In der WamS erinnert Gesine Borcherdt an den schwarzen Maler Ed Clark, der aufgrund seiner Hautfarbe erst sehr spät die Anerkennnung bekam, die er verdiente und dessen Bilder in der Galerie Hauser & Wirth in Zürich zu sehen sind. Unterkriegen ließ sich Clark allerdings nie, so Borcherdt, und seine Werke spiegeln das wider: "Mit dem Action Painting fand er seine Sprache: eine Mischung aus Farbfeldmalerei und expressiven, aber dennoch reduzierten, klaren und oft horizontal gesetzten Gesten, die er mit einem Besen auf raumfüllende Leinwände brachte. Wie hochpolitisch und subtil diese performative Geste war, hat damals niemand verstanden. Auch Clark sah seine Kunst nicht als Politik. Sie war für ihn das Feld der Emotionen, so wie das Leben selbst es war. Statt einer 'In your face'-Metapher für die Unterdrückung der Schwarzen war der Besen vor allem die Verlängerung seines Armes und die Malerei das Medium, mit dem er nichts anderes als Licht und Raum erzeugen wollte."
Weitere Artikel: Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ schaut sich Andreas Platthaus die Kunst des "Graphic Recordings" näher an: Künstler begleiten Veranstaltungen und zeichnen sie in Bilderfolgen auf. Die Bilder des Künstlers Michael Jordan zu den "Augsburger Gesprächen zu Literatur, Theater und Engagement" sind in einer Ausstellung im staatlichen Textil- und Industriemuseum ebendort zu sehen. Besprochen werden Gregor Schneiders Installation "Welcome" im Kunstmuseum Krefeld (FAZ), die Ausstellungen "Delphinium Maximum" und "Bauhaus Ecologies" im Bauhaus Museum Dessau (FAZ) und eine Ausstellung mit Fotografien von Thomas Struth in der Galerie Max Hetzler in Berlin (tsp)
Wie der Krieg die Ukrainer auch auf die Suche nach Identität schickt, erleben Yelizaveta Landenberger und Mitya Churikov (taz) in der Ausstellung "Woraus wir gemacht sind" im Chemnitzer Wirkbau, die ukrainische Gegenwartskunst Kunst aus Ostdeutschland gegenüberstellt: "In der Ecke liegt ein Haufen Erde auf dem Boden, aus dem zartes Grün keimt. Umstellt ist es mit einem Kreis aus 15 kleinen durchnummerierten Betonplatten mit provisorisch modellierten Bildmotiven. Sie sehen aus wie Miniaturgrabsteine. Man muss unweigerlich an die improvisierten Gräber in den Frontgebieten der Ukraine denken, in denen die Überlebenden ihre Nächsten begraben. An der Wand dahinter schlüsselt eine mit Bleistift geschriebene Legende auf, wem die Betonplatten gewidmet sind: dem Versteckten, dem Mobilisierten oder dem Verschwundenen. Dasha Chechushkova geht es in der eindrücklichen Arbeit 'Flower Bed' um Männer, um ihre schwierige Lage in der patriarchal geprägten ukrainischen Gesellschaft, die gerade im gegenwärtigen Krieg, zumindest nach außen hin, nur Platz für Helden übrig hat."
Weitere Artikel: Auf ganze fünf Jahre streckt die Museumsinsel Berlin ihre Feierlichkeiten zum 200-jährigenBestehen. Im Tagesspiegel-Gespräch mit Nicola Kuhn erklärt deren Sprecher, Matthias Wemhoff, warum der BER Mitschuld daran hat, dass sich die Berliner Häuser in puncto Besucherzahlen nicht ansatzweise mit dem Louvre oder dem British Museum vergleichen können und weshalb er nichts von Joe Chialos Vorschlag hält, die Museen sollten sich mehr private Sponsoren suchen: "In Berlin ist es schwierig, Förderer zu finden. ... Die hier eher ansässigen Aktiengesellschaften haben feste Vorgaben, die sie einhalten müssen, bevor sie überhaupt in Kultur investieren dürfen." In der Berliner Zeitungschreibt Ingeborg Ruthe zu den Feierlichkeiten.
