Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.05.2025 - Kunst

Fenix-Tornado-Museum. Foto: Iwan Baan.

In der taz empfiehlt auch Bernhard Schulz einen Besuch des neu eröffneten "Fenix"-Museum in Rotterdam (unsere Resümees): "Gleich beim Aufstieg aus dem Erdgeschoss fällt der Blick auf das gut sechs Meter lange Stoffmodell eines New Yorker Stadtbusses der Linie M5, das Red Grooms detailgetreu ausgestattet hat, Fahrgäste inklusive. Ein hölzernes Boot mit Außenbordmotor, das 19 Geflüchtete nach Lampedusa brachte und von der dortigen Küstenwacht beschlagnahmt wurde, erinnert an die dunkle Seite der Migration - und stellt, vor einem großen Fenster mit Blick auf den benachbarten 'Tränenkai' der Auswandererschiffe aufgestellt, die Nachbarschaft von gewollter und erzwungener Migration eindrücklich her."

Weitere Artikel: In der FR widmet sich Judith von Sternburg fasziniert Paul Klees Bild "Angelus Novus" und der Lebensgeschichte Walter Benjamins, die die Ausstellung "Der Engel der Geschichte. Walter Benjamin, Paul Klee und die Berliner Engel 80 Jahre nach Kriegsende" im Bode-Museum aufgreift.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.05.2025 - Kunst

Dass Monster Chetwynd gerade diesen Künstlernamen gewählt hat, leuchtet NZZ-Kritiker Philipp Meier nach dem Besuch ihrer Ausstellung "The Trompe L'Oeil Cleavage" im Kunsthaus Zürich völlig ein. Ihre Freude an Pappmaché-Insekten lässt ihn ein wenig an Surrealismus und Pop-Art denken: "Diese bunten Pappmaché-Insekten sind Requisiten aus Monster Chetwynds Kostümbällen und Mysterienspielen, die sie jeweils mit Dutzenden von Künstlerfreunden aufführt. Das karnevaleske Treiben, das in der Schau in einigen Filmen zu sehen ist, artet dabei regelmäßig in eine Orgie mit selbst gebastelten Fantasiewesen aus. Viele dieser Objekte aus Monster Chetwynds Performances wie etwa die riesigen Tatzelwürmer haben nun in der Ausstellung ein zweites Leben bekommen."

Weiteres: Die taz erinnert an den Maler Gustav Wunderwald, der vor achtzig Jahren gestorben ist.

Besprochen werden: Alex Müllers Ausstellung "Alexandraplatz" in der Zitadelle Spandau (Monopol) und Rashid Johnsons Ausstellung "A Poem for Deep Thinkers" im Guggenheim New York (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.05.2025 - Kunst

Klára Hosnedlová. embrace, 2025, Installationsansicht Hamburger Bahnhof - Nationalgalerie der Gegenwart. © Courtesy Artist, Kraupa-Tuskany Zeidler, White Cube

Zu Klängen mährischer Mikrodialekte zwischen Flachsfasern und sandbeschichteten Skulpturen wandernd, lässt sich Florian Heimhilcher (FAZ) im Hamburger Bahnhof von der tschechischen Künstlerin Klára Hosnedlová in die Vormoderne zurückführen: "Hauptattraktion der Installation sind die bärtigen, aus Flachs und Hanf gewebten Gebilde. Ganze sechs Stück davon hängen von der Decke bis zum Boden. Eine Tafel informiert, dass die Künstlerin dafür mit den letzten verbliebenen Flachs- und Hanfverarbeitern aus ihrer Region zusammenarbeitete. ... Ähnliche Arbeiten finden sich auch an den Seitenwänden. Man sieht hier einen verkohlten Schmetterling, der über ein brennendes Streichholz gehalten wird. Daneben findet sich die Darstellung einer Person, der mit Kohle der Rücken verziert wird. Das mutet mythisch an, hat einen ritualhaften Charakter. Die Asche des Schmetterlings anstelle nickelhaltiger Tattoofarben. Mit gestickten und geflochtenen Arbeiten gebietet Hosnedlová dem Tempo der Moderne Einhalt."

