Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

447 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 45

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Guardian

Der französische Autor Emmanuel Carrère begleitet Emmanuel Macron zum diesjährigen G7-Gipfel in Kanada. Der französische Präsident ist entspannter und besser gelaunt, als man angesichts seiner diversen Probleme zu Hause und in aller Welt erwarten würde. Zweifellos hat sich jedoch in den letzten Jahren einiges verändert, was die Welt der Spitzendiplomatie betrifft: "Als Präsident Valéry Giscard d'Estaing im Jahr 1975 die G7 - damals noch die 'Gruppe der Sechs' oder G6 - ins Leben rief, vereinten die teilnehmenden Länder (die USA, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Italien und Japan) rund 75 Prozent des weltweiten BIP auf sich. Heute ist dieser Anteil auf etwa 35 Prozent gesunken. 'Früher waren wir der Vorstandsvorsitzende', fast Macrons diplomatischer Berater Emmanuel Bonne zusammen. 'Heute sind wir nicht einmal mehr Mehrheitsaktionäre.' Umso wichtiger ist es für diese Länder, wenn sie nicht völlig von der Bildfläche verschwinden wollen, eine Lösung zu finden oder sich zumindest auf eine gemeinsame Haltung zu den großen Probleme der Welt zu einigen: Ukraine, Naher Osten, Umwelt, Zölle - das Thema ist egal, an Elefanten im Raum mangelt es nicht. Ziel des Gipfels war es daher stets, eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden, die lediglich politischen Willen, eine Richtung und gemeinsame Zielsetzungen zum Ausdruck bringt. Normalerweise sollte das nicht allzu schwierig sein, doch seit Trump 2 ist es das geworden - insbesondere beim Thema Klima. Bis vor Kurzem war es noch völlig unproblematisch, zu sagen, dass die Erderwärmung eine große Bedrohung darstellt und ihre Bekämpfung absolute Priorität hat - genauso wie zu sagen, dass man gegen Krieg, für Frieden oder für mehr Gerechtigkeit ist. Man konnte es einfach aussprechen, ob man dann entsprechend handelte oder nicht, spielte zunächst keine Rolle - es kostete nichts. Diese Zeiten sind vorbei. Da der 'Herr der Welt' meint, das Klima sei kein Problem, kann man es sich nicht einmal mehr symbolisch auf die Tagesordnung setzen. Selbst das Wort 'Klima' ist mittlerweile ein Tabu."

Magazinrundschau vom 08.07.2025 - Guardian

Amanda Coakley rekonstruiert noch einmal den jüngeren Lebensweg Karin Kneissls, der ehemaligen österreichischen Außenministerin im Kabinett Kurz, die Schlagzeilen machte, als Putin ihre Hochzeit besuchte - und die inzwischen selbst in Russland lebt. Was genau macht sie da eigentlich? Sie hat, weiß Coakley, "ihren Platz gefunden. Im Juni 2024 sagte sie gegenüber einer staatlichen Nachrichtenagentur, dass der Westen Pläne habe, Russland zu zerschlagen, 'so wie einst die Föderation Jugoslawien aufgeteilt wurde'. Während diese Aussage in Europa kaum Beachtung fand, wurde sie in Russland als ernste Warnung einer echten politischen Insiderin dargestellt. Die Schlagzeile lautete: 'Ehemalige österreichische Außenministerin Kneissl bestätigt westliche Pläne zur Zerschlagung Russlands'. Weitere jüngste Schlagzeilen lauteten etwa: 'Putin hatte Recht 2023 bezüglich der Wirtschaft - Ex-Außenministerin Österreichs" und Anfang diesen Monats: 'Ex-Außenministerin Österreichs rät Russen, romantische Vorstellungen über Westeuropa aufzugeben'." Kneissls Vorliebe für alles Russische erstreckt sich auch auf andere Gebiete: "Gegen Ende des letzten Jahres übernahm sie ihre neueste Rolle als Botschafterin für den Schutz der Sibirischen Tiger; ein Anliegen, das Putin am Herzen liegt - und auch Kneissl. Die staatlichen Medien berichteten im Dezember, dass sie während eines kürzlichen Besuchs in einem Nationalpark einen Tiger gesichtet habe. In einem kurzen Interview nutzte sie die Gelegenheit, um einen wenig schmeichelhaften Vergleich zwischen der europäischen und der russischen Einstellung gegenüber solchen Raubtieren zu ziehen. In Russland, sagte sie, würden 'Bären, Wölfe, Tiger nicht als 'Problembären, Problemwölfe' bezeichnet'. 'Sie sind Teil des Lebens. Darin sehe ich ein Ja zum Leben in Russland.'"

