Magazinrundschau - Archiv

Przekroj

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Magazinrundschau vom 25.09.2007 - Przekroj

Pünktlich zum Jahrestag des sowjetischen Überfalls auf Polen am 17. September 1939 und von großem Medienrummel begleitet kam Andrzej Wajdas neuer Film "Katyn" in die Kinos. Ambivalent bewertet Malgorzata Sadowska das Werk: "Es ist kein großartiger Film, nicht sehr originell oder innovativ. Es ist aber ein nützlicher Film - gekonnt, klar und ohne zu sehr auf Einzelheiten einzugehen zeigt er die Umstände des Mordes in Katyn und seine Konsequenzen, die noch Jahre nach dem Ende des Krieges andauerten". Dennoch zweifelt die Rezensentin nicht: "Der Film, unter anderem dank der abschließenden Sequenz über die Erschießungen, wird in die Geschichte des polnischen Kinos eingehen".

Im polnischen Wahlkampf sind plötzlich Frauen zum Thema geworden - allerdings vor allem dadurch, dass die Ehefrau des prominenten konservativen Oppositionspolitikers Jan Rokita für die Kaczynski-Partei "PiS" kandidiert. "Dass die PiS auf Frauen setzt, hat nicht zuletzt mit dem Auftauchen der Frauen-Partei der populären Schriftstellerin Manuela Gretkowska zu tun. Neben diesen aktiven und erfolgreichen Frauen gibt es auch eine Menge frustrierter, die ums Überleben kämpfen. Eben jenen Wählerinnen bieten andere Parteien solche Slogans wie Schutz der Familie und der Ärmeren, Unterstützung bei der Erziehung und Chancengleichheit. Angesagte Slogans - aber nur im Wahlkampf", schreibt ernüchtert Aleksandra Pawlicka.

Magazinrundschau vom 11.09.2007 - Przekroj

Im Interview spricht die Schriftstellerin Zadie Smith über Ethik und Authentizität. "Es gibt nichts Authentisches außer dem, was du liebst, was dich interessiert. Man ist kein Pole, weil man in Polen geboren ist, sondern weil man polnische Küche, Literatur, Menschen liebt. Das ist keine mythische Eigenschaft des Blutes - das ist eine sehr gefährliche Annahme. Würde ich lang genug in Polen leben, wäre ich wohl nicht weniger polnisch als der vorige Papst. Es ist unglaublich, wie austauschbar Kultur ist."

Außerdem berichtet Joanna Wozniczko-Czeczott berichtet, werden in der Nähe von Lemberg (Lviv) in speziellen Camps Ukrainerinnen zu kosakischen Amazonen erzogen: Anhängerinnen von Julia Timoschenko, die an antike Legenden anknüpfen und so etwas wie ein Shaolin-Kloster für Frauen werden wollen.

Magazinrundschau vom 28.08.2007 - Przekroj

Vor 50 Jahren trat die sogenannte "polnische Filmschule" in Erscheinung. Die Erstlingswerke von Andrzej Wajda, Kazimierz Kutz, Andrzej Munk und Tadeusz Konwicki zeigten von der Geschichte desillusionierte Menschen, eine junge Generation, die durch den Krieg und die triste Nachkriegszeit verbittert war und ihren Platz in der Wirklichkeit suchten. Diese Themen und die kritische Auseinandersetzung mit dem polnischen Patriotismus, machen die damals entstandenen Filme noch heute aktuell, findet Malgorzata Sadowska. "Auf der Ebene der Szenographie und der Sprache bemerkt man Anachronismen, aber schon die Musik gehört zum wichtigsten Erbe der polnischen Filmschule. (...) Wenn man diese schwarz-weißen Werke heute anschaut, fällt auf, wie sehr heutige Filmemacher kontroverse Themen vermeiden. Es fehlt an belebender Distanz und Ironie." Eine gute Gelegenheit zum Vergleich wird sich bald ergeben, wenn Andrzej Wajdas Katyn-Film in die Kinos kommt.

Das Schmuddel-Image Oberschlesiens kann bald der Vergangenheit angehören, glaubt Grzegorz Raczkowski. Nicht nur, dass die Bergwerke, die die Restrukturierung überlebt haben, ohne öffentliche Zuschüsse auskommen und sogar letztens schwarze Zahlen schreiben. Durch innovative Technologien zur Herstellung von Gas aus Steinkohle wird sich das Antlitz der Region bald ändern. "Oberschlesien wird nicht nur zum Produzenten ökologischer Energien, sondern auch moderner Technologien auf Steinkohlebasis. Dadurch wird man nicht nur Gas, sondern auch neuartige Kunststoffe und vielleicht Benzin herstellen können. Solche Investitionen würden auch die Entstehung wissenschaftlicher Labors und Forschercluster nach sich ziehen", hoffen Experten. Dann ist es mit dem Image des grauen und rückständigen Schlesiens endlich vorbei, so das hoffnungsvolle Fazit.

