Schauspieler und Gewerkschafter HeinrichSchafmeister spricht in der SZ über die Arbeitssituation der Schauspieler in Theater und Film: Beim Theater gibt es Unterbeschäftigung, bei Film und Fernsehen bricht der von den Streamern vor wenigen Jahren ausgelöste Fictionboom gerade massiv ein, während die Öffentlich-Rechtlichen mehr und mehr sparen müssen. Konjunktur haben nur Synchronsprecher - doch hier zeichnet sich ein Damoklesschwert über den Köpfen ab: "Theoretisch ist es schon jetzt möglich, dass ein einziger Schauspieler die deutsche Fassung eines kompletten Spielfilms einspricht, alle Rollen, alle Dialoge. Das kann eine KI dann mit der jeweiligen StimmfärbungderOriginalschauspieler ausspielen. Das ist natürlich weniger aufwendig und viel billiger als die heutige Synchronproduktion. ... Ein austauschbarer Sprecher mit sauberer Artikulation genügt völlig." Die dafür nötige "KI ist da, und die Entwicklung ist rasend schnell. Viele Synchronstudios werden in Schwierigkeiten geraten. Der gesamten Branche ist klar, dass KI die Synchronarbeit drastisch verändern kann."
Hollywood steht so gut wie geschlossen hinter KamalaHarris, schreibt Andreas Scheiner in der NZZ. Doch "zur Überwindung der Polarisierung trägt" dies nicht bei, denn "das amerikanische Kino kennt nur einen Teil von Amerika. Das Filmschaffen ignoriert das Kernland. Kaum ein Filmstoff verhandelt das Leben in den Flyover-Countrys. ... Es fehlen die politischen Zwischentöne. Das gilt für die Filme, und es gilt für den politischen Aktivismus, in dem sich die Exponenten üben. Wer sich so offenkundig nicht für die Leute interessiert, braucht ihnen auch nicht mit Wahlempfehlungen zu kommen."
Gegenüber "Buffy" wirken heutige "Netflixserien mit ihrem Anspruch der Bingewatching-Kompatibilität ... wie verwässerte Limonade", meint Maria Wiesner in der FAZ in ihrer Würdigung von JossWhedons 90s-Serienklassiker, in dem sich alles findet, was Serien im vergangenen Vierteljahrhundert so einen Siegeszug bescherte: "Als zusätzliche Lackschicht auf dem vor Details überbordenden Gemälde, das jede einzelne Episode darstellt, haben die Autoren gesellschaftliche, soziale und politische Analysen aufgetragen. Daneben ziehen sich größere Erzählbögen durch die Handlung, bestimmt von Liebe, Herzschmerz und Verrat. Jede Emotion ist so tief ausgelotet, jede mit so heftigen Konsequenzen belegt, wie es die antiken Dramen wagten. ... Man muss Pausen zwischen den Folgen einlegen, muss darüber reden, was man gesehen hat - immer noch. Die Intensität mag auch dem Fernsehformat geschuldet sein, für das 'Buffy' ursprünglich geschrieben war. ... Stundenlanges, hirnlosesVersacken vor Fernseher oder Internet wäre ein Szenario gewesen, in das bei 'Buffy' ein Dämon die Menschen versetzt hätte."
Weitere Artikel: Irene Genhart unternimmt für den Filmdienst vorab einen Streifzug durchs Programm des 77. Filmfestivals in Locarno. Jakob Thaller porträtiert für den Standard den österreichischen StummfilmpianistenGerhard Gruber.
Besprochen werden OzPerkins' Horrorthriller "Longlegs" mit Nicolas Cage (online nachgereicht von der FAZ, Presse), M. NightShyamalans Thriller "Trap", bei dem ein Stadionkonzert zu einer Falle für einen Serienmörder wird (Welt), die auf AppleTV+ gezeigte Serie "Lady in the Lake" mit NataliePortman (FAZ) und die auf Sky gezeigte Doku "The Truth vs. Alex Jones" (taz).
