Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.07.2024 - Kunst

Louise Breslau, Jeune femme et chrysanthèmes - Porträt von Mina Carlson-Bredberg, 1890. Foto: Kulturmuseum St. Gallen, Michael Elser

Das Städel Museum Frankfurt widmet einem von der Kunstgeschichte weitgehend übersehenen Netzwerk von Künstlerinnen - einem von vielen - eine umfangreiche Schau. Im Zentrum der Ausstellung, die Werke von 25 Malerinnen und Bildhauerinnen präsentiert, steht Ottilie W. Roederstein (1859-1937). Ein wichtiger Ort für das Netzwerk war, schreibt Lisa Berins in der FR, Paris: "In der französischen Kunstmetropole herrschte in den 1880ern ein freiheitlicheres Klima als in Deutschland. Künstlerinnen konnten dort in privaten 'Damenakademien' lernen und lebten oft in Wohngemeinschaften, weil es sich für eine Frau nicht gehörte, alleine zu wohnen. Louise Breslau war eng mit Roederstein befreundet. Auf ihrem 'Porträt der Freunde' von 1881 hält sie sich und ihre Künstlerinnen-WG mitsamt zotteligem Hündchen auf dem Tisch fest. Das Bild ist ein schöner Opener der Ausstellung, es will sagen: Es geht hier nicht um Konkurrenz, sondern um Zusammenhalt, auch um Freundschaft."

Till Briegleb betrachtet in der SZ Fotografien Henri Cartier-Bressons, die derzeit im Hamurger Bucerius-Kunst-Forum ausgestellt sind. Besonders beeindruckt ist er von Fotografien, die der Künstler am Rande weltgeschichtlich wichtiger Ereignisse schießt. Und zwar, weil sich Cartier-Bresson konsequent von den vermeintlichen Hauptpersonen abwendet: "Wackelnd wie ein Boxer oder nervös wie eine Libelle fixierte der ständig Angespannte mit seiner Leica das Geschehen und entschied sich dann, lieber die Schaulustigen der Krönungsparade mit ihren selbstgebastelten Periskopen zu zeigen, die verzweifelten und trauernden Menschen rund um Gandhis Einäscherung in Delhi 1948, oder mit der Waffe noch ungeschickte Zivilisten in den Straßen von Paris, die auf deutsche Landser zielen."

Außerdem: Thomas Wochnik schippert im Tagesspiegel mit dem Ausstellungsschiff Hošek Contemporary über die Spree. Ingeborg Ruthe erinnert in der Berliner Zeitung an Sigismund Streit, Kunstmäzen aus dem 18. Jahrhundert.

Besprochen werden die Schau "Luiz Roque, Pia Arke, Jimmy DeSana & Paul P." im KW Institute for Contemporary Art, Berlin (monopol) und die Sonderausstellung "Prinzip Held* - Von Heroisierungen und Heroismen" im Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2024 - Kunst

'Hurrah! for the Whaler Erebus! Another Fish!' exhibited 1846, Joseph Mallord William Turner. Foto: Tate.


FAZ-Kritiker Stefan Trinks kommt in der Ausstellung "Turners sublimes Vermächtnis" im Grimaldi Forum in Monaco nicht nur in den Genuss, die schönsten Werke Turners zu sehen. Es eröffnet sich ihm mit der Verortung seines Werkes in Edmund Burkes "Theorie des Sublimen" auch eine ganz neue Perspektive auf die Bilder: "Eine schmale Serie von Bildern hat Turner den Grausamkeiten des Walfangs gewidmet, die innerhalb der Epoche des Sublimen zum Subtilsten gehören, was er geschaffen hat. Sein schon ironietriefend betiteltes Großformat 'Hurra dem Walfänger Erebus! Noch ein Fisch!' von 1846 lässt das gewaltige Tier zwischen den Menschenmassen links zu Boote und den mit unschuldig weißen Segeln getakelten Zweimaster Erebus am rechten Bildrand regelrecht verschwinden, als sei er bereits vollständig zu Tran verarbeitet. ... Alles ist in ein so gedämpftes wie scheinbar versöhnliches goldenes Licht getaucht; die wie Liliputaner auf das Tier einhackenden Waljäger sind wiederum nur in Karmesinrot konturiert."

