
Samanth Subramanian
rollt die Produktions- und Rezeptionsgeschichte einer Fernsehserie auf, die in
Dänemark im Jahr 2022 nicht nur das TV-Publikum, sondern auch die Politik in Atem hielt. "The Black Swan" war eine
Versteckte-
Kamera-
Sendung, die zeigte, wie Amira Smajic, eine vermeintlich kriminelle Anwältin, mit zahlreichen Klienten - Mitglieder von Bikergangs, Geschäftsleute, andere Anwälte - diverse Verbrechen besprach (
mehr in der SZ). Warum schlug die von Regisseur
Mads Brügger kreierte Sendung derart hohe Wellen? "'Die Dänen sind komplett davon überzeugt, dass es in Dänemark
keine Korruption gibt, und sie glauben auch an die Idee, dass Dänemark das 'Ende des Weges' ist', sagt Brügger und bezieht sich dabei auf die Vorstellung des Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, dass 'das Erreichen von Dänemark' das Ziel jeder modernen Demokratie sei. ''The Black Swan' hat diese Illusion platzen lassen', so Brügger. 'Es war Dänemarks 'Red-Pill-Moment''. (...) 'Uns wird schon in jungen Jahren beigebracht, dass man das System nicht betrügt, weil man damit allen Menschen schadet', sagt Ane Cortzen, eine Fernsehmoderatorin und Schwester Brüggers. '
Steuerbetrug ist eines der schwerwiegendsten Verbrechen, die man begehen kann.' Kalle Johannes Rose, außerordentlicher Professor an der Copenhagen Business School, erklärt: 'Die meisten dänischen Skandale haben mit dem Staat zu tun - öffentliche Gesundheitsversorgung, öffentliche Banken, öffentliches irgendetwas. Die Menschen wollen sicher sein, dass ihre hohen Steuern richtig ausgegeben werden. Wenn sie dem System nicht vertrauen, zahlen sie ihre Steuern nicht, und dann fällt das ganze System wie ein Kartenhaus in sich zusammen.' 'The Black Swan' forderte die Zuschauer dazu auf, über ihren schlimmsten Albtraum nachzudenken: Was passiert, wenn all das, was nicht nur das
reibungslose Funktionieren ihres geliebten Wohlfahrtsstaates ermöglicht, sondern auch das Wesentliche dessen ausmacht, was Dänen stolz macht, Dänen zu sein, kollabiert." Freilich sind auch Zweifel angebracht, ob bei der Produktion von "The Black Swan" alles mit rechten Dingen zuging, wie Subramanian im Anschluss bemerkt. Smajic, die in der Vergangenheit tatsächlich in kriminelle Geschäfte verwickelt war, spielte möglicherweise nicht durchgängig mit offenen Karten, und Brüggers Methoden sind medienethisch durchaus bedenklich.