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Przekroj

Es gibt auch originelle Politiker in Polen! Nachdem der Informatiker Lukasz Foltyn mit dem Messenger Gadu-Gadu in kurzer Zeit genug Geld verdient hatte, um sich dem Ernst des Lebens widmen zu können, gründete er eine "echte Sozialdemokratie", um das Geld der Reichen (auch seins) gerecht zu verteilen. Im Interview mit der Wochenzeitung "Przekroj" erklärt er, warum er sich für diese Rolle besonders geeignet fühlt: "Einen Armen mit meiner Weltanschauung würde man in unserem neoliberalen System als Taugenichts abtun, der den Reichen das Geld aus der Tasche ziehen will. Und so bin ich glaubwürdig. Ich brauche den Sozialismus nicht, um mit staatlichen Sozialleistungen mein Leben zu verbessern, denn ich kann mir alles leisten. (...) Ich weiß noch nicht, ob meine Partei bei Wahlen antreten wird, oder anders versuchen will, die Gesellschaft zu beeinflussen. Es geht nicht um Macht und erst recht nicht ums Geld - dafür bin ich bin der Beweis."

Lukasz Drewniak gerät ins Schwärmen, wenn er das Theaterfestival Malta in Poznan vorstellt, das gerade begonnen hat. Es hat zwar nicht die Bekanntheit und die Dimensionen von Avignon oder Edinburgh, aber "Malta ist demokratischer und weniger chaotisch. Es hat sich nicht in einen Supermarkt der Kunst verwandelt. Malta ist eine Insel der Kunst im Meer des Kommerzes".

Magazinrundschau vom 19.12.2006 - Przekroj

Mit großer Beunruhigung registriert Igor T. Miecik den Wiederaufbau des russischen Imperiums unter Putin. Durch die politischen Morde der letzten Zeit, die immer stärkere Einschränkung der nach 1991 erkämpften Bürger- und Menschenrechte, die Machtspiele der ehemaligen KGB-Agenten im Kreml und die immer rigidere Kontrolle des Wirtschaftslebens, besonders im strategisch erachteten Energiesektor, "hat auch Europa keine Zweifel mehr: Russland kleidet sich in die Gewänder eines Imperators und wird zum Energiehegemon. Die Frage, welche Verbündeten dem Land in so einem Spiel noch bleiben, beantwortete der einflussreiche Vizepremier Sergej Iwanow: Schon Zar Alexander III. sagte - Russland hat zwei Freunde: die Armee und die Flotte." Noch unterstütze die Bevölkerung Putins Politik, aber wie Janajews Putsch 1991 gezeigt habe, nützen selbst die besten Waffen nichts mehr, wenn die Bürger die Gefolgschaft verweigern. "Für die nächsten Jahre kann so ein Erwachen der russischen Gesellschaft aber nicht erwartet werden", prophezeit ein düsterer Miecik.

Vorige Woche beging man in Polen den 25. Jahrestag der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski. Aus diesem Anlass erinnert Cezary Lazarewicz an die Geschichte des wohl bekanntesten Fotos aus dieser Zeit. "Am 31. August 1982 rief die im Untergrund agierende Solidarnosc zu Demonstrationen anlässlich des zweiten Jahrestag ihrer Anerkennung auf. In Folge einer brutalen Polizeiaktion starben im niederschlesischen Lubin drei Demonstranten. Aber nur der Tod des 28-jährigen Michal Adamowicz ging in Bildern um die Welt und wurde zum Symbol der Repression der Kommunisten". Erst seit 1992 ist der Fotograf Krzysztof Raczkowiak namentlich bekannt. Die Todesschützen wurden nie gefunden.

Magazinrundschau vom 28.11.2006 - Przekroj

Sonne, Strand und niedrige Grundstückpreise - Europa entdeckt die Vorteile des "vielversprechenden Neumitglieds der EU", Bulgarien, schreibt Wawrzyniec Smoczynski. "Immobilienfirmen schießen aus dem Boden, und Investoren aus Westeuropa findet man überall. Selbst an Orten, die wie ein Albtraum aus Stasiuks Büchern aussehen, findet man ein Auto mit britischem Kennzeichen." Viele Bulgaren sehen mit Enthusiasmus der EU-Mitgliedschaft entgegen, doch das allgegenwärtige Profitstreben verzerrt die Wahrnehmung auf beiden Seiten. Ein bulgarischer Journalist warnt: "Ihr Polen baut ständig an eurer moralischen Utopie und wollt Europa zu eurer katholischen Alternative bekehren. Bulgaren wollen sich in der EU eher bequem einnisten und zuschauen, wie man ein paar Euro mehr herauskitzeln kann."
Stichwörter: Bulgarien

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Przekroj

Der Hochschulboom gilt in Polen als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zeit nach 1989. Dennoch sieht Sylwia Czubowska die polnischen Universitäten vor ähnlichen Problemen wie in Rest-Europa: durch "Gießkannen-Förderung" statt Förderung von Elite-Universitäten sind sie im globalen Vergleich drittklassig. "Ohne radikale Reformen wachen wir eines Tages in einem Freilichtmuseum der Bildung auf. Elite bedeutet aber Entbehrung. Das Beispiel anderer Länder zeigt, dass Studiengebühren, höhere staatliche Förderung ausgewählter Universitäten und die Forderung nach engerer Vernetzung der Hochschulen nicht gut ankommen. Ohne das können wir aber bald einpacken."