People of Salt / 2024 / installation / metal, aluminum, scythes, pumps, water, potassium permanganate, potassium, found objects / courtesy of the artist. Biennale Matter of Art 2024, National Gallery Prague - Trade Fair Palace © Jonáš Verešpej


Yelizaveta Landenberger reist ebenfalls für die FAZ auf die Kunstbiennale "Matter of Art" in der Prager Nationalgalerie. Zu den Highlight gehört eine "eigenwillige Brunnenskulptur" des belarussischen Künstlers Uladzimir Hramovich mit dem Titel "People of Salt": "Aus verrosteten Arbeiterschutzhelmen sprudelt braunes Wasser, gerade gebogene Sicheln sind wie Bajonette auf Metallspeere aufgesteckt, von denen Seitenbleche mit rötlichen Salzkristallen abstehen. Der Titel erinnert an den Aufstand der Arbeiter in den Salzminen in der belarussischen Stadt Salihorsk während der gescheiterten belarussischen Revolution von 2020. Nachdem die friedlichen Massenproteste gegen die Dauerherrschaft von Alexander Lukaschenko gewaltsam niedergeschlagen wurden, mussten viele, auch Hramovich, das Land verlassen." Leider sieht Landenberger auch "ärgerlich schwache Arbeiten" - vielleicht haben sich die Kuratoren mit einer sehr politischen Ausrichtung etwas überschätzt, meint sie.

Besprochen wird die Ausstellung "Was sind das für Zeiten? - Grosz, Brecht & Piscator" im Kleinen Grosz Museum in Berlin (tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2024 - Kunst

John Singer Sargent Lady Agnew of Lochnaw (1864-1932) 1892 National Galleries of Scotland. Purchased with the aid of the Cowan Smith Bequest Fund 1925

Die Werke des "letzten Porträtfürsten" John Singer Sargent kann sich Manuel Brug (Welt) wieder und wieder anschauen, denn es gibt immer etwas Neues zu entdecken. So auch in dieser Schau: "Sargent and Fashion" in der Tate Britain in London nimmt die prunkvollen Roben der Belle Époque in den Blick, die auf den Bildern die zweite Hauptrolle spielen. Ein paar der Originalkleider gibt auch in Echt zu sehen "aus Chiffon und Tüll, Filz und Pelz, Samt und Käferpanzern". Aber während man denen ihr Alter ansieht, bleiben die Stoffe auf den Bildern für immer prunkvoll: "Da ist natürlich 'Madame X': Jenes Skandalbild aus dem Pariser Salon von 1884, wo ein heruntergerutschter Träger der Abendrobe im Verein mit einem angeblich zu herausfordernden Blick für eine verheiratete Frau negativ Furore machte, das unbotmäßige Kleiderteil musste übermalt werden. Aber da sind auch 'Nelke, Lilie, Lilie Rose' von 1885: Zwei Mädchen in weißen Kleidern zünden in einem Liliengarten Lampions an, ein Mirakel zarter Farbigkeit, impressionistisch anmutend, doch mit sehr konkretem Strich gemalt."

Birgit Rieger unterhält sich im Tagesspiegel mit dem scheidenden Direktor der Berliner KW Institute for Contemporary Art, Krist Gruijthuijsen, zum Ende seiner Amtszeit. Im Gespräch skizziert Gruijthuijsen Profil und Entwicklung des Ausstellungsortes KW und erläutert das kuratorische Leitkonzept der letzten Jahre. Außerdem thematisiert er Joe Chialos Antidiskriminierungsklausel: "Diese Klausel hat uns allen großen Stress bereitet. Ich habe mich bemüht, dem Kultursenator und der Politik nahezubringen, dass wir nur gemeinsam gegen Diskriminierung kämpfen können, dass wir uns jedoch gegenseitig zugleich Freiheit zusichern müssen. Antidiskriminierung muss gelebt werden, wir sitzen in der Kultur alle im selben Boot. Aber wir positionieren uns wie Gegner*innen und verstehen die gemeinsamen Ziele nicht mehr. Deshalb wird auch so viel rechts gewählt. Man spricht nicht mehr miteinander. Dann gibt es plötzlich Maßnahmen wie diese Klausel - ein reines Kontrollinstrument."