Besprochen werden eine Ausstellung im Bochumer Museum unter Tage zum 50-jährigen Bestehen der Kunstsammlung (SZ), die Ausstellung "Erinnerungen im Jetzt. 80 Jahre später. Vom Krieg damals wie heute" im Museum für Photographie in Braunschweig (taz) und die Werkschau "Kids take over" des in Mexiko lebenden belgischen Künstlers Francis Alÿs im Kölner Museum Ludwig (Tsp).
Julian Weber erinnert in der taz an Arnold Odermatt, einen Polizisten, dessen fotografische Dokumentation von Unfallschauplätzen zu Kunstwerken wurden. Vier Jahrzehnte lang hielt Odermatt Autoschrott im Bild fest und entwickelte dabei rasch außergewöhnliche Techniken: "Er experimentierte mit der Perspektive, fotografierte aus weiter Ferne und von großer Höhe. So wurden seine Fotos zu Stillleben des Schrotts: eine Pietà aus zerbeultem Blech, Beton und Teer. Obwohl die Aufnahmen in der Chronologie postdramatisch entstanden sind, lassen sich kleine Katastrophen und große Karambolagen erahnen. In ihrer strengen Komposition und nüchternen Bestandsaufnahme geraten die verkümmerten Karosserien in den Hintergrund, stattdessen treten Schraffuren und Linien hervor, Signalgegenstände und Warndreiecke werden zu abstrakten Symbolen. Ein Panoptikum aus schiefen Bremswegen, abgerissenen Kotflügeln, Pneuresten und allerlei Hindernissen, an denen die Unfallfahrzeuge zerschellt sind." Dieser Tage wäre Odermatt 100 Jahre alt geworden.
Anlässlich neu eingerichteter Meditationsräume im Berliner Bode-Museum macht sich Zeit-Autor Hanno Rautenberg Gedanken über das neue Wohlfühlideal der Kunst, das dem avantgardistischen Telos von der Erschütterung des Selbst komplett fremd ist. Dabei ist die Idee, dass Kunst heilen kann, nicht neu und auch heute "angesichts der Ab- und Umbrüche, der Pandemie, des Krieges, einer verwilderten Politik, nicht weiter verwunderlich. Die Kunst soll die Trostlosen trösten. Soll die Risse, die alle und alles durchziehen, für den Moment verarzten. Die Idee der Entgrenzung jedoch, die Hoffnung der Kunst, den realen Verhältnissen ihre Autorität zu bestreiten, hat im Gesundungsdenken der Gegenwart nichts mehr zu suchen. Das Museum, ein Sanitätshaus fern der Welt."
Weitere Artikel: Marion Ackermann übernimmt, wie mehrere Zeitungen (FAZ, Tagesspiegel, BZ) berichten, die Leitung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz von Hermann Parzinger. Leonie March berichtet in der FR über boomende afrikanische Kunsthandel-Plattformen. Auf monopollesen wir in einem von Stefan Kubel verfassten Beitrag wiederum, dass das Kunstmarktportal Artnet von Investor Andrew Evan Wolff übernommen wird. Susanne Lenz spricht in der BZ mit dem HKW-Intendanten Bonaventure Ndikung über die Kunstwelt, Postkolonialismus und andere Themen. Silke Hohmann klärt auf monopol darüber auf, wie es bei der Venedig-Biennale nach dem Tod der Kuratorin Koyo Souoh weitergehen könnte. Tobias Timm schreibt in der Zeit über Henrike Naumann und Sung Tieu, die den deutschen Pavillon in Venedig bespielen werden.
Besprochen werden eine dem Künstler Robbie Williams gewidmete Schau im Londoner Moco Museum (SZ), die Ausstellung "Mission Dakar-Djibouti" im Pariser Musée du Quai Branly (Tagesspiegel) und "Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein", eine eklektische Schau im Wiener Mumok (Standard).
