Patrick Bahners macht sich in der FAZ anlässlich der Ausstellung "Kritik im Nationalsozialismus", die im Kölner NS-Dokumentationszentrum zu sehen ist, Gedanken zum Thema. Besprochen wird die Ausstellung "Cimabue neu sehen - Zu den Ursprüngen der italienischen Malerei" im Louvre in Paris (FAZ) und die Ausstellung "Mary Heilmann" in der Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea in Turin (taz).
Raubkatze von Antonio Ligabue. Ausstellungsplakat Spätestens mit Giorgio Dirittis Film "Volevo nascondermi" ("Ich wollte mich verstecken") hat die Wiederentdeckung des italienischen Malers Antonio Ligabue eingesetzt, in den großen Nationalmuseen fehlt der psychisch labile Künstler, dessen Werk immer der "naiven Malerei" zugeordnet wurde, bis heute, weiß Karen Krüger (FAS). Umso glücklicher ist sie, dass mit dem Palazzo Pallavicino und dem Palazzo Albergati in Bologna gleich zwei Häuser dem Maler, der sein Leiden an der Welt in Bildern ausdrückte und sich auch mal in Trance-Zustände versetzte, in denen er die Laute und Bewegungen der zu malenden Tiere nachahmte, Ausstellungen widmen: "Ligabues Fauna ist … nicht unschuldig oder idyllisch, sie ist aggressiv, gewalttätig und rau, und wenn die Leinwände Laute von sich geben könnten, würden aufgebrachtes Vogelkreischen, Fuchsgebell und das wütende Brüllen von Raubkatzen den Palast aus dem 15. Jahrhundert erfüllen. Die Motive sind emotional stark aufgeladen, meistens sieht man einen Kampf um Leben und Tod oder um die Vorherrschaft des Stärkeren, doch nie so, dass sich eine moralisierende Aussage daraus ableiten ließe: Zwei Hähne belauern sich mit hochgestellten Kämmen, aufgeplustertem Gefieder und zum Sprung geduckt; eine Eule weidet in ihrem Versteck eine geschlagene Taube aus..."
Weitere Artikel: Laurence de Cars, Präsidentin und Direktorin des Pariser Louvre, sendet einen Hilferuf: Das Museum sei "besorgniserregend veraltet", meldet unter anderem Oliver Meiler in der SZ: "Da und dort regnet es sogar rein, neulich musste eine Ausstellung abgebrochen werden, weil der Saal nach einer mittleren Überschwemmung unter Wasser stand." In der Berliner Zeitungschreibt Ingeborg Ruthe den Nachruf auf den im Alter von 88 Jahren gestorbenen Ost-Berliner Fotografen Thomas Billhardt. In der FAZ resümiert Patrick Bahners eine Diskussionsrunde im Stiftersaal des Kölner Wallraf-Richartz-Museums zu "aktuellen und künftigen Herausforderungen" von Kunstmuseen. In Bilder und Zeiten (FAZ) würdigt Gina Thomas anhand der Ausstellungen "Drawing the Italian Renaissance" in der King's Gallery in London, "Michelangelo, Leonardo, Raphael - Florence" in der Royal Academy in London und "Dürer to Van Dyck - Drawings from Chatsworth House" in den National Galleries of Scotland in Edinburgh die Kunst der Zeichnung.
Franz Gertsch: Huaa...!, 1969, Copyright: Franz Gertsch AG. Eine Art postmoderne, "hedonistisch getriebene" Realität lernttaz-Kritiker Ulf Ziegler in der Franz Gertsch-Retrospektive "Blow up" in den Hamburger Deichtorhallen kennen, bei der der 2022 verstorbene Künstler zunächst Fotografiertes in nachgerade überwältigende Gemälde übersetzt: "Die Beziehung seiner Malerei - oft nur mit gewöhnlicher Wandfarbe auf unpräparierter Leinwand - zur Fotografie ist vampirhaft. Sie saugt das Fotografische auf und nährt sich davon. Von der Alltagsfotografie nimmt sie: die Kadrierung, den Moment, die Zeugenschaft und die Zärtlichkeit. Zugegeben, die Zärtlichkeit gehört nicht zu einer Theorie der Fotografie. In der Ergründung von Details bleibt der Maler nur vage in der fotografischen Logik, er folgt der Vermutung, was wohl mit einer Linse bei diesem Licht auf Kodachrome gebannt hätte werden können, stilistisch bis in das abstrakteste Flirren. Das Malerische daran ist die komplette Camouflage."