Polnische Museen könnten bald große Probleme bekommen - da es immer noch kein Reprivatisierungsgesetz gibt, versuchen einzelne Erben, ihr Eigentum vom Staat auf dem Rechtsweg zurückzufordern. Einige Einrichtungen könnten ihre wichtigsten Stücke bald loswerden, schreibt Agnieszka Jedrzejczak. "Millionen von Kulturgütern haben einen ungeklärten Rechtsstatus auf Grund von fehlender Dokumentation, Gesetzeslücken oder teils widerrechtlicher Aneignung, zum Beispiel auf Grund der Bodenreform. Nicht nur Aristokratenfamilien und jüdische Erben kämpfen um ihr Eigentum, sondern auch die katholische Kirche, die immer öfter sakrale Kunstdenkmäler zurückfordert. Zum Glück geht es vielen nicht um das Geld, sondern um die Erinnerung. Sie wollen nur, das Museumsbesucher wissen, dass die ausgestellten Sammlungen über Jahrhunderte im Besitz der Potockis, Czartoryskis oder Tarnowskis waren."

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - Przekroj

In Polen wird derzeit kaum etwas so intensiv debattiert wie die Beziehungen mit Deutschland. Man habe den Eindruck, dass der Krieg noch nicht vorbei ist, schreibt Aleksandra Pawlicka zum Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs. "Die Steinchen, die zur aktuellen Lawine geführt haben, haben die Rechten schon vor einigen Jahren geworfen, aber seit sie an der Macht sind, ist es nur schlimmer geworden. Indem man sich vom Nachbar isoliert und seine Initiativen zur Verbesserung der Situation ignoriert, wird Polen zur europäischen Peripherie. Ausländische Diplomaten geben zu, dass das Land immer mehr wie eine persona non grata behandelt wird: jemand der die Spielregeln nicht kennt und lediglich toleriert wird."

Magazinrundschau vom 08.08.2006 - Przekroj

Anfang der neunziger Jahre wollte Lech Walesa aus Polen ein "zweites Japan" machen. Jetzt fordern Marcin Fabjanski und Milena Rachid Chehab: Polen sollte sich ein Vorbild an Spanien nehmen! "Innerhalb von 20 Jahren wurde aus der rückständigen Peripherie Europas ein führendes Land. Ein wichtiger Baustein war dabei der 'Pakt des Schweigens' nach der Franco-Diktatur, der das Land nach vorne schauen ließ". Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung sei Spanien "eine lebendige Reklame für die EU" geworden und ein aufsteigender Global player.

Und: Lukasz Drewniak und Jacek Sieradzki blicken zurück auf die vergangene Theatersaison. "Die Szene hat sich geteilt - auf der einen Seite die düsteren Experimentierer, auf der anderen die leidenschaftslosen Routiniers. Die Mitte ist leider leer. Zum Glück gibt es manchmal noch Inszenierungen mit Witz, die nicht in die Falle der Albernheit tappen. Zähneknirschen und Depressionen haben wir auch so genug, dazu brauchen wir das Theater nicht."

Magazinrundschau vom 18.07.2006 - Przekroj

Es gibt einen Politiker in der polnischen Regierung, der über gute Kontakte, Kompetenz und Anerkennung im Ausland verfügt: Verteidigungsminister Radek Sikorski. Der frühere Mitarbeiter an britischen und konservativen amerikanischen Think-Tanks, Reporter in Afghanistan (dessen gute Kontakte zu den Mudschaheddin die Amerikaner 2001 genutzt haben) und im privaten Leben Mann der Journalistin Anne Applebaum könnte gar als künftiger Präsidentschaftsanwärter der Konservativen gelten, meint Aleksandra Pawlicka, hätte er nur nicht so wenig politischen Rückhalt im eigenen Lager. "Wenn nicht der Neid wäre, könnte man ihm eine große politische Zukunft voraussagen. Er hat ein ungeheures Wissen über auswärtige Politik und Charme. Er benutzt manchmal radikale Formulierungen (zum Beispiel der Vergleich der Ostsee-Pipeline mit dem Hitler-Stalin-Pakt), die ihm aber viel Presse bringen. Diese Gabe ist den besten vorgehalten".

In der jungen polnischen Literatur tut sich was, stellt erleichtert Justyna Sobolewska fest. "Die Zeit der Maslowska-Klone ist vorbei. Es kommt die Ära der Individualisten". Zwar fehle es vielerorts an der Fähigkeit, aus subjektiven Eindrücken gut lesbare Literatur zu machen, die für mehr als eine Erzählung reicht. Und doch, es sind "kleine Mängel, überall kleine Mängel. Aber sie machen die Bücher auch lesenswert - zumindest um sie später mit weiteren, besseren Publikationen dieser Autoren vergleichen zu können. Ich hoffe sehr, dass sie besser werden."