Besprochen werden die Installationen "Marien Discoball" und "Göttliches Licht" von Jörg Oswald und Rainer Düvell in der Berliner Kirche St. Marien (FAZ), die Ausstellung "Anna Haifisch. Bis hierhin lief's noch gut" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (SZ) und die Ausstellung "Forever young - Oskar Manigk zum 90. Geburtstag - Malerei " in der Galerie Mutare in Berln (tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2024 - Kunst

Bild: Firelei Báez, A taxonomy for tenderness (Carte figurative et approximative représentant pour l'année 1858 les émigrants du globe), 2023. Privatsammlung, © Firelei Báez, Courtesy die Künstlerin und Hauser & Wirth, Foto: Jackie Furtado

Gemeinsam mit dem dänischen Louisiana Museum of Modern Art konzipiert, ist derzeit im Kunstmuseum Wolfsburg unter dem Titel "Trust Memory Over History" eine Ausstellung der dominikanisch-amerikanischen Künstlerin Firelei Báez zu sehen und taz-Kritikerin Eva-Christina Meier bewundert, wie Baez historische Dokumente in leuchtenden Farben um Perspektiven der afrikanischen Diaspora erweitert: "Archivdrucke von Konstruktionsplänen oder Landkarten überträgt sie auf die Leinwand, um diese anschließend hinter intensiven Farbschichten und kunstvoll aufgetragenen Motiven verschwinden zu lassen. So zeigt 'Fruta Fina. Fruta estraña (Lee Monument)' (2022) die hyperrealistische Darstellung eines rätselhaft verlockenden Objekts aus leuchtend roten Frucht-, Zell- und Pflanzenelementen, die mit schwarz glänzenden Haarknoten verwoben scheinen. Nur schemenhaft erkennt man dahinter die technische Skizze einer Reiterstatue. Es handelt sich hierbei um den Plan für ein Denkmal des konföderierten Generals Robert E. Lee von 1884. Die Entfernung des heute umstrittenen Lee-Monuments löste 2017 in Charlottesville, Virginia, gewalttätige und tödlich endende Proteste von weißen Nationalisten und Rechtsradikalen aus."

Lebohang Kganye, Mohlokomedi wa Tora, 2018, Scene 2 © Lebohang Kganye

In der FR rät Lisa Berins unbedingt zu einer Reise ins Eschborner The Cube, wo mit "Echoes" und dem "Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2024" gleich zwei Schauen zu sehen sind, die "gesellschaftskritische, experimentierfreudige, humorvolle fotografische Positionen" zeigen. Der Preis geht dieses Jahr an die "Südafrikanerin Lebohang Kganye für ihre Ausstellung 'Haufi nyana? I've come to take you home' am Foam Fotografiemuseum in Amsterdam. Dort hatte Kganye in einer bühnenartigen Installation zwei fotografische Kulissen aufgebaut, die sich mit Apartheid und Kolonialismus auseinandersetzen. Die Installation ist nun, neben den Werken der drei weiteren Finalistinnen und Finalisten, im The Cube zu sehen. Mit fast lebensgroßen, schwarz-weißen Aufstellern reinszeniert die 1990 geborene Südafrikanerin Bilder aus dem Familienalbum: Zu sehen sind die Küche ihrer Großmutter und eine Außenszene, in der ihr Großvater vor einem Township House auf einem Stuhl sitzt. Weitere Verwandte tauchen in den Tableaus auf. Kganyes Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit den Folgen der Apartheidsgesetze für ihre Familie, die zum Umzug und zur Änderung ihres Nachnamens gezwungen worden war."