Ernst Christian Moser, Bildnis der Mutter des Künstlers, 1859 © Neue Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum, Foto: Universalmuseum Joanneum/Lackner

In der NZZ freut sich Franz Zelger, dass die Ausstellung "Biedermeier. Eine Epoche im Aufbruch" im Wiener Leopold-Museum den Blick auf die gesamte Donaumonarchie von Budapest und Prag bis Venedig und Mailand weitet. Die Maler hielten überwiegend die beginnende Industrialisierung fest, aber auch das Porträt erlebte mit dem Rückzug des Bürgertums in die Innerlichkeit eine neue Blütezeit: "Gutsituierte wollten ihr Ansehen und ihren gesellschaftlichen Rang dokumentiert haben, und zwar in minuziös ausgeführten, realistischen Bildnissen. Als Standeszeichen dienten kostbare Textilien, üppige Frisuren der Damen und repräsentative Einrichtungsgegenstände wie Silberobjekte oder Porzellan. Anders als in der Barockzeit soll die Distanz zum Betrachter überwunden werden. Auch die Großelterngeneration wurde zum beliebten Bildthema, wurde ungeschönt wiedergegeben mit den körperlichen und physiognomischen Kennzeichen des Alters, doch stets würdevoll."

Weitere Artikel: Bei Monopol versucht der Ökonom, Soziologe und Autor des Buches "Anstößige Bilder. Gesellschaftskampfspiele um den Documenta-Fifteen-Skandal" Michael Hutter nicht nur, die Diskrepanz zwischen den Reaktionen von Politik und Medien auf der einen Seite und der Kunstwelt auf der anderen Seite zum Antisemitismus-Skandal bei der Documenta 15 (unsere Resümees) mit der Systemtheorie zu erklären, er wirft auch beiden Seiten vor, den Skandal in Folge instrumentalisiert zu haben. In der FAZ schreibt Alfons Kaiser den Nachruf auf den im Alter von 88 Jahren gestorbenen Maler und Modeunternehmer Christoph von Weyhe. In der NZZ fragt sich Philipp Meier, weshalb Alberto Giacomettis Büste "Grande tête mince (Grande tête de Diego)", geschätzt auf mindestens 70 Millionen Dollar, bei einer Auktion bei Sotheby's kein einziges Gebot fand.

Besprochen werden die Ausstellungen "Zuzanna Czebatul: All the Charm of a Rotting Gum" in der Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem (taz), "Ausgehoben! Realismen von Aristide Maillol bis Gruppe Zebra" im Städtischen Museum Braunschweig (taz) und die Skulptur "Washerwoman" der in Trinidad geborenen Künstlerin Shannon Alonzo im Theseustempel im Wiener Volksgarten (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2025 - Kunst

Installationsansicht: Rashid Johnson: A Poem for Deep Thinkers. Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Fotografie: David Heald. ©  Solomon R. Guggenheim Museum, New York

Stefan Trinks hat in der FAZ wenig Zweifel daran, dass wir den hierzulande noch wenig bekannten Amerikaner Rashid Johnson, einer der wichtigsten Vertreter der "Post-Black-Art"-Konzeptkunst, auf der kommenden Documenta kennenlernen werden, richtet ihm deren künstlerische Leiterin Naomi Beckwith im New Yorker Guggenheim Museum doch gerade die Überblicksschau "A Poem For Deep Thinkers" aus. Trinks hätte nichts dagegen, hat er doch viel Vergnügen daran, wie dieser "schwarze Beuys" das Guggenheim in einer "fröhlichen Tempelschändung" zum Treibhaus der Kunst zurückverwandelt: "Fast bis in die Mitte der knapp dreißig Meter hohen Museumsrotunde baumeln mehrere Monstera, Bananenstauden, Palmen und viele andere Pflanzen, die lose mit afroamerikanischer Flora assoziiert werden können. Die durchaus nicht kleinen Bäume und Pflanzen schweben wie ein kinetisches Mobile von Alexander Calder entwurzelt - die Wurzelballen stecken in speziellen Behältnissen - kreuz und quer frei im Raum, was ein surreales Bild erzeugt, zugleich aber auch zum alles verwebenden Ansatz Johnsons passt."