In der Jungle Worldfasst Tobias Obermeier die Auseinandersetzungen um die Ausstellung im Oscar Museum der Academy in Los Angeles zusammen: Unter anderem wurde kritisiert, dass die jüdischen Pioniere Hollywoods für ihre Verdienste nicht ausreichend gewürdigt, sondern vor allem als Widerlinge geschmäht wurden (mehr dazu bereits hier und dort). Heide Rampetzreiter plaudert für die Presse mit dem Schauspieler EwanMitchell, der aktuell in der zweiten Staffel von "House of the Dragon" zu sehen ist. Besprochen wird IvanCalbéracs französische Boomer-Komödie "Liebesgrüße aus Nizza" (FAZ).
Die Retrospektive des Filmfestivals Locarnogratuliert in diesem Jahr den altehrwürdigen ColumbiaPictures zum 100-jährigen Bestehen. Zu erleben ist in 44 Filmen, wie sich das Studio aus der "Poverty Row" Hollywoods zu den großen Playern im Business hocharbeitete, schreibt Michael Ranze in der FAZ. Columbia war "nicht so tough wie Warner, nicht so glamourös wie Paramount, nicht so stargespickt wie MGM, nicht so horroraffin wie Universal, nicht so ausstattungsverliebt wie Fox. Kein Luxus, keine Extravaganzen, dafür Kreativität, Flair und Qualität." Tycoon HarryCohn "hatte bereits 1926 entschieden, dass - anders als Paramount, Warner und MGM - Columbia keine eigenen Filmtheater besitzen sollte. Das sparte Geld für Grundstücke und Bauten. Das bedeutete allerdings auch, dass die Filme gut sein mussten. Sonst hätten die Filmverleiher sie nicht gebucht." Als "schönsten Film der Retrospektive" legt Ranze uns JoshuaLogans "Picnic" von 1955 ans Herz - hier daraus die Tanzszene mit WilliamHolden und KimNovak, "eine der sinnlichsten und aufregendsten Szenen, die das Hollywood-Kino der Fünfzigerjahre erlaubte".
Außerdem: Jörg Taszman unternimmt für den Filmdienst einen Streifzug durch die Welt der auf Liebhaber-Editionen spezialisierten Labels für Heimkino-Medien, die sich trotz des allgemeinen Sinkflugs von DVD und BluRay gut am Markt halten. Besprochen werden M. NightShyamalans Thriller "Trap" (Standard), die auf Sky gezeigte Doku "The Truth vs Alex Jones" (FAZ) und die von der ARD online gestellte, schwedische Serie "Limbo" (taz).
Subversiv und kritisch: "Shahid" von Narges Kalhor In ihrer Komödie "Shahid" setzt die in Deutschland lebende Exiliranerin NargesKalhor (hier unser Resümee eines aktuellen Gesprächs mit ihr) ein von Baharak Abdolifard verkörpertes Alter Ego darauf an, den verhassten Mittelnamen Shahid im deutschen Ämterdschungel tilgen zu lassen. "Shahid" heißt nämlich Märtyer und "den religiös-patriarchalen Ballast, der damit verbunden ist, empfindet die Protagonistin als bedrückend", erzählt Wolfgang Lasinger auf Artechock. Zu erleben ist eine "Komödie, die lustig, ironisch und souverän von der Last der Tradition handelt und davon, was westliche Demokratien der Freiheit der Frauen schuldig sind", schreibt Rüdiger Suchsland ein paar Absätze weiter in einer zweiten Kritik. Der Film pendelt "zwischen Realität und Fiktion" und spielt "voller Poesie mit Elementen von Theater, Film und Musical", sprich: Ein "unterhaltsamer Filmhybrid" und "wirklich einmal der Fall einer deutschen Komödie, die das Wort subversiv und kritisch verdient. Einer Komödie, die nicht einverstanden ist mit dem Bestehenden, die weder konservative Familienideale propagiert, die mit der gelebten Wirklichkeit schon längst nichts mehr zu tun haben, noch naive Idealbilder von Diversität und Multikulti."