Magazinrundschau vom 03.06.2025 - Guardian

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat das Thema Zivilschutz in ganz Europa Konjunktur. Vorreiter auf diesem Gebiet ist seit Jahrzehnten die Schweiz - das einzige Land, das, so zumindest die Theorie, im Ernstfall die gesamte Bevölkerung in Bunkern beherbergen könnte. Jessi Jezweska Stevens berichtet darüber, wie es dazu gekommen ist: Unter anderem machten "kulturelle Faktoren Bunker zu einer logischen Strategie. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten etwa, wo während des Kalten Krieges das Untertauchen unter die Erde oft verächtlich als schwach oder 'unamerikanisch' bezeichnet wurde, galten in der Schweizer Militärgeschichte die Berge und das Unterirdische stets als ein 'sicherer Ort'. Um das System der zivilen Bunker auszuweiten, musste die Regierung der Bevölkerung jedoch zunächst den enormen Aufwand schmackhaft machen - 1945 hatten nur etwa 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung Zugang zu einem Schutzraum. Frühe Propagandafilme und Zeichentrickfilme aus den 1950er- und 1960er-Jahren zeigten ein Murmeltier - gezeichnet oder gefilmt in friedlicher Umgebung zwischen alpinen Wildblumen -, das beim Anblick eines Adlers oder einer anderen Bedrohung am Himmel schnell in seinen Bau verschwindet. Ein späteres Video aus den 1960er-Jahren zeigt Bergpanoramen, tanzende Paare in der Disko und Kernfamilien, die friedlich um eine rot-weiß karierte Tischdecke versammelt essen. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass Krieg und Krisen zwar 'weit entfernt' und auf das Fernsehen beschränkt erscheinen mögen und dass es so wirken könne, als sei das Schlimmste, was vom Schweizer Himmel fallen könne, ein 'Blumentopf' von einem Fenstersims - doch die Bedrohung durch Krieg sei in Wirklichkeit nur allzu real."
Stichwörter: Zivilschutz, Schweiz

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - Guardian

Harry Shukman berichtet von seinen Undercover-Recherchen in rechtsradikalen Organisationen. Das Ziel seiner teils sehr riskanten Investigation bestand vor allem darin, mehr über die Finanzierungsnetzwerke der Rechten zu erfahren. Aber gleichzeitig lernte er auch etwas über die Beweggründe von Menschen, die sich rechten Vereinigungen anzuschließen: "Was die einfachen Mitglieder rechtsextremer Organisationen betrifft, so fiel mir besonders ihre große Einsamkeit auf. In Diskussionsrunden, in den Pubs, bei geheimen Treffen auf dem Land sprachen viele davon, sich wie Verstoßene zu fühlen. In den Gruppen hatte ich den Eindruck, dass für die meisten weniger die politische Auseinandersetzung im Vordergrund stand als vielmehr das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Sie schilderten eintönige Arbeitstage in belanglosen Jobs und Abende, an denen sie stundenlangen faschistischen Livestreams lauschten. Auf Konferenzen schienen viele kaum den Vorträgen zu folgen - ich zählte regelmäßig die schlafenden Zuhörer, oft waren es mehr als zehn. Am meisten freuten sie sich auf die Kaffeepausen und das gemeinsame Bier nach den Veranstaltungen. Das Bedürfnis nach menschlicher Nähe ist ein häufiger Grund, den sie für ihren Weg in diese Kreise nennen - und eben dieses Bedürfnis macht es oft so schwer, sich wieder zu lösen, selbst wenn sie längst keinen Gefallen mehr an der Szene finden."