Helen Chadwick: "A glossy lock of hair intertwined with a pig's intestines'".  Loop my Loop by Helen Chadwick. Photograph: Estate of Helen Chadwick. Photo courtesy of Richard Saltoun Gallery, London, Rome and New York.

Im Guardian ist Hannah Clugston dankbar, dass das britische Hepworth Wakefield der 1996 im Alter von nur 42 Jahren verstorbenen Künstlerin Helen Chadwick nun eine große Retrospektive widmet. Auch wenn der Kritikerin der Duft von 800 Kilo Milchschokolade, der aus einem Schokobrunnen strömt, schnell im Halse stecken bleibt: "Dieses Hin und Her - das Angenehme und das Ekelhafte - zieht sich durch Chadwicks gesamtes Werk. … In 'Loop My Loop' verknotet sich eine glänzende Haarsträhne mit den Eingeweiden eines Schweins; in 'Piss Flowers' werden aus Urin wunderschöne, organische Blüten geformt, und in 'Agape' leuchten glänzende Mandeln durch einen Leuchtkasten und erzeugen einen blutigen Effekt. Die Künstlerin verwendet eine ungewöhnliche Materialvielfalt, um Reaktionen bei ihrem Publikum hervorzurufen. Sie möchte, dass wir fühlen, nicht denken. Sie greift auf unser Unterbewusstsein, auf unsere Begierden zurück und fordert uns auf, zu ergründen, warum ein pelziger Tisch oder ein Haufen saftiger Würmer uns gleichzeitig anziehen und abstoßen."

Weitere Artikel: Für die FAS spricht Thomas David mit dem belgischen Künstler Luc Tuymans, dessen Freskenzyklus "L'Orphelin" im Pariser Louvre Ende Mai wieder weiß übermalt wird, unter anderem über sein simuliertes Putin-Porträt. Dass in Darmstadt und Heidelberg gleich zwei Open-Air-Ausstellung mit Skulpturen des britischen Bildhauers Tony Cragg zu sehen sind, nimmt Alexander Menden in der SZ zum Anlass, den Turner-Preisträger in seinem Wuppertaler Atelier zu besuchen. Marlene Dumas' Gemälde "Miss January" hat bei Christie's mit 13,6 Millionen Dollar einen Höchstpreis erzielt, meldet Sophie Jung in der taz. Für den Tagesspiegel besucht Hubertus Butin das Museo Cerralbo in Madrid, das die üppige Sammlung des Aristokraten Enrique de Aguilera y Gamboa beherbergt. Ebenfalls im Tagesspiegel besucht heute Nikolaus Bernau das niederländische Migrationsmuseum Fenix (unser Resümee), das ihm aber zu viel Licht hat. Nach Juergen Teller wird wohl Martin Parr für Saint Laurent fotografieren, freut sich Sabine Röthig in der Berliner Zeitung. Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ schreibt der Kunsthistoriker Henrik Karge zum hundertfünfzigsten Todestag des Juristen Karl Schnaase, der zu einem der einflussreichsten Kunsthistoriker wurde.

Besprochen wird außerdem die Artemisia Gentileschi-Ausstellung "Héroïne de l'art" im Pariser Musée Jacquemart-André (NZZ, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.05.2025 - Kunst

Joseph Rodríguez, East Village, NY, 1984 © Joseph Rodriguez, Courtesy Galerie Bene Taschen Repro: Rheinisches Bildarchiv Köln