Weitere Artikel: Für die FAS ist Karen Krüger mit dem deutschen Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano, der für sein Erinnerungsprojekt "Gegen das Vergessen" auf der ganzen Welt Zeitzeugen der nationalsozialistischen Verfolgung fotografiert, unterwegs in der Toskana, wo er Überlebende eines SS-Massakers getroffen hat. Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ erinnert Maximilian Gilleßen an das vor hundert Jahren entstandene "Surrealistische Manifest". Ebenda erzählt Georg Imdahl, wie Cory Arcangel Daten vom Laptop von Michael Majerus rettete, der 2002 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Am Beispiel von Caspar David Friedrichs Skizzenbuch, das im November 2023 im Auktionshaus Grisebach versteigert worden war, von der Berliner Kulturverwaltung aber an der Ausfuhr gehindert und mithilfe einer Stiftung für die Staatlichen Museen angekauft wurde, skizziert Monika Grütters im Tagesspiegel den Sinn des novellierten Kulturgutschutzgesetzes, das die Abwanderung nationalen Kulturguts aus Deutschland verhindern und den weltweiten illegalen Handel mit Kulturgütern bekämpfen will. In der NZZ erinnert Philipp Meier daran, wie Paul Klee als von den Nazis verfemter Künstler in die Schweiz zurückkehrte.

Besprochen werden die Ausstellungen "Houseplant is Leaving" mit Arbeiten der russischen Künstlerin Olga Chernysheva in der Berliner Galerie Volker Diehl (Tsp), eine Ausstellung mit Stillleben von Robert Mapplethorpe in der Berliner Galerie Thomas Schulte (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2024 - Kunst

Weiteres: Silke Hohmann interviewt für monopol mit der Kuratorin Yasmil Raymond eines der Mitglieder der neuen Documenta-Findungskommission, zuvor war sie Leiterin der Frankfurter Städel-Schule. Jakob Thaller interviewt die Künstlerin Sophia Süßmilch, deren Ausstellung "Then I'll huff and I'll puff and I'll blow your house in" in der Kunsthalle Osnabrück die ortsansässige CDU-Gruppe verbieten wollte, weil sie sich unter anderem mit Kannibalismus beschäftigt (Standard).

Besprochen werden: Die Ausstellungen "Sense of Human" von Sarah Lucas in der Kunsthalle Mannheim (Monopol), "Ohne Offenlegung" von Sung Tieu im Museum für Gegenwartskunst Siegen (taz), "Out of Focus" im Kunstverein Friedberg (FAZ) und "Mapping the 60s" im Wiener Mumok (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2024 - Kunst

Bild: Ausstellungsansicht Ana Lupas - On This Side of the River Elbe. Foto: Peter Tijhuis

Alexandra Wach (FAZ) ist glücklich, dass das Stedelijk Museum in Amsterdam der rumänischen Installationskünstlerin Ana Lupas eine erste große Retrospektive widmet. Zu sehen sind vor allem Textilarbeiten wie Mäntel und Shirts aus mehr als fünf Jahrzehnten, mit denen Lupas sich den Repressionen des Überwachungsstaates zu widersetzen versuchte: "Das Thematisieren von Identität jenseits des Kollektivs oder von religiösen Vorstellungen war im kommunistischen Rumänien verboten. (...) Kurz vor dem Kollaps des Ceaușescu-Regimes im Dezember 1989 erklärte sie den textil sichtbaren Teil der Körperlichkeit wieder zum Spiegel der Befindlichkeiten im Land. Aus der Massenproduktion stammten diese Mäntel jedenfalls nicht. Die an orangenen Kleidergestellen hängenden Unikate aus gefärbten Stoffresten von Militäruniformen sind durch viele Hände gegangen. Sie wurden von Freund zu Freundin gereicht, versehen mit der Aufforderung, seinen Namen auf einem Etikett einzutragen und dieses im Inneren des Mantels anzubringen. So blieb das Kunstwerk als solches von außen nicht erkennbar."

