
Unter den goldenen Worten "Le President" lächelt Jacques Chirac in Siegerpose auf dem Titelblatt der Sonderausgabe des
Express, die sich in dieser Woche den Ergebnissen der
Präsidentschaftswahlen widmet. Noch hundert Tage bleiben Chirac bis zu den Parlamentswahlen am 18. Juni 2002,
stellt Eric Mandonnet fest. "Wir werden sofort Reformen ansetzten, für die die Franzosen reif sind, nämlich
Reformen in den Bereichen
Steuern und
Sicherheit und noch keine in den Bereichen Rente und Bildung.", sagt Fillon. Der Präsident will sein Volk nicht enttäuschen.
Der Präsident
kündigt also Reformen an, aber keineswegs Änderungen der
französischen Verfassung. "Man muss diese französische Manie aufgeben, jedesmal wenn es eine
Regierungskrise gibt, die Republik verändern zu wollen", ereifert sich Patrick Devedjian, Anwalt und Abgeordneter der RPR. Und weiter: "Wir haben den 'Conseil constitutionnel', der Grundlage eines
Rechtsstaates ist. Eine Verfassung hat zu tun mit Kultur, mit Rechtsprechung, mit Zivilisation. Das alles jetzt über den Haufen werfen zu wollen, wäre so, als ob man die Bibliothek von Alexandria niederbrennen wollte!"
Der
Express bringt ein langes
Porträt des neuen Präsidenten
Jacques Chirac. Die Franzosen haben sich nicht geirrt, Chirac vertritt starke demokratische Überzeugungen. Trotzdem hat er schon oft während seiner langen Karriere die Seite gewechselt.
Jacqueline Remy
analysiert die Rolle
Bernadette Chiracs, die ihrer Meinung nach einen entscheidenden Beitrag zur Wahl des Präsidenten beigetragen hat. Vielleicht, weil sie sich nach wie vor
"Bichette" nennen lässt und sogar den Inhalt ihrer Handtasche preisgibt, glaubt Remy.
Denis Jeambar
kommentiert die Wahlen und resümiert: "Trotz der Niederlage Le Pens am vergangenen Sonntag, sind die Präsidentschaftswahlen eine
politische Tragödie, die Frankreich unterwandert. Wir tanzen noch immer auf dem Vulkan, mit verbundenen Augen und die überraschten Blicke des Rests der Welt sind auf uns gerichtet. Wir haben unsere Grundwerte verraten und sind alle verantwortlich für dieses
Verbrechen."
Außerdem: Michel Faure
stellt eine neue historische Studie über das Terrorregime Pinochets vor,
"Le Dossier Pinochet" von Dominique Rizet und Remi Bellon. Neue
japanische Bücher empfiehlt Michel Grisolina. Besprochen werden
"Mes annees Picasso" des Journalisten Georges Tabaraud, der mit dem Maler eng vertraut war (die Besprechung finden Sie
hier, und die ersten Seiten lesen Sie
hier) und
"Teen Sprit" von Virginie Despentes, der Autorin des skandalumwitterten Romans "Baise moi" (lesen Sie
hier). Der
Express versammelt zudem eine Reihe neuer lesenswerter, aber auch einfach
schöner Kunstbücher -
passend zum schönen Monat Mai.
Und:
Wider das Vergessen - auch im
Netz: Mit einem interaktiven
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