Woran lag es, dass der abstrakte Expressionist Richard Pousette-Dart nie ganz aus dem Schatten seiner Freunde Jackson Pollock und Mark Rothko treten konnte, fragt sich Hans-Joachim Müller (Welt) beim Rundgang durch die Ausstellung "Poesie des Lichts" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Zum einen fehlte ihm der Furor der Kollegen, zum anderen wohnt seinen Bildern ein bis heute unergründbares Geheimnis inne, stellt Müller fest: "Es sind Bildgegenstände von strenger, auch abweisender Würde geworden. Schnecken, Voluten, Kreise, Dreiecke, Idole, ornamentale Leisten - lauter geometrische Elemente, die zwischen Ding und Emblem oszillieren - besetzen die Bilder, bilden gleichsam das Gehäuse für die Farbe, die krustig wie mit Sand gemischt auf den Leinwänden wuchert. Zuweilen denkt man an Kirchenfenster, dann wieder könnten es Entwürfe für schwere Teppiche sein. Dabei hat der Maler sein Formenarsenal ('Brasses') auch in Messing geschnitten."
Als Architekt, der am Dessauer Bauhaus lernte, übte der Schweizer Max Bill auf das Erscheinungsbild der jungen Bundesrepublik großen Einfluss aus, erinnert Bernhard Schulz in der taz. Weniger bekannt ist sein malerisches Werk, das nun in einer Ausstellung im Mies Haus am Obersee in Alt-Hohenschönhausen gezeigt wird, freut sich Schulz: "Bill selbst wählte die Bezeichnung 'konkrete kunst' für seine Arbeit, die nicht mehr in Wiedergabe von oder Anlehnung an sichtbare Dinge besteht, sondern nach eigenen Formgesetzen aufgebaut ist. Bill wurde der Mathematiker der Malerei, die er in präzisen Formgerüsten erprobte, in Geraden und Diagonalen, in Farbfeldern und Quadraten."
Weitere Artikel: Rico Bandle berichtet in der NZZ, wie das Kunsthaus Zürich weiter im Umgang mit der Sammlung Bührle (unsere Resümees) vorgehen will: Mehr Provenienzforschung, aber dafür auch höhere Subventionen von der Stadt Zürich, so Bandle. Mit Kuratorin Kathleen Reinhardt, Direktorin des Kolbe-Museums Berlin, der Künstlerin Sung Tieu und der Künstlerin Henrike Naumann werden drei ostdeutsche Frauen den deutschen Pavillon bei der kommenden Biennale in Venedig bespielen, freut sich Timo Feldhaus in der Berliner Zeitung. In der FAZ erinnert der Kunsthistoriker Rainer Stamm daran, wie schwer sich das Museums- und Ausstellungspublikum nach 1945 mit moderner Kunst tat.
Besprochen werden die Ausstellung "Planetarische Bauern" im Kunstmuseum Moritzburg, die nach der heutigen Bedeutung der Bauernkriege fragt (taz) und die LeonKahane-Austellung "Dialog Dialog Dialog" in der Kölner Galerie Nagel Draxler (taz).
Ist das jetzt große Kunst oder "therapeutisch angehauchte Bastelstube" fragt sich Welt-Kritiker Boris Pofalla in der großen Retrospektive der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark (1920-1988), die die Neue Nationalgalerie ausrichtet. Aber er scheint ganz glücklich zu sein, wie er da so liegt, "einen Plastiksack mit Wasser auf dem Bauch und einen rot umhäkelten Stein in der Hand - wer hätte das gedacht? Man kann sich auch Muschelschalen nehmen oder verpackte Kaffeebohnen, aber im Moment ist man ganz zufrieden so, umgeben von einem Gaze-Vorhang, der einen notdürftig von der wandlosen Weite der Neuen Nationalgalerie separiert. Die Matratze, die dem Besucher der Ausstellung von Lygia Clark zum Liegen angeboten wird, ist mit winzigen Styroporkügelchen gefüllt. Ihre Hülle ist durchsichtig und riecht stark nach Plastik wie ein neu gekauftes Schwimmtier. Entspannung, Urlaubsgefühle und die latente Peinlichkeit, hier als Kunstbetrachter sozusagen selbst ausgestellt zu sein, verbinden sich zu einer neuartigen Museumserfahrung."