Bild:  Jürgen Hohmuth. Aus der Serie Chic, Charmant, Dauerhaft, Berlin 1983-1985

In der Zeit gerät Alexander Cammann in den Kunstsammlungen Jena ins Schwärmen dank der Schau "Der große Schwof. Feste feiern im Osten", die 300 Bilder aus der DDR zeigt, aber alle Ostalgie unterläuft: "Sie feiert stattdessen das Subversive, das Eigenständige, das Individuelle, das Rebellische und Widerständige in der DDR, ob nun auf privaten Dorffesten, Künstlerfeten, Turn- und Sportfesten, Modenschauen oder beim Vorbeidefilieren vor der Parteiführung am 1. Mai. (…) So hängen Tina Baras zwischen 1985 und 1988 entstandene Bilder eines Punkkonzerts und eines Hochzeitsfests vor der Ausreise aus der DDR auf einem Berliner Hinterhof gegenüber von Gerhard Webers irrwitzigem 'Ballett der russischen Soldaten' im Volkshaus Grimma, wo 1984 zum 67. Jahrestag der Oktoberrevolution Sowjetsoldaten in Frauenröckchen tanzten."

Documenta-Findungskommission, zweiter Anlauf: Nachdem im Herbst vergangenen Jahres die gefundene Findungskommission zurückgetreten war (unsere Resümees), wurden gestern die Namen der neuen sechs Kunstexperten bekanntgegeben. In der SZ bangt Jörg Häntzschel, ob erneut offene Briefe gefunden werden, die die Mitglieder unterschrieben haben könnten. "Auf den ersten Blick aber scheint es sich um eine Gruppe respektabler Kuratorinnen und Kuratoren zu handeln, deren Zusammenstellung angesichts des öffentlichen Drucks, unter dem die Documenta steht, natürlich präzise kalibriert ist. Die Mitglieder sind: Yilmaz Dziewior, der Direktor des Museums Ludwig; Sergio Edelsztein, ein in Buenos Aires geborener, in Berlin und Tel Aviv lebender Kurator, der dort das Tel Aviver Center for Contemporary Art gegründet und auch geleitet hat; die Kuratorin und Kulturpolitikexpertin N'Goné Fall, die aus Dakar stammt und in unterschiedlichsten Funktionen in Frankreich, Ägypten, Südafrika und Niger gearbeitet hat; die in Thailand geborene, in Südostasien tätige Kuratorin Gridthiya Gaweewong; Mami Kataoka, die Direktorin des Mori Art Museum in Tokio; und Yasmil Raymond, die bis zu ihrem vorzeitigen Ausscheiden nach vier Jahren im März Direktorin der Ausstellungshalle Portikus und Rektorin der Städelschule in Frankfurt war."

In der FAZ begrüßt auch Stefan Trinks die Auswahl: "In der designierten Findungskommission finden sich somit große Expertise im Feld dessen, was im Kuratieren kultureller Großveranstaltungen in Deutschland möglich ist und was nicht, wie auch ein sehr weiter Blick auf unterschiedlichste Positionen der zeitgenössischen Kunst weltweit ohne politisch-postkoloniale Einengungen." Im Tagesspiegel schreibt Nicola Kuhn, in der Berliner Zeitung Ulrich Seidler, in der Welt Marcus Woeller.

Weiteres: Im Tagesspiegel stellt Adrian Lobe die Plattform Cara vor, die insbesondere Künstler davor schützt, dass Nutzerdaten, wie etwa bei Meta, für das Training der hauseigenen KI genutzt werden. In der FAZ berichtet Ulf von Rauchhaupt vom Fund einer über 51.200 Jahre alten Höhlenmalerei auf der indonesischen Insel Sulawesi: Sie ist damit die früheste bekannte figürliche Kunst. In der taz spricht Sophie Jung mit dem Künstler Massimo Furlan, der im Rahmen der Ausstellung "Radical Playgrounds" im Gropius Bau nochmal das legendäre 1:0 der DDR gegen die BRD während der Fußballweltmeisterschaft 1974 aufleben lässt. Im Linzer Mariendom wurde Anfang der Woche einer Skulptur der Künstlerin Esther Strauß, die eine gebärende Maria zeigt, der Kopf abgesägt. Im Standard-Gespräch erkennt die Künstlerin darin den "Ausdruck einer hohen patriarchalen Gewaltbereitschaft, von der wir ja wissen, dass es sie gibt. Dafür spricht auch die hohe Femizidrate in Österreich."