Magazinrundschau vom 15.04.2025 - Guardian

Shaun Walker erzählt die Geschichte eines Amerikaners namens Peter Herrmann, der im Alter von 16 Jahren als KGB-Agent angeworben wurde - von seinem eigenen Vater, den Peter bis dahin unter dem Namen Rudi Herrmann gekannt hatte. Alles beginnt mit einem Gespräch auf einer Parkbank: "Rudi erklärte Peter, dass das, was er ihm gleich erzählen würde, geheim bleiben müsse. Er dürfe es nicht mit seinen Freunden besprechen, und auf keinen Fall mit Michael, seinem jüngeren Bruder. Peter nickte, und Rudi begann: 'Ich bin nicht der, für den du mich hältst. Ich bin kein Deutscher, und ich heiße nicht Rudi. Ich bin ein Tscheche namens Dalibor Valoušek, und ich arbeite für die Sowjetunion, für den KGB.' Seine Mission als Spion sei es, den Weltfrieden zu sichern, sagte er. Zwei Gedanken schossen Peter durch den Kopf. Jahrelang hatte er sich unfähig gefühlt, sich mit der Welt und den Menschen in ihr zu identifizieren. Teilweise lag das daran, da war er sich sicher, dass er außer seinen Eltern und seinem Bruder keine Familie hatte. Als ihm sein Vater von Großeltern, Onkeln und Tanten hinter dem eisernen Vorhang erzählte, fragte er sich, ob sich jetzt alles ändern würde. Gleichzeitig war das Geständnis seines Vaters ein Schock, der ihn körperlich erschütterte. Die Russen! Der KGB! Die Gedanken trafen ihn wie ein Blitz. (...) Rudi kam zum wichtigsten Teil des Gesprächs. 'Bist Du bereit, ein Geheimdienstoffizier wie ich zu werden?', fragte er. In Peters Kopf drehte sich alles, und er wusste nicht, was er denken oder sagen sollte. Aber er blieb äußerlich ruhig und nickte zustimmend."
Stichwörter: KGB-Spion, KGB

Magazinrundschau vom 01.04.2025 - Guardian

Samanth Subramanian rollt die Produktions- und Rezeptionsgeschichte einer Fernsehserie auf, die in Dänemark im Jahr 2022 nicht nur das TV-Publikum, sondern auch die Politik in Atem hielt. "The Black Swan" war eine Versteckte-Kamera-Sendung, die zeigte, wie Amira Smajic, eine vermeintlich kriminelle Anwältin, mit zahlreichen Klienten - Mitglieder von Bikergangs, Geschäftsleute, andere Anwälte - diverse Verbrechen besprach (mehr in der SZ). Warum schlug die von Regisseur Mads Brügger kreierte Sendung derart hohe Wellen? "'Die Dänen sind komplett davon überzeugt, dass es in Dänemark keine Korruption gibt, und sie glauben auch an die Idee, dass Dänemark das 'Ende des Weges' ist', sagt Brügger und bezieht sich dabei auf die Vorstellung des Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, dass 'das Erreichen von Dänemark' das Ziel jeder modernen Demokratie sei. ''The Black Swan' hat diese Illusion platzen lassen', so Brügger. 'Es war Dänemarks 'Red-Pill-Moment''. (...) 'Uns wird schon in jungen Jahren beigebracht, dass man das System nicht betrügt, weil man damit allen Menschen schadet', sagt Ane Cortzen, eine Fernsehmoderatorin und Schwester Brüggers. 'Steuerbetrug ist eines der schwerwiegendsten Verbrechen, die man begehen kann.' Kalle Johannes Rose, außerordentlicher Professor an der Copenhagen Business School, erklärt: 'Die meisten dänischen Skandale haben mit dem Staat zu tun - öffentliche Gesundheitsversorgung, öffentliche Banken, öffentliches irgendetwas. Die Menschen wollen sicher sein, dass ihre hohen Steuern richtig ausgegeben werden. Wenn sie dem System nicht vertrauen, zahlen sie ihre Steuern nicht, und dann fällt das ganze System wie ein Kartenhaus in sich zusammen.' 'The Black Swan' forderte die Zuschauer dazu auf, über ihren schlimmsten Albtraum nachzudenken: Was passiert, wenn all das, was nicht nur das reibungslose Funktionieren ihres geliebten Wohlfahrtsstaates ermöglicht, sondern auch das Wesentliche dessen ausmacht, was Dänen stolz macht, Dänen zu sein, kollabiert." Freilich sind auch Zweifel angebracht, ob bei der Produktion von "The Black Swan" alles mit rechten Dingen zuging, wie Subramanian im Anschluss bemerkt. Smajic, die in der Vergangenheit tatsächlich in kriminelle Geschäfte verwickelt war, spielte möglicherweise nicht durchgängig mit offenen Karten, und Brüggers Methoden sind medienethisch durchaus bedenklich.