Weiteres: Axel Timo Purr spricht für Artechock mit dem bhutanesischen Filmemacher PawoChoyningDorjiDruk Thuksey über dessen Film "Was will der Lama mit dem Gewehr" (unsere Kritik). Besprochen werden ZarAmirEbrahimis und GuyNattivs "Tatami" (Tsp, Artechock), IvanCalbéracs "Liebesbriefe aus Nizza" (Artechock), die Arte-Serie "Die Mafia mordet nur im Sommer" (taz), die auf Apple gezeigte, mexikanische Krimiserie "Women in Blue" (Freitag) und die Apple-Krimiserie "Lady in the Lake" mit NataliePortman (Presse).
Modernisierer und Traditionalisten: Kulturclash in Bhutan. Mit "Was will der Lama mit dem Gewehr?" hat Pawo Choyning Dorji eine Komödie über den 2006 einsetzenden Demokratisierungsprozess in Bhutan gedreht. Seine Komik bezieht der Film aus einem "mehrfachen Kulturclash", schreibt Gunda Bartels im Tagesspiegel: "Stadt und Land, Bhutan und USA, buddhistische Spiritualität gegen westliche Materialität - das knirscht gewaltig. Die Prämisse, einem Volk die Vorzüge der Demokratie erst anpreisen zu müssen, ist in Zeiten weltweiter Demokratiegefährdung extra doppelbödig. 'Aber wir sind doch schon glücklich', bescheidet eine Dörflerin die Wahlbeauftragte, die an Bhutans Fortschritt durch westliche Standards glaubt." Stimmt, es "ist kaum zu übersehen, dass die Modernisierer, trotz durchweg bester Absichten, tendenziell schlechter wegkommen als die - weitgehend mit Volksreligiosität assoziierten - Traditionalisten", konstatiert Lukas Foerster im Perlentaucher. Doch ist das "letztlich kein nostalgischer, sondern ein realistischerFilm." Oder auch "ein konservativer Film, der die schöne neue Welt der an den Weltmarkt angeschlossenen liberalen Demokratie mit trockenem Humor auf innereWidersprüche abklopft und dafür plädiert, Aufbruchsrhetorik an den realen materiellen und vor allem auch emotionalen Bedürfnissen der Betroffenen abzugleichen."
Der Regisseur "erzählt von den Lernprozessen eines friedlichen Landes, das sich mit Phänomenen konfrontiert sieht, die man auch mit einer tausendjährigen Meditation nicht wegbeten kann", erklärt Bert Rebhandl online nachgereicht in der FAZ. "Er bezeugt aber mit seinem Humor: Wir dürfen uns Bhutan weiterhin als glücksbegabt vorstellen." Dieser Film ist nicht nur überaus "liebenswert", sondern einfach "ganz unkitschig wunderschön", schwärmt Katharina Granzin in der taz.
Weitere Artikel: Mariam Schaghaghi unterhält sich für die FAZ mit der iranischen, im Exil lebenden Regisseurin ZarAmir und dem israelischen Regisseur GuyNattiv über deren gemeinsamen (in der FRbesprochenen) Film "Tatami", der von einer iranischenJudoka handelt, die bei einem internationalen Wettbewerb von ihrer Regierung gegängelt wird, um ja keinen Kontakt zu israelischen Sportlern zu suchen. Valerie Dirk freut sich im Standard, dass in Österreich endlich zwei Filme von HongSang-soo und KimMin-hee im Kino starten.
