Die Buchmacher

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Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
08.05.2006. Warum der Börsenverein durch eine Klage gegen Google am eigenen Ast sägen könnte. Weshalb höhere Bücher-Preise zwar notwendig, aber fast unmöglich sind. Mit welchen Turbulenzen die sonst meist langweilige Abgeordneten-Versammlung aufgewartet hat.

buchreport.express

Das Jugendbuch gehört laut buchreport zu den Warengruppen mit den höchsten Zuwachsraten. Auf der Suche nach Erklärungen für den Positivtrend verweist buchreport auf den PISA-Schock, den Verlage wie Knesebeck, Bloomsbury und Oetinger als Steilvorlage benutzt hätten, um ihre Kinder-Sachbuchprogramme auszuweiten. Ob aus dem Trend jedoch ein Boom wird wie seinerzeit im Bereich der Fantasy durch "Harry Potter", ist unter den Programm-Machern umstritten.

Erwartungsgemäß hat Google darauf verzichtet, die von mehreren Verlagen eingereichten Unterlassungserklärungen zu unterzeichnen und Bücher nicht mehr ungefragt in Bibliotheken zu scannen. Jetzt läuft alles auf ein Klageverfahren hinaus, bei dem mit einem rechtskräftigen Urteil nicht vor 2009 zu rechnen ist. Mitte Mai setzen sich die Kontrahenten von Google und dem Börsenverein an einen Tisch. Dann soll der für die Digitalisierung in Europa verantwortliche Projektmanager Jens Redmer (hier der Eintrag bei OpenBC) erklären, ob Google beim Digitalisierungsprojekt des Börsenvereins "Volltextsuche Online" (VTO) kooperiert. Da die Großwetterlage durch die aufziehenden juristischen Wolken jedoch ungünstig und die Realisierung von VTO außerdem fragwürdig ist, scheint eine Annäherung unwahrscheinlich. 

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Arbeitgeber und ver.di in der Tarifrunde in Bayern geeinigt: die 24000 Angestellten aus Verlagen und Buchhandlungen erhalten ab 1. Oktober 1,2 Prozent mehr Lohn, außerdem wird der von den Arbeitgebern aufgekündigte Manteltarifvertrag bis 31. März 2007 fortgeführt. Jetzt stehen die Verhandlungsparteien in Berlin unter Zugzwang, wo der nächste und vielleicht letzte Termin für Dienstag, 9. Mai, anberaumt wurde.

Der durch die Zeitungseditionen ausgelöste Sinkflug der Preise ist gestoppt. Im ersten Quartal des Jahres hat der Durchschnittspreis stagniert. Heben die Verleger die Preise jetzt, da die meisten Editionen auslaufen, wieder an? "Unstrittig" sei die Notwendigkeit höherer Preise, berichtet Fischer-Vertriebschef Uwe Rosenfeld. Diese seien jedoch nur durch Ausstattungsvarianten durchzusetzen. Schöffling-Vertriebsleiter Rainer Vollmar regt sich über die Kollegen auf, die 700-seitige Übersetzungen für 19,90 Euro anbieten- Bücher, die früher jedoch 49,80 DM gekostet hätten. 

Die Zeit des kollektiven Lamento im Buchhandel ist vorbei: Seit zwölf Monaten in Folge weist der buchreport-Umsatztrend für den Sortimentsbuchhandel Zuwächse auf. Kumuliert beträgt das Plus für 2006 rund 2,5 Prozent.

Weitere Meldungen: Mehr Umsatz, weniger Gewinn: Amazon hat mit Problemen zu kämpfen: Besonders der gerade eröffnete eBay-Neuwarenshop express könnte beim Unternehmen aus Seattle Umsatz abziehen. Random House legt die juristische Fehde mit der Zanolli Vertriebsgesellschaft bei. Erstmals hat sich ein Buch der Digitaldrucker Books on Demand auf der Bestsellerliste platziert. Hier die Bestsellerlisten.

Stichwörter: Fantasy, Digitalisierung

Börsenblatt

Gespickt mit Überraschungen war die Abgeordnetenversammlung des Börsenvereins. Wider erwarten hat das Gremium die bereits beschlossene Selbstauflösung rückgängig gemacht und so die Verbandsrefom um mindestens ein Jahr zurückgeworfen. Für eine weitere Überraschung sorgte Schatzmeister Martin Ludwig, der zwar einerseits auf den massiven Finanzbedarf in den kommenden Jahren hinwies, andererseits jedoch by the way ein Finanzpolster von 16 Millionen Euro aufdeckte - und damit eine kontroverse Debatte auslöste. Zur Erinnerung: Vor Jahren hat der Verband eine Sonderumlage bei den Mitgliedern erhoben, um Finanzlücken schließen zu können.

Zweckoptimistisch und diplomatisch zeigt sich der stellvertretende Vorsteher des Börsenvereins Ole Schultheis im Gastkommentar. Nachdem die Abgeordnetenversammlung die schon beschlossene Abschaffung des eigenen Gremiums in letzter Minute rückgängig gemacht und die gesamte Verbandsreform ausgebremst hat, müsse ein "weiterer Anlauf" gestartet werden: "So kurz vor dem Ziel wird nicht aufgegeben." Dass der Verbandsvorstand darin versagt hat, im Vorfeld zwischen den Fraktionen zu vermitteln und Bedenken auszuräumen, diese Selbstkritik fehlt freilich bei Schultheis.

Buchgestalter Rainer Groothuis nimmt im Interview mit dem Börsenblatt sein Spezialthema "Markenbildung" auf und stellt den Verlagen ein miserables Zeugnis aus. Dass 70 Prozent der Belletristikkäufer egal sei, aus welchem Verlag das Buch stammt, zeige, dass die Kunden "bedauerlich orientierungslos" seien. "Wenn ich 15 Jahre damit verbringe, mein Profil zu verwässern, dann muss ich mich danach nicht wundern, wenn der Verlagsname nicht relevant ist."

In zwei Porträts erklären der Schriftsteller Frank Schulz seine Liebe zu Milieustudien und Soziolekten sowie die Kölner Buchhändlerin Elsbeth Weilberg-Busse, warum sie lieber eine "leidenschaftliche Leseratte" statt Liebhaberin alter Grafiken geworden sei. (Exkurs: Warum wird Lesen eigentlich immer mit solch fiesen Tieren wir Würmern und Ratten assoziiert?) 

Im Fragebogen des Börsenblatt beschreibt der Autor und Illustrator Nikolaus Heidelbach sein "nächstes Ziel" ("Aufstehen") und liefert dem stutzigen Leser direkt das passende Lebensmotto von Lichtenberg mit: "Wenn dein bisschen an sich nichts Sonderbares ist, dann sag es wenigstens ein bisschen sonderbar."

Weitere Meldungen: Die Macher der "Stern"-Krimibibliothek ziehen nach 24 Bänden ein positives Fazit. Die Preisbindungstreuhänder haben viel zu tun: Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden über 50 Internethändler wegen des Verstoßes gegen die Preisbindung abgemahnt. Der Übernahme von Ottokar's durch Waterstone's steht kartellrechtlich nichts mehr im Weg - der neue britische Handelsriese hätte einen Marktanteil von rund 25 Prozent.

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