Besprochen wird die Ausstellung "Now You See Us. Women Artists in Britain 1520-1920" in der Londoner Tate Britain (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2024 - Kunst

William Blake: Amerika, eine Prophezeiung © The Fitzwilliam Museum, University of Cambridge

Wolfgang Krischke besucht für die FAZ die William-Blake-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen (siehe auch hier). Er begegnet dort einem Künstler, dessen Werk zu Lebzeiten kaum angemessen gewürdigt wurde und nach wie vor zu selten ausgestellt wird. Blakes Bilder "sind bevölkert von Kriegern und Engeln, Ungeheuern, Fabeltieren und heldenhaften Recken, denen Blake Namen wie Orc, Los oder Bromion gab. In der Lichtgestalt Enitharmon hat er seiner Frau Catherine ein Denkmal gesetzt, die ihn beim Drucken und Kolorieren seiner Bilder intensiv unterstützte. (…) Die Bilderfolgen wirken streckenweise wie überaus anspruchsvoll gestaltete Storyboards zu Fantasyfilmen; tatsächlich liegen ihnen oft Visionen zugrunde, die Blake seit Kindertagen immer wieder überkamen. Doch was wie eine Flucht aus den Bedrückungen des Alltags in das Reich der Imagination wirken mag, war von Blake ganz anders gemeint. Er thematisierte mit seinen mystischen Allegorien die Gegenwart, in der er lebte und die bestimmt war von der ersten Phase der Industrialisierung, dem Aufstieg der exakten Wissenschaften und den Revolutionen in Nordamerika und Frankreich."

Am Linzer Dom wurde eine Marienstatue geköpft, möglicherweise aus religiösen Gründen, meldet der Standard. Ingeborg Ruthe erinnert in der Berliner Zeitung an den verstorbenen Maler Horst Zickelbein. Kerstin Holm stellt in der FAZ ein weiteres Fußballbild vor: Alexander Dejnekas "Torwart". Maxi Broecking schaut sich für die taz auf dem französischen Fotografiefestival "Les Rencontres d'Arles" um. Gerrit Terstiege bespricht für monopol den Fotoband "Stadt der Fotografinnen / Frankfurt 1844 - 2024".

Besprochen werden die Doppelausstellung "Passage" von Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl in der Hamburger Sammlung Falckenberg (monopol), Anna Steinerts Schau "Was am Tiefsten in der Welt liegt" in der Berliner Galerie Tanja Wagner (taz Berlin) und die Ausstellung "X. Premio Fondazione VAF - Aktuelle Positionen italienischer Kunst" in der Stadtgalerie Kiel (taz Nord).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2024 - Kunst

Ausstellungsansicht, Jenny Holzer: Light Line, May 17 - September 29, 2024, Solomon R. Guggenheim Museum, New York


Susanna Petrin berichtet für die NZZ aus New York von der Eröffnung der Retrospektive "Light Line" der Künstlerin Jenny Holzer im Guggenheim Museum. Bekannt wurde Holzer durch Ausstellungen mit Textstücken auf den unterschiedlichsten Trägern, und hier ist es nicht anders: Textliche Statements oder selbst ausgewählte Verse anderer Künstlerinnen sind auf Tafeln neben Diagrammen oder anderen grafischen Strukturen zu sehen: "Die Ausstellung ist politisch und unheimlich. Einst klassifizierte, inzwischen freigegebene US-Geheimdokumente zeugen von den dunklen Seiten der Großmacht. Jenny Holzer macht aus ihnen schreckliche Kunstgegenstände, bei denen die visuelle Darstellung und der Inhalt im Kontrast stehen. Da ist etwa die stark vergrößerte Transkription eines 1972 heimlich aufgenommen Telefongesprächs zwischen dem damaligen Präsidenten Richard Nixon und Staatssekretär Henry Kissinger über die Bombardierung Vietnams."