Magazinrundschau vom 25.03.2025 - Guardian

Joshua Leifer beschäftigt sich mit dem politischen Erbe Meir Kahanes, eines rechtsextremen Rabbis, der 1971 aus den USA nach Israel zog und zum Zugpferd einer radikalen Bewegung wurde, die unter anderem die Vertreibung aller Palästinenser aus Israel und den besetzten Gebieten forderte. Derartige ethnische Säuberungen waren für ihn eine "religiöse Verpflichtung (...): Die Anwesenheit von Nicht-Juden, so argumentierte er, verunreinige das Heilige Land und verzögere die Erlösung. Er stellte die Vertreibungen auch als eine demografische Notwendigkeit dar: Ohne solche Maßnahmen, darauf bestand er, gäbe es keine Möglichkeit, eine jüdische Mehrheit zu garantieren. Die Idee des Bevölkerungstransfers war dem zionistischen Denken nicht fremd. Jabotinskys Revisionisten hatten sie zeitweise befürwortet; Ben-Gurion hatte sie mit den britischen Mandatsbehörden besprochen. Doch nach der Gründung Israels, die zur Vertreibung und Flucht von etwa 700.000 Palästinensern führte - was die Palästinenser die Nakba, also Katastrophe, nennen -, war die Idee in der Öffentlichkeit kaum noch präsent. In den 1950er Jahren galt sie nicht mehr als politisch tragfähige Position. Kahane durchbrach dieses Tabu. Seine Sichtweise und insbesondere die religiöse Sprache, in der er sie formulierte, waren 'wohl beispiellos in der zionistischen Geschichte', schreibt Shaul Magid, ein führender Gelehrter des Judentums, in seiner jüngsten Studie über Kahanes Denken, sie 'gingen selbst über die maximalistischsten Revisionisten hinaus'." Kahanes eigene politische Karriere in Israel war nicht sehr erfolgreich. Heute jedoch ist der Kahanist Itamar Ben Gvir israelischer Minister für die Nationale Sicherheit Israels und versucht dessen Pläne umzusetzen.

Magazinrundschau vom 18.03.2025 - Guardian

Ghaith Abdul-Ahad porträtiert zwei junge Syrer, Mustafa und Ashraf, die aufgrund polizeilichen beziehungsweise ökonomischen Drucks dem Regime Assads als Soldaten gedient hatten. Beide Männer stehen nach dem Machtwechsel in ihrer Heimat vor dem Nichts. Ganz besonders Ashraf, der der Minderheit der Alawiten angehört: "Zu Hause in seinem Dorf war die Armut, die Ashraf einst dazu getrieben hatte, der Armee beizutreten, überall um ihn herum sichtbar - in dem kleinen Wohnzimmer mit dem kahlen Betonboden, in dem alten, abgetragenen Mantel seines Vaters, in dem groben Tabak, den alle rauchten. Mit der Auflösung der Armee und der Sicherheitskräfte und der Entlassung von Zehntausenden Regierungsangestellten - viele von ihnen Alawiten - machte sich in Ashrafs Gemeinschaft ein wachsendes Gefühl der Verfolgung breit. Er fühlte sich doppelt verraten: einmal von dem Regime, dem er gedient hatte, und dann, als es fiel, von den Rebellen. Er und andere Offiziere hatten gehofft, dass ihre Entscheidung, nicht gegen die Aufständischen zu kämpfen, von den neuen Machthabern in Damaskus belohnt werden würde. Stattdessen wurden sie aus ihren Ämtern entlassen und lebten nun in ständiger Angst vor Vergeltung. Zunächst hatten es die Rebellen - zumindest in den großen Städten - geschafft, großflächige Racheakte an ehemaligen Regimetreuen zu verhindern. Anfangs, so erzählte Ashraf, waren Kämpfer der neuen Machthaber in sein Dorf gekommen und hatten eine Versammlung mit den Ältesten abgehalten, in der sie versicherten, dass die Ordnung gewahrt bleibe. Doch in vielen ländlichen Gegenden, besonders dort, wo sunnitische und alawitische Dörfer nebeneinander existierten, waren Dutzende alawitische Männer entführt worden. Einige waren kurzerhand hingerichtet worden, andere verschwanden spurlos. 'Ich habe', sagte Ashraf, 'nicht mehr vor dem Regime Angst, sondern vor Banden, die über das Land ziehen, und vor Menschen, die nach Rache rufen.'" Das war freilich noch vor den islamistischen Massakern an alawitischen Zivilisten Anfang März, auf die Abdul-Ahad am Ende des Texts ebenfalls eingeht.
Stichwörter: Syrien, Alawiten, Damaskus