In der Ausstellung "Tedious and Brief" der Israelis Gili Avissar und Tamar Harpaz im Kunstverein Dresdenbetritt Marcus Boxler für Monopol ein "sensibel kuratiertes Refugium, das durch das große, der Straße zugewandte Schaufenster einlädt. Im Raum levitieren die farbenprächtigen Stoffarbeiten von Gili Avissar in der Nähe des Schaufensters, die Glasarbeiten und Objekte von Tamar Harpaz brauchen die Dunkelheit der abgelegenen Seite. Dort fügen sich ihre installativen Anordnungen von Glasplatten, Spielzeugen, Möbeln und anderen Objekten zu cineastischen Bildern zusammen." Boxler umtänzelt am Anfang die Frage, wie er über eine Ausstellung israelischer Künstler schreiben soll, die heute viele "provozieren" würde und lässt lieber die Künstler und Kuratorin Maja Gratzfeld sprechen. Sie "empfindet die 'Werke wie Waffen, aber weiche Waffen' und betont die 'Leichtigkeit - trotz allem.' Eben diese vermittelt die Ausstellung emotional, sobald sie betreten wird. Wie kleine Gesten, die wir praktizieren, um gegen das alltägliche Grauen zu protestieren. Niemand leugnet hier irgendetwas. Elefanten stehen im Raum, sie sind anwesend. Allerdings verwüsten diese Rüsseltiere den metaphorischen Porzellanladen in Form flatternder Stoffe und fragiler Glasobjekte nur, wenn sie aufgeschreckt werden. Und manchmal kann der Elefant im Raum stehen, ohne zu stören."
Weiteres: Monopolvermeldet den Tod der US-Künstlerin Jo Baer im Alter von 95 Jahren.
Besprochen wird: Die Ausstellung "Von Odesa nach Berlin. Europäische Malerei vom 16. bis zum 19. Jahrhundert" in der Berliner Gemäldegalerie (Berliner Zeitung).
Gabriel von Max, Licht!, Anfang der 1870er Jahre. Odesa Museum für Westliche und Östliche Kunst / Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Eigentum des Museums für Westliche und Östliche Kunst Odesa. Foto: Christoph Schmidt Die Ausstellung "Von Odesa nach Berlin. Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts" in der Berliner Gemäldegalerie, die in Sicherheit gebrachte Werke aus dem Odessa Museum neben Werken der Sammlung zeigt, ist nicht nur ein "politisches Bekenntnis zur bedrohten Kultur in der Ukraine", hält Nicola Kuhn im Tagesspiegel fest. Sie wird auch zur "Lehrstunde europäischer Kunstgeschichte": "Die Paarung zweier Gemälde von Bernardo Strozzi ... demonstriert, wie viel dieser italienische Maler von Caravaggio lernte, dessen Dreiviertel-Figur und Helldunkel-Regie er übernahm. Bei dieser Begegnung stammt das frühere Werk aus Odessa, eine Ecce-Homo-Darstellung (um 1625), bei der das Inkarnat des leidenden Christus im Zentrum erstrahlt. Als Kontrast dazu reißt der Scherge neben ihm seinen Mund voll schwarz verfaulter Zähne auf. Auf dem Berliner Strozzi-Bild - 'Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers' - steht neben der Hauptfigur an seiner Stelle ein junges Mädchen mit glühenden Backen, das gedankenvoll auf den abgeschlagenen Schädel schaut."
Weitere Artikel: Auf Monopolwürdigt Ingo Arend die Ausstellung "Anlatı Gücü İttifakı / Narrative Power Alliance" im Barın Han in Istanbul, die der immer aggressiveren Anti-Gender-Stimmung in der Türkeiqueere Kunst entgegensetzt. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Henry van de Velde: "Reform of Life" in den Kunstsammlungen am Theaterplatz und im Henry van de Velde Museum in Chemnitz (Monopol) und Refik Anadols Ausstellung "Glacier Dreams" im Kunsthaus Zürich, in der der türkische Künstler Kunst, KI und Klimakrise zusammenbringt (NZZ).
"'Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts', das geflügelte Wort des legendären TV-Showmasters Hans-Joachim Kulenkampff taugt als Motto für die Gruppenschau 'After Images' in der Berliner Julia Stoschek Foundation", so Jens Hinrichsen im Tagesspiegel. Gezeigt werden Arbeiten, die das in der Kunst nach wie vor allgegenwärtige Primat des Visuellen in Frage stellen. "Eine einzige Bilderstürmerei, das Ganze. Von Giovanna Repetto, die Handspiegel mit Filzstift dicht gemalt hat, dass sie nichts widerspiegeln, über Rosa Barba, die einen blanken Filmstreifen durch einen Projektor laufen lässt, bis zu Theresa Baumgartner, bei der Glühlampen zu Signalgebern für Morsecodes mutieren."