Die Werke von drei Meistern der Street-Photography sieht Kritiker Marc Hoch in einer Ausstellung im Museum Ludwig in Köln versammelt:  Garry Winogrand, Lee Friedlander und Joseph Rodríguez. Während in Winogrands Aufnahmen von Menschen und Plätzen aus dem New York der siebziger Jahre die unbändige Energie des rastlosen Künstlers zu spüren ist, sind Rodríguez' Aufnahmen ruhiger und atmosphärischer,  findet Hoch: "Rodríguez fotografierte häufig in den frühen Morgenstunden, in seinem Taxi porträtierte er Sexarbeiter, Gäste von SM-Bars, Familien auf dem Weg zum Gottesdienst. Es sind sehr persönliche, beinahe intime Aufnahmen; die Menschen mit ihren Persönlichkeiten und Lebensgeschichten, die Rodríguez in einigen Bildtexten andeutet, rücken einem nahe. Aber auch das Licht und die Schönheit der aufgehenden Sonne über den Wolkenkratzern, der Nebel der Stadt oder der auf die Windschutzscheibe prasselnde Regen werden in seinen atmosphärisch dichten Fotos erfahrbar."

Weiteres: Hans-Joachim Müller ist in der Welt nicht begeistert von einer Aktion der Berner Kunsthalle: der Künstler Ibrahim Mahamas hat die Fassade nach Christo-Vorbild mit Jutesäcken verhängt, als "kritischen Kommentar zum eurozentrischen Fokus der Kunsthalle" - Müller vermisst hier unter anderem Christos Eleganz. Besprochen werden die Ausstellung "Worin unsere Stärke besteht" im Schloss Biesdorf, die Kunst aus der DDR zeigt (taz), und die Ausstellung "Kunst fühlen. Wir. Alle. Zusammen" in der Kunsthalle Bremen, die sich mit dem Thema Kunst für Menschen mit Sehbehinderung auseinandersetzt (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.05.2025 - Kunst

Hans Baldung Grien, Maria als Himmelskönigin. Foto: © Alte Pinakothek

Fünf Millionen Euro hat die Münchner Alte Pinakothek für Hans Baldung Griens Gemälde "Maria als Regina coeli" bezahlt. Ist das Werk sein Geld wert? Durchaus, meint Stefan Trinks in der FAZ. Denn Maria wird auf ihm nicht einfach nur als Himmelskönigin dargestellt. Sondern: "Christus ist in einem Zeitsprung als Säugling zugegen, noch als Regina coeli stillt Maria ihr Kind, das gierig mit abgewandtem Köpfchen und geballten Fäusten an der Brust saugt. Die einzigartige ikonographische Mixtur zweier Mariensujets wirkt ein wenig, als würde eine Oscar-Gewinnerin bei der Verleihung auf offener Bühne die Brust entblößen und ihr Baby nähren. Der alte Zwiespalt zwischen menschlicher und göttlicher Natur wird somit in ein und demselben Bild ausgetragen."

Direkt neben dem in Warschau äußerst unbeliebten stalinistischen Kulturpalast steht jetzt das neue Museum für Moderne Kunst, berichtet Ronald Pohl im Standard. Dass es als ideologischer Gegenentwurf zum Nachbargebäude verstanden werden will, lernt Pohl in der von Pierre Bal-Blanc kuratierten, der performativen Kunst gewidmeten Ausstellung "The Cynics Republic - Plac Defilad". Pohl freut sich darüber, dass die Schau "jeder Vorstellung von Repräsentation ein Schnippchen" schlägt: "Über drei Stockwerke erstreckt sich die temporär errichtete 'Republik'. Einerseits ist sie vertikal und wird von emsigem Gesumme erfüllt. Man kann sich auch vom grandiosen Gesang einer polnischen Meredith Monk euphorisieren lassen, oder man sucht die Begegnung mit Zeugnissen feministischer Kunst 'avant la lettre', etwa von der Land-Artistin Teresa Murak. Fast wichtiger noch: Dementiert wird jede falsche Vorstellung von Repräsentation, exemplifiziert von Protzbauten à la Kulturpalast."

Weitere Artikel: Elke Buhr berichtet für monopol vom Kunstfestival "Various Others" im Münchner Bayerischen Hof. Michael Pilz bespricht in der Welt einen Fotoband, in dem Daniel Biskup die Loveparade 1995 wieder erlebbar macht. Das Kunsthaus Zürich soll in Zukunft unter anderem mithilfe einer neu gegründeten Stiftung finanziert werden, so Philipp Meier in der NZZ.