Berta Fischer, FULIMIDRON, Ausstellungsansicht St. Matthäus-Kirche, Foto: Roman März

Ingeborg Ruthe (FR) war zu Besuch in der Kunstkirche St. Matthäus in Berlin, wo derzeit das Werk "Fulimidron" der Künstlerin Berta Fischer ausgestellt ist, und erfreute sich am Lichtspiel dieser "Plexiglasskulpturen". Eine konkrete Bedeutung ist ihnen nicht gegeben, wie die Künstlerin selbst erklärt. Vielmehr komme es auf die Wirkung des physikalischen Zusammenspiels von Raum, Materie, Farbe und Licht an: "Nun schweben diese Teile im Tageslicht, das morgens von Osten und ab Nachmittag von Westen durch die klaren Kirchenfenster scheint - als, so sagt sie es, 'materialisierte Dynamik' im Raum. Zarte, bunte Gebilde, fast wie gefrorene Luft, auf die das Licht strömt. Licht wird ja, das wissen wir naturwissenschaftliche Laien vielleicht noch aus dem Physikunterricht, erst sichtbar, wenn es auf Widerstand trifft."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2024 - Kunst

Henri-Cartier-Bresson. Livorno, Italien, 1933. © Fondation Henri-Cartier Bresson. Magnum Photos 2024.

Henri Cartier-Bresson hätte diese Retrospektive gefallen, glaubt Ulla Fölsing im Tagesspiegel, wenn sie durch das Bucerius Kunst-Forum in Hamburg schlendert. Sie betont sowohl das Spontane und Lebensfrohe in seinen Fotos als auch den politischen Aspekt. Vor allem freut sich Fölsing über Bressons ikonische Porträts: "An den perfekt komponierten Fotos verblüfft, dass die Personen im Vergleich zum erzählenden Hintergrund oft nur einen kleinen Teil des Bildraums einnehmen. So zeigt sich der junge Truman Capote versteckt in einem Blätterwald. Der betagte Henri Matisse lagert im Schlafrock mit Skizzenblock in einem Lehnstuhl zwischen ausladenden Vogelkäfigen, eine Taube auf seiner linken Hand. Und Alberto Giacometti läuft auf seinem ins kollektive Gedächtnis eingegangenen Porträt nahezu unkenntlich über eine regennasse Straße, den Mantel über den Kopf gezogen."

Weitere Artikel: Die Ausstellung "New Ecologies" in Chemnitz sorgt für Streit, berichtet Paul Linke in der Berliner Zeitung. Eine Installation des Künstlerinnenduos Haubitz + Zoche, das auf den Klimawandel aufmerksam machen will und einen mit Wasser gefüllten BMW zeigt, wurde beschädigt: "Mit Autos macht man keine Scherze in Chemnitz, auch keine Kunst. ... Im Chemnitzer Stadtrat beschwerte sich die AfD über die Verschwendung von Steuergeldern."

Besprochen wird die Ausstellung "Aus der Krankheit eine Waffe machen" im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin (taz), die Ausstellung "Prinzip Held*" im Flughafen Gatow Berlin (Welt), die Ausstellung "Fotografieren, was ist. Dirk Reinartz" im Landesmuseum (LVR) in Bonn (FAZ), die Ausstellung "Jean Daret - Peintre du roi en Provence" im Musée Granet in Aix-en-Provence (FAZ), die Ausstellung "Wish You Were Gay" von Anne Imhof im Kunsthaus Bregenz (tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2024 - Kunst

Matthew Barney, SECONDARY, 2023. Video still. © Matthew Barney. Soren Nielsen courtesy of the artist, Gladstone Gallery, Sady Coles HQ, Regen Projects and Gallery Max Hetzler.

Boris Pofalla (Welt) kann die Werke Matthew Barneys in gleich fünf Ausstellungen bewundern, denn mehrere Orte, unter anderem die Fondation Cartier in Paris, teilen sich seinen neuen, wie immer "opulenten" Zyklus zum American Football: "Sein neues Werk 'Secondary'(2023) dauert eine Stunde und handelt von dem tragischen Football-Match zwischen den Oakland Raiders und den New England Patriots vom 12. August 1978, bei dem zwei Spieler aufeinanderprallten. Dabei wurde Darryl Stingley am Rückenmark verletzt und war infolgedessen gelähmt. Was auf den Bildschirmen läuft, ist nun allerdings kein historisches Football-Spiel, sondern die antitheatralische Abstraktion eines solchen, eine Abfolge aus Gesten und Verrichtungen im Atelier des Künstlers in Long Island City, das einem Hangar ähnelt. Hier werden Skulpturen aus Blei, Aluminium, Terrakotta geformt. Es sind Materialien, deren Elastizität, Brüchigkeit und Fähigkeit, Erinnerungen zu speichern, Barney mit Charaktereigenschaften vergleicht - ein bisschen Joseph Beuys steckt auch in ihm."

