Magazinrundschau - Archiv

Jacobin

5 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 29.09.2020 - Jacobin

Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Einkommen weißer und schwarzer Familien in den USA ist enorm. Ganz anders sieht es aus, wenn man die oberen zehn Prozent auf beiden Seiten aus der Rechnung herausnimmt, oder gar nur die unteren 50 Prozent vergleicht, rechnet Matt Bruening uns vor. Stockt man in den unteren 50 Prozent der schwarzen Familien das durchschnittliche Einkommen so auf, dass es dem durchschnittlichen Einkommen der unteren 50 Prozent der weißen Familien angeglichen ist, dann verringert sich das gesamte Wohlstandsgefälle um gerade mal drei Prozent. Das zeigt Bruening zum einen, dass "das allgemeine Wohlstandsgefälle zwischen den Rassen fast ausschließlich durch das Missverhältnis zwischen den wohlhabendsten 10 Prozent der Weißen und den wohlhabendsten 10 Prozent der Schwarzen verursacht wird" und zum anderen, dass es bei den unteren 50 Prozent "gar nicht so schwer ist, zwei Gruppen, die relativ wenig besitzen, dazu zu verhelfen, den gleichen Betrag von relativ wenig zu besitzen. Aber solche Maßnahmen würden das Wohlstandsgefälle zwischen den Rassen insgesamt nicht wesentlich verringern. ... Meiner Meinung nach sollten uns diese Informationen zwingen, uns klarer darüber zu werden, was genau wir erreichen wollen, wenn wir über die Schließung der Vermögenslücke zwischen Schwarzen und Weißen sprechen."

Magazinrundschau vom 04.06.2019 - Jacobin

David Broder unterhält sich mit dem italienischen Politologen Marco Revelli, der eine der so zahlreich gewordenen Theorien zum Populismus verfasst hat. Revelli analysiert die Ergebnisse der Europawahlen, konstatiert die Krise der alten Volksparteien der Sozialdemokratie, sieht aber eher ein konservatives Kleinbürgertum als Hauptfutter der Populisten: "Es sind einst konservative Wähler, die sich radikalisieren. Sie sind nicht die ärmsten, haben aber das Gefühl, ihnen sei etwas weggenommen worden. Nicht unbedingt Einkommen, obwohl dies in der Krise durchaus vorkam. Aber eher noch verspüren sie einen Verlust ihrer sozialen Position, oder sie haben das Gefühl, dass ihr Land den Status einer führenden Macht eingebüßt hat. Das sehen wir in den Vereinigten Staaten und aufs Dramatischste im Vereinigten Königreich und sogar in Italien. Zu den Faktoren gehört auch, dass Männer ihre grässliche Gender-Macht über Frauen verloren haben und gegen den Feminismus revoltieren, und der weiße Backlash gegen Multikulti."

Außerdem in Jacobin, aber noch vor den Europawahlen verfasst, Thomas Fazis von ganz weit links kommende Kritik an der ach so undemokratischen Europäischen Union, eine "Farce", die er rät, zugunsten des einzigen Horts der Demokratie aufzugeben, der Nation natürlich.

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - Jacobin

Die Online-Ausgabe des Magazins bringt ein Interview von Suzi Weissman mit dem Ethnologen David Graeber zum Thema "Bullshit Jobs" (so der Titel von Graebers neuem Buch). Gemeint sind nicht etwa schlechte Jobs, sondern Jobs, die selbst diejenigen für überflüssig halten, die sie ausführen, Schein- und Ersatz-Arbeiten; und es werden immer mehr. Für Graeber ist das Bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung: "Eine Jobgarantie sieht gut aus, doch führt sie dazu, dass Leute Steine weiß anmalen müssen oder dergleichen Sinnloses mehr, wie wir aus Erfahrung wissen. Sie bräuchte auch eine riesige Verwaltung. Vor allem Leute aus der Managerkaste bevorzugen das. Ein universales Grundeinkommen gibt dir, was du brauchst. Der Rest ist deine Sache. Die Idee dahinter ist, Arbeit und Arbeitsentschädigung zu trennen. Wer existiert, verdient einen Lebensunterhalt. Freiheit in der ökonomischen Sphäre sozusagen. Man braucht sich nur noch zu entscheiden, was man zur Gesellschaft beitragen möchte. Eine Sache, die an meiner Studie über Bullshit Jobs wichtig ist, ist der Umstand, dass es den Menschen, die diese sinnlose Arbeit verrichten, wirklich schlecht geht. Das kam gut rüber. In der Theorie bekommst du Geld fürs Nichtstun. Aber es macht die Leute kaputt. Depression, Ängste, alle möglichen psychosomatischen Erkrankungen sind die Folge. Dass die Menschen gar nicht begreifen, wieso sie mit Recht verärgert sein können, macht es nur noch schlimmer."
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Magazinrundschau vom 02.01.2018 - Jacobin