Besprochen wird Teil eins der dreiteiligen Ausstellungsreihe "Lesbian Legacies" in der Berliner Galerie Scherben (taz), eine Ólafur-Elíasson-Schau in der Berliner Galerie Neugerriemschneider (FR) und "Thirsty Machines: AI on Tap", eine Kooperation von Prater Digital und SOMA Art Berlin (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.05.2025 - Kunst

"Kleine Ausschnitte von Frauen" bewundert FAZ-Kritiker Florian Heimhilcher in einer Ausstellung der österreichischen Künstlerin Maria Hahnenkamp im Wiener Belvedere 21. Hahnenkamp "fragmentiert, zerschneidet oder reibt ihre Fotografien ab, um alternative Wahrnehmungsmodi an die Stelle bloßer Schaulust zu setzen", was für Heimhilcher durchaus funktioniert. Auch wenn die Künstlerin "in Pop-Art-Manier ansehnlich vergoldete und mit Seide ausgekleidete Parfum-Verpackungen ausstellt. Die Duftfläschchen, symbolische Statthalter der begehrten Frauenkörper, finden sich jedoch nicht darin. Spielerisch mahnt Hahnenkamp damit mögliche Ausschlüsse an. An anderer Stelle collagiert und bestichelt sie einen Passepartoutkarton. Daneben überträgt sie dann ein ähnliches Muster mittels In-Situ-Bohrung direkt in die Ausstellungswand. Während der gewöhnliche Karton schnell die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die wesentlich aufwendigere Wandbohrung eine leicht zu übersehende Randerscheinung."

Weitere Artikel: In der NZZ trauert Philipp Meier um die kamerunisch-schweizerische Kuratorin Koyo Kouoh, die überraschend verstorben ist. Alexander Kosenina ist in der FAZ begeistert von einem neuentdeckten Ölgemälde des Berliner Rokoko-Künstlers Daniel Chodowiecki, das die Göttin Minerva zeigt und für religiöse Toleranz wirbt. In der FR gratuliert Ingeborg Ruthe dem Kunstareal "Leipziger Baumwollspinnerei", das zu seinem 20. Jubiläum Gemälde von Rosa Loy (Kleindienst) und Neo Rauch (Galerie Eigen+Art) ausstellt. Besprochen wird die Ausstellung "Stille" mit Werken von Ernst Schroeder Galerie Pankow in Berlin (taz) und die Ausstellung "21 x 21. Die Ruhrkunstmuseen auf dem Hügel" in der Essener Villa Hügel (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.05.2025 - Kunst

Im Berliner Kunstverein Ost kann Tagesspiegel-Kritiker Tom Mustroph mit "Privacy Settings" die erste Berliner Ausstellung der polnischen Künstlerin Aneta Grzeszykowska entdecken. Ihr geht es dabei um die Darstellung menschlicher Körper, etwa in Puppenform vom Gewohnten entfremdet und neue Facetten zeigend: "Auf eine Lederpuppe ist etwa eine Maske aus Schweinehaut aufgezogen, die einem menschlichen Gesicht nachempfunden ist. In großformatigen Rahmen werden menschliche Silhouetten mit Leder und Schweinehaut konstruiert." In ihren Darstellungsformen changiert sie "zwischen den Modi von Anwesenheit und Abwesenheit. Das nimmt ihrem und anderen Körpern die Individualität. Gleichzeitig eröffnet sich ein Raum für allgemeingültige Spekulationen über Existenz, Leben und Tod. Nicht ausgeschlossen, dass die Puppen, von einem Atemhauch ins Leben geholt, sich plötzlich bewegen. Vorstellbar ebenfalls, dass die aus Schweinehaut genähten Silhouetten eines Nachts aus dem Rahmen steigen und ein Eigenleben beginnen. Nichts scheint unmöglich bei dieser Ausstellung."