Mit Sorge sieht Sophie Jung in der taz "ein tiefes Misstrauen" in der öffentlichen Kulturförderung. Denn Museen werden immer mehr zum Ort des Kampfes: Die jüngsten Streits über eine Ausstellung in den Deichtorhallen (unser Resümee) oder im Albertinum Dresden. Schwierig wird es vor allem, so Jung, "wenn es um die Frage der Kunstfreiheit geht, um die gerade in der Debatte um Kulturförderungen so sehr gerungen wird. Der Kunstfreiheit sind die Ausstellungshäuser ihrem Selbstverständnis nach verpflichtet. Aber wann ist etwas Kunst, wann persönliche Meinung? Das ist nicht leicht auseinanderzuhalten, denn die Kunst ist aus gutem Grund nicht definiert. Das Grundgesetz sieht zwar in Artikel 5 die unbedingte Freiheit der Kunst vor, doch liefert der Gesetzgeber keine Definition darüber, was Kunst eigentlich ist. Wenn etwa Adorno in der Minima Moralia schrieb: 'Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen", und ganz gegenteilig der neue Direktor des ZKM in Karlsruhe, Alistair Hudson, eine 'usefulness', eine gesellschaftliche Nützlichkeit von Kunst, einfordert, so handelt es sich jeweils nur um einen Kunstbegriff. Und der kann selbst innerhalb eines Kunstwerks variieren."

FAZ, Zeit Online, Welt Online und SZ resümieren die Ergebnisse eines Berichts zur Sammlung Bührle, den ein Team um den Historiker Raphael Gross zusammengestellt hat. Diese sind niederschmetternd: Gross und sein Team machten eine große Anzahl "jüdischer Vorbesitzer" aus, die in der öffentlichen Darstellung überhaupt nicht vorkommen, resümiert Marcus Woeller in der Welt. Jörg Häntzschel evaluiert in der SZ die Folgen für das Kunsthaus Zürich: "Wenn die Stadt die Sammlung weiterhin zeigen wolle, so schreiben die Experten um Gross, sei eine völlig neue Erforschung aller Provenienzen unabdingbar. Doch selbst dann, so machen die Autoren zwischen den Zeilen klar, wäre es besser, auf die Sammlung zu verzichten. Sollten die Bilder weiterhin zu sehen sein, würde das Kunsthaus mithelfen, den 'Raubmord' (Gross), der hinter einem großen Teil der Sammlung stehe, zu 'verdecken'. 'Ohne den Holocaust gäbe es die Sammlung Bührle nicht', sagt Gross der SZ."

Das Kunsthaus Zürich hat in der Affäre wirklich keine gute Figur gemacht, stellt Hubertus Hubin in der FAZ fest. Gross' Bericht zeige nämlich auch, dass eine frühere Evaluierung der Provenienz durch den Kunsthistoriker Lukas Gloor (der gleichzeitig Direktor der Stiftung war) große Mängel aufwies. Außerdem machte das Team um Gross neben den bereits identifizierten Werken weitere fünf aus, die eine problematische Herkunftsgeschichte haben. Hier der vollständige Bericht.

Weiteres: In "Bilder und Zeiten" der FAZ widmet sich Bernd Eilert in einem ausführlichen Essay dem Genre der Historienmalerei. Im Tagesspiegel unterhält sich der Kurator Klaus Biesenbach mit Hella Kaiser über die von ihm kuratierte Warhol-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie Berlin und die Erotik in Warhols Kunst (Unser Resümee). Besprochen werden die Ausstellung "Tyler Mitchell. Wish This Was Real" im C/O Berlin (FAZ), die Ausstellung "Edmund de Waal:letters home" in der Galerie Max Hetzler (tsp).