Magazinrundschau - Archiv

Przekroj

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Magazinrundschau vom 25.04.2006 - Przekroj

Eine "Revolution" nennt das polnische Magazin das Erscheinen einer neuen Tageszeitung auf dem polnischen Markt. Die Dziennik (Tageszeitung) des Axel-Springer-Konzerns soll für die etablierten Zeitungen - die liberale Gazeta Wyborcza und die konservative Rzeczpospolita - eine ernsthafte Konkurrenz werden. Vor allem die Gazeta gilt der regierenden Rechten als zu kritisch. Dziennik möchte da ganz anders ein, wie Chefredakteur Robert Krasowski im Interview erklärt: "Der Leser mag es nicht, wenn man ihm sagt, wie er denken soll, oder wenn eine Zeitung zu aufdringlich ihre Positionen vertritt. Deswegen werden wir eine Revolution sein: absolut objektiv! Ohne Emotionen!"

Anders sieht es Helena Luczywo, die Adam Michnik, den Chefredakteur der Gazeta Wyborcza vertritt. "Jede gute Zeitung kämpft für etwas, deshalb kämpft sie oft gegen etwas und jemanden. So ist das in der ganzen Welt, wir waren immer so. Die neue Zeitung ist ein weiteres Produkt von Axel Springer, das sich gut verkaufen soll. Ich kann mir schwer vorstellen, dass es ihnen um etwas anderes geht, aber ich hoffe, eines Besseren belehrt zu werden". Angesprochen werden auch die öffentlichen Stellungnahmen der Gazeta, in denen sie ihren polnischen Ursprung gegenüber dem deutschen Konzern betont hat, und die immer offener artikulierte feindliche Haltung der regierenden Konservativen gegenüber der Gazeta.

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - Przekroj

Für Jakub Kumoch vom polnischen Magazin Przekroj ist Europa auf dem Weg zur "Union der kleinsten Vaterländer". "Der von Brüssel gewollte Regionalismus ist Verbündeter vieler europäischer Seperatismus- und Autonomiebewegungen. Sie träumen von einem Europa, in dem nicht die Staaten sondern die Regionen den Ton angeben, in dem jede Sprache offiziell anerkannt ist und in dem sie nur von Brüssel, nicht von London, Madrid oder Rom abhängig sind. Kein Wunder, dass politische Vertreter dieser kleinen Nationen so proeuropäisch sind." Die Frage ist nun, so Kumoch, wozu das führen wird: Zu einer großen, europäischen Familie unabhängiger Staaten oder zu einer ernsthaften Destabilisierung Europas.

Der historische Roman "Warunek" ("Die Bedingung") wurde letztes Jahr in Polen nahezu euphorisch aufgenommen. Für Eustachy Rylski ist der Erfolg seines Buches ein Anzeichen dafür, "dass die Zeit für engagierte Literatur, im besten Sinne des Wortes, gekommen ist. Zumal solche Werte wie Patrotismus immer mehr an Bedeutung verlieren. Nur mit einem kann ich nicht fertig werden: mit dem Ende der Intelligenz. Polen ohne seine Intellektuellen ist wie ein Fisch ohne Kopf." Trotz des Erfolgs von "Warunek" konstatiert Rylski: "Literatur ist nicht mehr wichtig, sie ist kein wichtiger Teil des Lebens mehr. Schade - nicht nur für die Literatur".

Magazinrundschau vom 31.01.2006 - Przekroj

"Der Iran wird eine Atombombe bauen, und wenn der Westen oder Israel versuchen, das zu verhindern, kommt es zu einem Krieg, den die Welt noch nicht gesehen hat", warnen Wawrzyniec Smoczynski und Marek Rybarczyk in der polnischen Wochenzeitung Przekroj. Die Autoren glauben nicht an den Erfolg der europäischen Diplomatie oder an UN-Sanktionen - wahrscheinlicher scheint ihnen eine amerikanische militärische Intervention - um Israel zuvor zu kommen. Aber "jede offene militärische Aktion wird blutige Reaktionen hervorrufen. Die USA unterschätzen die Stärke des Iran. Eine Eskalation des Konflikts ist dann unvermeidlich." Der Schlüssel zur Lösung des Konflikts liege in Moskau: Würde Russland die Aufkündigung der nuklearen Zusammenarbeit androhen, könnte Teheran an den Verhandlungstisch zurückkehren. "Die Welt wird dann ein weiteres, ungebetenes Mitglied im 'Klub der Atommächte' akzeptieren müssen, auch wenn der reale Einsatz seiner Atomwaffen wenig wahrscheinlich ist."