Bestürzendes berichtet Benjamin Fogel  für das linke Jacobin-Mag aus Südafrika. Das Land ist vom Präsidenten Jacob Zuma an den Rand es Abgrunds geführt worden. Einer der wichtigsten Faktoren der Korruption, bei der auch wichtige westliche Konzerne mitmachen, ist die indischstämmige Gupta-Familie. Nun ist Cyril Ramaphosa Präsident des ANC geworden, der mit verantwortlich ist für das Marikana-Massaker an Minenarbeitern im Jahr 2012 mit 34 Toten. Eine Ebene darunter sieht es nicht besser aus: "Zuma mag zurecht die Parteipräsidentschaft verloren haben, aber die korruptesten und gefährlichsten Elemente des ANC haben die Partei nach wie vor unter Kontrolle. Zum Teil wird der ANC jetzt von der sogenannten Premier League kontrolliert, ein Spitzname, der auf eine Seilschaft von Gouverneuren (Premiers) der wichtigsten südafrikanischen Provinzen verweist. Sie ähneln eher Mafiabossen als Politikern in einem demokratischen Rechtsstaat. Zwei von ihnen haben jetzt Positionen im Parteivorstand, David Mabuza (Premier von Mpumalanga) und Ace Magashule (Premier der Provinz Freistaat). Sie sind zwei der gefährlichsten Gangster Sudafrikas und haben ihre beiden Provinzen in private Pfründe umgebaut. Mabuza wird mit verschiedenen politischen Morden in Verbindung gebracht und scheint gewillt, seine Rivalen auszuschalten. Magashule bezahlte für die Hochzeit einer Gupta-Nichte in bar, und der ANC schloss seine Provinz zweimal wegen gravierender Verstöße gegen demokratische Verfahren von den Wahlen aus."

Magazinrundschau vom 17.01.2017 - Jacobin

Da in Syrien nicht die üblichen Verdächtigen Amerika und Israel als die Bösen figurieren, bringt die westliche Linke kaum Interesse für diesen Konflikt auf. Umso tapferer das große Gespräch im marxistischen New Yorker Magazin Jacobin, in dem der syrische Autor Yasser Munif die westliche Linke auffordert, die Verantwortung Baschar al-Assads und Wladimir Putins zu benennen. Nebenbei erklärt er einige Hintergrundaspekte, die die Hartnäckigkeit des Assad-Regimes verständlich machen: "Es ist nicht klar, warum Teile der Linken die Anatomie des syrischen Regimes nicht verstehen, das sich allein auf diese Vaterfigur bezieht, in seinen Slogans, seiner Ideologie, selbst in den vielen Graffiti auf den Straßen. Wenn Assad gestürzt würde, könnte auch das Regime nicht sehr lange überleben, denn es ist so gebaut, dass es fast unmöglich ist, den Kopf vom Körper zu trennen. Anders als in Ägypten, wo es Institutionen gibt, die den Austausch des Diktators erlauben, wie wir sehen konnten, als Sisi Mubarak ersetzte und das ganze System erhielt, ist ein solches Szenario in Syrien meiner Meinung nach nicht möglich. Es ist kaum möglich Assad abzusetzen, und in Syrien die Diktatur zu erhalten."