oktober 1944 britische Kriegsgefangenenschaft in Ägypten, dann Umerziehungslager Wilton Park Centre bei London, wo er Kriegsgefangene auf ihre Rückkehr nach Deutschland zur Mitarbeit am Aufbau der Demokratie vorbereitet.
November 1946 Entlassung, Rückkehr nach Deutschland, Heirat mit Dr. Lisa Hörmeyer. Geheime Mitgliedschaft in der SPD. Ab Januar 1947 in der Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone, Ernennung zum Dozenten der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in Halle, Berufung an die Universität Leipzig und Oktober 1948 zum Professor für öffentliches Recht in Jena. Dezember 1948 Flucht in den Westen, Ernennung zum Professor für öffentliches Recht und Politik an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven, 1951 Berufung auf den Lehrstuhl für Politikwissenschaft an die Philipps-Universität in Marburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1972 blieb. Von 1959-1963 zugleich Mitglied des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen.
Abendroth gehört zu den Gründungsvätern der Politischen Wissenschaft in der Bundesrepublik. Er nimmt in ihr eine besondere Position ein, die durch die produktive Verbindung juristischer, historischer und sozialwissenschaftlicher Kategorien gekennzeichnet ist. Sein Denken ist wesentlich auf die Emanzipationsziele der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung, auf die Überwindung der Formen gesellschaftlicher Unmündigkeit bezogen, ohne daß er sich unkritisch als bloßer theoretischer Verstärker der Handlungen der jeweiligen Führungen verstand. Als Verfassungstheoretiker hat er die Interpretation des Grundgesetzes als einer demokratischen und rechtsstaatlichen Gegenverfassung zum Dritten Reich ins Zentrum gerückt. Wolfgang Abendroth starb 1985 in Frankfurt am Main.

Wolfgang Abendroth: Wolfgang Abendroth. Gesammelte Schriften, Band 1. 1926 - 1948

Cover: Wolfgang Abendroth. Wolfgang Abendroth. Gesammelte Schriften, Band 1 - 1926 - 1948. Offizin Verlag, Zürich, 2006.
Offizin Verlag, Hannover 2006
Herausgegeben von Michael Buckmiller, Joachim Perels und Uli Schöler. Der erste Band nimmt eine Sonderstellung ein: er enthält keine Auswahl, sondern umfasst sämtliche Publikationen zwischen 1926 und…