Besprochen werden JordanScotts "Berlin Nobody", der laut Perlentaucher Lukas Foerster "als freundlichbeknackte, dunkelromantische Berlinfantasie jede Menge Spaß macht" und zwar "mehr als viele klügere Filme über die deutsche Hauptstadt", Narges Kalhors "Shahid" (FR), die DVD-Ausgabe von JangJae-hyuns südkoreanischem Horrorfilm "Exhuma" (taz), die auf Apple TV+ gezeigte, mexikanische Serie "Women in Blue" (taz, FAZ) und DanReeds auf Sky gezeigte Doku "The Truth vs. Alex Jones" (SZ). Außerdem verschaffen SZ und Filmdienst einen Überblick über die Filmstarts der Woche.
Marius Nobach spricht für den Filmdienst mit der aus dem Iran stammenden, seit 2009 in Deutschland lebenden Filmemacherin NargesKalhor, deren aktueller Film "Shahid" bei der Berlinale den Caligari-Filmpreis gewonnen hat und nun regulär ins Kino kommt. Unter anderem geht es um ihre sehr eigensinnige, eigener Aussage nach von Agnès Varda inspirierte Filmsprache: "Ich nutze alles, was ich in meinem Leben an Einflüssen gesammelt habe, um eine dritte Art von Kino zu schaffen. Mein Ziel ist ein Cinemigrante, das nicht ganz zum deutschen und nicht ganz zum iranischen Kino gehört, so wie man sie kennt. In den letzten Jahren ist zu sehen, dass man sich in Deutschland ein bisschen mehr erlaubt und auch mit anderen Erzählungen Zuschauer begeistern möchte. Vor allem im Kurzfilmbereich gibt es immer wieder großartige Beispiele für das Cinemigrante. ... Leider haben die Institutionen bei Langfilmen Angst vor neuen Formen der Filmsprache und sind viel vorsichtiger. Aber ich habe die Hoffnung, dass sich das ändert, wenn noch mehr Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen an die Filmhochschulen kommen. Wenn man vergleicht, wie vielfältig die Menschen zum Beispiel in der S-Bahn sind, ist das akademische System noch immer weiß und nicht-divers. Ich bin eine der wenigen Ausnahmen, die es vom Asylantenheim zur Filmhochschule geschafft haben."
Weitere Artikel: Maria Wiesner (FAZ) und Susan Vahabzadeh (SZ) gratulieren GeraldineChaplin zum 80. Geburtstag. Besprochen werden GuyNattivs und ZarAmirs "Tatami" über eine iranische Judoka (taz), WimWenders' "Paris, Texas", der als restaurierte Wiederaufführung nochmal in die Kinos kommt (JungleWorld, mehr dazu bereits hier), JordanScotts Thriller "Berlin Nobody" über eine Berliner Klima-Sekte (Welt) und die Netflix-Serie "Hierarchy" (FAZ).
Bernd Buder, Co-Direktor des Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg, berichtet in der NZZ vom Jerusalem Film Festival, wo er auf eine gleich in mehrfacher Hinsicht vor einer Zerreißprobe stehende Filmszene traf: Die einen fordern dazu auf, das Leid in Gaza filmisch anzuprangern, die anderen fürchten eine Reform der Filmförderung, die künftig laue Komödien statt kritischer Filme begünstigen könnte, sowie das Ausbleiben von Co-Produktionen mit dem Ausland. Außerdem sieht sich die Szene "einem stillenBoykott vieler internationaler Filmfestivals gegenüber. Von dort, wo man bisher stolz auf queere und andere Filme war, die die faszinierende Diversität der israelischen Gesellschaft zeigen, hagelt es Absagen. Plötzlich gilt eine der international kreativsten Filmlandschaften als künstlerisch nicht mehr up to date, passen israelische Beiträge nicht mehr ins Programm. So agieren viele internationale Festivals am Rande des Antisemitismus."