Magazinrundschau vom 11.03.2025 - Guardian

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Sophie Elmhirst gratuliert der australischen Autorin Helen Garner zum Achtzigsten. In ihrer Heimat wird sie seit fünfzig Jahren verehrt und gefeiert, berühmt wurde sie mit ihrem Roman "Monkey Grip", in dem es darum geht, wie sie in den 1970er Jahren mit ihrer Tochter in Kommunenhäusern in Melbourne lebte.  Sie ist so beliebt, "dass ihr Verleger kürzlich ihre Einkaufsliste - Äpfel, Birnen, Sardinen, Alufolie - auf seinem Blog veröffentlichte, weil er so oft von Lesern gehört hatte, sie würden alles lesen, was sie schrieb." International ist sie längst nicht so erfolgreich - ob sich das auf ihre alten Tage noch ändern wird? Im März werden jedenfalls in Großbritannien und den USA ihre Tagebücher unter dem Titel "How to End a Story" in einem 830-seitigen Band veröffentlicht, der zwei Jahrzehnte, von 1978 bis 1998, abdeckt - und dessen Lektüre Elmhirst nur empfehlen kann: "Das Tagebuchschreiben schärfte Garners prägnanten Stil und ihre schonungslose Selbstprüfung. Es hat auch ihren Blick geschult. Er schweift weit umher, obwohl er selten auf große Ereignisse fällt. Als sie nachsah, was sie im Jahr 1975 über den Zusammenbruch der australischen Regierung, der als die größte Verfassungskrise in der Geschichte des Landes gilt, geschrieben hatte, fand sie keinen einzigen Eintrag. Stattdessen ist es das Alltägliche und Besondere, das Garners Aufmerksamkeit erregt: die große Scham, wenn ihr eine Freundin sagt, dass ihr ein Hemd nicht steht, die tiefe Trauer, wenn ein Kind das Haus verlässt, der 'große weiche Klumpen Scheiße', den ihr Enkel auf ihrem Klavierhocker abgelegt hat. Der Gesamteindruck ist von kompromissloser Ehrlichkeit geprägt. Niemand wird verschont, am allerwenigsten sie selbst. Allerdings kann man Garners Version von sich selbst nicht immer trauen. Sie kann sich selbst verunglimpfen bis hin zum Masochismus. In den Tagebüchern schimpft sie über ihre Faulheit, über die Tatsache, dass sie nie eine große Schriftstellerin sein wird, über ihre Grenzen als Mutter und Ehefrau. Ihr Aussehen beschreibt sie mal als 'gestärkt', mal als 'struppig': 'Frauen wie ich laufen so schnell, wie sie können, mit dem Ziel, ein verschwommener Fleck zu werden. Als ich sie fragte, wie sie sich jetzt mit ihrem Körper fühle, krähte sie: 'Oh, es ist eine verdammte Horrorshow!'"

Magazinrundschau vom 11.02.2025 - Guardian

Andrew Liu kontrastiert die wirtschaftspolitischen Prioritäten Donald Trumps und Xi Jinpings. Wo Trump die amerikanische Vormachtstellung mit Strafzöllen zu erhalten hofft, setzt Xi nach wie vor in erster Linie auf Chinas Exportstärke. Der Ursprung der Differenzen liegt Jahrzente zurück, argumentiert Liu: "Wie das Trump'sche lässt sich auch Xi Jinpings wirtschaftliches Weltbild mit prägenden Erfahrungen in den 1980er Jahren erklären. Die politischen Karrieren beider Männer wurden durch den rasanten globalen Aufstieg Japans und der Asien-Pazifik-Region geprägt. Für Xi folgte daraus die Hinwendung zum Export von Konsumgütern über den Pazifik. In Küstenstädten wie Shenzhen und Xiamen positionierten sich Beamte als Erben der wirtschaftlichen 'Wunder' Asiens nach dem Zweiten Weltkrieg. In Diskussionen verwiesen sie auf die Beispiele Hongkongs und Taiwans, doch diesen lag stets die wegweisende Erfahrung Japans zugrunde. Für Trump hingegen verkörpert Japan eine prägende Begegnung mit bedrohlichem ausländischem Kapital, einem nationalen Handelsdefizit und dem Niedergang der amerikanischen Industrie. Er setzte frühzeitig auf eine nationale Reaktion gegen die wirtschaftliche Konkurrenz aus dem Pazifikraum - gegen eine Entwicklung, die sich ironischerweise aus den eigenen Nachkriegsallianzen der USA herausgebildet hatte." Eine Kollision der beiden Strategien scheint unvermeidlich: "Sollten sich die aktuellen Entwicklungen fortsetzen, erleben wir eine Clash wirtschaftlicher Kursrichtungen, die vor 40 Jahren in Gang gesetzt wurden: Xi Jinpings Festhalten an einer exportgetriebenen Industrialisierung trifft auf Trumps jahrzehntelange Fixierung auf protektionistische Zölle. Diese Widersprüche bilden das Spielfeld, auf dem sich ein Großteil der Welt nun bewegt. Irgend jemand wird nachgeben müssen, doch eine einfache Lösung scheint kaum vorstellbar. Früher oder später werden selbst die lautesten Kritiker Trumps einräumen müssen, dass seine Ideen - im Zusammenspiel mit denen Xi Jinpings - den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Epoche markieren."