Eigentlich sollte Koyo Kouoh die Biennale im nächsten Jahr kuratieren, jetzt ist die aus Kamerun stammende Direktorin des des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt mit nur 57 Jahren unerwartet verstorben. "Kunst war für die Kuratorin nichts, was man einfach nur aufbewahrt, ein Gegenstand, sondern mehr etwas Soziales, auch Spirituelles, über sich selbst Hinausweisendes (…) Die Lücke, die Koyo Kouoh in der zeitgenössischen Kunst hinterlässt, ist eine große", erinnert Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Weitere Meldungen und kurze Nachrufe in der FAZ, der FR und der SZ.

Besprochen werden: "Grethe Jürgens. Retrospektive" im Sprengel Museum Hannover (Taz) und "Der Engel der Geschichte. Walter Benjamin, Paul Klee und die Berliner Engel 80 Jahre nach Kriegsende" im Bodemuseum (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2025 - Kunst

Installation view of Heinz Macks "The sky over nine columns" at Isola San Giorgio Maggiore, Venedig, Italien. Foto: Bruno Biancardi. Archiv Heinz Mack

Anlässlich einer Ausstellung in der New Yorker Galerie Almine Rech, besucht Niklas Maak für die FAS den Bildhauer und Maler Heinz Mack in seinem Atelier. Mack gründete zusammen mit Otto Piene die ZERO-Gruppe, die eine "Stunde Null" für die Kunst der Nachkriegszeit forderte, "und mit malerischen Experimenten und kinetischen Objekten die Op-Art vorwegnahm: Mit den Mitteln der Kunst wollten sie sich die Möglichkeiten neuer Techniken und Materialien einverleiben und eine Gegenwelt entwerfen." In "einem seiner Gemälde, die in seinem Atelier am Boden stehen, schweben Farbfelder nebeneinander, die in einem Sfumato auslaufen, wie in einem Ökosystem aus kommunizierenden Substanzen beeinflusst jede Farbe die Wahrnehmung der Farbe, die neben ihr steht, das Ultramarin verändert den Anblick des Orange, das Orange die Wirkung eines Lindgrüns. Auf den Ölkreiden liegen CDs von Erroll Garner, Coleman Hawkins und den Supremes, dazu eine Ausgabe der 'Jüdischen Allgemeinen'."

Weiteres: Auf den "Bilder und Zeiten"-Seiten der FAZ unterhält sich Rose-Maria Gopp mit dem Künstler Neo Rauch über dessen neue Ausstellung "Stille Reserve" in der Galerie "Eigen+Art" in Leipzig. Besprochen wird die Frank Auerbach-Retrospektive in der Galerie Michael Werner (SZ), und die Ausstellung "Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Video, Sound - Sammlung Ringier 1995-2025" in der Langen Foundation in Neuss (NZZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2025 - Kunst

Lucas Cranach d. Ä., Venus mit Amor als Honigdieb, 1527, Schwerin, Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
"Bild um Bild eine Köstlichkeit" staunt FR-Kritikerin Judith von Sternburg in der Ausstellung "Honiggelb" im Museum Wiesbaden, in der sie "mit der Biene durch die Jahrhunderte der Kunst und Kultur flanieren" kann. Sie lernt hier zum Beispiel "den ersten Imker kennen, Aristaios, der auf Cornelis Corts Kupferstich als sehnige, weitgehend unbekleidete Renaissanceschönheit mit seinen Körben hantiert (...) Der Bedeutungswandel der Biene frappiert. In der Abteilung 'Vorbild und Warnung' ein Prachtstück der Schau, Lucas Cranach des Älteren 'Venus und Amor als Honigdieb'. Alle Augen werden auf der unverschämt attraktiven Venus liegen, deren komplizierte Körperhaltung ganz lässig wirken. Unten klagt der kleine Amor, der nach einer Wabe gegrapscht hat und nun wohl gestochen worden ist. Das göttliche Kleinkind jammert, hat aber noch den Nerv, Stand- und Spielbein zu präsentieren."
Stichwörter: Bienen, Cranach, Lucas