Weitere Artikel: Im Standardspricht Valerie Dirk mit den iranischen Filmemachern MaryamMoghaddam und BehtashSanaeeha über deren Film "Ein kleines Stück vom Kuchen" (unsere Kritik). Tilman Schumacher und Kamil Moll liefern auf critic.de Notizen zu ihren Entdeckungen beim diesjährigen Terza-Visione-Festival in Frankfurt, das auf den italienischenGenrefilm spezialisiert ist. Wieland Freund ist in der Weltgespannt auf die zweite Staffel der im Tolkien-Universum angesiedelten Amazon-Serie "Die Ringe der Macht", die im Trailer immerhin einen Auftritt der von Tolkien-Fans in den jüngsten Filmadaptionen schmerzlich vermissten Figur des TomBombadil verspricht. Dietmar Dath philosophiert in der FAZ eher kryptisch-informationstheoretisch über KI und Film.
Besprochen werden JasminHerolds und MichaelDavidBeamishs Dokumentarfilm "The Gate - Ein Leben lang im Krieg" über eine US-amerikanische Militäreinrichtung in Utah (taz), die vom ZDF online gestellte Komödie "Alles gelogen" mit BastianPastewka (FAZ), die von Arte online gestellte, dreiteilige BBC-Dokumentation "Geheimdienste im Kalten Krieg" (Tsp), RolandEmmerichs auf Amazon gezeigte Gladiatoren-Serie "Those About to Die" (taz), JordanScotts "Berlin Nobody" (SZ) und eine Aufführung von H. K. Breslauers Stummfilm "Die Stadt ohne Juden" aus dem Jahr 1924 bei den Salzburger Festspielen (FR, Standard).
Hollywood hat einen neuen Schauspielstreik - diesmal trifft es allerdings die Gamesbranche, die schon seit langem viel mehr Umsatz macht als das Filmgeschäft. Aktuell geht es um die Verwendung von KI-Kopien bekannter Schauspieler, "Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel", schreibt Philipp Bovermann in der SZ. "Games sind die Zukunft, so sehen das viele in Hollywood. Aber die Zukunft der Games lautet: KI. ... Gameskonzerne, aber auch externe Unternehmen wie Convai oder Inworld investieren derzeit in die Entwicklung von etwas, das man Seelen-Generatoren für die Figuren in Computerspielen nennen könnte. Das dürfte die Position der Schauspieler nicht eben verbessern. Denn wenn Matthew McConaughey die Hülle liefert und das Games-Studio die Seele, wo hört das eine auf und wo beginnt das andere? Inwiefern kopiert die KI nur seinen Schauspielstil und in welchem Grad ist sie dabei selbst schöpferisch? Sollte man Schauspieler auch ohne ihr Schauspiel lizenzieren dürfen?"
Außerdem: Pamela Jahn spricht in der NZZ mit dem Schauspieler PeterKurth - aktuell im Kino zu sehen in der Wendekomödie "Zwei zu Eins" (besprochen in der Welt und bei uns) - über dessen Ost-Herkunft. Besprochen wird die zweite Staffel der Netflix-Serie "Kleo" (taz).
Der Himmel über Texas: Harry Dean Stanton in "Paris, Texas" Juliane Liebert spricht für die SZ mit WimWenders, der seinen Klassiker "Paris, Texas" gerade aufwändig restaurieren hat lassen und für ein kurzes Zeitfenster wieder ins Kino bringt. Zu dem Roadmovie hat ihn einst das faszinierende Traumbild von der Weite des amerikanischen Westens inspiriert, verrät er: "Das ist vor allem der große Horizont und dieses unverschämt klare Licht, das ich so nirgendwo sonst gesehen habe. Mit diesen Kodachrome-Farben, wo man sich eigentlich schämt, wenn man die so abbildet. Man kennt das eigentlich nur von Super-8-Familienfilmen. ... Die Dias meiner Eltern sahen alle so aus. Diese Farben kamen mir immer völlig gelogen vor. Da hatte ich erst mal Hemmungen - das kann man doch so nicht zeigen oder gar drehen! Dass der Himmel so blau ist! Und dass die Wolken so weiß davor herumschwimmen! Und dass alle Farben so primär daherkommen! Das ist einfach ein krasses Licht. Aber im Westen ist es wahr! Wenn man es dann einmal akzeptiert hat und dann einmal weiß, wie sehr das alle Dinge heraushebt und wie sehr sich jede Figur abhebt - das ist eigentlich schon 3D."