Außerdem: In der tazrekonstruiert Bettina Maria Brosowsky die kurze Geschichte des Kunsthauses Göttingen, das 2021 seine Pforten öffnete, nun aber bereits wieder schließen musste. Claus Richter gratuliert für monopolJeff Koons zum 70. In der NZZbespricht Franz Zelger ein Buch David Schmidhausers über Schweizer Landschaftsmalerei.
Besprochen werden die Ausstellung "inside-out / outside-in" mit Werken des Fotografen Götz Diergarten in der Frankfurter Gallerie Sillem (FR) und die Schau "HELMA: Traumwelten" in der Berliner Galerie Poll (taz Berlin).
Nicole Heinzel, Ohne Titel (Schorfheide), 2018. Foto: Thorsten Jorzick Nicht weniger als "Welterfahrung im Medium der Zeichnung" will die Ausstellung "Zeichnung. Idee - Geste - Raum" im Bochumer Museum unter Tage vermitteln, und im Tagesspiegel lässt sich Nicola Kuhn gern auf "beglückende Zwiegespräche" mit rund achtzig KünstlerInnen ein. Den Höhepunkt bilden für sie die abstrakten Arbeiten: "Zu einer phänomenalen Serie geraten Ellsworth Kelly, dann Robert Ryman, auf die Hermann Glöckner folgt als Grandseigneur der offiziell unerwünschten DDR-Abstraktion. Seine mit einem einzigen Linienschwung aufs Papier geworfene 'Wellenform von links nach rechts verlaufend' nimmt es locker mit den beiden Amerikanern auf. (…) Zuletzt tritt die Zeichnung in den Raum, niemand könnte dies besser einlösen als Fred Sandback, der stets Schnüre und Stahldrähte von der Decke zum Boden spannte. In Bochum befinden sich drei Linien aus weißem Garn zwar straff an der Wand, in ihnen stecken aber genauso alle Dimensionen, ja die ganze Welt. Er arbeite nicht entmaterialisiert, betonte der Amerikaner stets."
Amy Fleming ist im Guardiansprachlos, dass die Malerin Hélène de Beauvoir in Vergessenheit geraten konnte, dabei stand sie ihrer Schwester Simone in Produktivität und Radikalität in nichts nach, wie die Kritikerin in einer Ausstellung in der Amar Gallery in London feststellen kann: "Die Ausstellung trägt den Titel 'The Woman Destroyed', nach der Sammlung von drei Geschichten von Simone aus dem Jahr 1967, die, abgesehen von Hélènes Porträts ihrer Schwester, die einzige künstlerische Zusammenarbeit der Geschwister war. Hélène schuf eine Reihe von Stichen, die die Gefühle einer der weiblichen Protagonistinnen widerspiegeln, deren Ehemann eine Affäre zugibt. Die Werke wurden damals in Paris ausgestellt und in der Zeitschrift Elle veröffentlicht. (…) 'Hélène war ihrer Zeit voraus', sagt Claudine Monteil, eine enge Freundin der Schwestern, die sechs Bücher über sie geschrieben hat und nach London reisen wird, um für die Ausstellung zu werben. 'Sie malte die Studentenrevolution von 1968 und widmete sich dann den Frauenthemen der siebziger Jahre sowie dem Schutz von Natur und Umwelt. In vielen ihrer Gemälde sind Tiere und Frauen zu sehen, von denen einige unterdrückt wurden. Sie malte auch Einwanderinnen - Frauen, die alles verloren haben. Sie hat das vor 50 Jahren gemacht.'"
Weitere Artikel: Jens Malling erinnert in der taz an den Brand der Nationalgalerie Abchasiens, dem die große Sowjet- und Avantgarde-Kunst umfassende Sammlung zum Oper fiel. In der FAZ gratuliert Stefan Trinks Jeff Koons zum Siebzigsten. Besprochen wird die Ausstellung "Peche Pop - Dagobert Peche und seine Spuren in der Gegenwart" im Museum für angewandte Kunst in Wien (FAZ, mehr hier)
In der FAZ lobt Erhard Grundl, kultur- und medienpolitischer Sprecher der Grünen, Claudia Roths Vorstoß, die "Beratende Kommission" für NS-Raubkunstfälle durch Schiedsgerichte zu ersetzen (unsere Resümees). Besprochen werden die Ausstellung "Politics of Love" im Kunsthaus Hamburg (taz) und die Ausstellung "Böse Blumen" in der Sammlung Scharf-Gerstenberg (Welt).
