Manuel Castells

Das Informationszeitalter

Band 1: Die Netzwerkgesellschaft
Leske und Budrich Verlag, Leverkusen 2001
ISBN 9783810032232
Gebunden, 632 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Reinhart Kößler. Im ersten Band seiner Trilogie "das Informationszeitalter" betrachtet Castells die ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung im Informationszeitalter. Auf der Grundlage von Daten aus den USA, Asien, Lateinamerika und Europa entwickelt er eine systematische Theorie der Informationsgesellschaft, die die fundamentale Bedeutung der Informationstechnologie für die heutige Welt berücksichtigt. Die USA, Westeuropa, Russland, Bolivien, die Islamische Welt, China und Japan sind die Beobachtungsfelder des Autors, der die sozialen Prozesse ebenso untersucht wie die politischen Probleme des Nationalstaats und der Demokratie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.04.2003

Drei Bände umfasst Manuel Castells Studie über unsere Netzwerkgesellschaft, und Ludger Heidbrink meint, sie hätten das Zeug zum soziologischen Klassiker. Denn dem in Berkeley lehrenden Wissenschaftler sei es gelungen, ein passendes Etikett für den gesellschaftlichen Umbruch und den grundlegenden Wandel im Zeitalter von Informationstechnologien, globaler Vernetzung, der Auflösung von Nationalstaaten, dem Niedergang des Industriekapitalismus zu finden, so Heidbrink. Für ihn zeichnet Castells ein hochambivalentes Bild von der Informationsgesellschaft; wo auf der einen Seite der Datentransfer blühe und die Produktivität steige, bestünde auf der anderen Seite die Gefahr des sozialen Ausschlusses (bis hin zu ganzen Territorien). Die Politik verliere an Glaubwürdigkeit, zugleich formierten sich kraftvolle zivilgesellschaftliche Bewegungen, denen es jedoch an einer gemeinsamen Projektidentität fehle, referiert Heidbrink das Castells'sche Szenario. Trotz Materialfülle und seines kompilatorischen Charakters trage das dreibändige Buch zur Entwirrung unserer - in den Worten Castells' - "informierten Verwirrtheit" bei, schließt Heidbrink.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2002

Dass Manuel Castells im Klappentext als "Guru des Informationszeitalters" tituliert wird, lässt erst mal nicht viel Gutes ahnen, meint der Rezensent Bernhard Dotzler. Er ist dann aber doch recht angetan vom dreibändigen, nun mit den ersten beiden Bänden übersetzten (und für die Übersetzung vom Autor noch einmal überarbeiteten) opus magnum des einst aus Spanien nach Frankreich, dann nach Berkeley emigrierten Soziologen Castells. Zwar, räumt Dotzler ein, sind die Thesen des Autors zur Globalisierung und zur Ausbreitung einer weltweit vernetzten Gesellschaft "nicht unbedingt originell", wahr und richtig aber sind sie, wie er findet, dennoch. Zumal Castells die Hinweise auf die - systemnotwendigen - Ausschlüsse, die Löcher im Netz, nicht verschweigt, so wenig wie die Ausbreitung der "Wüste" an den Rändern und die durch und durch modernen Gegenbewegungen, zu denen auch der islamische Fundamentalismus gehört. Mehr noch: Castells begnügt sich, so Dotzler, nicht mit der Aufzählung des Üblichen, er breitet "das Kleingedruckte" aus und füllt die Abstraktion mit anschaulichen Details, aber auch einfach mit akribisch recherchierten Daten und Fakten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2002

Professor Castells aus Berkeley, Kalifornien, ist der neueste "Guru des Informationszeitalters". So jedenfalls das "Focus"-Zitat im Klappentext - und ganz unberechtigt, jedoch mehr im Bösen als im Guten, ist die Behauptung nicht, meint Niels Werber in seiner Rezension. Vieles in seinem selbst schon voluminösen ersten Band einer geplanten Theorie-Trilogie liest sich, so Werber, wie "ein Börsenbrief der Ultra-Hausse-Phase" der New Economy. Wir befinden uns, meint Castells, mitten in der Revolution: alles neu macht die Netzwerkgesellschaft. Computer vernetzen die Menschen rund um den Globus, aber auch in jeder kleinen Firma, die globale Wirtschaft ist von ungeheurer "Flexibilität und Anpassungsfähigkeit". Mag ja sein, meint Niels Werber, eine aufregend neue Erkenntnis ist es jedenfalls nicht. Schlimmer noch wird es, wenn Castells beginnt, sich als neuen Max Weber zu imaginieren, ohne doch zu mehr als einer ganz simplen These zu gelangen, die Werber so kommentiert: "Wie die Technik, so die Gesellschaft. So einfach kann Soziologie sein." Die vielen Statistiken, die Castells aufführt, helfen da, meint der Rezensent, nicht weiter, dass die deutsche Übersetzung regelmäßig die Zahlwörter verwechselt, komme erschwerend hinzu.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.11.2001

Für den Leser dieses Bandes "tut sich ein neuer Kontinent auf", schreibt Rezensent Robert Misik. Der Autor bietet seiner Ansicht nach auf 632 Seiten eine "brillante Synthese" der Umwälzungen, die durch das Internet entstanden sind. Die Welt entwickelt sich anders als früher, lehre Castells: Sie lasse sich nicht mehr nach "industrialisierter Welt" und "Entwicklungsländern" unterscheiden - jetzt gehe es um "online oder offline". Es sei eine "regelrechte Netzwerkmentalität" entstanden, übermittelt der Rezensent, von der ebenso Großkonzerne wie Globalisierungsgegner profitierten. Auch warnende Hinweise hat Misik dem Werk entnommen: Die neue Technik ist "noch lange nicht" neutral, nur weil unterschiedlichste Interessenten sie nutzen könnten. Castells belege seine Ausführungen mit einer Fülle von Zahlen, Daten und Statistiken, ohne banal zu werden. So gelinge es ihm, die Gegenwart "auf neuartige Weise" einzufangen, lobt der Rezensent.
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