Außerdem: Für den Filmdienstspricht Thomas Klein mit RPKahl über dessen Peter-Weiss-Adaption "Die Ermittlung" (unsere Kritik). Andreas Scheiner erinnert in der NZZ daran, wie CharlieChaplin nach vielen Hass- und Hetzkampagnen in der Schweiz Ruhe fand.
Besprochen werden Zar Amir Ebrahimis und GuyNattivs "Tatami" über die Drangsalierungen, die eine iranischeJudoka bei einem internationalen Sportwettbewerb seitens des Teheraner Regimes ausgesetzt ist (Freitag), NatjaBrunckhorsts Wendekomödie "Zwei zu Eins" mit SandraHüller (Standard, unsere Kritik), RolandEmmerichsAmazon-Serie "Those About to Die" über das antike Rom (Presse) und JanusMetz' auf Arte gezeigtes Tennis-Biopic "Borg & McEnroe" (Tsp).
Ringen um Verständigung: "Averroès & Rosa Parks" von Nicolas Philibert Mit seiner Dokumentation "Auf der Adamant" gewann NicolasPhilibert 2023 den Goldenen Bären der Berlinale (unsere Festivalkritik), nun liegt mit "Averroès & Rosa Parks" die direkte Fortsetzung vor. Erneut geht es um psychiatrischeZusammenhänge, diesmal um die Erfahrungen von Patienten und Pflegepersonal. SZ-Kritiker Sebastian Jutisz sah "ein eindrucksvolles Plädoyer gegen ein Effizienzdenken, das das soziale Gefüge unserer Gesellschaften bedroht". Zwar gestatten die Patienten Einblick in "sehr intime Details aus ihrem Leben", aber niemand werde "bloßgestellt": "Es ist nicht das Leid der Patienten, das im Vordergrund steht. ... Auch die Unterfinanzierung der psychiatrischen Kliniken und die Überlastung des Personals schwingen zwar im Subtext mit, werden aber kaum explizit thematisiert." Der Regisseur "klagt nicht an, er beschränkt sich darauf, die Dinge so zu zeigen, wiesiesind".
In diesem Film "sehen wir Menschen beim Reden zu, beim wilden oder langsamen Denken, beim Schweigen, beim Zuhören, beim Ringen um Verständigung", schreibt Christiane Peitz im Tagesspiegel. "Es sind oft asymmetrische, sprunghafte Gespräche, unterbrochen nur durch kurze Impressionen der Innenhöfe und Klinikflure. Innenwelt und Außenwelt passen nicht zusammen bei dem Paranoiker, der olfaktorische Halluzinationen fürchtet, bei der selbstmordgefährdeten jungen Frau oder dem Burn-out-Akademiker und Geschwindredner Noé, der versichert, er sei seinem eigenen Größenwahn gewachsen."
Außerdem: Welt-Kritiker Jan Küveler findet das Programm der FilmfestspieleVenedig in diesem Jahr sehr vielversprechend. Besprochen werden RolandEmmerichs im antiken Rom angesiedelte Amazon-Serie "For those about to die" mit AnthonyHopkins (NZZ, SZ), RPKahls "Die Ermittlung" (taz, mehr dazu bereits hier), die Netflix-Serie "The Decameron" (Presse), Shawn Levys Superheldenfilm "Deadpool & Wolverine" (ZeitOnline) und die im ZDFgezeigte, spanische Serie "Simple" (taz).
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