Niklas Maak (FAS) verfolgt hingerissen, wie Lygia Clark ihre Ideen entwickelte, bis sie sich 1959 dem "Neoconcretismo" anschloss: "Sie entwickelt in der Folge die 'Bichos', vielleicht ihre schönsten Arbeiten aus Metallplatten und kleinen Scharnieren, die wie Lebewesen ihre Formen verändern - und vom Betrachter angefasst und in ihrer Form verändert werden können. In Berlin werden die Originale auf Podesten gezeigt. Neben den Originalen sind Nachbildungen auf roten Podesten ausgestellt, die der Betrachter selbst umbauen darf. Von den Bichos an ging es Clark darum, das Museum von einem Ort der Ausstellung zu einem Ort der Aktivierung zu machen." Ob das im Zeitalter der sozialen Medien immer noch emanzipatorisch wirkt? "Darüber kann man sich am Ende der Ausstellung streiten."
Weiteres: Olga Hohmann schreibt in der taz den Nachruf auf Eva, Teil des Künstlerinnenpaars Eva & Adele. Der brasilianische Fotoreporter Sebastião Salgado ist gestorben, meldet der Spiegel, im Tagesspiegelschreibt Birgit Rieger einen Nachruf. Und Philip Meier erinnert in der NZZ an den vor 100 Jahren geborenen Schweizer Fotoreporter Arnold Odermatt.
Jean-Baptiste Huet I: "Zwei Widderköpfe", 1769. Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen. Einen spannenden Einblick in die Arbeit von Provenienzforschern verdankt Wolfgang Krischke (FAZ) der Bremer Kunsthalle, die in der Ausstellung "Corot bis Watteau?" nicht nur der Herkunft, sondern auch der Zuschreibung der Grafiken französischer Künstler des 16. bis 19. Jahrhunderts aus der Sammlung nachspürt und in informativen Objektbiografien darstellt. "Zu den Höhepunkten gehört die in vielstufigen Braun- und Beigetönen gehaltene Federzeichnung eines gigantischen Wasserfalls, dessen Erhabenheit durch den Kontrast zu zwei winzigen Beobachtern im Zentrum des Bildes noch erhöht wird. Das Blatt, dessen Duktus und Stimmung eine Seelenverwandtschaft zur deutschen Romantik aufweist, wird nicht mehr wie früher dem Klassizisten Jacques-Louis David, sondern dem Architekten und Zeichner EugèneViollet-le-Duc zugeschrieben und zeitlich zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin verlegt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: Für Monopolporträtiert Saskia Trebing den norwegischen Künstler und Schriftsteller Matias Faldbakken, dessen Roman "Armes Ding" vergangenes Jahr auf Deutsch erschien und der aktuell ein Mahnmal für die Opfer der Anschläge von Oslo und Utøya gestaltet. Besprochen werden außerdem die FridaOrupabo-Ausstellung "Spectrum - Internationaler Preis für Fotografie" der Stiftung Niedersachsen im Sprengel-Museum in Hannover (taz) und die Ausstellung "European Realities. Realismusbewegungen der 1920er und 1930er Jahre in Europa" im Museum Gunzenhauser in Chemnitz (NZZ, mehr hier).