In der SZ stellt Johanna Adorján die Berliner Holzschnitt-KünstlerinGabriela Jolowicz vor, voller Bewunderung für deren Fähigkeit, mit kleinsten Details die Gegenwart einzufangen: "Holzschnitt ist die älteste Drucktechnik der Welt", lernt sie, und "das erste Massenmedium. Genau das gefällt Gabriela Jolowicz auch so daran. Das Unelitäre. ... Der erste Holzschnitt, den sie je machte - die Jahreszahl 2005 ist eingeritzt -, gab direkt die Richtung vor, die sie bis heute verfolgt. Es war die Ansicht eines Betrunkenen, der in seinem Wagen eingeschlafen war. Sie hatte diese Szene im wahren Leben gesehen, als sie einmal ihren Vater, einen Landarzt, auf seiner Visite begleitete. Aus dem Gedächtnis zeichnete sie, wie der Arm des Mannes aus seinem kastenförmigen Wagen hing, und schnitzte es dann in eine Holzplatte. Ein zufälliger Anblick, einmal gesehen, nicht mehr vergessen, den sie wie einen Schnappschuss in Holz festgehalten hat. Ein Motiv, das nicht gerade danach schreit, als Kunstwerk verewigt zu werden. Genau das macht den aberwitzigen Charme von Gabriela Jolowicz' Arbeit aus: dieser Kontrast zwischen altmodischer Technik und extremer Heutigkeit, zwischen dem handwerklichen Aufwand und der Alltäglichkeit des Motivs."
Weitere Artikel: In der FAZ meldet Kerstin Holm, dass die Direktorin des Puschkin-Museums, Jelisaweta Lichatschowa, entlassen wurde, während sie im Urlaub war: Offenbar hatte sie die russische Museumspolitik etwas zu oft kritisiert und sich dann noch über Stalin lustig gemacht. Sophie Jung unterhält sich in der taz mit dem KünstlerHeiner Franzen über dessen Videoprojekt "22 Anchors", für das er Gesprächspausen aus amerikanischen Nachrichtensendungen zusammengeschnitten hat.
Sigmar Polke: So sitzen Sie richtig (nach Goya). Bild: Skarstedt. Im Madrider Prado kommt der Künstler Sigmar Polke "zu höchsten musealen Ehren", hält Georg Imdahl für die FAZ in der Ausstellung "Affinities Revealed" fest, die vor allem Polkes Verhältnis zu Francisco de Goya untersucht. Polke faszinierte, dass Goya aufgrund von Materialmangel Bilder übermalen musste und so überraschende Überlagerungen entstanden sind, die nun technisch wieder sichtbar gemacht werden, erfahren wir: "In seinem Großformat 'So sitzen Sie richtig (nach Goya)' verleibt er sich das seltsame 'Capricho Nr. 26' von 1799 ein, jene Radierung mit der karnevalesken Szenerie zweier Mädchen, die jeweils einen Stuhl auf dem Kopf balancieren, wobei Polke, um den Surrealismus perfekt zu machen, auch noch eine Collage von Max Ernst in sein auf Stoff gemaltes Bild einblendet. In sarkastischen Werken bespiegelt Polke in den Achtzigerjahren einen in der Gesellschaft nach wie vor zirkulierenden Faschismus."
Offenbar nicht in der Mannheimer Ausstellung: Felix Nussbaums "Selbstbildnis an der Staffelei" von 1943.
In seinem Abendvortrag zur Ausstellung "Die Neue Sachlichkeit. Ein Jahrhundertjubiläum" an der Mannheimer Kunsthalle, den die SZ gekürzt online gestellt hat, legt der Soziologe Natan Sznaider Wert darauf, die Bedeutung des neu-sachlichen Denkens auch für unsere Zeit herauszustellen: Die Neue Sachlichkeit ist "ein Versuch, die Wirklichkeit zu erfassen und die nackte Wahrheit aufzuzeigen. Es ist daher auch Aufklärung im besten Sinne. Es geht um das unsentimentale Klarsehen jenseits der üblichen linken und rechten Ideologisierungen der Welt." Auch die Wiederentdeckung jüdischer KünstlerInnen ist ihm ein wichtiges Anliegen, sind diese doch auch in der Nachkriegszeit noch verdrängt worden: Wer 1959 nicht auf dem Fest der Documenta II gezeigt wurde, "war unter anderem der neu-sachliche Maler Felix Nussbaum. Auch er lässt mit seinen Bildern Geschichten sichtbar werden. Nussbaums Werk malt die politische Ausgrenzung, die rassistischen Verfolgungen, die drohende Deportation, ja die eigene Vernichtung. Es ist die Literatur der Neuen Sachlichkeit auf die Leinwand gemalt. Die Eindringlichkeit gerade seiner letzten Gemälde entkoppelt den persönlichen Blick von seinem spezifischen Ort und seiner spezifischen Zeit und bringt auf diese Weise die Mauern der Gleichgültigkeit zum Einsturz, schafft also Räume des Mitfühlens."
