Die
Buchbranche ist in der Krise, aber war sie das nicht immer? Die
Suhrkamp-
Krise ist nicht so akut, wie sich hochgejazzt wurde. Aber natürlich ist das Geschäft nicht einfacher geworden,
schreibt taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals vor der Buchmesse: "In dieser Lage ruft die Kurt Wolff Stiftung, in der sich die unabhängigen Verlage zusammengetan haben,
nach dem Staat. Aus ihrer Sicht verständlich. Aber auch problematisch, nicht nur weil einer staatlichen Verlagsförderung hohe rechtliche Hürden entgegenstehen. Denn es mag ja stimmen, dass die Kleinverlagsszene insgesamt 'systemrelevant' ist, wie die Stiftung schreibt, doch das gilt eben nicht für jeden einzelnen Verlag. Und was, wenn wir wirklich einmal
eine sehr rechte Regierung bekommen sollten? Wenn die Verlage erst einmal existenziell von der Politik abhängig sind, kann die, wie derzeit in der Slowakei, kulturpolitisch stark durchgreifen."
Der neue Suhrkamp-Besitzer
Dirk Möhrle argumentiert im Gespräch mit Gerrit Bartels vom
Tagesspiegel angenehm ökonomisch. Natürlich gehe es auch darum, bei möglichen
Bestsellern mitbieten zu können und diese Happen nicht einfach den Konzernverlagen zu überlassen. Da nützt eine
klare Eigentümerstruktur: "Ich denke, für den Verlag ist das durchaus ein kleiner Befreiungsschlag, er kann aus den bisherigen Begrenzungen heraustreten. Bei mehreren Aktionären, die alle immer sehr genau geschaut haben, war vieles schwieriger. Jetzt ist es leichter geworden. Natürlich ist es trotzdem nicht so, dass jetzt auf einmal alles möglich wäre. Mir geht es vor allem um Stabilität und Ruhe, aber auch darum, ein bisschen mehr
mit den Muskeln spielen zu können." In der
Welt schreibt Dirk Schümer unter dem etwas melodramatischen Titel "Der Untergang des Hauses Unseld".