Installation view: Emma Talbot, Human/Nature, 2025. Produced by ΕΜΣΤ. Courtesy the artist and Galerie Onrust, Amsterdam. Photo by Paris Tavitian "Why Look at Animals" ist die Schau im Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst in Athen nach John Bergers gleichnamigem Essay benannt - und unter dem erweiterten Titel "A Case for the Rights of Non-Human Lives" werden hier in über zweihundert Werken Tierrechte und das menschliche Verhältnis zur Natur verhandelt, staunt Lorina Speder in der taz: "Oft sind es Nutztiere, die in der Ausstellung auf der Leinwand erscheinen. Wie Mastschweine in Ang Siew Chings Video 'High-Rise Pigs'. Die singapurische Künstlerin thematisiert deren kurzes Leben im Zhongxin Kaiwei Pig Building, der mit 26 Etagen größte Massentierhaltungsstall der Welt. Er wurde Ende 2022 in der chinesischen Provinz Hubei fertiggestellt und überschattet mit seinem Gestank und der architektonischen Größe das Dorf, in das er platziert wurde. Dass man dabei neben Eindrücken der beklemmenden Innenarchitektur auch von der Züchtung zusätzlicher Brustwarzenpaare für die Säue erfährt, lässt erschaudern."
Pünktlich zum hundertsten Geburtstag von Jean Tinguelyreist Andreas Sieler für die FR nach Basel um die Dauerausstellung im Tinguely-Museum zu besuchen. Besonders beliebt war Tinguely in der Schweiz allerdings zunächst nicht, erinnert Philipp Meier in der NZZ. Bekannt wurde er zunächst im Ausland, etwa in Italien, wo Tinguely "im November 1970 einen riesigen Phallus in die Luft gehen ließ. Der über zehn Meter hohe Penis explodierte aber immerhin vor den Blicken von rund 8000 Zuschauern und schätzungsweise 5000 Tauben. 'Vittoria' - Sieg - nannte Tinguely seine ephemere Skulptur, die den Untergang des Symbols von Männlichkeit darstellen sollte. Und das war durchaus als bissiger Kommentar des Schweizer Künstlers zur hitzig geführten Debatte um das Frauenstimmrecht in seiner Heimat zu verstehen - Tinguely war ein Fürsprecher der Gleichberechtigung."
Weitere Artikel: In der Zeit hat Hanno Rauterberg nichts dagegen, dass die Gleichstellungsbeauftragten des Bundesamts für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen in Berlin die Kopie der Medici-Venus aus dem Foyer verbannte: Allerdings nicht, weil die Nacktheit der Göttin als sexistisch empfunden werden könnte, wie die Gleichstellungsbeauftragten befürchteten, sondern weil jene Kopie vermutlich als NS-Raubgut in den Besitz von Hermann Göring kam, so Rauterberg. In der Berliner Zeitungschreibt Timo Feldhaus zum Tod von Eva, die als Teil des schillernden Berliner Paars "Eva & Adele" fester Bestandteil der Berliner Kunstszene war. Die Art Basel zieht nach Doha, meldet Jörg Häntzschel in der SZ und fragt: Wie wird man das "Dilemma mit den Menschenrechten" in Katar lösen? Auch Klaus Englert (FAZ) und Saskia Trebing (Monopol) haben dem neuen Migrationsmuseum Fenix (unsere Resümees) in Rotterdam nun einen Besuch abgestattet. Bei Monopolblickt der Maler Hans-Hendrik Grimmling, Mitorganisator des legendären Ersten Leipziger Herbstsalons in der DDR, auf seine Zeit zwischen Repression und Rebellion zurück.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "120 Jahre Brücke. 120 Berliner*innen. 120 Werke" im Berliner Brücke-Museum (taz), die Ausstellung "PhotonenSpur und Paragraphen" mit langzeitbelichteten Fotos von Plenartagungen und Politikertreffen von Angelika Kohlmeier im Berliner Willy-Brandt-Haus (taz) und die Ausstellung "KlimaZeugen" mit Fotografien von Thorsten Klapsch im Berliner Haus#1 (Tsp).