Weiteres: Monopolfeiert den 70. Geburtstag des Kunstsammlers Timo Miettinen mit einem Interview über finnische Kunst und deutsche Kulturpolitik.
Hans Josephsohn. Ohne Titel. 1990. Laiton. Foto: Katalin Deér. Kesselhaus Josephsohn St. Gallen Im Monopol-Magazinstaunt Elke Buhr: So überraschend leicht und schön hat sie die "archaisch groben" Skulpturen des jüdischen, in Königsberg geborenen Künstler und Holocaust-Überlebenden Hans Josephsohn, der 1938 in die Schweiz floh, selten gesehen. Nun aber hat der Maler und Kurator Albert Oehlen Josephsohns eigensinnige, "schmerzhaft an der Grenze zur Formlosigkeit balancierende" Plastiken im Musée d'Art Moderne de Paris ausgestellt: "Oehlen platziert die Skulpturen in geradezu tänzerischen, geschwungenen Linien im Raum, stellt sie in Metallregale oder auf Holzpaletten wie zum Transport. Er behandelt sie wie Persönlichkeiten, die miteinander in Kontakt stehen, von den frühen, an ägyptische Statuen oder auch an Giacometti erinnernden Stehenden über die schwerbrüstigen Frauenbildnisse bis zu den späten, wie grobe Steingötter wirkenden Köpfen."
Bereits von 2009 bis 2017 war Ralph Gleis Kurator des Wien-Museums, zuletzt leitete er die Alte Nationalgalerie. Seit Anfang Januar ist folgt er auf Klaus Albrecht Schröder als neuer Generaldirektor der Wiener Albertina. Im FAZ-Gespräch mit Hannes Hintemeier sorgt er sich nicht um Kulturbudgetkürzungen unter der FPÖ und gibt einen Einblick in seine Planung, die vorsieht, das Museum "partizipativer" zu gestalten. Man wolle schließlich keine "Zwangsbeglückung". Zudem wage er viel Neues, etwa mit sechs Soloausstellungen über Künstlerinnen, darunter Jenny Saville, Jitka Hanzlová, Leiko Ikemura. "Wir wollen den für die Moderne angeblich immanenten Traditionsbruch untersuchen. Da werden Dürer und Grünewald neben Hauptwerken von Beckmann, Kollwitz und Munch hängen. Und man muss oft zweimal hinschauen, um zu erkennen, was Mittelalter und was 20. Jahrhundert ist. Das sind Projekte, die sich aus der wissenschaftlichen Bearbeitung der Sammlung ergeben, die ich verstärken möchte. Ich möchte auch internationale Kooperationen ausbauen: Wenn eine Kuratorin aus Oslo unsere Sammlung sichtet, tut sie das anders, als wir es tun würden. Skandinavien geht uns ohnehin weit voraus, was die Einbindung des Publikums und auch den Wissenschaftsbegriff in Museen angeht." Für den Standard hat Michael Wurmitzer mit Gleis gesprochen.
Weitere Artikel: Für den Tagesspiegel trifft sich Gunda Bartels mit dem Schweizer Fotografen Lukas Hoffmann, dessen Doppelbelichtungen und Fassadenfotografien derzeit in der Ausstellung "Sidewalks" im Berliner Haus am Kleistpark zu sehen sind. Weitere Nachrufe auf den verstorbenen Fotografen Oliviero Toscani schreiben Reinhart Bünger im Tagesspiegel und Hanno Rauterberg in der Zeit. In der FAZ erzählt die amerikanische Konzeptkünstlerin Kim Abeles von ihrer Arbeit mit inhaftierten Feuerwehrfrauen. Der Chemiekonzern Bayer möchte einen großen Teil seiner mehrere Tausend Werke umfassenden Kunstsammlung verkaufen, weil Bilder Mitarbeiter nicht mehr motivieren, meldet Jörg Häntzschel in der SZ.
Besprochen werden die Ausstellung "24-2=2022" in der Berliner St. Matthäus-Kirche, in der sich die ukrainische Künstlerin Alevtina Kakhidze und die polnische Künstlerin Renata Rara Kaminska mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzen (Berliner Zeitung) und die Ausstellung "Fotogaga. Max Ernst und die Fotografie" im Museum für Fotografie Berlin (FAZ).
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