Außerdem wird die außergewöhnliche Karriere des polnischen Außenministers und gebürtigen Franzosen Stefan Meller beschrieben - ehemaliger Botschafter in Moskau und Paris, in einem "früheren Leben" Mitglied der KP, Buchhalter einer Kosmetikfirma, Dichter, Dozent und schließlich Diplomat.

Magazinrundschau vom 24.01.2006 - Przekroj

Ex-Präsident und "Solidarnosc"-Gründer Lech Walesa kommentiert die gegenwärtige politische Krise in Polen und die Strategie der Minderheitsregierung der Brüder Kaczynski, mit denen er seit Jahren zerstritten ist: "Sie benehmen sich wie Kinder, spielen rum, als ob sie nicht wüssten, dass es um Polen und um Geld aus Brüssel geht. Die Menschen schauen geduldig zu, später werden sie dann unzufrieden. Aber so hat die Nation gewählt - wenn auch nur zur Hälfte. Soll die sich jetzt dafür schämen, das ist auch eine Lektion in Demokratie."

Auch in Polen beschäftigt man sich zunehmend mit der Sterbehilfe. Marek Rybaczyk beschreibt, wie vor allem die Sterbehilfeorganisation "Dignitas" Zürich zum zweifelhaften Ruhm der europäischen "Hauptstadt des Todes" verholfen haben. "In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der begleiteten Selbstmorde in der Schweiz um das Zehnfache. Lebensmüde, oft totkranke Menschen kommen aus ganz Europa nach Zürich, weil der Verein auch Ausländer betreut und keine überflüssigen Fragen stellt. Man kann von einer europäischen Selbstmordtouristik sprechen. Die 'Zivilisation des Todes' naht heran."

Magazinrundschau vom 25.10.2005 - Przekroj

Repräsentiert Tariq Ramadan den "Islam mit menschlichem Antlitz"? Ist er gar die letzte Chance des Euroislams? Jakub Kumoch porträtiert den heftig umstrittenen (mehr) Islamwissenschaftler als tragische Figur. "Ramadan ist heute der einflussreichste islamische Denker im Westen, ein Götze der muslimischen Eliten in Westeuropa, angepriesen als 'Martin Luther King' des Islam und wichtigster Reformator des 21. Jahrhunderts. Gleichzeitig wird ihm oft Antisemitismus, Unterstützung des islamistischen Terrors und Verrat am Westen vorgeworfen. Für einige ist er die einzige Hoffnung auf Frieden zwischen Muslimen und der europäischen Mehrheitsgesellschaft, für andere ein Al-Qaida-Agent." Für Kumoch ist diese Ambivalenz auch der Grund dafür, dass Ramadan immer resignierter wirkt: "Für die Traditionalisten ist er zu fortschrittlich, für die assimilierten Muslime zu konservativ. Er wollte zur Verständigung beitragen, jetzt wird er der Zwiespältigkeit bezichtigt. Auf beiden Seiten des Grabens."

Zwei Publizisten, Jacek Zakowski und Piotr Najsztub, sprechen über die Präsidentschaftswahl in Polen: "Wenn ich könnte, würde ich aus Donald Tusk und Lech Kaczynski einen Präsidenten, einen 'Donald Duck' (kaczka heißt Ente) basteln. Bei Kaczynski wissen wir ziemlich genau, was uns erwartet und was für ein Mensch er ist, bei Tusk besteht noch die Chance, dass nach der Wahl etwas Besseres entsteht. Es gibt Stimmen, wie die von Lech Walesa, dass man Kaczynski wählen sollte, nur um die Brüder endlich regieren und sich kompromittieren zu lassen. Dann wäre endlich diese Epoche vorbei - wie eine Krankheit, die wir durchleben müssen, damit es später besser wird."