Der jüdische Künstler Leon Kahane erklärt Johanna Adorján in der SZ, warum er Gerhard Richters künstlerische Beschäftigung mit Auschwitz, etwa in einem direkt dort vor Ort aufgebauten Museumspavillon, für falsch hält: "Du sollst dir kein Bildnis machen, so lautet gleich das zweite mosaische Gebot. (...) Von nun an sollte man keinen Götzen mehr heiligen wie in allen anderen Religionen, sondern Gott war alles und zugleich nichts, hatte nicht mal einen richtigen Namen, fand allein in der intellektuellen Auseinandersetzung statt. Dieses Gebot hat das Judentum seinem Wesen nach zutiefst geprägt. Was aber ist ein neu errichteter Museumspavillon in Auschwitz, errichtet für die Kunst eines der bedeutendsten, teuersten lebenden Künstler, anderes als ein Götze? Und wie kommt man auf die Idee, einem der wichtigsten jüdischen Gesetze ausgerechnet an diesem Ort mit einem eigens ausgesuchten Zitat zu widersprechen?"
Außerdem: Christo und Jeanne-Claudes "Verhüllter Reichstag" kommt wieder - als Lichtprojektion, wie Jörg Häntzschel in der SZ vermeldet. Wurde ein Klimt-Gemälde rechtswidrig aus Ungarn ausgeführt? Diesem von ungarischer Seite erhobenen Vorwurf geht Olga Kronsteiner im Standard nach. Matthias Heine meint in der Welt: Wenn Gleichstellungsbeauftragte, wie zuletzt im "Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen", Venusstatuen abmontieren lassen, dann sollte man das zum Anlass nehmen, Gleichstellungsbeauftragte zu demontieren. Marcus Boxler spricht auf monopol mit der Künstlerin Charlie Stein über SUVs. Die Art Basel gründet mit Investorenhilfe einen Ableger in Doha, erfahren wir auf monopol von Stefan Kobel. Leonie March unterhält sich in der FR mit der Künstlerin Tuli Mekondjo über deren Kunstwerk zum ersten Artikel des Grundgesetzes und die Rückführung toter Vorfahren aus Deutschland nach Namibia.
Besprochen werden die Performancekunst-Schau "The Cynics Republic - Plac Defilad" im Museum für Moderne Kunst Warschau (monopol), die Ausstellung "Prachtstücke - Paul Kleinschmidt. Malerei 1922-1939" im Hamburger Ernst-Barlach-Haus (taz), die antisemitischen Bildern gewidmete Schau "#FakeImages - Gefahren von Stereotypen erkennen" an der TU Berlin (BZ) und Thomas Lanigan-Schmidts Schau "Lemon Sour Balls in Cherry Syrup" in der Berliner Galerie Buzzer Reeves (taz).
Fenix-Tornado-Museum. Foto: Iwan Baan. In der tazempfiehlt auch Bernhard Schulz einen Besuch des neu eröffneten "Fenix"-Museum in Rotterdam (unsere Resümees): "Gleich beim Aufstieg aus dem Erdgeschoss fällt der Blick auf das gut sechs Meter lange Stoffmodell eines New Yorker Stadtbusses der Linie M5, das Red Grooms detailgetreu ausgestattet hat, Fahrgäste inklusive. Ein hölzernes Boot mit Außenbordmotor, das 19 Geflüchtete nach Lampedusa brachte und von der dortigen Küstenwacht beschlagnahmt wurde, erinnert an die dunkle Seite der Migration - und stellt, vor einem großen Fenster mit Blick auf den benachbarten 'Tränenkai' der Auswandererschiffe aufgestellt, die Nachbarschaft von gewollter und erzwungener Migration eindrücklich her."
Weitere Artikel: In der FRwidmet sich Judith von Sternburg fasziniert Paul Klees Bild "Angelus Novus" und der Lebensgeschichte Walter Benjamins, die die Ausstellung "Der Engel der Geschichte. Walter Benjamin, Paul Klee und die Berliner Engel 80 Jahre nach Kriegsende" im Bode-Museum aufgreift.